Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 243 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 6 DIE NEUE WELT Nr. 243 mwmnmnnmriinnifMiHiimi Minmmmm.....uim miiiii......immiiinimii—. SIEGM. KORNMEHL OROSSPLIISCHHAUentl Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-l?*3»99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten JnmllSI&S^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. Kultusgemeinde Wien Autoxu«t«lltMB kOfttenlo» IX., B«rflOatte IS / XVIII., Wahrlngerstr. 97 jnmiiftnimtmmtfnmifi 'jwmuaHmntiyiimiimw;i(ltlHf(llllllNllllll>l1l!lll|llMttWh iiiiuiuuMut »HiiijiiuuiMartmi'nmmrmfmifC hungrig verschlingen, die weitumfassende Literatur zur Judenfrage links liegen lassen. Der Blick der österreichischen Sozialdemokratie auf die Judenfrage reicht nicht über den Biertisch eines Wiener XVL Gemeindebezirks hinaus. Ist es geistigpolitische Zurückgebliebenheit oder ein anderer Grund? Fühlt sie sich etwa durch die „jüdischen" Genossen, die von Judendingen nicht gerne hören, gehandicapt? Der Antisemitismus, tröstet die „Arbeiter-Zeitung" sich und die anderen, wird verschwinden. Die Weltanschauung der internationalen Solidarität, ruft die „Arbeiter-Zeitung" stolz aus, wird bestehen. Zurzeit besteht diese Solidarität im — internationalen Antisemitismus. Der neue Präsident der Wiener ftdvokalenkantmer Mit großer Mehrheit ist Dr. Siegfried Kantor zum Präsidenten der Wiener Advokatenkammer gewählt worden, als erster Jude, der diesen Posten bekleidet. Dr. Siegfried Kantor, dank seiner Fähigkeit und Energie schon lange tatsächlicher Führer der Wiener Rechtsanwälte, bekleidet nun den Posten, der ihm gebührt. Aengstliche Seelen suchten ihn von seiner Kandidatur abzubringen, da es „böses Blut" machen könne, wenn ein Jude diesen Posten bekleidet. Als aufrechter Mann und Nationaljude hat Dr. Kantor diesen Warnern die gebührende Antwort erteilt. Dr. Kantor, der seinem Stande und seinem Volke auf dem neuen Posten gewiß nur Ehre bringen wird, Ist seit frühester Jugend organisierter Zionist und Alter Herr der zionistischen Verbindung „Libanonia" in Wien. Vom tschechoslowakischen Zionismus Vor Redaktionsschluß erhalten wir die Nachricht, daß die Revisionisten der Tschechoslowakei den zionistischen Landesverband verlassen haben. Bei der am 8. Mai 1932 in Mährisch-Ostrau stattgefundenen zionistischen Landeskomiteesitzung kam es nämlich zum Exodus der revisionistischen Fraktion, die Wahlenthaltung für ECKSTEIN'S 1llll!IIIIIIHIIIIIII!llll!IHi:ill: IDNhMi:„ FAMILIEN-PENSION Restauration, Kaffeehaus / Täglich 3-ühr.Tee CCMMBDIMIS Telephon 11, Hoob»tr«ße 43 MraPIES&INll neoen Hotel Panhan» Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer mit Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm¬ und Kailwasser in jedem Zimmer. / Auskunft unter Telephon U-27-6-24 den «bevorstehenden Zionistentag proklamierte. Dadurch ist die Fortführung der jüdischen Landespolitik in Frage gestellt, da die Revisionisten den stärksten Faktor der positiven jüdischnationalen Lande s p o 1 i t i k darstellen, während die Linken Parteien, welche zufolge des Fernbleibens der Revisionisten den Zionistentag beherrschen dürften, in innerpolitischen Fragen die zionistische Disziplin; ablehnen. (In der nächsten Nummer der „Neuen Welt" wird über die neu geschaffene Lage ausführlich berichtet werden.) Aus Deufschlan Beilage der »Neuen Welt« luv Deutschland * Fflialredaktfon und Administration t Berlin/ Charlottenburg 2, JoadiimstalerstraBe 3/ft Roberl Stricker in Deutsdiland Berlin, 9. Mai Die Vortragsreise Robert Strickers durch Deutschland gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung für den Zionismus-Revisionismus. Die Person des Redners und die von ihm gewählten Themen übten eine in Deutschland ganz ungewöhnliche Anziehungskraft aus, Stricker sprach über .