Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 244 (20.5.1932)
- Date
- 1932-05-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711865--3128-2716473- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 3× ep/1000826
- Tirana 1× ep/1048140
OCR text
Nr. 244 DIE NEUE WELT Seite 5 nisten an, deren Aufgabe darin bestand, die Verzicht- Politik Weizmanns zu verteidigen und dessen Wiederwahl zu ermöglichen. Diese Verzichtpolitik scheint in der Person des Abg. Dr. Goldstein auch in landespolitischen Angelegenheiten weiter zu bestehen. Charakteristisch ist u. a. auch eine Rede, welche Dr. Goldstein nach seiner Rückkehr von der „Makkabia" in Palästina hielt. Nach kaum vierwöchigem Aufenthalte in Palästina, den er zum größten Teil auf dem Sportplatze verbrachte, glaubte Dr. Goldstein erklären zu müssen, daß das jüdische Palästina nur auf Basis des „Binationalismus", im Geiste des Brith Schalom errichtet werden könne. Herr Adler ist Judenstaatler und hat immer den politischen Kampf um jüdisches Recht in den Vordergrund seiner Tätigkeit gestellt. Er gehört auch zu denjenigen, die immer Widerspruch gegen die politischen Linien der zionistischen Landesorganisation erheben, weil sie dieselben als verhängnisvoll für die zionistische Entwicklung im Lande ansehen. Um Dr. Goldstein gruppieren sich älso zunächst jene Zionisten, die den „Weizmannismus" in der Tschechoslowakei repräsentieren. Um Norbert Adler jene, die auch in der zionistischen Politik Kompromißlosigkeit, Gradheit und zielbewußte Arbeit wollen. Zu diesen zwei Strömungen innerhalb der Landespolitik gesellt sich nunmehr noch die poalezionistische, welche darauf hinauszielt, die jüdischen Wähler zu veranlassen, nicht wie bisher jüdischnationale, sondern die deutsche oder die tschechische sozialdemokratische Liste zu wählen. Die Poale-Zion fordert daher Freigabe der landespolitischen Betätigung, als Hauptbedingung für die Schaffung des zionistischen Territorialverbandes in der Tschechoslowakei. Diejenigen Faktoren aber, die heute sowohl die zionistische Landesorganisation als auch die politische „Jüdische Partei" beherrschen, wollen das nicht zulassen. Hier zeigt sich der Fehler im Aufbau der jüdischen politischen Partei, die heute von Männern geleitet wird, deren Interessen zionistisch und jüdisch-politisch im Widerspruche stehen. Inzwischen hat Dr. Hugo He......iann, der beamtete Leiter des tschechoslowakischen Keren Hajessod, seine Stelle in der zionistischen Landesleitung niedergelegt und sich der Poale-Zion angeschlossen. Der Leitung des Keren Hajessod in der Tschechoslowakei lag einiges daran, diese Wandlung mit Stillschweigen zu übergehen, da nach Ansicht der maßgebenden Faktoren der Keren Hajessod unbedingt darunter leiden muß, wenn seine Arbeiter und Sammler engere parteipolitische Interessen verfolgen! Man befürchtet auch die Verminderung der Sammelmöglichkeit für den Keren Hajessod, da die meisten Beträge aus den Reihen jener Juden stammen, welche die sozialdemokratische Konzeption der Poale Zion ablehnen. Wer mit den Verhältnissen in der Tschechoslowakei vertraut ist,; wird verstehen,' daß eine enge parteipolitische Festlegung jener Faktoren, die die Ueberpavteilichkeit unter allen Umständen wahren sollten, den Fonds zum Schaden gereichen. * Die Poale-Zion wollte es sich nicht nehmen lassen, ihre klassenkämpferische Stellung am 1. / Mai zu deklarieren. In Brünn ließ man, wie bisher, die Poale-Zion weder im Zuge der tschechischen noch im Zuge der deutschen Sozialdemokratie mitgehen. In Prag liegen die Dinge anders. Hier kennt man die Poale-Zion wenig. Und