Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 243 (13.5.1932)
- Date
- 1932-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 DIE NEUE WELT Nr. 245 vor Preis und Qualität der' S18.-, 24-, 32.- VII, KatserstraBe 123 IX, Alserstrafta 6 feld, ein alter Freund Theodor Herzls und dessen Familie als Verwandter nahestehend, seit Jahren ein treuer Wahrer des Unterlassenen Herzlscheu Materialerbes, gab uns folgende Schilderung der Sachlage: „Als Herzl im Jahre 1904.starb, wurde der ganze literarische Nachlaß den in Wien weilenden Herren Johann Kremenczky, Josef Cowen und David Wolfsohn anvertraut. Ich habe damals das ganze (literarische nnd zionistische) Material in die Hände Prof. Leon Kellners gelegt, der von Herzl zur Bearbeitung autorisiert war. Prof. Kellner ging auch-tatsächlich an die Bearbeitung heran und legte ein genaues Verzeichnis an, worin auch das in Rede stehende- Notizh iftchen aus der Zeit 1882/87, 81 Seiten stark vermerkt ist. Das Nptizheftchen enthält Reiseeindrüoke, privatpersohliche und kritische Bemerkungen über literarische Erscheinungen. Als Hans Herzl nach dem Weltkrieg in Wien weilte, gab ihm Prof. Kellner diese Tagebuchnotizen des Vaters zur Lektüre. Er nahm an, daß die zahlreichen Bemerkungen des Vaters, der in seinen Jugendjahren nicht frei war von Gemütsdepressionen und Selbstanklage, deren er sich später erwehrte und zu größer Tat schreiten konnte, auf ihn, Hans Herzl'; wohltätig wirken, d. h. zur Festigung seines Charakters beitragen könnten. Hans nahm das Heftcheju nach London mit. Leon Kellher starb und das Heftoheri blieb nach wie vor bei Hans in London. Im Testament Hans Herzls findet sich keine Erwähnung dieses Notizheftchens. Es heißt nur darin, man möge alles Persönliche und mit seinem Vater Zusammenhängende nach Wien bringen. Der von Hans Herzl bestimmte Testamentsexekutor, ein Herr Job so n in London, konnte aus privaten Gründen diese Funktion nicht übernehmen, worauf sich Herr Joseph Leftwich dem englischen Klub, dem Hans angehörte, erbötig machte, als Testamentsexekutor zu dienen. Frau Trude Herzl-Neumann, die den Freunden ihres verstorbenen Bruders Vertrauen schenkte und ' sich nicht rechtzeitig von ihren hiesigen Freunden Rat holte, ließ sich von Hern Leftwich bewegen, die Tagebuchblätter um 40 Pfund nach Wilna zu verkaufen. Als das bekannt wurde, setzten von zionistischer Seite Nachforschungen darüber ein, unter welchen Rechtsverhältnissen Herzls Tagebuch in . den Besitz des Wilnaer Instituts gelangt sei. Ich habe feststellen können, daß, wie bereits erwähnt, in Kellhers Registrierbogen betreffs der Herzischen Nachlaßschrifieti1 das in Rede stehende Heftchen (1882/87, 81 Seiten stark) Verzeichnet ist, daß also dieses Heftchen*-in. Theodor? Herzls Nachlaß und nicht in Hans Herzls Nachlaß gehört. In den letzten Monaten setzten Bemühungen seitens Trude Herzl-Neumanns (die sich erst in einem späteren Zeitpunkt über die Sachlage klar wurde) und seitens der Zionistischen Organisation ein, das Tagebuch wieder dem Theodor-Herzl-Nachlaß einzuverleiben. Trude Herzl-Neumann ihrerseits stellte die ihr seinerzeit geleistete Rate von 10 Pfund dem Wilnaer Institut zur Verfügung, das übrigens den Zahlungsmodus nicht einhielt und so Terminsverlust eintreten ließ. Auch die Zionistische Organisation unternahm entsprechende Interventionen. Da nun trotz klarer Sachlage das Wilnaer Institut die Rückstellung des Tagebuches