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Die neue Welt · 1932-06-03 · Heft 246 (3.6.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 246 (3.6.1932)
Date
1932-06-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 246 DIE NEUE WELT Seite 5 Mutter, die eine unvergleichliche (Jüdin. Anm. d. Red.) Krüaißtlerin war." Schade, daß Chaplin nicht erklärt haibc, er sei mit dem ZigeunerWut nicht unzufrieden, denn die Zigeuner seien eine geniale Rasse usw. Jüdisches Blut? Pfui Teufel. Zigeunertblut, das ist etwas anderes. In Java kann mau alles erzählen. Fürwahr, Ghaplin ist der König 'der Komiker. o. r. Aus Frankreich Die Juden im französischen Parlament — (Ein Brief an die „Neue Welt") Ein Freund der „Neuen Welt" in Frankreich schreibt: Marseille, 26. Mai 1932. Ihrer in der letzten Nummer der „Neuen Welt" verlautbarten Notiz: „Weitere Juden in das französische Parlament grwählt" ist folgendes beizufügen: Am 1. Mai wurden sechs und nicht drei Juden gewählt, und zwar: Leon Blum, Sozialist, wiedergewählt; Levy-Alphandery Radikal-Sozialist, wiedergewählt; Leon Meyer, Bürgermeister von Lc Havre, gewesener Unterstaatssekretär, Radikal-Sozialist, wiedergewählt; Julius Moch, Sozialist, wiedergewählt; Camille Picard, gewesener Deputierter, Radikal- Sozialist, neugewählt, und Henry Torres Linker Unabhängiger, neugewählt. Bei den Stichwahlen am 8. Mai wurden gewählt: Andre H e s s e, Radikal-Sozialist, gewesener Minister, wiedergewählt; L, L. Dreyfus, Radikaler, wiedergewählt; H y m a n s, Sozialist, wiedergewählt; Mandel, Rechte, wiedergewählt; Georges Weil, Sozialist, gewesener Reichstagsabgeordneter, gewesener Deputierter, neugewählt; F r i b o u r g, Radikal-Sozialist, gewesener Abgeordneter, neugewählt; Mendes-France, Radikal-Sozialist, neugcwählt. Dieser ist ein Enkel des berühmten Dichters Catulle Mendcs, erst 25 Jahre 3 Monate alt, somit der jüngste Deputierte Frankreichs. Zwei jüdische Deputierte wurden nicht wiedergewählt, und zwar: Salomon Grumbach, gewesener Reichstagsabgeordneter und Jules Uhry, beide Sozialisten. In der neuen Kammer sind also drei Juden mehr als in der früheren. Zwei Deputierte, deren Zugehörigkeit zum Judentum nicht feststeht, wurden nicht angeführt: Advokat Z a y, Radikal-Sozialist und Wallach, Rechter (angeblich getauft). Die vön Ihnen erwähnten Josef Vi dal aus Marseille und Louis Gros aus Avignon sind N i c h t j u d c n. Der gewesene Unterstaatssekretär Jacques S t e r n gehört dem Judentum nicht mehr an (ebenso wie der gegenwärtige Agrikultur-Minister Achille F o u 1 d.) Ihr ergebener Max Katzenellenbogen Marseille. Bei Stuhlverstopfung, Verdauungsstörungen, Ma 6einbrennen, Wallungen',' Kopfschmerzen, allgemeinem nbehagen nehme man früh nüchtern ein Glas natürliches „Franz-Josef'-Bittcrwasser. In Apothek. erhältlidi BBBHKR&ftS I Unbekanntes von Theodor Herzl Zum ersten Male veröffentlicht: Tagebudiblatter und Brief an Alexander Marmorek Herzls fanatischer Wille, keine Chance unbenützt zu lassen, die zur Speisung des ganzen großen, plötzlich ins Leben getretenen zionistischen Apparats (Organisation, Kolonialbank usw.) beitragen könnte, betätigte sich ohne Unterlaß und nach jeder Richtung ... Zu seinen zionistischen Freunden zählte der bedeutende Arzt Prof. Alexander Marmorek vom Pariser Pasteur-Institut, ein Mann, der seine 20 Lebensjahre nach Herzls Tod unentwegt zu den treuesten Anhängern des Herzl-Zionismus gehörte. Marmoreks Versuche, ein Tuberkulose-Serum zu erzeugen, schienen aussichtsreich. Darüber wurde