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Die neue Welt · 1932-04-29 · Heft 241 (29.4.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 241 (29.4.1932)
Date
1932-04-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Hut ab vor Preis und Qualität der S18.-, 24.-, 32.- CEKHKAHOTE VII, KalsertlraBe 133 IX, AlierstraS« 6 Haltung gegen die Angeklagten einnahm und sie der Verbreitung lügenhafter Legenden und der Befolgung mittelalterlicher, barbarischer Methoden gegen die jUdisahen Mitbürger beschuldigte, versuchte in dem zweiten Teil seines Plädoyers seine am Tage vorher gemachten Aeußernngcn ab zu schwächen und namentlich die Mitschuld der Ange klagten an der Niederbreunung des Salonikier jüdischen Wohnviertels Campbell als unerheblich erscheinen zu lassen. Er beantragte gegen den Chefredakteur der „Mafcedonia", Bico Fardis, und den Sekretär der Helenistischen National-Union, Haritopoulos, die er gestern noch als die moralischen Urheber des Progrome bezeichnete, nur vier Monate Gefängnis und plädierte für Freisprechung des Präsidenten der. Helenistischen National-Union, Cosmidis, und fünf anderer Angeklagter. Gegen die restlichen drei von den insgesamt elf Angeklagten, nämlich Bonssolidis, Velissaridis und Abadjidis, denen nachgewiesen werden konnte, daß sie sich nn der Niederbreunung des Campbell-Viertels beteiligt haben, beantragte der Staatsanwalt geringe Strafen. Nach dem Staatsanwalt begann der Führer Oer Verteidigung, Za hos, sein Plüdo) er. Er behandelte hiebei Fragen des Judentums, der jüdischen Geschichte, des Antisemitismus, Zionismus, Kapitalismus, Kommunismus und ITitlerismus. Er gab loyaler weise zu, daß die von den Salonikier Antisemiten gegen den jüdischen Sportklub Makkabi erhobenen Anschuldigungen, daß er mit den Bulgaren gegen Griechenland konspiriere, keinerlei. Grundlage habe . und keinen Glauben finden dürfe. Er forderte trotzdem Freisprechung der Angeklagten, damit in Saloniki eine „versöhnlichere" Stimmung Platz greife. Nach mehrstündiger Beratung sprach das Schwurgericht das Verdikt: Der Vorsitzende der Geschworenen teilte mit, daß die Mehrheit der Geschworenen bei, acht der Angeklagte n . eine Schuld für, nicht erwiesen erachtete und nur drei der Angeklagten, Vellissaridis, Abadjidis und ßoussolidis, der. direkten Teilnahme an der Brandstiftung, durch die das jüdische Wohnviertel Campbell in Flammen aufging, für schuldig befunden habe. Daraufhin zog sich das Gericht zur Beratung zurück und verkündete in den Morgenstunden den Freispruch sämtlicher el f Angeklagten, auch der drei direkt der Brandstiftung überführten. In Saloniki und in ganz Griechenland hat dos Urteil des Gerichtes, das sich während des ganzen Prozesses sehr loyal verhielt und dessen Vorsitzender bei verschiedenen Gelegenheiten den Pogrom und die Brandstiftung scharf verurteilte, tiefes Befremden hervorgerufen. Die Urteilsbegründung in Polen — ein Haßgesang gegen die Juden. Vor dem Urteil im Wilnaer Progromprozeß In dem Wilnaer Pogromprozeß, der nur noch gegen den jüdischen Studenten Wulfin wegen Teilnahme an dem Exzeß, bei dem der polnische Student Waclawski durch einen Stein wurf getötet wurde, geführt wurde, schilderte der Präsklent der Jüdischen Gemeinde und frühere Sejmdeputierte Doktor Jakob W y g o d s k i den Verlauf des Pogroms am 10. November v. J., insbesondere den Ueberfull auf das Haus der jüdischen Studenten durch Polizisten, und erklärte, die Polizei sei nirgends Herr der Lage gewiesen, so daß die angegriffenen Juden sich selbst verteidigen mußten. Da« jüdische Mitglied des Stadtrates Ing. Spiro erklärte, nirgendwo sei es vorgekommen, daß Juden angegriffen hätten, überall waren die Juden in der Verteidigung. Der Staatsanwalt erklärte in seinem Plädoyer, die Juden seien am 10, November sehr kriegerisch gestimmt gewesen. Der Staatsanwalt regte sich bei seiner Argumentation so auf, daß er plötzlich erblaßte und in Ohnmacht fiel, so daß die Verhandlung unterbrochen werden mußte. Nach der Pause setzte er sein Plädoyer fort und erklärte, Wulfins Schuld sei erwiesen, es müsse die strengste Straf« gegen ihn angewandt werden. Der jüdische Advokat Czernichow wies in seinem Plädoyer darauf hin, daß nach einem Pogrom, bei dem mehrere hundert Juden durch Mißhandlung, Zerstörung und Raub geschädigt wurden, fast ausschlief} 14 eh Juden auf die Anklagebank gezerrt werden, und daß die wirklich Schuldigen frei herumlaufen können. Wilna, 21, April. Nach mehrtägiger Verhandlung hat das Wilnaer Gericht das Urteil gegen drei jüdische junge Leute gesprochen, die der Mitschuld an dem Tode des nationaldemokratischen Studenten , VORANZEIGE Nr. 241 UNION DER ZIONISTEN-REVISIONISTEN Um ai Große Herzl-Feler am 11. Mai im Festsaal des Hotel Continental. Festredner: Dr.David Rothblum / Reiches erstklassiges künstlerisches Programm % Karten von 60 g bis S 4.