verweigerte und statt dessen eine Kopie des Originals aftbot, mußte die Angelegenheit einem Rechtsvertreter in Wilna übergeben werden. Das ist in: großen Zügen der mir bekannte Sachverhalt." Die Austragung der Angelegenheit nimmt ihren Fortgang. Die jüdische Welt hat ein Interesse daran, die frühen Notizheftchen Theodor Herzls dort zn wissen, wohin sie sinngemäß und moralisch zuständig sind. Bekanntlich befindet sich das Herzl-Archiv im Hause des Mitbegründers des Jüdischen Nationalfonds Ing. Johann K r e m e n e z k y in Wien. Ing. Kremenczky ist soeben aus Palästina zurückgekehrt, wo er u. a. Nachforschungen anstellte, in welcher Weise dort das literarische Archiv Herzls aufbewahrt werden könnte. Herzl§ Brief andie englisdienZloviiifien Dem Begrüßungsschreiben. Herzls an die Londoner Zionistenkonferenz vom Jahre (898 ist zu.entnehmen, daß Herzl große Hoffnungen auf die Kraft des englischen Judentums setzte und in seinem weitsichtigen Blick die künftige Bedeutung Großbritanniens finden Zionismus erkannte. Herr Präsident! Es ist'mir zta meinem größen'Bedauern nicht möglich, aii der Konferenz .. englischer; Zionisten teilzunehmen,'Das.. Wiener. Zentralkomitee. ist jedoch durch einen Vertrauensmann bei Ihnen vertreten. Mein Bedauern, irt diesem Augenblick nicht nach Eondon kommen zu können, ist keine Redensart. Meine Bad Gleichenberg 300 m Seehöhe Steiermark Kurzeit: April—Oktober Berühmte Heilquellen, natürlich-kohlensaure Bader, pneumatische Kammern, Inhalatorien Hervorragende Heilerfolge bei Katarrhen, Asthma, ver,a„gen Emphysem, Herzleiden; Pt08^ dpej. Schönster Erholung sau f e n t h a 1 Kurkomojission.,.. Pension vo^,8.—.aufwärts ,,. _ .1); ' "'. . ' V' ' 1 .r ' freufacTe in England wissen, Hvie sehr ich mich zu 'den englischen Zionisten' hingezogen fühle und wie viel ich von ihnen für das uns; allen gemeinsame, uns allen so teure Werk erwarte. Vom ersten Augenblick an, wo ich. in die " Bewegung eintrat, wat meine Aufmerksamkeit nach England gerichtet; weil ich bei der allgemeinen U|f ION DER ZIONISTEN - REVISIONISTEN rAaTb* GfAflinAnn vizepr&^ m^m%Smt' ^üvlliliailllWOcii de»■ :tMm>mäm^ ua^^as im (London) Hotel Continental,^ „DIE POLITISCHE LÄGE IM ZIONISMUS" Regiebeitrag von 50 Groschen bis 1 Schilling I Ret'aurant Bidet iw I Bestrenommierte Küohe Im neueröffneten | I GÖSSEN j.OB(flt I •'■ IHHHHHMpHHHMP^^iBB^I^eHeBIHBHBBIIBBBi'.. "»'.SU 1 II, Hammer •Purgstahgasse Nr. 3 | liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Lage der Dinge dort den archimedischen Punkt sah, wo der Hebel anzusetzen sei. Die jetzt noch glückliche Lage der englischen Juden, ihre Kulturhöhe, ihre stolze Anhänglichkeit an den allen Stamm ließen sie mir von vorneherein als die richtigen Männer zur Ausführung des Zion4ged«akens erscheinen. Ich habe mich in dieser Ansicht nicht' irre machen lassen durch das Fehlsdilogen manchen Versuches, namentlich in der ersten Zeit, und selbst als die Chowewc Zion im vergangenen Jahr erklärten, nicht nach Basel zum Weltkongreß kommen zu wollen,' hat mich dies in meinem Vertrauen und in meiner Freundschaft für die englischen Zionisten nicht wankend'gemacht. Ich wußte, und sagte, daß sie noch kommen würden. < Durch Ihren Anschluß an die allgemeine Bewegung haiben Sie ein rühmliches Beispiel dafür gegeben, wie eich einzelne und selbst ganze Gruppen den Ideen und Wünschen der Nation unterzuordnen haben. So muß jeder von uns handeln, wie