Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 246 (3.6.1932)
- Date
- 1932-06-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711867--3146-2716493- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Titl. Universität« tälsbibliothck Wien- I. Preis 35 Groschen Jahrgang 6 Freitag/ den I* Jnni IM« Nr« 246 V.b.b. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20. ganzjährig S16.-;Polen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6,-j Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.»; Jugoslawien monatlich Dir Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig i Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14,—; Schweiz und die übr jährig Schweizer Francs 4.50 -irtar 14.—, Vierteljährig Dinar 40.-; Rumänien monatlich Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IXt Universitätsstr. 6-8, 7el. B-48*504 — Erscheint jeden Freitag BEILAGE (Seile 6) FÜR DEUTSCHLAND Simonsbrot itod) immer unerreicht als ©efundheite* und ©clihatefjbrot JHeUt). an 3iät)'rfaljeu unb Bltamlnen. Skwäfjrt 6«i 6tuhlberfie|jfung. SUlagenWbin. und giuferftanffifit.- S)q8 erfte SBrot in btigtenifdier Set« poduitfll Senr bequem: 6lmonS6rot in ©djetbrn (Stantitolpadunfl). gu IjaDeii in (juteit ^ciii!oft6aii&lltnaen »nb Sicfercirn StmonSorotfabrih TBian-Slogron 11 %äa\iü)ct qtafitietfanb—@gt>ort J An die iüdi§dhien Volkse <geno§§en! Immer dringender hat sich die Notwendigkeit gezeigt, der Judenheit Österreichs ein Instrument zu schaffen, das berufen ist, . die drohenden wirtschaftlichen und politischen ,< Gefahren abzuwehren und eine Tribüne für alles zu schaffen, was in den Bereieh jüdischer Interessen fällt. Von jüdischen Männern und Frauen soll der legitime Kampf geführt werden gegen alle Versuche, die jüdischen Rechte- .zu. schmälern, und für die wirtschaftlichen undkulturellen Bedürfnisse der jüdischen^-Beyöll^riiA^^''^; V^f.;-:, wi "tf../-^\j: .',' ■■ JSfu.r ein,e bewuJßt judische, weder an rechts noch an links gebundene? Politik kann in dieser . "Zeit höchster- Gefahr, angesichts des bedrohr lieh anwachsenden aggressiven Antisemitismus; den Kampf erfolgreich führen. Unserem Ruf sind zahlreiche Juden aus allen Schichten gefolgt Unsere Aufklärungsarbeit War nicht erfolglos. Es gilt nun, die breiten jüdischen Massen zu . gewinnen. Jüdische Volksgenossen! (Werbet für die Jüdfsdie VoIksparM Der Obmann '• Robert Stricker. - Beitrittserklärung .....',-,' Ich melde hi.emit meinen Beitritt zur..... Jüdischen Volksparfei init einem Jahresbeitrag von S/..• . „an.! <■' \ (Mindestbeitrag pro Jahr Si.) r ,■;*•. ■ ' ■ ' Name; Beruf: Adresse: Ausschneiden und an das Sekretariat, Wien, IL, Unteyp Augartenstraße 38,,senden. , ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiitiiiiiiin^ I Jüdische Volkspartei I B M E Voranzeige § Samstag, den 11. Juni 1932 | s. _ a Thema: E I „Was sollen die Juden tun f f I .••=. s ort und Stil wird bekanntgegeben t s .. *■> lllllllllllHIIIUIIIIIlUHHUIUIIIUIIIIIIllUIIHIIIIIIlllllllllllllffi Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« lieben Notizen smd durch ein beigefügtes £ bezeichnet Pogromstuniming in Wien „Rache" für Oberösterreich und Tirol. — Schändliche Szenen auf den Hochschulen —- Die zögernde Polizei — Versagte ärztliche Hilfe — Ein neues Ritualmordmärchen — Die politische Schuld der Judei beamte verweigert jede Intervention — Das sind wohl Begleitumstände, welche die BezeiCh- . Neuerlich fanden in Wien gewaltige Entladungen der immer stärker werdenden antisemitischen Stimmung