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Die neue Welt · 1932-04-29 · Heft 241 (29.4.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 241 (29.4.1932)
Date
1932-04-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 24« Seife 5 DIE MISRACHI-ZENTRAL! gibt bekannt, daß von nun an KOSCHERES SFEINMET2BROT unter rituellerAufsicht erzeugt wird und in 150 Verkaufsstellen des II. Bezirkes erhältlich ist Der dem Ritus entsprechende Star MeChlra wurde durchgeführt A . ' StelnifietZbrot wird von der Ernährungswissenschaft neben seiner Schmackhaftigkeit als das vitaminreichste und somit gesündeste Brot bezeichnet zu schaffen, als hätten die Revisionisten nichts mehr Gemeinsames mit den zionistischen Körperschaften; man sucht unbedingt einen Zusammenhang zwischen „Calais" und dem Austritt aus den lokalen allgemeinen zionistischen Organisationen zu konstruieren, obwohl der Austritt aus den Lokalorganisationen in den meisten Fällen noch vor dem letzten Kongreß geschehen ist. Warum tut man das? Wem bringt es Nutzen? Wem nützt diese häßliche Hetze und Fälschung? Ich hätte sicher die letzten Worte nicht gebraucht, Wenn ich nicht das Dossier der Exekutive, das an sämtliche Mitglieder des A. C. versandt wurde, gelesen hätte. Ein Meisterwerk der Fälschung'! Offizielle Beschlüsse und zufällige Bemerkungen von Einzelpersonen sind auf eine Art und Weise vermengt, daß der Eindruck einer offiziellen Interpretation erweckt wird. Es werden wohl Meinungen der revisionistischen Führer zitiert, aber gerade diejenigen Meinungen, die angeblich die Behauptung bestätigen, daß alle Revisionisten aus der Z. O. ausgetreten sind und eine zweite, eine parallele geschaffen haben. Es werden Auszüge aus Artikeln und Reden gebracht, aber nicht diejenigen, in denen gesagt wurde, daß die schekelzahlenden Revisionisten sowohl in der Z. O. als in dem A. C. bleiben, daß sie sich an den Schekelkommissionen beteiligen und die Arbeit für die Fonds fortsetzen werden. Es werden Beschlüsse der polnischen revisionistischen Konferenz zitiert, jedoch wird mit keinem einzigen Wort der Beschiß erwähnt, in den Territorialverband einzutreten, falls die anderen Parteien dasselbe tun.; ■ . Der Tatsache, daß aus den 20 revisionistischen Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des A. C. sich nur 2, (zwei) zurückgezogen haben und 18 geblieben sind, wird ebenfalls keine Erwähnung getan... Eine grobe Fälschung unter dem frommen Mantel der Wahrung der Disziplin und des Prestige! Ein Versuch, die Aufmerksamkeit der zionistischen Welt von der eigenen Planlosigkeit und Hilflosigkeit aufein nebensächliches Geleise abzulenken. Dieses Manöver ist uns seit langem gut bekannt. Es ist überflüssig, sich darüber aufzuregen. Es ist aber notwendig, das wahre Gesicht derjenigen Herren, die in diesem Moment keine anderen Sorgen haben als künstliche Konflikte hervorzurufen, aufzudecken. .. .... . ( Selbstverständlich ist das eine unnütze Energieverschwendung. Schade um das Geld, das für Papier und Tinte vergeudet wird, unser Geld, das Geld der 60.000 revisionistischen Schekelzahler, die es sicher nicht dazu gegeben haben. Diejenigen, die sich eingeredet haben, daß sie die Revisionisten „hinausschmeißen" oder ihnen einen Maulkorb anlegen können, leben in einem Traümreich. Weder technisch noch organisatorisch noch gesetzlich ist es möglich, so was zu tun. Vielleicht wird einmal der Kongreß, wenn dieser kurzsichtig genug sein wird, solche disziplinare Beschlüsse fassen, die