^Zionismus und Judennot". Er stellte hiebei die ganz unzulängliche Art des heutigen offizillen Zionismus im Hinblick auf die immer wachsende Judennot plastisch dar und führte den Beweis, daß nur der volle. H e r z 1 - Z i o n i s m u s, der Judenstaats-Zionismus, als Lösung der Frage der Judennot zu werten ist. Er setzte sich ferner in gründlichster Weise mit der „roten Assimilation", mit der im jüdischen Deutschland, besonders in der vjüdischen Jugend Deutschlands, so starken Strömung zum Koiru munismus, auseinander. Er bereitete den in seinen Versammlungen zahlreich erschienenen Kommunisten eine Niederlage, die sie zuvor nicht erlebt hatten. Stricker sprach in München, Frankfurt, Magdeburg, Leipzig und''Berlin. Nachstehend der Bericht über die Berliner Versammlung, welche die g r ö ß it e j ü d i s c h e oder zionistische Versammlung war, welche Beritin seit der Protestversammlung gegen die Pogrome in Palästina 1929 gesehen hat. Der riesige Sophiensaal war überfüllt und mußte polizeilich gesperrt werden. Ueber 1200 Personen waren im Saal, viele Hunderte mußten -abziehen. Robert Stricker in Berlin Beim Brith Trumpeldor — Bei \ den Revisionisten — Verhandinngen — Die „Jüdische Rundschau" fürchtet — Stürmische Massenversammlung Berlin. Auf seiner Deutschland-Tournee weilte öbenbaurat Robert Stricker vom 5. bis 8. Mai 1. J. in Berlin. Gleich am 5. vormittags begab er sich in Begleitung von Dir. Kareski und Dr. Rabinowicz ins Lager des. Berliner Brith Trumpeldor, der seine wehrsportlichen; Uebungen" außerhalb Berlins abhielt. Etwa 220 Betarim marschierten zur Begrüßung auf, die der Mefaked ha-Ken, Hans Eger, sprach. Das „Betar, Betar"-Lied erklang, worauf die Mittagspause eintrat. Die eigene Küche der Betariot sorgte um die Ausfüllung dieser Pause. Erst am Nachmittag fanden die militärischen Uebungen statt. Oberbaurat Stricker konnte mit Befriedigung die Stärke und die ausgezeichneten Ledstungen des Betar unter der Oberleitung von Alex Reiter konstatieren. Am Abend desselben Tages fand der Empfang für Oberbaurat Stricker statt, den die revisionistische Ortsgruppe veranstaltete. Im Restaurant Kornreich versammelten sich die. Gesinnungsgenossen mit dem Gaste, der von Herrn Lichtheim sehr herzlich begrüßt wurde. Herr Stricker berichtete über die bisherigen Ergebnisse seiner Deutschland-Reise, die ihn nach München, Frankfurt a. M. und Magdeburg brachte. Es entwickelte sich hie tauf eine lebhafte Diskussion, die sich hauptsächlich mit den aktuellen zionistischen und revisionistischen Fingen befaßte. Lange nach Mitternacht war erst die anregende Zusammenkunft zu Ende, die in vielen Fragen Klarheit schuf. Die folgenden Tage benutzte Oberbaurat Stricker zu Beratungen mit den führenden Persönlichkeiten des i jüdischen Lebens in Berlin. Die Verhandlungen waren von Erfolg gekrönt und werden sich schon in der allernächsten Zeit auf die Arbeit in Deutschland auswirken. Samstag, den 7. Mai, fand