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Die neue Welt · 1932-06-03 · Heft 246 (3.6.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 246 (3.6.1932)
Date
1932-06-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seited DIE NEUE WELT Nr. 246 I ^JSÖSiäU^^ | Beatrenommierte KOche Im neueröffneten | GASSEN!. OK AI | Ii, Namm«r»Purgstal<0aise Nr. 3 Fr «ach, das Mitglied der Exekutive der Jewish Agcncy Dr. Maurice B. II e x t e r und AbdulUnh Samara,, der die Araber der Wad-i-Chawarith- Gögend vertritt. * Bekanntlieh bot die Palästina->Regierung einen Teil des dem Keren Kajemetth gehörenden Wadi- Cltawarith-Bodens zur vorübergehenden Landansiedlti.n.g von Araibern dieser Gegend, die auf ihrem eigenen Sumpfboden nicht leben können, gepachtet. Gegen Ende des Jahres 1931 wurde ein Streifen Landes bei W a d i Chawarith, der dem J ü d i s c h e n Nationalfonde gehört, von Beduinen besetzt, jenes Stüdk Boden, das der Nationnlfonds von der Palästina-; Regierung durch das öffentliche VcrsteigerungsbUro gekauft hatte. Anstatt die Eindringlinge zu entfernen, unternahm bekanntlich die Paläßüna-Regierung außerordentliche Schritte, die Juden zur Suspendierung der Arbeit auf diesem Terrain zu zwingen. In weiterer Folge sah sich der Nationalfonds vor der Alternative,, die Beduinen dort zu . belassen oder , expropriiert zu ■> - v -' ■ -i V' ■werden. Die Direktoren ließen siel) unglücklicherweise dazu herbei, 5000 Dunöm Land der Regierung zu überlassen, anstatt die ganze Sache aufzurollen und die Regierung der Konspiration zugunsten der 'arabischen Okkupation zu überführen. Die Torheit dieser Aktion des Jüdischen Nationalfonds trat bald in, Erscheinung. In anderen Teilen des Landes folgen die Araber dem Beispiel der Beduinen von. Wadi Chawarith und es ist nun eine ganze . Rejhe von Fällen zu verzeichnen, wo der. Nationalfonds seinen Besitz gegen arabische Eindringlinge verteidigen muß, die fühlen, daß sie die Unterstützung der Administration haben. t Und nun kommt das Sohlußkapitel, das nicht anders bezeichnet werden kann. denn; als, sträflich-sinnlose Handlung von seiten der Jewish Agency in .Palästina. Wie bekannt, hat die Palästiitaregieruttg eine kleine Kommission für die AnSiedlmng der Beduinen in Wadi Chawarith eingesetzt.; l.n diese & o nt m i ssi o n ist die Jewish än c y, die anseh eiiiend glfÜtfkHch ist, so oder so mit der Regie r u n g zu k 0 0 p e H e r <sri, w i r k 1 i ch ei h$etreten. Gewöhnliche Menschen, die die Dinge mit der Logik der täglichen Ereignisse sehen, müssen nun fragen; - Wie können wir gegen die Aktionen der Palästina-Administration protestieren, wenn unsere eigenen Repräsentanzen den Druck der. Regierung ruhig hinnehmen und ihn durch Eintritt in einr Kommission verstärken, die die Aufgabe hat, Beduinen auf Jüdischen Nationalfonds-Boden anzusiedeln? * Fragen der Fischindustrie Der Liquidationsprozeß des RcgierungsUepuilcments für die Fischzucht P a 1 ä s t i n a s ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen in der Presse. ,Vor fünf Jahren hatte der Hilfsdirektor für Fischzucht, ein Jude und Absolvent einer Anstalt für Iohthyologie, seine Demission gegeben. Es wird nur berichtet, daß der Superintendent Captain Spicer, ein .Engländer, der seit Grün-: du hg des Departements Direktor war und ein Uberaus bekannter Experte in Dingen der Tiefseefischzucht ist, ebenfalls seiner Stelle '■•niederlegte.