das Weiterverbleiben der schekelzahlenden Revisionisten in der Z. O. unmöglich machen werden. Ich bezweifle es. Aber heute; gemäß der heutigen zionistischen Verfassung, gibt es gar keine Möglichkeit, Schekelzahler „hinauszuschmeißen" oder ihrer Rechte zu berauben. Die zionistische Organisation ist kein Orden. Der Schekelzahler ist ' kein strengorganisierter, diszplinierter, registrierter Parteimann. Der Jude kauft einen Schekel, wenn er es wünscht.: Will man jetzt jeden Schekelzahler fragen: „Bist du ein Revisionist?" Und überhaupt: ist dehn jemand imstande, einen Menschen zu disqualifizieren, der das Basler Programm anerkennt und sogar einen jüdischen Staat anstrebt? Wo ist die Macht, die sich solche Rechte anmaßen kann? Oder kann denn jemand, insbesondere das Aktionskomitee, die Mandate der revisionistischen A. C.-Mitglieder zurücknehmen? Haben sie denn nicht ihre Mandate vom Kongreß erhalten? Es ist lächerlich, von solchen und ähnlichen Maßregeln und Repressalien zu träumen. Die Mühe ist umsonst. Es ist nichts als ein Kinderspiel mit „Kraftproben". Will ein schekelzahlender Revisionist gleichzeitig eiiwr anderen zionistischen Körperschaft angehören, so kann ihn daran niemand hindern. Man könnte eher die Rechtmäßigkeit der Zugehörigkeit zur z w e i t e n I n t e r* n a t i o n a 1 e und zu der teilweise nichtzionistischen jüdischen Agency anzweifeln. Solange ein Jude, einen Schekel kauft, bedeutet es bloß, daß er es. wünscht, für nötig und richtig hält, der zionistischen Organisation anzugehören. Die zionistische Organisation ist eine freie, freiwillige Körperschaft. Der Schekel gibt gewisse Rechte, dasjenige der Wahl und das der Kontrolle. Die Verpflichtungen des Schekelzahlers sind moralischer Natur. Niemand kann ihn z. B. zwingen daß er keine Petition an seine Regierung oder an den Völkerbund unterschreibt. Niemand kann ihm verbieten, zionistische Propaganda ta führen oder den Wort bruch der Mandatarmacht öffentlich zu brandmarken. Prestige? Disziplin? In solchen Organisationen, wie die zionistische, verschafft sich die Exekutive das ge hörige Prestige durch ihre Tatenund Handlungen. Es gibt keinen Paragraphen betreffend „Prestige Man kann keine Achtung erzwingen. Auch Disziplin ist eine freiwillige Sache und wird durch das Gewissen und den Verstand des Einzelnen bestimmt. Ich habe einen Schekel gekauft. Ich werde ihn auch weiter kaufen. Das kann mich aber nicht dazu zwingen, schweigsam zu zusehen, wie eine Dummheit nach der anderen getan wird, Dummheiten, die an Verbrechen grenzen. Die Exekutive möge sich nicht einbilden, daß sie das Recht hat, jemanden zu beseitigen, abgesehen davon, daß der Versuch, eine solche Tat zu begehen, lächerlich und gegen die besten Interessen der zionistischen Organisation wäre. Oder will man unbedingt eine parallele zionistische Organisation ins Leben rufen, die mit der schon bestehenden zionistischen Organisation auch wirklich nichts gemein hätte? Jedenfalls lenken die Herren, von ihrem blinden Haß beseelt, den Wagen in dieser Richtung. Wir haben natürlich gar keine Absicht, die zionistische Organisation dem „Hefker" preiszugeben. Wir sind vollberechtigte Teilhaber, die die zionistische Organisation mitgeschaffen haben. Ja mehr: Wir schekelzahlenden Zionisten-Revisionisten haben sie mitbegründet und vor der Zerstörung bewahrt. Die finanziellen Institutionen der zionistischen Bewegung mögen jetzt noch so beklagenswert aussehen. Es kommt uns nicht in den Sinn, sie in den Händen derjenigen zu belassen, zu denen wir so wenig Vertrauen haben. Und auch eine andere Sache soll nicht vergessen werden: diese finanziellen Institutionen gehören den Schekelzahlcrn, die niemand des Kontrollrechtes berauben kann. Es muß früher ein Richter in England gefunden werden, der den Raub solcher Rechte sanktionieren wird, ehe die Exekutive jemanden zu beseitigen vermag. Die zionistische Organisation ist nicht bloß „Geistigkeit". Es Sozialphilosophie der Bibel Von Vladimir Jakobinsky. ' '■ -' .