Herzl von Marmoreks in Wien lebendem Bruder Oskar Marmorek, dem Architekten, informiert. Die diesbezügliche Tagebuchstelle lautet: '■"'>'- - 14. März, Wien. Gestern sagte mir Oskar Marmorek, daß Alex die Tuberkulose-Heilungsversuche am Menschen gelungen seien. Es ist eine so kolossale Sache, daß ich skeptisch bin. Ich wünsche es diesem seelenguten, edelsten Menschen Alex und der Menschheit, insbesondere aber dem Zionismus, daß es wahr sei. Ich schrieb heute an Alex über die eventuelle Benützung seiner Entdeckung zur Förderung unserer Bewegung, eventuell durch Ueberlassen der Exploitierung an die Bank. Eine weitere Eintragung findet sich unter dem 18. Mai. Dort heißt es: Wenn er das Mittel gefunden hat und es sich bewährt, will er auf mein Zureden die geschäftliche Verwertung der Jüdischen Kolonialbank übergeben. Die Aktien würden an einem Tag gezeichnet werden. Der Zionismus hätte plötzlich alle Mittel, die er braucht. * Die im nachstehenden veröffentlichten Tagebuchstellen waren bisher unbekannt. Sie bestätigen die eifrigen Bemühungen und die quälende Sorge Herzls um Herbeischaffung von Mitteln für die außerordentlich großen organisatorischen und politischen Aktionen, für die Herzl bisher die schwersten Opfer gebracht hatte. Die zahllosen eigenen Reisen und die der Mittelsmänner, das Zentralbüro in Wien, die Presse und Propaganda hatten Summen verschlungen, die weit über das hinausgingen, was die Organisation selbst aufzubringen vermochte. Alles war auf Herzl selbst gestellt. Zu der aufreibenden politischen Tätigkeit und dem zermürbenden Kampf gegen die niedrige Gehässigkeit der Gegner gesellte sich die Hetzjagd nach den paar Kronen, die der Tag erforderte. Dazu kam noch, daß Herzl, der Gatte und Vater von drei Kindern, im Frondienst des Erwerbs stand. Herzl hatte es abgelehnt, von der Organisation auch nur das Geringste in Empfang zu nehmen, Herzls reines Herz ertrug nicht einmal, daß man seine im Dienst der zionistischen Sache unternommenen Finanzaktionen als seine eigenen Interessen berührend beargwöhnen könnte. Seine Auffassung, des Wesens einer Volksbewegung ließ nicht das System einer Beamtenkaste zu, für deren Tätigkeit bei jedem „drive" mehr oder minder reiche Brocken abzufallen hätten. Die tragische Linie seines Lebens wird durch die Zwangslage vertieft, von seinen nächsten Angehörigen der Vernachlässigung derFamilien- .i n-ter essen und der Zukunft seiner Kinder bezichtigt zu werden. Mit dem Heroismus, der für sein ganzes Tun charakteristisch ist, trug er auch diesen Schmerz. Der untenstehende« vom 15. April 1899 datierte Brief an Alexander Marmorek ist ein Spiegelbild dieses Zustandes. * Wir veröffentlichen zum erstenmal mehrere in Herzls gedruckten Tagebüchern nicht enthaltene Eintragungen sowie den bereits charakterisierten Brief bezüglich der Verwertung des Marmorek-Heilserums. Tagebuchblatt vom 7. April 1899 Gestern erzählte mir Alexander Marmorek unter anderem von seiner Entdeckung, die noch strenges Geheimnis ist und von der er außer seiner Familie nur noch mir Mitteilung machte. Er glaubt ein Heilmittel gegen die Tuberkulose gefunden zu haben: Wenn es richtig ist, so ist es etwas Kolossales, däs ist klar. Die Tierversuche seien ihm gelungen, sagt er^ Nun will er zum Menschen übergehen. Vorher will und muß er es dem Chef 'des Institut Pasteur, Duclaux, eröffnen. Für das Streptokokken- Serum hat er keinerlei Geldentlohnung erhalten. Bevor er das Tuberkelmittel hergibt, will er sich 50 Prozent vom Ertragenden das Institut Pasteur