- ' , :. - '• Es will scheinen, daß die Regierung die Absicht hat, das Departement ziir Cänze aufzulösen, ein Schritt, der gleichbedeutend wäre mit der Vernachlässigung eines Wichtigen Zweiges, der Möglichkeiten für weitere Entwicklung bietet. Man ist der Ansicht, daß Palästina ungefähr 125 Meilen Küste hat, die außer Flüssen und Seen Fische beherbergen. Es gibt ungefähr 1200 Fischer im Lande mit 400 Fischerbooten. Die ungefähre Einnahme während des Jahres 1930 wird auf zirka 90.000 \Pfund geschätzt. ' Eingehende Vorschlage wurden den Behörden auf Grund der Bemühungen der Nachbarregierungen zur Hebung des Fischergewerbes gemacht. 'So" hat die ägyptische Regierunggroße Summen für die Sondierung des Fischgrundes und die Modernisierung des Fischfanges ausgeworfen/ Ebenso steht das von der französischen Regierung in Sy;r'ie n geleistete Werk in striktem Gegensatz zü dem' der Palästina-Regierung. m Dürfen nur sozialdemokratisch oder kommunistisch Organisierte nach Palästina f der Zionisten-Revisionisten im Aktions»Komatee (Ar C«) Protest Denin fast allen Hauptstädten Europas; von der Zionistischen Organisation eingerichteten P al ä S t i.n a,r Aemtern obliegt die Verteilung der von der Palästina- Regierung ausgegebenen Erlaubnisscheine, für Einwanderung (Zertifikate). Diese Palästina-Aemter. sind bisher so zusammengesetzt, daß die Vertreter der sozialistischen Parteien und kommunistischen Gruppen überall die Mehrheit bilden. Das hatte zur Folge, daß Arbeiter und Jugendliche, welche nicht der Internationale angeschlossen sind; fast ausnahmslos abgewiesen wurden. Mit großer Majorität hat der letzte Z i o n i s t e n k o n g r e ß (Basel 1931) die Abstellung dieses Mißstandes beschlossen und die Reorganisierung der Palästina-Aemter in dem Sinne angeordnet^ daß von nun ab ihre Besetzung . nach der Stärke der Kongreßfraktionen zu erfolgen hat. Dieser Beschluß ist trotz mehrfacher dringlicher Urgenz von der Zionistischen Exekutive nicht ausgeführt, worden. Das Monopol der Linken bestehe weiter und damit die Gefahr, daß bei der Verteilung der jetzt bewilligten 2100 Zertifikate wieder nur Angehörige der sozialistischen Parteien berücksichtigt werden. Die Fraktion der Z i o n i s t e n- R e v i s i o n i s t e n im A. C. ersucht um Veröffentlichung folgender, an den Präsidenten des A. C, Leo Motzkin, derzeit in Jerusalem, gerichteten Briefes: London, den 24. Mai 1932. Sehr geehrter. Herr Präsident. — W.ir haben Ihnen am 6. Mai eine Kopie unseres Schreibens an die zionistische Exekutive, bezüglich der Palästina-Aemter zu Ihrer gfl. Information übersandt. Auf dieses Schreiben erhalten wir nun eine Antwort der Londoner Exekutive, in der wir wiederum an die palästinensische zionistische Exekutive verwiesen werden, obwohl uns diese seinerzeit, statt unseren Brief zu beantworten, an die palästinensische Jewish Agency, die mit der Ausführung der Beschlüsse der zionistischen Kongresse nichts zu tun hat, verwiesen hat, Dieses Manövrieren kann nichts anderes als ein Wunsch gedeutet werden, die klare Entscheidung des 17. Kongresses, bezüglich der innerhalb einer Frist von 6 Monaten vorzunehmenden Reorganisierung der Palästina-Aemter zu umgehen. In Anbetracht der jetzt erhaltenen Zertifikate ist diese Frage, wie Sie in Ihrem Schreiben vom 11. Mai sehr richtig bemerken, noch weit