<■:<:,* v-i I. Das Hauptmerkmal der biblischen Sozialphilosophie liegt im Namen „Jisrael", in jenem Teil des I. B. Mos. 32, 28 wo erzählt wird, wie unser Erzvater Jaakob seinen neuen Namen erhielt. Der Name bedeutet ja „der mit Gott gerungen". Eine Nacht lang rang ein Engel mit Jaakob und konnte ihn nicht besiegen, und so gab ihm der Engel den Namen „Mit Gott Ringender". Und gleichzeitig segnete ihn auch der Engel. Der Sinn des neuen Namens also war nicht Schimpf, sondern im Gegenteil eine Art Ehrentitel war es. Daß dem so ist, ersieht man auch daraus, daß der Mythos aus ihm. den Namen für das ganze Volk machte. Was bedeutet das? * Klar: es bedeutet, daß nach biblischer Weltanschauung es keine Sünde ist, gegen Gott zu streiten. Der Herr schuf zwar die Welt so, wie sie ist, aber der Mensch darf es nicht zulassen, daß die Welt so bleibe, wie sie ist — er muß sie immer wieder verbessern, der Weltordnung Löcher, die der Herr zurückgelassen hat, stopfen — wahrscheinlich deshalb zurückgelassen, auf daß der Mensch kämpfe und strebe für tikuno schel olam (glanzvolle Erfüllung der Welt). Unser Erzvater Jaakob hat sein Lebenlang sein Hirn dazu verwendet, Gottes Werk zu verbessern. Jenes Kapitel über das Ringen mit dem Engel darf man sich „wissenschaftlich" erklären: mit seinem eigenen Gewissen rang unser Erzvater Jaakob in jener Nacht. Morgen früh muß er Esau, dem Körperliche und geistige Frische sind die kostbarsten Güter des Lebens in der Jugend wie insbesondere im Alter Bewahren und mehren Sie diese Schätze durch ständige sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel für alle Zwecke der Körperpflege, Einreibungen, Packungen (Umschläge), Mundwasser usw. ist DIA Franzbranntwein mit Menthol In Jedem, besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie aosdrüoklioh „Diana" und nehmen Sie nur Diana! Minderwertige Nachahmungen sind energleoh zurückzuweisen. WILLY FßlTSCU mit Camilla Horn, Ralph Arthur Roberts Ein Ufa-Lustsplel naoh einer Komödie von Louis Vernaall / Manuskript: i.v.Cube, Paul Frank, Fritz Faikensfeln / Regle: Carl Boeee und Heins Hille / Produktion: Alfred Zelller / Musik: Stephan Samek Täglich: Gartenbau-Kino,]. Ufa-Ton-Kino, Ii. Stafö-Kino, Uli. Kolosseum-Kino, IX. gibt auch „irdische Interessen". Ich habe vor dem Kongreßgericht den größten Respekt (obwohl es mich in Basel teilweise verurteilt hat), aber solche Angelegenheiten, wie der Versuch, der Kontrolle der Opposition los zu werden, können durch das Kongreßgericht nicht erledigt werden. Deshalb ist mein Rat an die zionistische Exekutive: Vergeudet keine Zeitl Ziehet besser die Realitäten in Betracht und passet euch den geänderten Umständen und Uebergangsformen an. Brecht nicht das, was biegsam ist. Man kann über die Revisionisten denken, wie man will. Eines wird ihnen jedermann zugestehen müssen: Sie haben einen eigenen Willen und lassen sich nicht provozieren. Erst vor kurzem hat man gehofft, daß die Partei nach dem Kongreß in Brüche