Sie es in diesem Fall nach dem Basier Kongreß freimütig getan haben. Bewegungen, in , denen der Einzelne, auch wenn er an der Spitze steht, sich der Sache jederzeit unterordnet—solche Bewegungen sind unwiderstehlich. Ihre, jetzige Konferenz ist, glaube ich, die erste, dieser Art in England. Ich halte sie in, jeder Beziehung, für sehr bedeutsam. Es, wird hoffentlich die vollständige Zustimmung aller englischen Zionisten zum Basler Programm erfolgen. Gleichzeitig werden .Sie die Vorkeh-, rungen für den zweiten Kongreß treffen, der am letzten Sonntag im August dieses Jahres wieder, in Basel seine. Verhandlungen beginnt. Sie werden sich für die Beschickung dieses Kongresses organisieren und auch für die Vertretung der englischen Kolonien sorgen, Wie Ihnen bekannt ist, beschäftigt sich das Wiener Zentralkomitee auf,. das Angelegentlichste mjt den Vorarbeiten,. zur. Gründüng . der großen jüdischen Kolqnialbank, die ihm vom ersteh Kongreß aufgetragen \|urde..Yi> _ ."; „■..■." ,"• ' . f . Der, praktische Sinn der Leute, sagt ihnen, eben,, daß diese Bank das richtige Instrument ist für 'unsere! , Zwecke, daß diese Bank aber „auch an und für sicli Joel den Juden der ganzen Welt sofort populär sein und . folglich gleich mitten in den Weltverkehr eintreten wird. Da nun London der, Sitz der Bank sein soll, ergibt sich für Ihre Konferenz gleich ein Komplex von praktischen Fragen, deren Beratung im allgemeinen Intejesse höchst erwünscht, wäre. Der Zionsgedanke macht täglich Eroberungen,; selbst an Orten, die ihm am feindlichsten waren, selbst in Gesellschaftskreisen, die sich ihm anfangs ein bißchen hochmütig verschlossen. Diese überraschenden Erfolge in der öffentlichen Meinung dürfen uns nicht-sorglos machen. Sie müssen uns eine Mahnung sein, daß wir das erworbene Ansehen^ unserer Bewegung erhalten und vermehren. Wir werden rasch und hoch zum Ziele kommen, wenn in unserer; Der ewige Zionismus Eine Vorlesung über jüdische Geschichte Von Vlagimir Jabotinsky Auch als Nichtmarxist kann man das marxistische Prinzip, daß der Hauptfaktor aller geschichtlichen Erscheinungen der Zustand der Produktionsmittel sei, akzeptieren. Spricht aber ein landläufiger Marxist von Produktionsmitteln, so versteht er darunter die materiellen Mittel, den Steinhammer der prähistorischen Zeit, die Stahlmaschine unserer Tage. Hier irrt. er. Das sind in Wirklichkeit nicht die wichtigsten Mittel der Produktion. Bevor der Mensch den ersten Hammer erfindet, denkt er darüber nach, was er produzieren wjlll und was er dazu braucht Er muß sich den Hammer ausdenken. Hauptsache ist das Denken. Das oberste, erste und wichtigste aller Produktionsmittel ist unser geistiger Apparat. Der geistige Apparat ist bei jeder Rasse verschieden. Das hat nichts mit der Frage, zu,tun, ob es im allgemeinen reine Rassen gibt. Gewiß ist jede Rasse gemischt, auch wir Juden. Aber die Mischung ist verschieden. Zwei Dosen Wasserstoff und eine Dosis Sauerstoff ergeben in der Chemie Wasser; zwei Dosen Wasserstoff und zwei Dosen Sauerstoff ergeben eine ganz andere, Flüssigkeit, die man nicht trinken darf, aus der man aber eine brünette Frau in eine blonde verwandeln kann. Die Ingredienzien, aus denen sich die jüdische Rasse bildete, und die Proportion ihrer Mischung sind nicht die der Italiener oder Engländer. Und das genügt zum Unterschied. Irland er sind eine Mischung und auch Schottländer, aber der Unterschied, in der