erzielt, sichern. Er glaubt, daß es jährlich Millionen ausmachen werde, und er will reich sein, um etwas für den Zionismus tun zu können. Nun wäre es möglich, daß das Institut Pasteur ihm die 50 Prozent verweigerte. In diesem Falle will er weggehen und Lord Lister die Sache für das Londoner Institut Jenner anbieten. Ich riet dagegen, es dem deutschen Kaiser vorzulegen. Sobald Duclaux refüsiert hat, wird Alex mich zu einer Zusammenkunft on half way berufen, wo wir darin das Weitere beraten wollen, denn natürlich will ich die moralische Wirkung dieser Errungenschaft für den Zionismus ausnützen. Da die Möglichkeit vorhanden ist, daß die Franzosen im Falle der Ablehnung — auch der Annahme — ihm späterhin vorwerfen könnten, er habe nicht als uneigennütziger Gelehrter, sondern als commer§ant juif gehandelt, riet ich ihm, seiner mündlichen Eröffnung auch gleich eine schriftliche an Duclaux hinzuzufügen, worin er sagt, daß er darum auch Geld haben wolle, weil die reichen Juden nichts für unser Volk tun und er Mittel wünsche, die er zum guten Zweck verwenden könne. Tagebuchblatt vom 2. April 1900 Gestern mit Alex Marmorek. « Er will sein Mittel gegen die Tuberkulose Reitlinger in Paris abtreten und nur 50 Prozent vom Reinertrag bekommen, weil Reitlinger 200.000 Francs zur Verfügung stellt. Ich sagte ihm, die Colonialbank könne das an Reitlingers Stelle machen. Wenn Alex den Vertragsentwurf von Reitlinger vorlegt, sind wir und ist er gedeckt gegen Recriminationen. Ich halte es für eine glänzende Acquisition für unsere Bank. Die Shares werden sofort hoch im Preise steigen und weil ich fest davon überzeugt bin, weil ich folglich Alex zureden muß, uns die Sache zu überlassen, werde ich meine 2000 Shares verkaufen! Dann ist es dokumentiert, daß ich nicht in meinem Interesse diese Zuwendung von Alex an die Bank fordere. Denn ich gebe meine Shares so her, wie ich sie gekauft habe, minus Zinsenverlust. Es ist zwar eine Uebertriebenheit von mir, aber notwendig, weil ich mir dadurch die Autorität erhalte — sowohl Alex wie den Außenstehenden gegenüber — um für diese Abmachung wirksam einzutreten. Was Alex bei Reitlinger nicht machen dürfte: er kann ein Jahr Monopol auf das Drittel für das jüdische Volk statuieren. Nach einem Jahr gibt er das Mittel allgemein bekannt. Die Aussicht dieses einen Jahres macht uns die Bank flott, weil man die Shares sämtlich zeichnen wird, wenn die J. C. T. ein solches Geschäft in Händen hat. Vorfrage natürlich: ob das Mittel gut ist. 3. April. Gestern war Alex, Oscar und Isidor Marmorek bei mir. Sie begründeten ganz richtig, warum es nicht angehe, Alex Tuberkulin der J. C. T. zu übergeben. Die im Erwerb getroffenen Aerzte würden die Handhabe ergreifen und es einen abgekarteten Schwindel der Zionistenbank nennen. Ich war von dieser Argumentation überzeugt. * Tagebuchblatt vom 13. April 1900 Vorgestern war Alex Marmorek vor seiner Abreise nach London bei mir und bot mir an, ein Zehntel des von Reitlingers zu gebenden Betrages für das Tuberkqlose-Serum zu übernehmen. Ich lehnte sofort ab, weil ich von ihm keine Geldvorteile — die in diesem Falle wahrscheinlich — haben will. Er sagte, er habe an meine Kinder gedacht, dennoch wollte ich nicht. Meine Frau macht mir jetzt daraus einen Vorwurf, vielleicht würden mir auch meine Kinder, denen ich auch soviel Verdienstkraft entzogen habe, einmal einen Vorwurf machen, wenn Alex* Mittel den Beteiligten viel einbringt. Darum schreibe ich ihm — nicht ohne eine gewisse Repulsion — diesen Brief: Mein