als sie um Genehmigung der Teilnahme am tschechoslowakischen sozialdemokratischen Zuge bat, wurde ihr das Mitmarschieren gestattet. Da aber Prag nicht über eine entsprechende Zahl von Poale-Zionisten verfügt, wurde die Provinz nach Prag beordert. Es waren keine 80 Genossen, die im gewaltigen Zuge der tschechoslowakischen Sozialdemokraten gehen durften. Zwei Kinder trugen eine rote Standarte, darauf prangten in Weiß die Worte: „Es lebe das rote Palästina". Zarte, Kinderstimmen ließen auch diesen Ruf ertönen. An der Ecke Wenzelsplatz-Graben standen tschechische Studenten, welche energisch dagegen protestierten, daß im tschechischen Prag für das jüdische Palästina deutsche Parolen ausgerufen werden. Polizei mußte eingreifen. Am nächsten Tage befaßte sich die tschechoslowakische Presse mit diesem Vorfalle, welcher der Poale-Zion und dem Palästina-Gedanken sicherlich nicht genützt hat; dem Judentume auch nicht. Was die antisemitischen Blättchen schrieben, kann man sich leicht vorstellen. Aber ein angesehenes Prager Blatt., stellte die Frage, warum die Zionisten das tschechische Prag ■ durch deutsch-kommunistische Demonstrationen provozieren, warum sie sich nicht wenigstens für ihre Transparente und Rufe der hebräischen Sprache bedienten. Wir fragen auch. Syiiagogenschändung auch in England London, 15. Mai. Ueber einen in England noch nicht dagewesenen Akt von Vandalismus an einer Synagoge wird heute aus L e e d s berichtet. Arn 12. Mai nachmittags brachen bisher nicht ermittelte Täter in das Gebäude der 'Talmud Thora-Schule von Leeds, das der Synagoge angebaut ist, ein und richteten dort ungeheure Verheerungen an. Von der Schule kamen sie iu den Betrauni der Synagoge, brachen die Thoralade auf, warfen die Thorarollen auf den Boden und schlugen einen großen Teil der Einrichtung in Trümmer. Die "Wände der Klassenrüume in der Talmud Thora-Schule beschmierten sie mit obszösen Worten, sie zerrissen die Gebetbücher der Schulkinder, vernichteten die Unter« richtszwecken dienenden Wandbilder und streuten die Schulutensilien überall umher. Die Zerstörung wurde von jüdischen Schulkindern entdeckt, die abends zum Religionsunterricht in die Schule kamen. Die Polizei nahm sofort die Untersuchung auf. Sie sucht die Täter unter den christlichen Knaben der Nachbarschaft, die mit den jüdischen Kindern in ständiger Feindschaft leben. Der angerichtete Schaden ist, obwohl nichts gestohlen wurde, beträchtlich. In der Jüdischen Gemeinde von Leeds herrscht ungeheure Entrüstung. Au§ Spanien Die einflußreiche katholische Tageszeitung „ABC", die gern die Juden für die Revolution verantwortlich macht, zeigt sich nun bestrebt, die für Katalonien geplante Verfassung, die imeh Meinung der Zeitung die spanische Einheit gefährdet, auf jüdischen Einfluß zurückzuführen. Königin Isabclla, schreibt die Zeitung, die die Juden aus Spanien austreiben ließ, habe dabei die Einheit Spaniens im Auge gehabt. iV Der Magistrat von Barcelona hat der kleinen jüdischen Gemeinde von Barcelona einen Platz zur Anlegung eines Friedhofes geschenkt und die Kosten der Planung und Umfassung selbst übernommen. Für die Erhaltung des Friedhofes wird die jüdische Gemeinde zu sorgen haben. Bentiftzen Sie schon elektrisches Lieh** i/l yun<*em Sie sich nicht über dio Frage. Aber J< das Herstellen von Teigware zu Hause ist TT^ ungefähr co, afs ob Sie noch mit Kencenlich» '—/ leuchten würden. Es ist doch so einfach, mühelos, rasch und gut xu kochen mit ferrigen t& Eier-Teigwaren, Marke „G o l d f i n k"; »io sind ausgiebiger, als si« danken, also biiligor. Antijüdische Haltung der