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Die neue Welt · 1932-04-29 · Heft 241 (29.4.1932) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 241 (29.4.1932)
Date
1932-04-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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r c A DÜ NEUE VVüLT Nr. 24-n Auch in unserer religiösen Lehre gibt efi am Anfang das N Paradies, aber es ist nicht das goldene Zeitalter der arischen Legende. Die Arische Auffassung ist vom römischen Dichter- Ovid genau beschrieben worden: Da» «rate Zeitalter war das goldene, worin Recht und Gerechtigkeit aus eigenem freien Wüllen geübt wurden. Hier gibt es bereits eine Gesellschaft, eine Menschengemeinschaft, die den Begriff Recht und Gerechtigkeit, d. h. den Unterschied von Gut und Böse, kennt, fm jüdischen Mythos wissen Adam und Eva, solange sie im Paradies leben, nicht, was gut und was böse sei. Im Augenblick, da sie des Unterschiedes gewähr werden, d. h., daß sie aus animalischen zu menschlichen Wesen werden, müssen sie das Paradies verlassen und die „Gesellschaft", das erste „Zeitalter", wird inmitten einer wilden Welt von Gefahr und Leiden geboren, einer Welt, die „verbessert" werden muß. Das ist das Hauptmerkmal der sozialen Philosophie der Bibel. Qott hat die Welt geschaffen, aber ihr Bild muß der Mensch selbst zu Ende formen. Zu diesem Zweck muß er kämpfen, sogar mit Gott ringen, um das, was in eine gerechte Weltordnung sich nicht einfügt, zu ändern. Und seine Waffe in diesem Kampf, ist der Begriff des Guten und Bösen, sein Geist und seine Vernunft. (Schluß folgt) Zur Hebräischen Wodie in Wien Im Rahmen der Hebräischen Woche fand Samstag, den 23. April 1932, eine Vertrauensmännerkonferenz aller zionistischen Fraktionen und zionistischer Man* datare und der Wdzo statt. Der Präsident der Histadruth Iwrith, Herr Dr. Rotibblum, referierte über /weck und Ziel der hebräischen Woche, über die Bedeutung der Brith Iwrith Olamith und über die \nfgwbe», die der Histadruth Iwrith in Wiea in AusfUhrnnir der übernommenen Kulturaufgaben zufallen. Hierauf referierte Herr Dr. S. Hofowitz über die Bedeutung der 'hebräischen Sprache in der ziOttietischen Kulturarbeit. Herr Dr. Tartakower behandelte in seinem Referat interne Orgaftisationsfragen der Histadruth. An der Diskussion nahmen teil die Herren: Dr. Oskar Grühbaüm. Dr. DeMder Fried« mann, Prof. M. Rath, Dr. N. &moii«ky, Dr. Hosen. Es wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die am 23. April 1952 versammelten Vertreter aller zionistischen Fraktionen Oesterreichs begrüßen die Gründung der Brith Iwrith Okmith und «lachen es federn /.ionisten 7.ur Pflicht, der Brith Iwrith ölamith beizutreten. Zum Schlüsse wurde eine Kultur* und Er* /.iohunp&kommistiion gewählt, der folgende Herren Angehören: Das Präsidium der Histadruth, Dr. Orttn* bäum, Dr. Friedmann, Prof. Rath, Dr. Rosen, Viktor Bauminger, Dr» N. Samonsky. Die Vertreter der Radi» kalen und der Wko stellten die Na<mhaftmaehüng zweier Mitglieder ihrer Gruppen in Aussieht. (Näherer Bericht folgt.) Die unteremähtteri jüdischen Massen Warum Stcinraetz>Brot? Das jüdische Volk, das der Welt die Bibel guib, findet in diesem Werk unzähligte Hinweise muf Getreide und Brot. Waren doch Unsere Ahneft Bauern und die damaligen Umlauf smittel<?