Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 242 (6.5.1932)
- Date
- 1932-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 242 DIE NEUE WELT Sefte 5 ganisation, die der Internationale angehört, kann mit ihrem Geschrei nach „organisierter" Arbeit nichts erreichen, denn der Pflanzer weiß, daß er dieser Forderung auch dann nachkommen würde, wenn er einen organisierten arabischen Arbeiter anstellen und ihm den gleichen Lohn zahlen würde wie einem jüdischen. Da er sich einer geschlossenen Klassenfront gegenübersieht, die ihm gestattet, arabische Arbeiter zu genübersieht, die ihm gestattet, arabische Arbeiter zu beschäftigen, wenn sie organisiert sind, stellt auch e r sich auf s e i nen Klassenstandpunkt und beschäftigt unorganisierte arabische Arbeiter, deren Lohnforderung eine geringere ist. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß die Zeitung der Histadrut. „Dawar*, meist nur von „billiger" oder „unorganisierter", sehr selten aber von „fremder" oder gar „arabischer" Anbeit spricht. Oder: In einer Kundgebung der jüdischen Arbeiter in Nathania gegen die dort einreißende arabische Arbeit verlangten die Mitglieder der allgemeinen Arbeiterpartei, daß von „billiger und unorganisierter", nicht aber von arabischer Arbeit die Rede sein soll, wie es die revisionistischen Arbeiter verlangten. Aus dieser Einstellung heraus wußte die Histadrut nicht, den jüdischen Unternehmer, der ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt, genügend zu schätzen. Wir sind gewohnt, die Klagen dieser Pflanzer über die verächtliche Haltung ihrer Arbeiter ihnen gegenüber zu hören. Sie betrachten diese als Ausbeuter, als Menschen zweiten Grades, als „Parasiten" usw. und drohen ihnen mit dem „Tag der Abrechnung"... Es ist selbstverständlich, daß eine solche Haltung den Unternehmer nicht günstig stimmen kann, wenn wir auch glauben, daß seine Klagen weit übertrieben sind. Jedenfalls wird er schließlich dazu gelangen, sich selbst als einen „Klassenmenschen" zu betrachten, wie es ihm seine Arbeiter täglich vorhalten, und wird in Konsequenz dieser Erkenntnis arabische Arbeiter beschäftigen, um das Maximum des Ertrages zu erlangen. Zwar bringt der jüdische Arbeiter der Kolonie viel ein, da er der Käufer der Kleinhändler der Kolonie ist, und auch seine Bedeutung für die Sicherheit der Kolonie ist nicht zu unterschätzen. Jedoch spürt der Unternehmer dies nur indirekt, im tagtäglichen Leben gar nicht. Die ersten Schritte der Nationa/len Arbeiterorganisation müssen darauf gerichtet sein, dem zionistischen Unternehmer einen zionistischen Arbeiter zu geben, die sich gegenseitig als Bundesgenossen betrachten sollen. Hiefür jedoch ist erforderlich, daß audi der zionistische Unternehmer sich vom niohtzionistischen trenne. Ohne nationale Pflanzerorganisation wird die Nationale Arbeiterorganisation in der Kolonie keinen Bestand haben. Zwar bestand vor einigen Jahren ein zionistisch gesinnter „Verband nationaler Kolonisten", der sich jedoch nach einiger Zeit mit dem allgemeinen — nichtzionistisohen — Kolonistenverband zusammenschloß. Es ist schwer, die Ursache dieses bedauerlichen Zusammenschlusses festzustellen. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß hiebei die Erwägung, man müsse der geschlossenen Klassenorgan isatioa der Arbeiter eine geschlossene Unternehmerorganisation gegenüberstellen, eine Rolle gespielt hat. Die revisionistische Bewegung, die die Initiative zur Bildung encr Nationalen Arbeiterorganisation ergriff, muß jetzt die Aufgabe übernehmen, eine nationale Unternehmer Organisation zu schaffen und beide Verbände zu einem Einvernehmen in der Form von neutralen Anbeitsnachweisbüros, obligatorischer Schiedsgerichtsbarkeit bei Konflikten usw. zu bringen. Was hat die Opposition geleifref? Die Londoner jüdische Zeitung' „Die Zeit", die sich seit jeher in den Richtlinien der offiziellen zionistischen Politik von Great Russel-Street bewegte, veröffentlicht aus der Feder ihres amerikanischen Mitarbeiters Sch. Goldenber,g einen Aufsatz, der sich mit der Wirkung der revisionistischen Opposition auf den Gang der zionistischen Politik eingehend befaßt. Nachstehend die wesentlichsten Stellen. Es gibt unter uns viele, die oft ein naives Gesicht machen und fragen: Was hat die Opposition im Zionismus geleistet? Was hat sich seit dem letzten Kongreß bis heute geändert? Wo sind die Früchte, deren sich der Revisionismus rühmen kann? Die guten Leute bemerken nicht, wie sie selbst über all das, was bei uns in der Bewegung geschieht, und über die englische Haltung zur praktischen Arbeit in Palästina in ganz anderem Ton sprechen, als es noch vor ein paar Jahren ihre Gewohnheit war. Sie vergessen daran, daß jeder, der noch vor kurzem ein unzufriedenes Wort über die englische Administration in Palästina zu sagen wagte, als Schreier, Nörgler, als „Äntiweizmannianer", als Zerstörer der Aufbauarbeit verschrien wurde, und daß die ganze Schuld auf das gequälte jüdische Volk geladen wurde, das nicht genug tue, nicht genug Menschen und Kapital nach Palästina schicke usw. Sie vergessen, daß nicht nur die Arbeit der Großen, sondern auch die der Jugend auf einen Punkt konzentriert wurde — auf Geld und wieder Geld, und kümmerte sich wer um , die Bedingungen der Arbeit, um die Forderung der Erleichterung, so würde er nicht nur scheel angesehen, sondern als Nichtsnutz hingestellt, als Mißvergnügter, als ein Mensch, bei dem etwas nicht in Ordnung ist . . . Wie anders jetzt! Auch Engländer sprechen schon von der Enttäuschung des jüdischen Volkes, von der Nichterfüllung des Mandats, und wenn sie auch noch das alte Rezept „Geduld" verschreiben, so spürt man doch schon in ihren Reden den Unglauben an die Kurpfuschermittel, die sie zur Beruhigung unserer Gemüter uns einzunehmen empfehlen. Und die Assefat Hanifcharim in Tel- Awiw! Wer hätte noch vor einem Jahr geglaubt, daß dieselbe Assefat Hanifcharim, die kraft der Arbeitermehrheit jahrelang das Werkzeug in den Händen von Great Russel-Street in den Zeiten des vergangenen Weizmann-Regimes war, den Mut zu einer offenen, klaren Sprache aufbringen werde über das, was uns wehtut und was wir heute fordern! Hätte jemand geträumt, daß die Assefat Hanifcharim, die an Ort und Stelle ist, die Gefahr jeder Forderung kennt, derartige politische Resolutionen über die Lage fassen würde, daß den Revisionisten die Möglichkeit der Rückkehr in den Waad Leumi gegeben und damit zugleich die Schaffung einer einheitlichen Front des gesamten palästinensischen Judentums bewerkstelligt wird? Die zionistische Opposition hat schon viel geleistet, sie hat schon viel in unseren eigenen Reihen geändert und wird noch viel nach außen wirken. Und wenn sie, die Opposition, auch von allen Seiten mit Steinen beworfen wird, auch seitens jener, die bereits sich ihrer Sprache bedienen, und wenn sie auch besudelt wird — so darf sie sich nicht abschrecken lassen und muß ihren ehrlichen, honorigen Weg weitergehen. Notizen Beschränkung der Zulassung von Juden zu den medizinischen und juridischen Berufen in Lettland Der lettländische Unterrichtsminist.er hat Maßnahmen zur Beschränkung des Anteils der Juden an den medizinischen und juridischen Berufen angekündigt und diese damit begründet, daß durch die Ueberflutung dieser Berufe mit jüdischen Elementeil der lettischen Volksmehrheit keine Chance gegeben ist, sich in diesen Berufen entsprechend zu betätigen. Die Politik