zeitgemäßer geworden. Indem wir unseren formellen Protest gegen die dem Willen des Kongresses zuwiderlaufende Handlung der ^zionistischen, Exfikutiy,? .einlegen, ^möchten :w.ir. Sie, höflichst bitten, uns mitteilen zü wollen, ob und wann endlich der Kongreßbeschlußbezüglich .4er Reorganisierung' der Palästina-Aemter durchgeführt werden wird. Sie; scjhreiben uns in Ihrem letzten Brief, daß' Sie die Exekutive fragen; welche Schritte sieunternommen hat, um den Kongreßb.eschluß zu realisieren. Wollen Sie die Liebenswürdigkeit haben, uns mitzuteilen, 'mit welchem Erfolg- Wir danken Ihnen im voraus. für \4ie:. prompte Erledigung dieser in die Länge gezogenen Angelegenheit und zeichnen . mit'*Judenstaatsgrüßen •■; J, Rosoff,!. i. A. der revision. Fraktion des A. C. ■ .,. ■ . ..■ •.-■'-■ *» .,.... ■ ■ Der Wortlaut des nicht ausgeführten Kongreßbeschlusses Der Baseler Zionistenkongreß 1931. hatte in Ange-: legenheit der Zusammensetzung der Palästina-Aemter, folgende Resolutionen angenommen: 1. Die Zusammensetzung der Palästina-Aemter erfolgt nach dem Verhältnis der Stimmenzahlen, die die verschiedenen Parteien bei den Kongreßwahlen erhalten haben. Wenn in einem Lande eine Hachscharah betreibende Partei bei den Kongreßwahlen mindestens 50 Prozent der zur Erlangung eines Mandats erforderlichen Stimmenzahi erhalten hat, hat sie das Recht, einen Vertreter in das Palästina-Amt zu entsenden. Die Zahl der Vertreter einer Union der Zlon!at*n-Revl»lon|sten Oesterreichs Mittwoch» den 9. Juni 1992, 7,9 Uht abends, imHersl-Saal des Verbandsheim!» II., Untere Augartenstraße 38 Ist Palästina ein Monopol der Linken? Referenten- Dr. S. Wolf, Robert Stricker Regiebeitrag 20 g Partei darf nicht 50 Prozent der allgemeinen Mitglieder* zahl eines Palästina-Amtes überschreiten. 2i Der Kongreß beauftragt das Aktions-Komitee, bei der Ausarbeitung der Durchführungsbestimmungen in der Frage der Zusammensetzung der Palästlna-Amter, die spätestens innerhalb von 6 Monaten erfolgen muß, die angemessene Beteiligung der Vertreter der chaluzischen Organisationen sicherzustellen, •* Trotzdem seit dem Kongresse bald zehn Monate verstrichen sind, ist er nicht ausgeführt. Noch immer .beherrschen die linken Gruppen die Palästina-Aemter und sind dadurch weiterhin in der Lage, bei der Vertretung der Einwanderungs-Zertifikate nach Belieben vorzugehen» Joseph Cowen Aus London kommt die Meldung, daß Jose'pK Co wen im Alter von 65 Jahren verschieden ist. Der Name Joseph Cowen ist mit der Geschichtf des politischen Zionismus aufs engste verknüpft. Ali Herzl in'den,Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts dlf Parole von der Lösung der Judenfrage durch den Judenstaat in die Welt warf, fand er früh in Joseph Coweit einen eifrigen Mitarbeiter. Bei fast allen Aktionen poli* tischer, organisatorischer und finanzieller Natuf1 stand Joseph Cowen an der Seite derer, die Herzl für die intime Mitarbeit ausersehen hatte. Die Tagebücher Herzls-.verzeichnen den Namen Joseph Cowen unzählige Male, im. Sinne positiver Leistung. Wie hoch Herzl Cowens Persönlichkeit einschätztcr ist daraus zu ersehen, daß er ihn zusammen mit einigen Wiener Freunden zum Testarae nt s v o 1 ls t,r eck e r einsetzte und ihm ebenso auch die Erziehung des ältesten - Kindes Hans anvertraute. Cowen zeigte sich dieser Mis-. sion würdig. Er gehörte zu jenen wenigen, die bis, an ihr