— fm Sekretariat der „Union" und in der Administration „Neue Welt", II, Untere Augartenstraße 38, Telephon A-45-6-34 Waclawski angeklagt waren. Der 23jährige Handelsangestellte Leib Zalkind Und der 23jährige Schlosser Baruch Ogus, in deren Fall der Staatsanwalt wegen Entlarvung der einzigen Belastungszeugin Lepk o w s k a als B e t r ü g e r i n die Anklage zurückgezogen hatte, wurden vom Gericht freigesprochen. Uag&gen wurde der Student Samuel Wulf in wegen Teilnahme an dem Exzeß, bei dem Waclawski getötet worden ist, zu zwei Monaten K e r k e rs verurteilt. Das Urtei 1 gegen Wulf in hat nicht nur in der jüdischen Öffentlichkeit, sondern auch unter allen gerecht denkenden Polen Ershvunen und Tadel hervorgerufen, y. ' Einen noch tieferen Eindruck als das Urteil selbst machte auf die Oeffentlichkeit die antisemitische B e g r ü nd u n g d es Urteils, in der es u. a. heißt: Der Angeklagte Wulf in hat in seiner Verteidigungsrede betont, daß die .polnischen Juden keinerlei Rassenhaß gegen die Polen hegen und hegen können, er belegte diese Behauptung mit einer Reihe historischer Tatsachen, die die menschlichen Beziehungen zwischen Polen und Juden kennzeichnen sollen. Demgegenüber sei festzustellen, daß unter den Juden nicht nur ein W id erwill e, sondern sogar ein Haß gegen die Polen 'herrscht; denn wie anders könnte man sich die^Haltung der jüdischen Menge erklären, die Steine schleuderte auf die Droschke,' in der der schwerverwundete Waclawski in das Hospital geführt worden«1 war; wie anders kann '■■.....*■ " '...... " , .' " ' 1 •V'Vf "', 1 l .' ........ Bei zahlreichen Beschwerden des weiblichen Geschlechts bewirkt daß itatü^jc^ie .rtEiranz-Josef'VBitter-; wasser die allerbeste Erleichterung. In Apoth. erhältlich.' man es sich erklären, daß durch die jüdischen Viertel marschierende polnische Akademiker von jüdischen Gruppen angegriffen wurden. Dies geschah in Wilna, der Wiege von Myckiewicz, dem Schöpfer der Gestalt des jüdischen Patrioten Jankel Zymbalist. Vielleicht ist dieser Haß gegen die Polen bloß ein Reflex des Hasses der Juden gegen die christlichen Völker überhaupt, ein Haß, der in der jüdischen Seele verwurzelt ist seit undenklichen Zeiten bis auf den heutigen Tag und der auf die Scheiterhaufen und anderen Torturen der früheren Jahrhunderte zurückzuführen ist. Gegen diesen Haß gibt es anscheinend keine Medizin, obwohl mau sich denken könnte, daß in den jahrhundertealten menschlichen Beziehungen zwischen Polen und Juden die Haßkrankheit hätte geheilt werden können. Das Heraustreten eines Teiles der polnischen akademischen Jugend gegen die jüdischen Studenten an der Wilnaer Universität war eben nur eine Reaktion auf diesen jüdischen Haß. Es wäre natürlich gewesen, wenn die jüdischen Studenten in der Universität selbst sich znr Wehr gesetzt hätten. Aber nein, der jüdische Haß explodierte und löste sich in Exzessen in den Straßen der Stadt Wilna. Es war ein Pogrom von Juden gegen Nichtjnden." Der Student Wulf in erblaßte bei Verkündung des Urteils und rief: „Ich bin unschuldig. Ich nehme das Urteil nicht an." Die Verteidigung hat gegen das Urteil Revision eingelegt. WuMin wurde gegen Hinterlegung einer Kaution aus der Haft entlassen. " "1 " mitiw und die zioiustisdie Organisation < Von M. Großmann (London), 'der Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten 'Vlzepräl: . . I. •->•, v. ■ Die zionistische Exekutjy^. bereitet sich zu der nächsten Sitzung des Aktionskomitees (A. C.) vor. Ihre Mitglieder unternehmen, Inspektionsreisen,, sammeln Eindrücke in Palästina, und in der .Diaspora, führen politische Unterhandlungen mit Öberkqmmissären und Emiren. Womit die zionistische Führerschaft zu der Sitzung des A. C. kommen wird, ist niq^Lt schwer vorauszusagen. Politische Erlösungsbotschaften, abringen sie sicher nicht mit, wenn man das optimistische „Good bye", das Doktor Brodetzky vor seiner Abreise aus Palästina vom Oberkommissär Wauchope erhalten