der Regierung, sagte der Minister, werde „darauf hinzielen, dieses u n p rwünschte Phänomen aus der Welt zu schaffen*'. Der Minister erklärte weiter, er könne das Ansuchen der nationalen Minderheiten um eine entsprechende Erhöhung ihrer Unterrichtsbudgets, speziell was die Juden betrifft, nicht erfüllen, da „z u viele Juden bereits Schulen besuchen'\ Die jüdische Presse Lettlands kritisiert scharf die Aeußerungen des Ministers und hält'ihnen entgegen, daß infolge des faktischen Ausschlusses der Juden, aus dem Staatsdienst und den mit dem Staatsdienst verbundenen Berufen nur einige freie Berufe den Juden offen bleiben. Wird die Betätigung der Juden auch in diesen wenigen Berufen beschränkt, so werden die jüdischen Akademiker in Lettland keine Existenzmöglichkeit mehr haben. Einwanderung von Jcschiwah-Studenten in Palästina. Der politische Sekretär der Weltorganisation Agudas Jisroel hat vom Kolonienminister die Verständigung c Mi, daB der High Commissioner für Palästina, Sir u-tur Wauchope, dem Ansuchen der Agudas Jisroel stattgegeben und Einwanderungszertifikate für 26. Studenten der Or-Soreach-Jeschiwah in Tel-Awiw bewilligt hat. Sobald die Jeschiwah für Unterkunftsmöglichkeiten gesorgt haben wird, werden weitere Zertifikate für Jeschiwah-Studenten bewilligt werden. Das Ansuchen der Agudas Jisroel an das Colonial Office wurde vom Oberrabbinat der United Synagogue, dem Oberrabbiner von Irland, dem Rabbiner der Union orthodoxer Kongregationen und den Rabbinern der jüdischen Gemeinden in Leeds, Manchester, Liverpool und Belfast befürwortet. Lord Melchett in Jerusalem operiert. Lord Melchett, der zu den Pessachtagen nach Palästina kam, ist hier erkrankt und mußte sich einer, leichten Operation unterziehen. Die Wiedergenesung schreitet gut vorwärts. Zusammenstoß bei der Nebi-Musa-Prozession. Jerusalem. Zwischen moslemitischen Pilgern aus dem Dorfe En Karem und Polizei kam es zu einem Zusammenstoß als die Dorfeinwohner entgegen dem Verbot der Regierung versuchten, aus Anlaß des Nebi-Musa-Festes in einer geschlossenen Prozession nach Jerusalem zu ziehen. Zwei Polizisten und mehrere Dorfeinwohner er- Alt werden und jung bleiben möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel dazu ist DIANA FRANZBRANNTWEIN mit Menthol Massagen Einreibungen mit Diana-Franzbranntwein erfüllen mit verjüngender Kraft. Ebenso werlvoll sur Mund« und Haarpflege. Und dabei sehr blMg. Nehmen Sie nur Diana und weisen Sie wertlose Nachahmungen energisch zurück. Ueberau erhältlich! Hut ab vor Preis und Qualität der $18.-, 24.-, 32.- CESCHKA-HOTE VII, KalterflraSe 123 IX, AlteratreBe litten bei dem Zusammenstoß Verletzungen, mehrere Prozessionsteilnehmer wurden verhaftet. Uebertragung des Pessach-Gottesdienstes durch die Radio-Station in Belgrad. Die größte Radio-Station Jugoslawiens, die Belgrader Funkstation, hat am Vorabend des Pessach-Festes, am 20. April, 18 Uhr 45 Min., den Gottesdienst aus der aschkenasischen Synagoge in Belgrad übertragen. Ueber die Bedeutung des Pessach-Festes für das Judentum und die Menschheit sprach Rabbiner J. Schlang; Oberkantor A. Graßmann und Chordirigent S. Großmann besorgten den gesanglichen Teil. Eine sephardische Weltkonföderation. Die Weltkonföderation sephardischer Juden in Paris hat die jugoslawischen sephardischen Gemeinden zum Beitritt aufgefordert. Nach Zusammenfassung sämtlicher sephardischer Gruppen und Gemeinden soll der erste sephardische Weltkongreß zusammentreten. Zweck der Konföderation ist die Vertretung kollektiver Interessen des Sephardentums in moralischer, religiöser und intellektueller Hinsicht, der Schutz und die Konservierung der traditionellen sephardischen Physiognomie. Die Konföderation