Lebensende in den vordersten Reihen des politischen ' Zionismus blieben und eine Tätigkeit entfalteten,, die in nichts in ihren Bemühungen zur Zeit. Herzls zurückstand» Man sieht Cowen während des Kriegs, da die Arbeit der. Zionistischen Organisation lahmgelegt war, auf seinem, Posten ausharren; man sieht ihn zur Zeit der Balfour- Deklaration und der ersten Mandatsperiode in wichtigen * Funktionen und in der Folge bei allen Problemen des Nachkriegszionismus grundlegend mitwirken. In allgemeiner Erinnerung, ist noch der Aufsehen erregenderSchritt-'i;Cöw^ris,.viauf-i>der "Sitzung;des £iortjsti-* sehen Aktionskomitees (dem er ..übrigens seit seinem Bestand '.angehörte), als*' W e' i z m"an.ri (im Frühjahr;.1930;)-, .den/JV e r z i c:h t au lAie nrJat:4.£'n&ta a.t a iv.s s pr a;ch<> Er beantragte •-als: .^Wster;;,(5inl!Mißtrauehsv;otürri gegen:.- Weizmannr '' ' 1 .. 0 ■'•''■.•'■'• •■■:•' '' -: •' Cowen war eifriger Mitarbeiter der ertgliis.chrjüäi- . sehen Presse, darunter,, zur Zeit des kürzlich verstorbenen- Chefredakteurs Greenberg, . auch . des „Jewish :: Chronic 1-e", Mit Cowen ist einer* der '• interessanten,- vornehmsten, agilsten' und gesinriu'ngstreuesten;Ziö;.fl(S.ten-;'. führer dahingegangen.;.; .■ ', :v Motzkin für beschleunigte Einberufung der AG-Sitzung ' Paris, 27, Mai. (J. T. A.) Der Präsident des Aktions-; komitees und des Kongresses der Zionistischen Organisation, Leo Motzkin, hat sich nach Palästina begeben,; um mit den palästinensischen Mitgliedern des A. C iiber die Frage der Einberufung der A.-C.-Sitzung, die längst fällig ist, zu sprechen. Motzkin billigt niehrt.<1 ie. Haltung der Exekutive der Zionistischen- Organisation in der Frage der A.-C.^f agung. Die Exekutive wünscht bekanntlich eine Verschiebung der A>C.-Tagung;- bis zur Veröffentlichung dqs Berichtes des palästinensischen Länden-fwicklungsdiVektors Lewis French.i'während. Motzkin der Meinung ist, daß die A.-C.-Sessiou nicht länger hinausgeschoben werden könne, Es wird erwogen, die A.-C.-Sitzung in Paris oder London stattfinden zu lassen; wahrscheinlich wird London Tagungsort sein. .. Zum Sdiewuothfesf Von Rechts wegen sollte, da§ Fest, das wir gegenwärtig als Gedenktaig an die Qffenibar^ng Gottes am Sinai und die Zehn-Gebote-Erteilung begehen, wicht nur von uns Juden, eon-dern vott der gesamten Menschheit gefeiert werden, insofern sie sich als Bekenner einer monotheistischen Rett*. gion fühlt! ja, insolange die Menschen als gesittet und moralisch gelten wollen. Halben doch <3i© an diesem Tag verkündeten Lehren einen weit» umstürzenden und weltumigestaltenden Wechsel in religiöser und in gleichem Maße in sozial-ethisoher Hinsicht herbeigeführt. Schärfen uns doch dies© Gebote nicht bloß den Gedanken eines einigeinzigen, unsichtbaren, rein geistigen, 1 ewige» ' Gottes ein, sondern zugleich den der Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschenkinder, wie er nicht klarer und prägnanter als im vierten Gebot, im Gebot der Sabbatheiligung, zum Ausdruck gebracht werden könnte. Der kurze Säte, „daß an demselben ruhen soll dein heidnischer Sklave und deine heidnische Sklavin, da sie dir gleichwertig sind", läßt überhaupt in dieser Bedeutung nichts zu wünschen übrig. Es Ist also die größte Ironie, wenn z, B. Sowjetrußland eine. Religion bekämpft, der die Mensch-

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