- ^Scheffel Getreide. Man wußte, daß -Weisen und Rödgen ziemlich alle Stoffe enthalten, die man zur Erhaltung und ilim Aüfibaü d«s Körpers braucht. Aber die Getreidemüllejci hat aus dem unentbehrlichsten Stoff „B r o t", dem Symbol der Ernährung, etwa« gemacht, da« derb Wesen der Ernährungzuwiderläuft: sie hat die wichtigen Elemente — die Mineralstoffe und Vitamine — durch überfeine Sichtung beim Vermählen ausgeschieden und so das Mehl seiner Nähr* säfte beraubt „Weißes Mehl' und „weißes, Brot" war sssBsnsssf SIEGM. KORNMEHL OROSSFLEISCHHAUEAfil Zentrale: I3U Bergfl&Sge 19> Tel» A»17«3»99 tt, A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen fttr •^•Pleiten NMHHHMHU unter Aufsieht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. I Kultusgemeinde Wien Ii AUtOKU*t«liUnft KOftttftlOS II II IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währlngeratr. 97 fl jÜlllU 1]MJ!^mii.mj..alujjiUj.i^ . V »rnmimtimiimimit?* 'iirnnrnrnwiffffiir^Tintiimniinriiinniininitiiim der Wunsch zahlreicher tttulsfraUen. Der menschliche Organismus mußte auf diese «ehftdliche Ernährungsweise reagieren t Die Leistungen des Körpers auf allen Gebieten fielen. Besonder« der Körper, an den der Sport höchste Anforderungen stellt, verlangt kräftiges, alle Nährwerte enthaltendes Brot, Er war dem Mühleningenieur Stephan Steinmetz beschieden, sein in allen Kulturstaaten patentierte* Naßich&l« und Enthttlaungsverfahren einzuführen. Worin besteht dieses Verfahren? Darin, daß die entbehrlichen Stoffe (Holzfaser, Zerealien und Schmutz) beseitigt werden, aber die innere wertvolle Friiehtscihicht und der fette Keimling erhalten bleiben. Daher enthält Steinmetz-Mehl alle lebenswichtiger Nährstoffe in natürlicher Zusammensetzung. Das aus solchen Methoden hergestellte Brot ist das ideale Nahrungsmittel, Das deutsehe Ern&hrungsminitterium hat festgestellt, daß nur im Steinmetz-Brot sich der, gesamte Vitamingebalt des Getreidekorns befindet In jttngster Zeit werden auch in Oesterreich' Steinntetz-Vollbrote und Steinmetz-Rrafrbrote erzeugt, eine Wohltat für die schlecht- oder unter ernährten jüdischen Massen. Es liegt im Interesse unserer Volbs- Sesundheit, das Steinmetz-Brot, das einzige Brot, as allen gesundheitlichen Anforderungen gerecht ward, zur täglichen Nahrung zu machen. r. Aus De u Ischl an Belage der »Neuen Well« fü» Denisdilaml # Kltalvedaktio» und Administration* Berlin/ Charlotteaburg % Joadsfanstalersirafle 3/H Rundsdiau Wer zerstört die jüdische Gemeinde? Als seinerzeit die Liberalen wieder die Macht in der jüdischen Gemeinde Berlin an sich rissen, war vorauszusehen, daß sie mit der den deutschen Assimilanten eigenen'Brutalität und Rücksichtslosigkeit alles tun würden, um den von der J ü d i s eh e ft Volkspartei geschaffenen jüdischen Charakter auszumerzen. Der Abbau zahlreicher als Volksparteiler verdächtiger Beamten, die Verweigerung der Unterstützung der hebräischen Universität in Jerusalem und des Hechaluz, der Ausrottungskampf gegen das von der .früheren volksparteilieben Repräsentanz geschaffene Schulwerk, die , rücksichtlose Drosselung des Wohlfahrtswesens — all das diente diesem Zweck. Lange geuug versuchte die 1 Jüdische Volkspartei, die Liberalen von ihrer 'verderblichen Taktik abzubringen, ihnen die Wichtigkeit der Erhaltung aller geschaffenen Werte vor Augen zu halten. Die neuen Herren waren stichhältigen Argumenten unzugänglich. Was wunder, daß die Jüdische Volkspartei ihre Vertreter aus der Repräsentanz zurückzog, ate Idar würde, daß die Liberalen der Jüdischen Volkspartei jede Möglichkeit einer jüdischen' Betätigung itn Rahmen der Gemeinde nehmen wollen. Nun setzt seitens der Jüdischen VoBispartei eine großzügige Aufklärungskampagne ein. Die atü Montag, den 18. April, veranstaltete Massenkundgebung Unter dem Motto: „Wer1 zerstört unsere Gemeinde?" stand im Zeichen der Abrechnung mit jenen Elementen, die im Begriffe sind, die Position der Gemeinde zu untergraben. Die Redner