hat, nicht als solche berechnet. Niemals noch waren die Mitglieder des A. C. so schlecht u n d u n g e n ü g e n d über die politische Tätigkeit der zionistischen Exekutive ineformiert wie diesmal. Vielleicht ist auch nichts Erwähnenswertes zu berichten. Oder es mag sein, daß diese Arbeit von einer Qualität ist, über die man lieber weniger redet. Aber man muß gerecht sein! Es ist ein Gebiet vorhanden, auf dem die Exekutive informativ arbeitet und aktionslustig ist: Kampfigegen die Revisionisten. Da wird keine Energie gespart: die Oeffentlichkeit wird mit Zirkularen, Erklärungen, Reden und Dementis geradezu überhäuft. Diese Kampagne ist jetzt nun mit einem zwanzigseitigen Dossier gekrönt worden, einer Art Anklageschrift gegen die revisionistische Organisation. Was für reiches Material | Welch sorgfältige Auswahl von Dokumenten! Und dies alies, um nur zu beweisen, daß1 die einzige Gefahr' für den Zionismus heute, in'der Tätigkeit der revii' sionistischen Weltunion und spea?feil in dem „Abkommen vqn Calais" Hegt, ein Abkommen, das so viele „gute Freunde" des Revisionismus enttäuscht hat Das Erscheinen de s D ossiers ist nicht zufällig. Es ist ein Teil einer systematischen Kampagne, um die Revisionisten als fjie Zerstörer der heiligen Einigkeit aus der zionistischen ^Organisation;,heräuszuschmeißen". Seit Monaten ist ydas „linke' Zentrum" in Deutschland wie auch seine Verbündeten, die Arbeiterparteien in der Diaspora und Palästina, damit beschäftigt, Einerseits „Calais" und andererseits die revisionistischen politischen Aktionen lassen die Stutzen des heutigen Regimes nicht ruhen. Sie, können einfach die revisionistische politische'Initiative nicht vertragen. Sie sehnen sich darnach, auf irgend einem Wege die Leute loszuwerden, die ihnen scharf auf die Finger gucken. Wie ruhig wäre es, wenn die Revisionisten aus den Kongressen und A. C.-Sitzungen überhaupt verschwinden würden! Vorläufig werden die ersten Vorbereitungen getroffen. Die Generalattacke wird erst auf der Sitzung des A. C. im Mai, Juni oder Juli erfolgen. Dort wird man sich bemühen, auf Grund von „Statuten" und juridischen Interpretationen zu beweisen, daß, so lange das Abkommen von Calais in Kraft ist, die Revisionisten, d. h. die revisionistischen Schekelzahler keinen Platz in der zionistisichen Organisation haben. Während die Exekutive erst mit der Sammlung von Material und Zurichtung der gehörigen Stimmung beschäftigt ist, macht man an Ort und Stelle bestimmte Versuche, die Revisionisten aus den Schekelkommissionen und sogar aus den Nationalfondszentralen zu beseitigen, (Polen und Amerika.) All die» wird mit frommer Miene unternommen. Natürlich ist die Absicht eine ganz heilige: die Einigkeit, den Burgfrieden und die innere Stärke der Z. O. aufrechtzuerhalten. Wegen all dieser vornehmen Losungen wird künstlich eine verhetzte Stimmung erzeugt. Man verschärft absichtlich die Gegensätze; man provoziert den Kampf um eine Frage, die nicht aktuell ist und die eigentlich die Exekutive nichts angeht. Im Namen der Einigkeit sucht man ausgerechnet, die Lage derjenigen, die in der Z. O. bleiben, weil sie noch an ihren Wert glauben, zu erschweren. Im Namen der „Disziplin" treibt man die Konflikte bis aufs Messer, um gerade diejenige Körperschaft ins Leben zu rufen, deren Entstehen man als gefährlich betrachtet. Die Unmoralität einer derartigen Taktik von Menschen, die sich „Patrioten der Z. O " nennen, ist aber so offenkundig, daß sie am Ende jedem ehrlichen Revisionisterigegner, der noch den Sinn für Realität und den Ausblick für die Zukunft nicht verloren hat, abstoßen muß. ' Sinngemäß hätte gerade die zionistische Exekutive dafür sorgen sollen, daß diejenigen Elemente im Revisionismus, die nicht gewillt sind, mit der Organisation zu brechen, „warm"gehalten werden, d. h. zugezogen und nicht abgestoßen werden. Jedenfalls sollte die Z. O. trachten, die Gefahr einer vollständigen Trennung der Revisionisten zu verkleinern. In Wirklichkeit geschieht gerade das Gegenteil. Das Schauspiel ist abstoßend. Mit einer Böswilligkeit und Verbitterung, die unbeschreiblich ist, treiben Herr Loker und sein Departement eine selbstmörderische Politik. Man bläst das Feuer und man vertieft die Gegensätze. Man ist betrebt zu beweisen, daß die Revisionisten gänzlich aus der Z. O. ausgetreten sind. Man bemüht sich, den Eindruck

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