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Die neue Welt · 1932-06-09 · Heft 247 (9.6.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 247 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4 DIE NEUE WELT Nr. 247 i, Von der Wiener Juden« gemeinde Zur Betrugsaffäre Popper Der Fall des Matcrialverwalters Popper, der einige Jahre hindurch ungestört die Gemeindekasse um große Beträge betrügen konnte, hat ungeheures Aufsehen und größte Entrüstung ausgelöst. Es ist nicht möglich, auch nur einen Teil der Proteste und Anklagen zu veröffentlichen, welche der Redaktion der „Neuen Welt" aus Kreisen der Steuerzahler zugesandt wurden. Inwieweit die Anklagen gegen das Präsidium und den Vorstand gerechtfertigt sind, wird sich im Laufe der Untersuchung erweisen. Jedenfalls muß die ..Wahrheit" — das Blatt der „Union", der größten Partei im Vorstande—zugeben, daß es einfach unfaßbar ist, daß diese „?haarstrHubenden" Betrügereien einige Jahre hinduroh ohne Gefahr der Entdeckung vorgenommen werden konnten. , . , Ob und wie weit das Präsidium und der Vorstand mitverantwortlich sind, das wird, wie gesagt, die Untersuchung lehren. Aiber schon jetzt muß konstatiert werden,, daß das Vorgehen des Vorstandes nach Feststellung des Betruges gar nicht geeignet ist, die jüdische Bevölkerung zu beruhigen. Daß man keine Anzeige erstattete und es der Pojizei und der Staatsanwaltschaft tiberließ, ungerufen einzugreifen, mußte' den üblen wmmmmmmmmmammmmmmmmmmtmmmmmmmmm wamxmiätaK- Eindruck Ton Vertusefrungsbestrebungen hervorrufen, So dürfen vielleicht Menschen handeln, die ihr Privat vermögen verwalten. Nicht aber Verwalter öffentlichen Gutes. Die vom Vorstände später ausgehenden Publikationen in den Zeitungen waren ebenfalls nicht geeignet, zu beruhigen. Der Versuch, vor Abschluß der Untersuchung die Schadensumme zw bagatellisieren, ist abzulehnen. Es wirkt einerseits lächerlich und andererseits traurig, wenn Zeitungen unter dem Motto „Wie wir von der Leitung der Kultusge mein de erfahren" schreiben, daß „kein Mißtrauen besteht, daß viel mehr dem Vorstand der Kultusgemeinde anläßlich der Affäre Popper aus Kreisen der Gemeindemitglieder zahlreiche Vertrauenskundgefoungen zugekommen sind". Ebenso mutet es an, wenn die „Wahrheit" die oppositionellen Parteien davor „warnt", aus den Angelegenheit einen „Parteibraten" zu raachen. Soll vielleicht auch die Opposition „anläßlich der Affäre Popper" dem Vorstande eine „Vertraufenekundgebung" bereiten? Soll 6ie ihn vielleicht bitten, er möge doch bei seinem Plan bleiben, die fälligen Neuwahlen zu unterlassen und sich selbst seine Mandate zu verlängern? Haben die Herren jetzt wirklich keine anderen Sorgen, als sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was die Opposition zu tun und zu unterlassen hat? Eine merkwürdige Auffassung vom Begriffe ..Verantwortlichkeit". AUS PALÄSTINA 1 Bin- und Auswanderung ,1931 Der Leiter des Immigrationsdepartements der Palüstina-R.egierung veröffentlicht' folgende Zahlen: Im Jahre 1931 sind 5553 Personen ins Land gekommen^ 269 Personen gehören zur Kategorie der bemittelften Einwanderer (Kapital über 100Ö Pfund) und brachtferi 338 Fämiliöna^gehörige mit.! 1896'Personen mit 62Ö Familienangehörigen gehören dem Arbeiterstande an. 1058 kämen als A n g e h Ö r i g e palästinensischer Einwohner. 507 Geistliche, Waisen ünd Schüler. Hievon jüdische Einwanderer: 233 Personen mit 286 Angehörigen, die über ein Kapital von mehr als 1000 Pfund verfügen. 