Regierung Riga, 18. Mai. Der lettländische Unterrichtsminister hat ein Projekt ausgearbeitet, demgemäß jüdische Schulen mit deutscher und russischer Unterrichtssprache geschlossen werden sollen, nur Schulen mit hebräischer und - jiddischer Unterrichtssprache sollen weiter bestehen bleiben. Die jüdischen Volksschulen in Lettland werden von 11.183 Schülern besucht, davon werden 5340 in jiddischer, 3995 in hebräischer, 1340 in deutscher und 508 in russischer Sprache unterrichtet. Die jüdischen Gymnasien werden von 1643 Schülern besucht, davon werden 740 in deutscher und russischer und 903 in jiddischer und hebräischer Ünterrich{ssprache unterrichtet, fm ganzen gibt es in Lettland 15 jüdische Volksschulen und Gymnasium mit deutscher und russischer Unterrichtssprache. Riga, 14. Mai. Der lettländische Innenminister Kaulin, hat die von der Regierung am 7. April erlassene Verordnung über das Zusammentreten der ersten Konferenz lettländischer Juden am 18. und 19. Oktober in Riga annulliert und die Konferenz verboten. Die Konferenz sollte das Ausdrucksorgan des lettländischen Judentums sein, dessen Gemeindeorgariisation noch sehr wenig entwickelt und staatlich nicht anerkannt ist. Die; Delegierten sollten in allen Städten Lettlands auf demo- < kratischer Grundlage gewählt werden. Aus der Kon-;ferenz sollte der National rat der lettländische n J u d e n hervorgehen. Das vom Innenminister ausgesprochene Verbot der bereits einmal genehmigten Konferenz hat in der lettländischen Judenheit eine Protestbewegung hervorgerufen. Minister Kaulin äußerte sich über das Verbot der Konferenz dahin, er könne laut der Verfassung nur eine Konferenz jüdischer politischer Parteien dulden, nicht aber eine Konferenz lettländischer jüdischer Gemeinden, die in Lettland offiziell nicht anerkannt sind. Dabei handelte es sich in diesem Falle gar nicht um eine Gemeindekonferenz, sondern um eine Konferenz des lettlandischen Judentums. * Riga, 14. Mai. Die Neuorientierung der lettländischen Regierung gegenüber dem autonomen Schulwesen Wetterharte Menschen fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine Anstrengung, denn sie verwenden zur Pflege und zur Stählung ihres Körpers den vielfach bewährten DIANA FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Kräftigt durch tägliche Hinreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht Elastizität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender Frische. Ebenso wertvoll zur Mund« und Haarpflege In Jedem besseren Geschalte erhältlich Verlangen Sie ausdrücklich ,,D I A N A" und nehmen Sie nur „DIANA11I Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen r (Simonsbrot nodj immer unetteid)t als ©efunö&eifs* und $eliftatefjbtot Stieß an fliätjrfnljen unb Sitamlncn. S8ch)ätjrt bei <ätu$lbetflo}jfunß, OTaaenlelben unb audetttontfieit. Sa« etile ©rot in fctjfltenifdiet »et* pnrtungl 6eßr Bequem: SimonSBtot in ©djeifien (Stanntotyaffung). 8u $aöeit in fluten Seinfoflfanbumflert unb SBätfercien eitnonöörotfnbrih SGieit'äaaum 11 um......■ 2:äflU(l)ct*ofttietf«iHh—®st>oct ——— .J der Minderheiten, auch gegenüber dem jüdischen Schulwesen, äußert sich nun auch in der Entziehung der 1 0.0 00 Lat jährlich betragenden staatlichen Subvention für die einzige jüdische L a n d w i r t s c h a f t s s c h u 1 e d c s L a n d e s. Die Budgetkommission beschloß gemäß dem Antrag der Regierung. Den jüdischen Deputierten gelang es schließlich, einen Beschluß herbeizuführen, wonach der Schule die Subvention bis zu Ende des Schuljahres bewilligt wird, wodatni die Schule in Liquidation zu treten habe. — Die Regierung strich aus dem Etat das Gehalt für den einzigen jüdischen Ratgeber beim Finanzministerium', den bekannten Volkswirtschaftler Dr. W. Siw, so daß dieser Posten als abgeschafft erscheint. Die Juden in Albanien Der bekannte amerikanisch-jüdische Publizist Hennann Bernstein, der seit einigen Jahren Gesandter der Vereinigten Staaten in Albanien ist. und gegenwärtig auf Urlaub in New York weilt, teilte dem J. T. A.