statt. Überfälle auf die Judengasse, Verprügelung jüdischer Passanten und Passagiere der Straßenbahn. Diesmal fanden die Exzesse unter der Parole „Rache für Linz und Tirol" statt. Dort hatten Ueberfälle von Sozialdemokraten auf Hakenkreuzler stattgefunden, bei welchen letztere Tote und Schwerverletzte zu verzeichnen hatten. Obzwar bei diesen Anlässen kaum ein Jude in Erscheinung trat, wurde die Losung ausgegeben: Schuldig sind die Wiener jüdischen Führer der Sozialdemokratie und die Wiener Juden! Nichts gegen die „verführten" roten Arbeiter, „alles gegen die Juden!" In diesen* Sinne schreibt das Hauptorgan der Nationalsozialisten „Deutsch österreichische T a g e s z e i t u n g", so schreiben die anderen Blätter urid zur Erhöhung der Erbitterung brachte der „Kampfruf" die Meldung, daß' das „L i n d b e r g Ii - B a b y" einem Ritualinord zum Opfer gefallen sei. Die Bezeichnung der Stimmung in Wien als „Pogromstiinmung" ist durch gewisse Nebenumstände gerechtfertigt, welche an die Vorgänge im alten Rußland erinnern. Völliges Versagen der Behörden gegenüber den aufreizenden Reden, | Publikationen; -Plakaten usw. Sic&Ii^ z^dentien, Verw^ Besondereh^RbKe|V:!^"^d|i Bosa^ti^ Bezeichnender als alles andere ist wohl nachstehend beschriebener, Vorfall: In der Redaktion der „Neuen Welt" erscheint der Student der Medizin Sch. und erzählt sein Erlebnis. Er und drei Kollegen, auf der Universität bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, werden arg verletzt (Bruch des Nasenbeines, tiefe Rißwunden an Kopf und Händen, zerschlagene Finger usw.) auf die nahe Polizeidirektion gebracht, dort einvernommen und zur Behandlung auf die Unfallstation des Univ.-Professors Denk gesandt. Der dort diensthabende Arzt behandelt sie iri unglaublich e r Art. Er läßt die Verletzten nicht einmal sitzen. Erklärt, daß ihnen nichts geschehen sei. Nur einem, der tiefe Wunden trägt, vernäht er sie flüchtig. Stehend muß der Verletzte diese Prozedur über sich ergehen Iassen. Dann schickt er die Zerschlagenen Weg,. welche sich auf die Klinik des jüdischen Professors Neumann begeben, um erst dort sachgemäß behandelt zu werden. Auf der Straße erblickt dann der Mediziner Sch. den Hakenkreuzler, der den Ueberfall auf ihn geleitet hat. Er ersucht einen Wachebeamten um Feststellung des Rohlings. D e r W a c h enung „Pogromstimmung" rechtfertigen. Wer trägt die Schuld daran, daß es in Oesterreich, einem Lande von hoher Kultur, und einer sonst nicht bösartig-rohen Bevölkerung, so weit gekommen ist? Gewiß hat die von Deutschland hereingetragene Hakenkreuz-Propaganda in Verbindung mit der unsäglich schweren, zur Verzweiflung treibenden Wirtschiiftsnot noch die Luft vergiftet. Aber wenn man einem Uebel begegnen will, ist es notwendig, alle Ursachen aufzudecken. Und da kommt man nicht um die Feststellung herum, daß die österreichischen Juden, vor allem die Wiener Juden, schwere politische Schuld tragen. Sie haben politisch nichts getan, um eine versöhnlichere Stimmung zu schaffen, sie haben politisch alles getan, was die Gegenseite aufreizt. Die Wiener Juden haben darauf verzichtet, eigene jüdische Politik zu treiben, den Nachweis zu erbringeil, daß die Juden niemand etwas nehmen, niemand beleidigen und verletzen, nur Recht für sich haben wollen. Die jüdis'chnatiönale „Wiener Morgen-Zeitung" mußte eingehen', dje jüdisch-bewußten Mandatare, im Bundespaijaipe^ , verschwinden. Alles .mußte ^verschwinden, was ehrliches, stolzes und dabei nicht anmaßendes Judentum repräsentierte. Von ^ä^b^^ürid