hat ein Manifest erlassen, in welchem die Notwendigkeit einer Reaktivierung des Sephardentums und dessen Teilnahme an den großen Aufgaben des Gesamtjudentums und am Palästina- Auf bau, betont .wird. Rumänien und der Wiederaufbau Palästinas. Der offizielle Vertreter Rumäniens bei der Levantemesse in Tel-Awiw, Senator Jancu Finkeis tein, ist aus Palästina in Bukarest eingetroffen und hat der Regierung und den rumänischen Wirtschaftsstellen Bericht über seine Beobachtungen in Palästina und über die Aussichten der wirtschaftlichen Entwicklung der jüdischen Heimstätte und deren Rückwirkung auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Rumänien und Palästina erstattet. Senator Finkelstcin glaubt, die führenden Männer der rumänischen Regierung von dei hohen Bedeutung des jüdischen Aaufbauwerkes und von der Wichtigkeit^ einer intensiven Ausgestaltung der Beziehungen zwischen Rumänien und Palästina überzeugt zu haben. In einem Gespräch mit dem Bukarester JTA.-Vertreter äußerte sich Senator Finkelstein über die Notwendigkeit einer innigeren wirtschaftlichen Verknüpfung Rumäniens mit Palästina. _ Paläsiinafragen vor dem englischen Unterhaus London. Im Unterhause richtete David Adams an den Staatssekretär für die Kolonien die Frage, ob er über die in Palästina zur Anwendung gelangenden Methoden zur Feststellung der Zahl der Arbeitslosen etwas mitteilen könne und ob geplant sei, eine Prozedur zwecks Erzielung zuverlässiger Arbeitslosenzahlen in Palästina einzuführen. Der Kolonienminister Sir Philipp Cunlifft- Lister erwiderte, daß für die Sammlung von Arbeitslosenstatistiken in den kleineren, Städten und in den Dörfern die Distriktsbeamten, in Jerusalem, Haifa, Jaffa und Tel-Awiw die Einwanderungsbeamten verantwortlich sind. Es wird geplant, den Distriktsbeamten zur Unterstützung in dieser Arbeit Beamte der Departements für Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Forstwesen und Unterricht, die in einem engeren Kontakt mit der Oeffentlichkeit stehen, zur Seite zu stellen. Kürzlich wurde; dem Einwanderungsdepartement ein Beamter beigegeben, der jene Beamten beraten soll, die mit der Sammlung von Nachrichtenmaterial über die Arbeitslage betraut sind. Dieser Beamte wird für die Zusammenfassung aller einlaufenden detaillierten Berichte verantwortlich sein. David G r e n f e 11 (Arbeiterpartei) richtete an den Staatssekretär für die, Kolonien die Frage, was die Regierung zu tun gedenke, um den Touristenverkehr in Palästina zu fördern. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Sir Robert Hamilton erwiderte: Ich bin nicht informiert, ob ein neuer Plan zur Förderung des Touristenverkehrs in Palästina besteht, aber ich bin dessen vollkommen sicher, daß die Palästina-Regierung die Bedeutung des Touristenverkehrs für das Land voll zu würdigen weiß und daß man von ihr erwarten könne, daß sie alles dem Touristenverkehr Dienende tun wird. Grenfells weitere Frage, wann die Wahlen in den Jerusalemer Stadtrat stattfinden werden und welche Maßnahmen geplant sind, um ein Wahlrecht auf breitester demokratischer Basis zu sichern, erwiderte Sir Robert Hamilton: Eine definitive Antwort kann ich darauf nicht geben. Als die Angelegenheit vor einiger Zeit zur Sprache gebracht wurde, bestand die Absicht, die Wahlen zu den Stadträten bis nach Inkrafttreten einer neuen Regierungsverordnung über lokale Verwaltungen zu verschieben. Der Entwurf einer solchen Verordnung wird in Kürze den Munizipalräten iu Palästina zur Erwägung unterbreitet werden. Ich zweifle nicht daran, daß bei der Ausarbeitung dieser Verordnung die Regierung Palästinas dem im zweiten Teil der Anfrage Grenfells berührten Punkt in angemessener Weise berücksichtigen wird.