1603 Arbeiter mit 569 Familienmitgliedern. 813 Aligehörige palästinensischer Einwohner und'5? Geistliche, Waisen und Schüler. 49 Prozent aller Einwanderer kamen ads Osteuropa, 21 Prozent aus N o rd af r ik a und A si en, 6 Prozent aus Zentraleuropa, .7 Prozent aus Amerika und 10 Prozent aus Großbritannien (inkl. 197 Polizisten). 401 Einwanderepcecbielten1 k'e in e Erlaubnis zu landen. Im Jahre 1931 verließen 282 palästinensische Bürger das Land.für immer. (138 Juden, 88 Christen und 58 Mohammedaner,.) Ferner 1048 Ausländer (528 Juden, 485 Christen und 51 Mohammedaner). Schließlich wird vermerkt, daß in den letzten 6 Jahren 15.000 Personen das Land verließen, welche erklärt hatten zurückzukehren, aber diese Absicht nicht ausgeführt hatten. Palästina-Einwanderung im April }932 Den Mitteilungen des Einwanderungsamtes ist zu entnehmen, daß im April d. J. 814 Juden als Einwanderer registriert worden sind, unter ihnen 563, die als Touristen einwanderten und nachträglich die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt erhielten. In dem gleichen Monat wanderten 33 Juden aus. Luftfahrtlinie Jerusalem—Kairo Die britische Reichsflugverwaltung beginnt in diesen Tagen versuchsweise mit der Einrichtung eines Luftfahrt- und Luftpostdienstes zwischen Jerusalem und Kairo. Der Flug dauert 3Va Stunden. Der Jerusalemer Flughafen wird bei R am leb errichtet. Die Lage in Safed Die Lage in Safed hat weit über Palästina hinaus großes Interesse erregt. Diese alte Stadt war seit langem ein Zentrum jüdischer geistiger Arbeit und viele sahen mit Befriedigung das stete Anwachsen der jüdischen Bevölkerung. Seit der Revolte im Jahre 1924, an der Safed viel litt, schienen die Juden dieser Stadt nicht mehr fähig zu 6ein, ein neues. Wachstum anzuregen. Trotzdem scheint 6ich in den letzten Wochen eine A enderung anzukündigen. Eine Anzahl von alten Einwohnern Safeds, die nach Südamerika ausgewandert waren, macht Anstalten, zurückzukehren. Die Lage in Südamerika ist nämlich so schwierig, daß im Vergleich dazu Palästina das verheißene Land ist. Ein überaus günstiges Zeichen neuen Aufschwungs ist das neue Handelsviertel, das in Safed im Entstehen begriffen ist. Mehr als 20 Geschäfte und Werkstätten sind bereits errichtet worden, ebenso wie ein Gemüsemarkt. Im Verlauf des Sommers sollen weitere Gründungen folgeu. In weitere Projekte dieser Art sind 10.000 Pfund investiert worden, und es wird keine Mühe gescheut, das Bandelsviertel so günstig wie möglich zu gestalten. Wie Jerusalem, hat auch Safed an Wasser not zu leidem, mit dem Unterschied, daß es von Quellen und Bächen der Umgebung Wasser beziehen kann. Die Zustellung von Wasser für das jüdische Viertel Safed ist ja auch der Erwerb vieler Araber. Die Erinnerung an den Gewaltausbruch von 1929 'erheischf die Aufmerksamkeit auf. die Tatsache, daß der jüdische Anteil an der Safeder-Polizeifortnation imer noch gefährlich niedrig ist; 6 Marin in einer Abteilung von 461 (Bei Berücksichtigung' des Bevölkerüngsverhälfnisses müßten mindestens 16 jüdische Polizisten eingestellt sein.) Bisher haben die maßgebenden Faktoren vernachlässigt, darin Wandel zu schaffen. Dauernd. Angriffe/ auf jüdische Arbeiter Arabische Hirten 'haben mit ihrem Vieh widerreqhtlich Felder, die der Xwuzah Gescher (kommunistische Kolonie) gehören,. besetzt, etwa 150 Dunam Feld verwüstet und zwei jüdische Siedler geschlagen und verletzt. Einer der Angreifer wurde von der Polizei verhaftet. ■ * ' Arabische Dorfbewohner griffen, eine revisionistische