ganz getauften Politikern, politischen Nutznießern und Journalisten verführt, haben sich die österreichischen Juden mit Haut und Haar der Sozialdemokratie verschrieben, nicht aus politischer und sozialer Bekenntnis heraus, einfach dem Ghettotriebe-folgend, dem Stärkeren nachzulaufen; Di» österreichische Sozialdemokratie führt den heftigsten Kampf gegen das christliche Bürgertum, gegen die Kirche, treibt dort, wo sie herrscht,. vor allem in Wien, den Steuerdruck ganz hoch, beeinflußt das geistige und gesellschaftliche Leben in oft tyrannischer Art. Und die Juden tun dabei mit. Sie tun nicht hur mit, sondern führen oft, eilen den anderen voran. Das Volk sieht immer und immer wieder den jüdischen Führer, sieht immer und immer, wieder die Juden als Wähler und Stützen des herrschenden, verhaßten Systems, So sieht der Oesterreicher den Juden! Solauge die österreichischen Juden nicht den Weg zu ehrlicher, jüdischer Politik zurückfinden, solange sie Handlanger im Klassen- und Kulturkampf bleiben weiden, so lange gibt es keine Milderung der Stimmung keine Minderung der Gefahr . ,. Streiflichter aus Palästina , Die englische Wochenschrift „The Jewißh Weekly" bringt'in ihrer Nummer vom 20. Mai d. J. interessante Tatsachen; ■ deren .'politische; Hintergründe sie entsprechend beleuchtet., Wir geben die Ausführungen im nachstehenden wieder'; In Syrien und in Palästina Vor 14 Talgen hat der französische Oberkonimissär von Syrien dem Völkerbund ein Memorandum, betreffend die Lage der Armenier in Syrie^ übergeben. Diesem Dokument zufolge gibt es heute auf der vom französischen Mandat verwalteten Fläche nicht weniger als 120.000 Armenier, vou denen alle'Syrien nach der französischen Okkupation betraten. Die meisten von ihnen haben zufriedenstellende Beschäftigung entweder auf dem ' Lande oder in eigenen .''Unternehmungen. Sie haken ansehnliche Hilfe seitens 'des Hilfsfonds des Völkerbundes ühd von den iir Amerika gesammelten Geldern - erhalten. Das französische: Dokument stellt1 fest, daß es noch ungefähr 20.000 Armenier gibt, die in, Hütten leben, gibt aber gleichzeitig der Hoffnung Ausr . druck, daß sie im Verlauf eines Jahres1 iu,f Häusern untergebracht werden. In deu letzten Monaten bat die Zahl . der Armenier in Syrien zugenommen kraft der Auswanderung mehrerer Gruppen ars Eriwan, der armenischen Republik in Sowjetrußiand. , Das französisohe Memorandum ist von besonderem Interesse als Vergleich zürn kompletten Fehlscblag der P a 1 ä s t i ai a - A d m i n i s t r u t i o u, irgendwelche aktive Schritte zur Entwicklung des'jüdischen Nationalheims zu unternehmen. Ohne die Spür von so etwas wie die Balfour- Deklaration und zahllosen Regierungsversicherungen wurden die Armenier mit Land, Geld und Häusern versorgt, und sie haben Gemeinschaften errichtet, . die in ihrer Größe hinter jenen nicht zurückstehen, , die die Juden t angesichts, der Entmutigungdurch die Regierung bauen konnten. ' ' Es wäre, um, die jüdische: Sache zu - vertreten, ratsam, - eine statistische Parallele zu zielieu zwischen dem, was für die, A r m e ri i e r?in S y ri en, .uwd zwischen dem, was in Palästina für die Juden getan, wurde. ■ ... Eine straflich-sinnlose Handlung '• Jerusalem, 23. Mai. (J.'T. A-) Der High Commiseioner für Palästina, General Sir. Arthur Wauch ope, hat ein Komitee aus drei Persönlichkeiten ernannt, das sioh mit dem Problem der Ansiedlung landloser Araber auf Wadi-Chawarith-Boden zu befassen haben wird. Dam Komitee gehören an der Laudeutwicklungsdirektor Lew»