Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 243 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nt. 245 DIE NEUE WELT Seite? Wiener Rathauskeller Treffpunkt aller Einheimischen und Fremden Im Volkskeller: MenQs von S 1.30 bis S 2.50. Vorspeise, Suppe, Braten, Beilage, Mehlspeise nach Wahl. Besitzer: Otto Käser er. mann, kommt demnächst nach Berlin und wird hier im ßaJimen einer öffentlichen Kundgebung, die von der revisionistischen Ortsgruppe veranstaltet werden wird, sprechen. „Hamischmar", die deutsch geschriebene Monatsschrift der Neziwut für Deutschland, ist soeben erschienen und enthält eine Fülle interessanter Aufsätze, u. a. von Vladimir Jabotinsky. „Hnmisrhmar" ist bei jeder Betar-Neziwut oder direkt bei der Redaktion: Berlin-Wilmersdorf, Zähringerstraße 34 (Georg Borest), erhältlich. Diese Nummer enthält auch eine hebräische Abteilung (unter der Leitung von A. Heller) und wird von nun an fortlaufend miterscheinen. Preis jedes Exemplars 10 Pfg. „Neged", interne Blätter der PJugii Hcrzl. sind an verstärkter Auflage erschienen (Nr. 3). „Ncged" ist käuflich nicht zu erwerben, Magdeburg Am 25. April fand die Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe statt, die zahlreich besucht war. Die Vorstandswahlen hatten folgendes Ergebnis: Zum 1. Vorsitzenden wurde einstimmig Herr Heine mann gewählt, zum 2. Vorsitzenden Herr R. Panzer, zum Kassierer Herr Weinstein er, zum Schriftführer Herr Leff. Als Beisitzer Frau Krillbaum, Herr Auchhiesige, Herr Kohn aus Burg. Zum Tel-Chaj-Kommissar Herr Panzer. Es wurde beschlossen, eine Gruppe des Brit Trumpeldor zu gründen. Ferner wurde mitgeteilt, daß Aussicht vorhanden sei, ein eigenes Heim in Magdeburg zu eröffnen. Katholizismus/ Protestantismus und Judentum Der Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei, Prälat Dr. Ludwig K a a s, empfing den Leiter der Berliner Redaktion des „Israelitischen Familienblattes", Leo Kreindler, der ihn über die Haltung des Zentrums zum deutschen Judentum befragte. Als Antwort auf diese Fragen hat Prälat Dr. Kaas Herrn Kreindler folgende Erklärung übergeben: „Seit seinem Bestehen, also seit über 60 Jahren, hat das Zentrum stets die Gleichberechtigung der Staatsangehörigen jüdischen Glaubens anerkannt und ist für deren Gleichstellung mit den übrigen Staatsangehörigen eingetreten. An dieser Auffassung hat sich nichts geändert und wird sich nichts ändern. Wenn man in Deutschland innerhalb gewisser politischer Lager den hemmungslosen Haß gegen das Judentum predigt, Gewalttaten und-Schmähungen duldet und mit weiteren Gewalttaten für die Zukunft droht, so widerspricht eine solche Einstellung und Haltung aufs schärfste unserer Weltanschauung. Auf Grund dieser aus unserer christlichen Weltanschauung erwachsenen Gesinnung treten wir den Beschimpfungen der deutschen j^uden, der Verleumdung ihrer Religion und den Angriffen auf ihre staatsbürgerliche Gleichberechtigung entgegen. Unsere Stellung gegenüber der Gottlosenpropagand« and der Austrittsbewegung aus den religiösen Gemeinschaften ist allgemein bekannt; an ihr hat sich nichts geändert. Wir erwarten auch aus den Kreisen des gottesgläubigeu Judentums überzeugte Teilnahme an dem Kampf gegen die auflösenden und zersetzenden Kräfte, welche die geistige Gesundheit und Lebensfähigkeit unseres Volkes und damit des deutschen Staates bedrohen. Die Schürung des Hasses gegen einen Teil der Bevölkerung wegen der Angehörigkeit zu einer anderen Religion oder einer anderen Rasse birgt schwere Gefahren in sich für die öffentliche Ruhe und Ordnung, und auch aus diesem Grunde wird die Zentrumspartei den genannten Bedrohungen, die sieh neuerdings stärker hervorwagen, mit Festigkeit entgegentreten." * Das Organ des Evangelischen Bundes, die ..Deutsch-Evangelische Korrespondenz", die sieh fortdauernd bemüht, die Nationalsozialisten für die „evangelische Front" zu gewinnen, führt in einem „Z entr u m u nd J u d c n" iiberschriebenen Artikel aus, daß die vom Zentrum bei den PreuHenwahlen gewonnenen etwa 200.000 Stimmen zu einem großen Teil jüdische Stimmen sind. ..Ganz deutlich", schreibt die ,.D.