die große Kundgebung in den Sophiensälen statt. Im Zentrum, Osten und Norden, wo Oberbaurat Stricker als Kämpfer für jüdisches Recht und jüdische Ehre bekannt und beliebt ist, herrschte große Freude über sein Kommen. Wie ein Hohn auf die Stimmung unter der Masse klingt daher das Verhalten der „Jüdischen Rundschau", die es abgelehnt hat, ein bezahltes Inserat, in welchem der Vortrag Strickers angekündigt war, aufzunehmen. Man muß nur einmal eine »Rundschau" zur Hand nehmen und sich den Inseratenteil ansehen und die Anzeigender verschiedenen nichtjüdischen Kaffeehäuser, Fleischhauer und Kinoankündigungen zn lesen, damit man verstehe, welcher Haß! und Neid bei $er Berliner Ausgabe des arabischen Feiestin gegen 'den Revisionismus * herrscht, daß sie nicht einmal ein bezahltes Inserat aufnehmen will. Und der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, hat an! eine diesbezügliche telephonische Anfrage geantwortet, er allein setze alles daran, daß dieses Inserat nicht veröffentlicht werde. Der Verblendung und dem krankhaften Haß der Meinekestraße gegen den' Revisionismus sei als Beispiel die Tatsache entgegengestellt, daß das „Berliner Tageblatt" und die „Vossische Zeitung^ in ihren Sonnabend- Morgenausgaben ganz ,k^e^o^^Ai|kü)^gu.^Ken über die Stricker-Versan^ Diese Boykottbewegung der ZVFD. und der „Jüdischen Rundschau" wird nicht ohne Gegenmaßnahmen bleiben, die sofort einsetzen werden, weil der deutsche Revisionismus es nicht auf sich beruhen lassen kann, durch Boykottparolen sich bekämpfen,, zu lassen» ohne nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. .Festgehalten sei aber die unbestrittene Tatsache, daß diese Methode bisher einziges und alleiniges Patent der ZVFD. war. Trotz dieser Störungsversuche seitens der Mei-, nekestraße, die auch ihren Parteigenossen, soweit sie noch solche hat, den „Rat" erteilte, die Stricker-Versammlung nicht zu besuchen, hat die Sonnabendkundgebung in den Sophiensälen bewiesen, daß die Masse dem Revisionismus gehört* und daß die Parolen der Meinekestraße bloß bei dem Beamtenheer Beachtung finden. Der große Saal war bereits lange vor Eröffnung der 'Versammlung überfüllt, so daß die Galelrie für die immer wieder in Maasen strömende Zuhörerschaft ge? öffnet werden mußte. Eine der größten Kundgebungen, die das jüdische Berlin : in;de# letzten Jahren gesehen hat, ist durch die Vorbereitung in kaum einer Woche fertiggebracht worden. , Von der tausendköpfigen Zuhörerschaft stürmisch begrüßt, betrat Herr Oberbaurat Stricker die Tribüne, um über das Thema: „Heraus aus der JudennotP «u sprechen. Herr UchtheJmreröffnete die Versammlung mit einem Hinweis ^uf ^ie Bedeutung Strickers in der; JttdtecJjfn Rj^»s«iceftewe|ung seit' ihrer Begründung im' Jahw 1897. ' W ■ V ' ■< In seinem zweistündigen Referat setzte «C)D d<pg» Referent mit dea aktuell^Jtt^hen 'n^^P^^Wj Fragen auseinander. Ausgehendvon der immensen^ Ju|leninot, verstand es der Redner durch zwingend^? Logik, den Judenstaatstfouismus Herzig als den einzigen.. Weg aus diesem".unerträglichen Zustande z,u beweisen^ Dieser Zfontomua ist aber in den^letzten^^ Jahren voaC der heutigen offiziellen Richtung in sein Wahres Gegettnl teu verwandelt worden, Deshalb ist eine Revision de* Nachkrie^sjdonismua und -die .Wiederanknüpfung am die' ursprüngliche zionistische Konzeption Herzls notwendig, damit der Zionismus seinen wahren Inhalt