-Vcrtreter folgendes über die Juden in Albanien mit: In Albanien existieren keine religiösen Vorurteile. Es leben in diesem Lande im ganzen 100 jüdische Familien, denen es materiell gut geht. Die kleine jüdische Gemeinde, die erst vor einem Jahr organisiert worden ist, hat ein tiefes Interesse für den Zionismus und alles, was mit der Palästina-Bewegung zusammenhängt. Nicht weit von Tirana, der Hauptstadt Albaniens, befindet sich das Grab des falschen jüdi-' sehen Messias Sabetai Zewi. Jüdische Völkerbundliga für Oesterreich Donnerstag, am 12. Mai, fand die Konstituierung der Liga-Leitung statt. Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Präsident: Oberbaurat Rob. Stricker; Vizepräsidenten; Dr. O. Grünbaum und Dr. J. Waldmann; Generalsekretär: Dr. S. Margit Ii es; stellvertretender Generalsekretär: D. F. Karbach. Der bisherige leitende Vizepräsident Hof rat Prof. Dr. Frankfurter wurde einstimmig zum Elirenpräs identen der Liga gewählt. Adresse des Generälsckretariats: Wien, I., Lugeck 6. Dr. J. Robinsohn gestorben i Im Alter von 58 Jahren ist gestern, den 16. Mai,' der bekannte Röntgenologe und Facharzt Prim. Dr. Isak Robinsohn in Wien gestorben. Sein Ruf als Wissenschaftler .war weit über Oesterreich hiuaus- ' gedrungen. Der Verstorbene stand schon seit seiner Studentenzeit in der zionistischen Bewegung und nahm 1 regen Anteil am Aufbau des jüdischen Palästina. Im Jahre 19^,6 wurde Dr. . Robinsohn vom Direktorium der H ad a s s a h - S p i t ä 1 e r nach Palästina berufen, damit er dort röntgenologische Institute errichte und später deren Leitung übernehme. Dr. Robinsohn weilte viele Monate in Jerusalem, wo er seine Tätigkeit begann, kehrte aher wieder nach Wien zurück, da er mit dem an der Hebräischen Universität herrschenden System nicht sympathisierte. Nun hat ihn mitten in, seiner praktischen und wissenschaftlichen Tätigkeit der Tod ereilt. Dem vornehmen jüdischen Gelehrten und aufrechten Zionisten ist ein ehrendes Andenken sicher. Samuel Samuely 80 Jahre alt Einer kulturell hochstehenden Familie aus /Lern- _ ber,g entstammend, Bruder des Schriftstellers Nathan Samuely, kam der nun Achtzigjährige nach Wien, zur Zeit, als der Zionismus bereits die von der Haskala geschaffene Bewegung umzuformen begann. Samuel Samuely trat bald in den Kreis Herzls und war zionistisch tätig. Nach dem Abgang des Prof. Dr. M. Berkowits von Wien wurde Samuely von Herzl zum „h e b r ä i s c h e n S e k r e t ä v" berufen, in welcher Funktion er das volle Vertrauen Herzls genoß und auch mit dem A.-C.-Mitglied Dr. Kokesch arbeitete. Wissen, Humor und rege Geistigkedt sind die Gaben, die ihn immer auszeichneten und mit denen er viele trübe Stunden Herzls erhellte. In voller geistiger und körperlicher Frische, allerdings fern dem Treiben des politischen Alltags, ist' Samuel Samuely, der einstige wertvolle Mitarbeiter Theodor Herais, anläßlich seines 80. Geburtstages Gegenstand herzlicher Glückwünsche und aufrichtigen Gedenkens. Inhaber des Cafe" Neptun, XX, Gaußplatz 7, Markus Go Idstein und Frau, gratulieren im eigenen Namen sovile namens mehrerer Gäste dem Freund und Gesinnungsgenossen SAMUEL SAMUELY zu seinem 80. Geburtstage,