-E. K.", „war das in Frankfurt a. M. Zwischen den 10.000 Stimmen, die hier auf demokratischer Seite in Abgang kamen, und den 10.000 Stimmen, die in der Stadl der Rothschilds das Zentrum gewann, besteht ganz deutlich ein Zusammenhang. Auch in Berlin und in Köln war ein starker Zuzug am» jüdischen Kreisen sehr deutlich. Aber auch sonst spricht manches für eine starke Zufuhr jüdischen Blutes ins Zentrum." Die „D.-E. K." zitiert einen A. u l r u f j ü d ischer Persönlichkeiten Für das Zentrum und schließt: „Für die weitere politische Zukunft ergibt sich also die nicht zu umgehende Folgerung, daß jede Partei, die mit dem Zentrum zu einer Koalition zusammentritt, sich wohl oder übel auch mit diesen ins Zentrum eingetretenen starken jüdischen Kräften abfinden und verständigen muß!" Diese Ausführungen des Organs des Evangelischen Bundes sollen offenbar eine Warnung an die Nationalsozialisten sein, nicht mit dem Zentrum eine Koalition einzugehen. Metro-Goldwyn-Mayer bringt die große deutsch-amerikanische Charakterdarstellerin MARIE DRESSLER in dem deutschen Sprech film Die fremde Mutter mmmmmmmmmmammmmmmmm mit Wallace Beeryf Oorothy Jordan Burg-Kino Tel.: B-20-3-99 Kreuz-Kino Tel.: R-24-2-16 Schweden-Kino Tel.: A-4Ö-5-80 Warum London? Warum nicht Genf? Von Dr. S. E. Soskin (Genf) „Was fragen Sie so naiv?" höre ich die Stimme unserer AUwisser, unserer „Diplomaten". „Wissen Sie denn nicht, daß die Balfour-Deklaration uns von England gegeben wurde, daß das Colonial Office in London seinen Sitz hat, daß Weizmann in London lebt? Und schließlich gab es doch dazumal kein Genf!" Es ist gewiß müßig und heute wohl auch überflüssig zu untersuchen, ob es notwendig und klug war, die zionistische Exekutive nach dem Krieg in London zu placieren. Es war geschehen. Was wir aber prüfen müssen ist, ob bei der gegenwärtigen Situation im Zionismus es noch ratsam ist, die Exekutive in London zu belassen. Wie sich die Dinge entwickelt haben, nahm der Zionismus nicht zuletzt durch die Tatsache des Sitzes der Leitung in London eine ausgesprochen englische Orientierung an. Er wurde zu einer englischen Angelegenheit, zu einer Sache zwischen Juden und Engländern, der die übrige Welt nur zugeschaut hat. Am Anfang schwebte wohl unseren Londoner Führern eine Art Vasallcnverhältnis zwischen uns und England vor, das die rauhe Wirklichkeit der letzten Jahre in unzweideutiger Weise zu einem Verhältnis von mächtiger Metropole zu einem Protektorat, ja zu einer kleinen Kolonie gestempelt hat. Zu einer Kolonie mit einer überwiegend arabischen Bevölkerung, die demgemäß auch, d. h. zum Wohl der ansässigen, in der großen Mehrzahl arabischen Einwohner, entwickelt werden soll. Aber die Balfour-Deklaration!? Sie versprach doch etwas den Juden im Jahr 1917, und 5 Jahre später wurde doch das Mandat für Palästina geschaffen, welches usw.! Trotzdem fast um dieselbe Zeit, da das Palästina- Mandat von dem Völkerbundrat verabschiedet wurde (24. Juli 1922), England schon den ersten Beweis lieferte, daß es Palästina als sein Protektorat betrachte, in dem es nach Belieben im Interesse seiner eigenen Politik schalten und walten kann —• ich meine die am 