wieder bekomme: Die Lösung der Judennot durch Schaffung des Judenstaates zu beiden Seiten des Jordan. Redner kommt dann auf dia Araberfrage und unsere Stellungnahme gegenüber England zu sprechen und setzt sich hierauf eingehend mit der bürgerlichen Assimilation auseinander um schließlich breiten Raum dem Problem der Kommunisierung der. jüdischen und zionistischen Jugend zu widmen^ Daß diese Kommunisierung möglich ist, zeigt ebenfalls die Schwäche der zionistischen Leitung, welche allzusehr mit der nach links strebenden Richtung innerhalb des Zionismus liebäugelt und überall bestrebt ist, darauf hinzuweisen, daß zwischen der zionistischen und kommunistischen Ideologie keinerlei nennenswerte Unterschiede bestünden. Wir müssen diesem Fortfluten unserer Jugend aus dem Judentum Einhalt gebieten und die Liebe zum eigenen Volk als das Primäre in unseren Kampf stellen. Das jüdische Kind muß den jüdischen Eltern und dem jüdischen Volke erhalten bleiben, das wollen , wir, das will unsere Jugendorganisation, der Brith Trumpeldor. Mit einem warmen Appell, sich dem Revisionismus anzuschließen, .schloß der Vortragende seine ausgezeichneten Ausführungen), die die große Zuhörerschar mit jubelndem Beifall auf-i nahm. Auch an Störungsvers'uchen hat es an diesefi. öffentlichen Kundgebung nicht gefehlt. Eine große An? zahl jüdischer Kommunisten oder Bald- und Halb-Kommunisten hat sich im Saal eingefunden, um sich durch Störungen bemerkbar zu machen. Die Störer haben aber scheinbar damit nicht gerechnet, daß der Brith Trumpeldor inzwischen zu einer mächtigen, straff disziplinierten und ausgezeichnet organisierten Gruppe in Berlin geworden ist, die es auf sich genommen hat, die Ruhe im Saal aufrechtzuerhalten. Gleich zu Beginn der Versammlung setzten die Störungen ein, die dann weiter während des ganzen Vortrages andauerten. Allerdings Währten sie immer bloß wenige Minuten, da die flinken Betarim immer zur Stelle waren und nicht ein einzigesmal versagten. Es war auch für den entschiedensten Gegner des Brith Trumpeldor imponierend, wie sicher und schnell Ordnung geschaffen würde, so daß sein Einschreiten immer wieder mit stürmischem Applaus quittiert wurde. Die Kommunisten waren an verschiedenen Stellen des Saales postiert und dachten, so die Versammlung unmöglich zu machen. Auf die verschiedenen mehr oder weniger läppischen Zwischenrufe hat Oberbäurat Stricker treffend zu antworten gewußt und seine unigeheure Geschicklichkeit und Schlägfertigkeit bewiesen. Zuweilen kam es zu wahren Prügeleien, die immer damit endeten, daß der jeweilige Ruhestörer den Saal verlassen mußte. Als jedoch die Sprengung der Versammlung drohte, dadurch, daß die Kommunisten auf einmal ununterbrochen zu schreien und zu lärmen anfingen, sah sich das Ueberfallskommando der Polizei veranlaßt, die Ruhestörer, welche die Auflösung der ' Versammlung verlangten/aus dem Saal zu entfernen, Die Versammlung konnte dann ruhig zu Ende geführt werden und wurde durch das Absingen der „Hatikwa*1 beschlossen. , . Berliner Nachrichten. Regelmäßige Zusammenkünfte: Die Revisionisten Berlins treffen sich jeden Dienstag ab 8 Uhr abends im Cafe Kornreich. Völlig separierter Raum! Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Gesinnungsgenossen werden auf diese Zusammenkünfte aufmerksam gemacht. Gr.oßmann kommt nach Berlin. Der Vizepräses der revisionistischen Weltunion, Meer Grein