lieber Alex, Abgeschickt 15. April. Abgeschickt 15. April. Ich war so unvorsichtig, meiner Frau zu sagen — ohne Details —- daß Sie mir Gelegenheit geben wollen, mich bei einem Unternehmen zu beteiligen, das ich für glänzend halte und daß ich den Vorschlag abgelehnt habe, weil wir befreundet sind. Jetzt läßt sie mir keine Ruhe mit Vorwürfen. Die Penzerei würde mich nicht genieren, aber mit einem Vorwurf hat sie recht, denn den mache ich mir selber. Ich habe seit zwei Jahren nicht an den Vorteil meiner Kinder gedacht, ja diese sogar durch meine zionistische Tätigkeit pecuniär schwer geschädigt. Wenn Ihre Sache nun Gott behüte gut wäre — je suis gentil, quoi? —- und Ihre und meine Hoffnungen in Erfüllung gingen, müßte ich den Vorwurf immer hören. Kurz, ich nehme Ihren Vorschlag doch an. Aber ich bin ein Freund von sauberen Situationen und wünsche von Ihnen vorher folgende Bestätigung: 1. Daß Sie den Zehntelanteil der Hälfte im Betrage von 20.000 Francs, die ich Ihnen nach Paris schicken werde, sobald Sie es wünschen, nicht aus Ihrer Erfinderhälfte mir überweisen, sondern aus der rein geschäftlichen des Kapitalisten Herrn Reitlinger. 2. Daß Sie mich in dieser Sache nicht als Freund, sondern als ebensolchen Kapitalisten (in verjüngtem Maßstab) ansehen, wie Herrn Reitlinger. Endlich und hauptsächlich, daß Ihr Antrag und meine vorliegende Annahme null und nichtig sind, falls es Ihnen gelingen sollte, Herrn Reitlinger zu bewegen, der Jüdischen Colonialbank die Option einzuräumen. Diese Option soll den Inhalt haben: nach Erzielung eines Bruttoertrages von 1,000.000 Francs hat die Jüdische Colonialbank das Recht, Herrn Reitlinger seinen Anteil für. eine Million Francs abzulösen. Natürlich schicken Sie den Vertragsentwurf, bevor Sie ihn unterzeichnen, hierher, damit Isidor und ich ihn auf seine Rechtsgüte prüfen. Gelingt es Ihnen, von Reitlinger diese Option zu erlangen, die für die Bank (nicht sosehr wegen des Profits, wie wegen der „Multiplikation der Kraft", die ich Ihnen hier erklärte) ein großes Glück wäre, so beteilige ich mich natürlich nicht, da ich als Präsident des Aufsichtsrates mit unserer Bank kein Geschäft machen darf. In diesem Falle gäbe es auch keinen Vorwurf wegen Rabenvaterschaft, weil es, wie die Juristen sagen, „turpis causa" wäre. Ich hoffe bald zu hören, was Sie in London gezeitigt haben. Herzlichst grüßt Ihrer treuer Benjamin. An die jüdischen Studenten! Es ist notwendig, daß die jüdische Jugend die Forderung des Tages erkennt. ™. , Es ,ist notwendi& daß der jüdische Student seine Pflicht erkennt. Es ist notwendig, daß der jüdische Student an die Spitze der Jugend tritt. Es ist notwendig, daß der jüdische Student auf seine Aufgabe vorbereitet ist. Es ist notwendig, daß er einsieht, daß der Kampf gegen das Judentum gegen reich und arm, gegen alt und jung nicht mit «cistigen Waffen allein geführt wird. Es ist notwendig, zu zeigen, daß wir alle'dies wissen, Es ist notwendig, Wehrsport zu betreiben Es ist notwendig, daß sich alle, Mann für Mann aneinanderschließen, um Leben und Eigentum ihres Volkes, ihrer Eltern zu beschützen. Es ist nicht notwendig, hiefür erst eine eigene Organisation zu schaffen. Sie besteht bereits in der H a g a h a h. Es ist notwendig, in die Haganah einzutreten. Kritik und Herumreden ist sinnlos. Alle hinein in die Haganah t Alle Studenten in die Haganah! Alle bringen ihre Freunde in die Haganah! Alle treiben Wehrsport in der Haganahl Hinein in di« Haganaki

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