legten Nachdruck auf die Feststellung, daß die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nicht eine isolierte' 'deutsch-jüdische Kirche sei, sondern ein Stück der Gesamtjudenheit: Sie entlarvten die Methoden der Liberalen in bezng auf Geist und Taktik der Administration: „Alles wird umgeworfen. Rücksichtslos wird die Macht ausgenützt!" Mit sachlichen Argumenten wurde in der Versammlung aufgezeigt, daß die Pflicht der Gemeinde* die politischen und Wirtschaft* liehen Rechte der Berliner Juden > zu schützen, bewußt umgangen werde. ' ■ \ Besonders hervorzuheben sind die Ausführungen tles früheren Gemeindepräsidenten Georg Kareski» der ausrief: „Die Liberalen, die bei der heutigen Entwicklung in Deutschland einen beispiellosen Zusammenbruch ihrer Weltanschauung erlebt haben, Wollen uns in iiireu, seelisohen Bankrott hineinziehen, indem sie uns lahmlegen und von jeder positiven jüdischen Arbeit in der Gemeinde fernhalten wollen.** Die angenommene Resolution spricht den, Führern der Jüdischen Volksparteie das Vertrauen aus und wünscht die Fortsetzung des Kampfes um den Bestand der Jüdischen Einheitsgemeiad«. Es.mufl 2u einer Entscheidung kommen. , Herr Weiß, der Diktator Während auf der einen Seite die Juden Deutschlands »ich der Welle blutrünstigen Hasses und einer gegen Leben und Existenz gerichteten Propaganda gegenübergestellt sehen, gibt es immer noch manche drauf« b'ängericche Oesellen mosaischer Konfession, die andere Vortragsrefee Rober« Stricker - Oberbaurat Robert Stricker hat eine Vortrags, reise durch Deutschtet am 50. April in M ü n c h e n, 2. Mai in Frankfurt, 5. Mai in Magdebüfi, iÄ K»aigiberg,?. Mai in Berlin und im i Mal in Leipzig sprechen. $udentunr und Zionismus; Herzl-Zionismüs; l(e^nsJioiftismhSi als jüdische Sorgen haben.!Man weiß, daß die preußische Regierung vor den preußischenf,Landtagswahlen an die Auflösung der nationalsozialistischen militärischen Formationen (S. A. and S. S.) gesohrdtten ist, und man weiß auch, daß diese Maßnahme die^hlagkraft der Hakenkreuzler nicht zu iieminen yer&ochte. "Das fortschrittliche Deutschland wehrt sich"fegen eine faschistische Diktatur. Es wehrt «ich in ziemlicher Ratlosigkeit, das wirkliche Deutschland Sozialdemokraten, das katholische Zentrum und die diversen Splitterparteien, die alle immerhin noch politische Macht besitzen, tappen vorläufig im Dunklen, konnten sich bisher noch 2ü keiner bestimmten Methode entschließen. Das Kolumbus-Ei zu entdecken, blieb der sogenannten deutschen Staatspartei vorbehalten, jener Partei, die die sogenannte: „Jüdenpresse" hinter sich hat und israelitisch-liberalen Charakter trägt, eine Partei, die jetzt in Preußen von ihren paar Dutzend Mandaten, ganze zwei erretten konnte. Einer ihrer Wortführer, der israelitische Berliner Polizeivizepräsident Weiß, hat's heraus, „Hitler und sein An«, bang", sagt er, „müssen so behandelt werden, \He sie es als Staatsfeinde verdienen." Staatsfeinde! Herr Weiß, der Jude, dekretiert also, wer im deutschen Volk staatsfeindlich ist und wer nicht — als ob man ihn darum gebeten hätte. Und er will auch „den demokratischen Staat vor Selbstmord bewahren*1! Er gestattet auch nicht, wie er in einer Berliner Versammlung erklärte, „daß die Grundsätze der Demokratie gegen ihre Feinde angewendet werden". Herr Weiß, der Jude, verlangt also nichts weniger als die Diktatur. Die Jüdischen Sorgen des Israeliten Weiß! , i l '! Die Hakenkteuzler, die „Staatsfeinde", merken sich solche Sachen gut.. 600.000 deutsche Juden kommen so in Gefahr, bezüglich ihrer Einstellung mit einem Herrn; Weiß identifiziert zu werden. Und wieder eine