16. September 1922 vom Völkerbundrat auf Antrag Großbritanniens gutgeheißene Abtrennung von Transjordanien —, sahen wir nicht, wohin die Fahrt ging. Wir nahmen diese Handlung, wie alle die nachfolgenden, hin, trotzdem die zionistische Exekutive in 77. Grat Russell Street, London WC I, saß — oder vielleicht gerade* deswegen? Irgendwann und irgendwo soll Weizmann zur Kennzeichnung desUmfangs der von ihm geleisteten Arbeit gesagt haben, er sei hundertzweimal ins Colonial Office gegangen, Der verstorbene Leopold G r e e n b e r g bemerkte dazu in einem Leitartikel seines „Jcwish Chronicle", von den 102 Besuchen wären die 100 zwischen dem ersten und dem letzten überflüssig, ja schädlich gewesen. Diese wenigen Worte, wenn sie gesprochen wurden, charakterisieren treffend das Verhältnis zwischen uns und England, wie es sich in London nach 'und nach herausgebildet hatte und seinen Nutzeffekt. Wir hatten uns in völlige Abhängigkeit von England begeben, wir selbst, ohne äußeren Zwang. Denn wir waren „Diplomaten", kluge, weitsichtige Diplomaten. Aber seit 1922 besteht doch auch Genf für uns. Das Mandat für Palästina wurde zwar England übertragen, die Kontrolle über die Durchführung dieses, wie überhaupt aller Mandate der verschiedenen Kategorien, übernahm der Völkerbund. Die technische Körperschaft, der die Prüfung der Tätigkeit der Mandate obsJiiiiliiiiiiilifiiiiiittiiiiiiiltiiiiiifiiiiiiiiiiiiifftiniiiitifiiiiiiiiH | Neurenoviert! j § Vegetarisches Speisehaus | ML EILEN 5 11/ Untere AugaHenstvaße Nr« 13 5 Eingang Förstergasse 7 / Tel. A-49-3-13 | Volkstümliche Preiset! •ftiiiiiuiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiun; liegt, ist die Ständige Mandats-Kommission, deren Mitglieder in der Mehrzahl Angehörige von Staaten sind, die kein Mandat erhalten haben. Diese Kommission übergibt ihre Berichte und Resolutionen dem Völkerbund- Rat, der eine politische Körperschaft ist. Nun, so scheint es, wäre der Moment gekommen, wo wir, dem Umstand Rechnung tragend, daß der Völkerbund die Kontroll-Instänz über das Palästina-Mandat wurde, in Genf eine adäquate Vertretung hätten errichten sollen, wie es sehr viele Völker zur Wahrnehmung ihrer Interessen im Völkerbund taten. Es bestehen in Genf ständige Delegationen, die mit mehreren ihren ständigen Wohnsitz habenden Mitgliedern besetzt sind, von Finnland, Jugoslawien, Persicn, Polen, Portugal, Rumänien, Ungarn. Ständige Vertreter haben hier China, Dänemark, Irland, Kanada, Kolumbien, Kuba, Lettland, Südafrika. Wir sind zögernd nach Genf gekommen. Erst 3 Jahre nach Schaffung des Mandats, im Jahre 1925, wurde ein Büro in Genf aufgemacht. Der offizielle zionistische Vertreter lebt nicht einmal hier. Das Büro wird von einem Sekretär versehen. Und wir haben doch, weiß Gott wie nötig gehabt, hier eine von mehreren arbeitsfähigen, auf verschiedenen Gebieten kompetenten Mitgliedern besetzte Delegation zu besitzen und nicht einen Gastrollen absolvierenden Vertreter. Aber jetzt geht es nicht darum. Wir müssen hier nicht eine Filiale der Londoner Leitung haben, sondern der Sitz der Zionistischen Exekutive müßte hierher verlegt werden. Es ist an der Zeit, uns von der Abhängigkeit von London loszulösen und uns an die übrige Welt zu wenden. Nachdem uns die bittere Erfahrung gelehrt hat, daß wir durch unser eigenes Verhalten die Welt entwöhnt haben, den Zionismus als eine öffentliche Angelegenheit, als eine öffentliche Verpflichtung zu betrachten, indem wir uns ausschließlich auf England eingestellt hatten, müssen wir uns endlich an die einzige Stelle wenden, die uns gegenüber verpflichtet ist: an den Völkerbund in Genf. Hier muß die