Arbeitergrüppe, die mit dem Pflügen eines 400 Dunam großen Feldes in der Nähe der Kolonie N a t ha n i a, das dem Keren Kajemeth gehört, an^ Dabei wurden acht Juden und zwei Araber verwundet. Elf Araber würden Verhaftet. Bei Menschen mit unregelmäßiger Herztätigkeit schafft ein Glas natürliches „Franz-Josef'-Bitterwasser; täglich früh nüchtern genommen, mühelosen, leichten Stuhlgang. In Apotheken und Drogerien erhältlich. Die Tätigkeit der Hypothekenbank (General Mortgage Bank) im Jahre 1931 (Jabi) In, diesen Tagenr erschien der Jahresbericht der General Mortgage Bank of Palestine für das Jahr 1931, deren Direktorium aiie den Herren S. Hoofien als' Vorsitzendem, M. Äleinikoff (Haifa), L. Goldberg (Tel-Awiw), M. Dizengoff (Tel-Awiw) und Dr. A. Hantke (Jerusalem) besteht. Der bevollmächtigte Leiter ist Herr L. Esterman. Im Laufe des Berichts-jahres wurden 39 Anleihen gegeben gegenüber 46 im Vorjahr, deren Gesamtsumme pal. Pf. 16.405 gegenüber pal. Pf. 18.797 im vorigen Jahre betrug. Der Gesamtbetrag der bis zum 31. Dezember 1931 auf Grund von Hypotheken gewährten Anleihen beläuft sich auf pal. Pf. 202.000. Während des Jahres wurden neue Obligationen in der Höhe von pal. Pf. 16.750 in Umlauf gesetzt, die zusammen mit den früher ausgegebenen Obligationen zirka pal. Pf. 170.000 ausmachen. Die Einnahmen der Bank aus Zinsen, Kommissionen usw. stiegen im Jahre 1931 auf pal. Pf. 18.000; die Ausgaben der Leitung, Zinsen, Kommissionen usw. dagegen betrugen pal. Pf. 13.700. Der verbleibende Reingewinn wurde folgendermaßen verteilt: dem Keren Hajessod, der seinerzeit die Gründungskosten getragen hatte, pal. Pf. 500; Reservefonds pal. Pf. 1000; Dividende in der Höhe von 5 Prozent pal. Pf. 2500: Uebertrag auf Rechnung des neuen Jahres pal. Pf. 600. Grund im* ei.ier Kolonistenbank in Palästina In V. ästina ist eine Kolonisten-Bank gegründet worden. Dil* Kolonisten von Petaoh-Tik^ab, Rechowoth und Che«! .ah beschlossen, den Verkauf der Aktien zu organisieren« Aq der Spitze des Unte^ehmew steften die Herren Smilansky und Jakobson". Arabische Kolonisationsgeseilschaft in Trans* Jordanien Aus Rabath-Amon wird gemeldet, daß Maehmud El Macbmud eint» Gesellschaft zur Ausbeutung m,<l TvolHiisäiilon dos O ie'obietes des Jordan gegründet hui. Emir Abdallah hat dos Protektor.it der Gesellschaft übernommen, WtVmONKTISCHlft SfUDENTlMKLUB Donnerstag, den 1«. Juni, 8 Uhr abends, im Heim, iL, Untere Augartenstraße 38 Diskussions-Abend Thema t Allgemeiner Zionismus, Paolo* Zionismus oder Revisionismus Vertreter zionistischer Hochschülergruppen werden hiemit eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen HoonschtHer. er»cheint!_Oiste willkommenI Protest gegen „Bata" In Petach-Tikwah wurde eine Filiale der Bata- Schuhverkaufsstelle eröffnet. Die Einwohner bedrohten das Geschäft, so daß eine Polizeiassistenz herbeigeholt werden mußte. Die Erregung ist auf die Furcht Zurückzuführen, daß der tschechoslowakische Schuhkönig eine Reihe von einheimischen Gewerben zugrunde richten wird. Nur eine jüdische Pflanzer-Abordnung begibt sich nach Ottawa Zur britischen Reichskonferenz in Ottawa begibt sich eine Anordnung jüdischer Pflanzer Palästinas, um Z o 11 f r ei h e i t für palästinensische Produkte in den Territorien des British Empire durchzusetzen. Die Abordnung besteht aus dem Pflanzer Tolkovsky, dem Geschäftsführer der Gesellschaft „Pardess" Rokach , und dem Advokaten Bernhard Joseph. Die arabischen Züchter, die anfänglich die Absticht hatten, Vertreter