gehen wird. Man stand mit der Uhr in der Hand und wartete auf den Zusammenbruch, darauf, daß sich die ehemaligen Kampfgenossen bitterlich verzanken werden. Das ist nicht geschehen. Es kam „Calais". Nicht ganz logisch? Aber nichtsdestoweniger durchdrungen von gesundem Menschenverstand. Jetzt will man die schekelzahlenden Revisionisten zu einer Spaltung mittels eines Ultimatums provozieren: Hin oder her! Aber auch diesmal wird es nicht gelingen. Wir wissen, was wir zu tun haben und wir kennen unseren Weg. Wir bleiben dort, wo wir jetzt stehen. älteren Bruder, entgegentreten, den er, Jaakob, „beraubte". Düstere Gedanken gehen ihm durch den Kopf. Der Engel, der drin im Herzen lebt, fragt: Jaakob, Jaakob! Vielleicht ist dein ganzes Leben nur ein Lügengewebe. Und mit diesem Engel ringt Jaakob. Wäre es besser, wäre es gerecht, fragt er, daß Esau, ein Kind, ein gutherzig Unbedeutender, der Traget der großen Geheimnisse werde, die du, Herr der Welt, unserem Großvater Abraham anvertraut hast? Oder, daß Laban, der geriebene Schacherer, der in seinem Leben nie einen schönen Traum träumte, für immer mein oberster Gebieter bleibe und ich, der ich mit Engeln spreche, ein armer Tropf bleibe, ein Kostgänger an fremdem Tisch? Die Geheimiiisse, die du dem Großvater anvertraut hast, sind tiefe Geheimnisse, Herr der Welt, aber die praktische Welt hast du schlecht eingerichtet! Ein guter Administrator bist du nicht, Väterchen! Ich habe mir die . Dreistigkeit herausgenommen, die Löcher zu stopfen, die du zurückgelassen hast, und nun sag: Wert hat recht, ich oder du? Und darauf antwortet der Engel drinnen: Sei gesegnet,, du Kämpfer gegen Gottes Verordnungen, im Namen von Gottes tiefsten Geheimnissen, du Weltverbesserer! Im Zusammenhang damit drängt sich ein Kommentar für I. B. Mos. 27, 12 auf, wo unser Erzvater Jaakob noch am Beginn seiner Wanderung im Traum die Leiter sieht, die auf der Erde ruht und in den Himmel reicht,' und auf dessen Sprossen Gottes Engel nach oben und unten steigen. Hier wieder derselbe Gedanke. Von der Erde her ist der Himmel erreichbar und umgekehrt.. Es gibt einen steten Kontakt zwischen Himmel und Mensch. Manchmal dürfen Gottes Gedanken in den Menschen eingehen und umgekehrt, manchmal schwingt sich des Menschen Intuition bis zum Gottestum auf, und der Mensch hat das Recht, die Welt zu verändern, die Gott nicht so ganz gestaltete, wie sie zu sein hat. Vielleicht besteht auch, darin der Sinn der Worte, die,, wie ich glaube, in anderen Religionen kein Beispiel haben: daß Gott den Menschen nach seinem Ebenbild gottähnlich erschaffen habe. Bekanntlich liegt in dieser Auffassung von des Menschen Fähigkeit und Pflicht, die Welt zu verbessern, der Grundunterschied zwischen der jüdischen und der „arischen" religiösen Weltanschauung. Die Römer und Griechen glaubten an ein goldenes Zeitalter, das der Vergangenheit angehöre; der jüdische Glaube ist messianisch. Das goldene Zeitalter, d. 'h. die Zeit des allgemeinen Glücks und Friedens und der Gerechtigkeit, kommt erst in der Zukunft als Folge von unzähligen Menschengeschlechtern, die leiden und kämpfen und lernen werden. Und der Messias wird eben ein Mensch sein. In dieser Auffassung steckt die Wurzel des Begriffs Fortschritt, der dem religiösen Sinn der Römer und Griechen fremd war. Für sie sucht im Gegenteil die Menschheit immer mehr vom goldenen Zeitalter weg zum silbernen hin, zum kupfernen; schließlich zum eisernen.

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