Zentrale errichtet werden, London braucht nur eine Vertretung zu haben; ebenso übrigens wie die Hauptstädte der anderen Länder, die im Völkerbundrat sitzen und über unser Schicksal entscheiden. Nur müßte eine Londoner Vertretung der Zionistischen Exekutive mit besonders geeigneten Personen besetzt sein, solange England das Mandat über Palästina ausübt. Von Genf aus muß der uns aufgezwungene Kampf für unsere Rechte geführt werden. Hier können wir einen besseren Resonanzboden finden als sonstwo in der Welt. Die internationale Presse kann für eine zielbewußt organisierte Kampagne von hier aus leichter nutzbar gemacht werden. Von hier aus können wir bequem mit denjenigen Kreisen und Personen (die nicht allein in England zu suchen sind) in Beziehung treten, die uns in der bevorstehenden Arbeit der Wiedererweckung des allgemein menschlichen Interesses für die Sache der Juden, die zugleich auch eine Sache der Menschlichkeit ist, helfen müssen. Der Zionismus muß aus dem ■ Hörigkeitsver- ' hältnis zu England heraus. Er muß wieder eine Anj gelegenheit der Welt werden und als solche behandelt : werden. Haben wir einmal die Zentrale der zionistischen Bewegung nach Genf verlegt, so ergibt es sich von selbst, daß wir auch unsere Kongresse hier abhalten, möglichst in der Periode, da die allgemeine Versammlung des Völkerbundes — die Assemblee Generale — tagt, d. i. im September. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß manche internationalen Delegationen, manche Vertreter der Weltpresse die Gelegenheit wahrnehmen werden, sich über die Ziele des Zionismüs, seine Politik, die Kämpfe der Parteien aus erster Quelle zu orientieren, geschweige der speziellen für den besonderen Zweck^ zu veranstaltenden Kundgebungen, zu denen offizielle Vertreter der an der Assemblee teilnehmenden Regierungen erscheinen würden. Die Sprachenfrage ist kein Hindernis. Spricht man doch sowohl im Völkerbund wie auch bei anderen Veranstaltungen, verschiedene Sprachen — beim Kongreß der Minderheiten war die Verhandlungssprache vorwiegend Deutsch. Die Delegierten können sich4 hier in Genf ebenso gut und leicht bewegen wie in Basel. Was man aber an Kosten ersparen würde dadurch, daß die Kongresse am Ort abgehalten werden, wo sich die Büros und das Personal befinden, läßt sich nicht schwer errechnen. Alles spricht dafür, daß der Sitz der Exekutive nach Genf verlegt werde. Je eher, je beser. Wird die Frage aufgeworfen, ob London oder Genf, so kann es nur die Antwort geben: Genf! AUS PALÄSTINA. Ausklang der Levante-Messe Für die auswärtigen Handelsdelegationen, die sich als Vertreter ihrer Regierungen oder der wirtschaftlichen Organisationen ihrer Länder zür Levante -Messe eingefunden hatten und jetzt in ihre Länder zurückkehren, fand im Hauptmessegebäude zu Tel-Awiw ein Empfang statt. Der Direktor des Regierungsdepartements für Handel und Zölle, K. W. Stead, führte den Vorsitz. Die einzelnen Führer der auswärtigen Handelsdelegationen, unter ihnen auch der Vertreter von Sowjetrußland, Mayorowe, betonten in ihren Dankansprachen, daß der Verlauf der Messe dazu beigetragen hat, das Interesse ihrer Länder an der Palästina-Industrie wie überhaupt an den Palästina-Erzeugnissen zu erhöhen. Achi-Meir im Gefängnis Jerusalem, 8. Mai. Der von der letzten palästinensischen Revisionistenkonferenz zum Führer der Landespartei der Revisionisten gewählte A c h i - M c i r und zehn andere junge Revisionisten hatten sich vor dem Jcrusalemcr Gericht wegen Störung der Antrittsvorlesung von Norman B e n t w i c h an der Hebräischen Universität im Februar zu verantworten. Achi-Meir und die übrigen Angeklagten wurden zu ge-