für eine gemischte arabisch-jüdische Delegation zu ernennen, haben eine Teilnahme nachträglich abgelehnt. Der Budgetvoranschlag der Stadt Tel-Awiw. Der Budget-Voranschlag der Gemeinde Tel-Awiw für das Jahr 1933 ist der Regierung zur Bestätigung vorgelegt worden. Der Etat sieht Ausgaben von 125.000 Pfund vor. Die Einnähmen betragen 127.000 Pfund. Fragen des Rabbinats Rabbi Meir Berlin, der Präsident des. Weltmisrachi, hatte eine eingehende Besprechung mit. dem High Commifesioher General Sir Arthur Wauchope, Im Verlauf der Besprechung forderte .Rabbi Meir Berlin, daß die. Regierung das rabbini sehe Gericht und das Oherrabbina.t in Palästina in der gleichen Weise wie diie religiösen. Organe der Moslems subventioniere. Der Higli Commissioner erwiderte, er, der selbst religiös gesinnt 6ei, wisse des religiöse Werk des Misrachi zu schätzen und werde darauf sehen, daß einige der Forderungen des Misrachi von der Regierung erfüllt werden. , Coty, Irland und die Juden Paris, 6. Juni. Der Pariser Parfümfabrikant und Zeitungsheraausgeber Francois Coty, der in seiner Zeitung „L'Ami du Peuple" fortwährend die Legende von den „Internationalen Juden, die die jüdische Weltherrschaft vorbereiten", verbreitet, hat in einer der letzten Nummern der . erwähnten Zeitung geschrieben, daß der irische Jude Robert Briscoe, Mitglied, des irischen Parlaments, ein Agent der jüdisoh-amerikanisohen Bank in Irland ist und die irische Regierung im Auftrage des internationalen Judentums kontrolliert. Daraufhin ridjtete der Gesandte des Irischen Freistaates in Paris, Graf O'Kelly. ein Schreiben an Coty, in welchem er ihn aufförderte, seine Behauptungen, betreffend Briscoe und Irland, zurückzunehmen. Es ist dies das erstemaJ, daß eine Regierung einen ihrer jüdischen Bürger, der im Auslande antisemitischen Verunglimpfungen ausgesetzt ist. auf ausländischem Boden in Schutz nimmt. In dem Schreiiben des Grafen O'Kelly an Francois Coty heißt es: „In Ihren Aeußerungen, betreffend die Politik meines Landes und einen der Bürger meines Landes, gehen Sie durchaus irre. Sie schreiben, daß Robert Briscoe Agent der jüdisch-amerikanisdieai Bank in Irland ist. Demgegenüber erkläre ich, daß weder Briscoe noch irgend ein Mitglied seiner Familie noch eine mit ihm in Verbindung stehende Person je einen Kontakt mit einer amerikanischen Bank haben. Sie schreiben, daß Robert Briscoe im Dubliner Ghett'o aufgewachsen ist und eine rein jüdische Erziehung genossen hat. Erstens gilbt es in Dublin kein Ghetto und es hat nie dort eines gegeben; zweitens besuohte Briscoe die staatliche Elemenarschule. Er ist jüdischer Abstammung und ist, wie alle' Juden in Irland, wo es keinerlei Ansätze zu Antisemitismus gibt, von je in unserer patriotischen Bewegung tätig. Sein Patriotismus steht außer Frage und die Tasache, daß er seit einer langen Reihe von Jahren immer wieder zum Abgeordneten des irischen Parlaments gewählt wurde, sollte ihn gegen jeden Verdacht der Illoyalität seitens eines jeden Menschen, der irgend einen Einblick In die irische Politik hat; schützen. Was Sie in Ihrem Artikel sonst über eine angebliche Verbindung zwischen irischer Politik und jüdischer internationaler Finanz sprei'hen, ist — ich erkläre es hier vor der Oef fentliohkeit — genauso tendenziöswie die hisichtlich des Herrn Briscoe gemachten Behauptungen." Robert Briscoe, gegen den Coty zu Felde zog, ist eine bekannte Persönlichkeit in Irland. Er ist einer dag J k

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