Psychik* d. h. im geistigen Apparat, ist gewaltig, wie* wohl hier die Ingredienzien fast dieselben sind, aber m verschiedener Proportion. Da? Wesen des geistigen Apparates hängt von der Rasse ab, von der Vernunft,1 dem größeren oder geringeren Maß der Neigung, neue Wege zu suchen, der Bereitschaft, sich bestehenden Zuständen zu unterwerfen oder der Kühnheit, die zu Erfindungen drängt oder der Zähigkeit oder der Wesensart, nach dem ersten Mißerfolg rasch zu ermüden. Das oberste Produktionsmittel selbst ist ein Produkt der Rasse. Das ist der Grund, warum jede klargeformte Rasse eine Nation zu werden anstrebt, d. h. sich bemüht, eine abgesonderte Gesellschaft zu bilden, die eigener Art, eigenen Gewohnheiten, eigenen Vorzügen und Mängeln. entspricht: Alles, die Sprache, die Wirtschaft,, die politische Struktur, kurz, die Kultur; Denn die nationale Kultur besteht nicht nur aus Büchern und Musik, wie manche glauben, sie ist die Summe aller Gebräuche und Einrichtungen und Lebensformen eines Volkes. Daß bei den Deutschen Pünktlichkeit vorherrscht, bei den Russen die Neigung, aus einem Extrem ins aridere zu verfallen — auch das ist nationale Kultur. Der wichtigste Teil der englischen nationalen Kultur ist gar nicht Shakespeare, vielmehr jene Eigenschaft, die ihnen das parlamentarische System schaffen half und, das Geschworn enge rieht, bevor andere Völker es einführten, Wenn die eine Nation von der anderen etwas übernimmt, so ist das nicht dasselbe. Das Uebernoramene bekommt bei jeder Rasse eine andere Form. Der Parlamentarismus z. B. trägt einen ganz anderen Charakter in England als in Spanien öder Frankreich. Das will nicht sagen, daß die Sache bei dem einen Volk schlimmer, bei dem andern Volk besser sei, aber sie ist verschieden. Für die Wirtschaft. gilt das vielleicht noch mehr, als für die Politik. Wirtschaft ist streng, national. Man vergißt daran, weil man den Prozeß, des Ökonomischen Lebens in jedem Land gleich sieht, aber in den ähnlichen Prozessen liegt immer ein gewaltiger Unterschied in Form, Brauch, Temperament; Frankreich und England sind beide stark industrialisiert und besitzen die gleichen Maschinen* Aber es genügt, in beiden einige Jahre zu verleben, um die Kluft zu, sehen, die in ihren Methoden und in ihrer wirtschaftlichen Aktivität liegt. Jede klar geformte Rasse will eine Nation werden,, d. h. für sich eine wirtschaftliche, geistige und politische Atmosphäre schaffen, wo jedes Teilchen aus. ihren* eigenen Denken entstanden ist und so ihrem eigenen Geschmack entspricht. Eine solche Umgebung kann nur im eigenen Land entstehen, wo dies© Ras«« Herr ist. Deshalb strebt.jede Rasse danach, ein Staat zu werden, jede. Die eine: strebt stark» weil sie dazu di* nötige Zähigkeit besitzt, die andere schwächer, weil ihr die Kraft des Widerstandes fehlt. * Die klarste Illustration hiefür sind die Juden« Unsere Geschichte beginnt damit, daß wir vor mehr als 3000 Jahren ein eigenes Land suchten; und heute suchen, wir wieder ein Land, u. zw. dasselbe. Aber nicht nur in diesem „Z i o n i s ra u s" vom, Wüstengeschlecht bis zu den Chaluzim kommt unser ewiges Streben nach dem eigenen Land zum Ausdruckt Auch' in den Haupterscheinungen unserer Galuth« geschlchte, in unserem Wirtschaftsleben, unserem .reüV giösen Mythos, .sogar in unserem Alltagsleben von. heute, Wenn ein Judenfeind uns vorwirft, wir seien hauptsächlich Kaufleute, antworten wir für gewöhnlich;