Ritualmordheize Diesmal in Deutschland — Wer Judefc verteidigt, j Ist bestochpv'^ C ' Aus Paderborn wird gemeldet: Am Sonntag vor Ostern 'worden von Spaziergängern in der Umgebung von1 Paderborn, unweit der Senne-Waldungen, Fl ei ach stücke entdeckt, die sich; bei 4er Untersuchung als Teile eines weiblichen Körpers;, erwifsen. Da kurz zuvor die bei dem jüdischen Viehhändler und Schlächter Moritz Meyer beschäftigte Hausangestellte Martha Kaspar unter verdächtigen Umständen verschwunden war, wurden die beiden Meyer, Vater und Sohn, verhaftet Meyer sen. bestreitet bis heute jegliche Mitwisserschaft und Teilnahme an der Tat, die zu dem Verschwinden des Mädchens geführt hat. Dagegen hat der Sohn Kurt Meyer nach anfänglichem Leugnen eingestanden, das Mädchen sei an den Folgen eines verunglückten Abtreibungsversuches verblutet und gestorben; um die Spuren des Geschehnisses zu verwischen, habe er die Leiche zerstückelt und die Leichenteile beiseite gebracht. Tatsächlich waren auch - in zählreiehen Orten, sowohl in Meyers Haus selbst wie in der Umgebung, namentlichem VÖrgclaride der Scnhe, zerstückelte Leichenteile vorgefunden worden. Der (unzerstüekelte) Kopf wurde unter dem Dielenboden des Hetispeichers entdeckt und wird zur Zeit von Sachverständigen der Berliner Kriminalpolizei auf Spuren von gewaltsamer Tötung untersucht. Angesichts der Scheußlichkeit, mit der die Zerstückelung der Leiche vorgenommen worden ist, und des zynischen Benehmens, das der junge Meyer bei der Vernehmung an den .Tag legte, neigt die Untersuchungsbehörde zu der Annahme, daß das Mädchen nicht an einem Abtreibungsversuch verblutet, sondern einem Roheit s- oder einem! Sexualverbrechen zu!* Opfer, gefallen ist. Doch haben sich schlüssige Beweis* hiefür noch nicht erbringen lassen. Das Ergebnis der Schädeluntersuchung Hegt noch nicht vor; auch kein sonstiger Befund, aus dem zu folgern wäre, daß das Mädchen ermordet worden ist Meyer sen. erfreute sich hier keines guten Rufes. Er hatte vor längerer Zeit einmal unter der Anklage wegen Sittlichkeitsverbrechens vor Gericht ge* standen, war aber wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden. Daß es die weiblichen Hausangestellten bei ihm nicht lange aushielten, war hier ziemlich offenkundig. Der auffällig häufige Wechsel unter dem weiblichen Personal wurde allgemein auf die Zudringlichkeit Meyers und seine Belästigungen des Personals zurückgeführt Von den Mädchenschutzorganisationen würden Stellungsuchende vor ihm gewarnt Meyer jun. hatte in einem Konfektions« geschäft gelernt und war erst in den letzten Jahren in das Geschäft seines Vaters eingetreten. Belastendes gegen ihn war nicht bekannt geworden. Dagegen hatte er wenige Stunden vor seiner Verhaftung, die am zweiten' Tage nach der Tat erfolgt ist sich .längere Zeit in an-« scheinend heiterster Stimmung in einem Tanzlokal aufgehalten. Da das Verbrechen kurz vor dem' christlichen" Osterfest geschehen ist, war es fast unausbleiblich, daß sich in der angsterfüllten Kleinstadtbevölkerung wildphantastische Vorstellungen über einen „Ritualmord" festsetzten. Das war für die Nationalsozialisten, zumal in den 'Wochen zwischen der ersten und zweiten Hindenburg'Wahl, der denkbar willkommenste Agitationsstoff, der denn auch in der hemmungslosen Weise ausgebeutet wurde. Die Angeklagten wurden als „Hlridenb u r g - W ä h 1 e rM ansgeschrien, die Hindenburg-Parteien wurden als — „Mörder-" oder „Ritualmord-Parteien" plakatiert! Der Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten bei der zweiten Hindcnburg-Wahl wurde, auf den „Ab*

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