Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 241 (29.4.1932)
- Date
- 1932-04-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. m weise für seine die Polizei und Beamtenschaft Palästinas diffamierende Behauptung erbringe. Wedgwood fordert Taylor auf, sein (Wedgwoods) Buch „Das Siebente Dominion" zu lesen; in diesem Buche werde er alle Unterlagen für seine Anklage gegen die englische Verwaltung in Palästina finden. Mit dieser Antwort Wedgwoods war die Kontroverse nicht (beendet. Es folgte ein Hin und Her von Rufen und,.Gegehrufen, in die sich auch andere Abgeordnete mischten. Schließlich griff der Minister für die Kolonien, Sir Philip Cunliffe-Lister, ein und erklärte: Obwohl es nicht Sache der Regierung ist, Beamte in Schutz zu nehmen, weise er die Behauptungen Wedgwoods zurück und erkläre, daß jeder einzelne Beamte seine Pflicht tue. Wedgwood gab Cunliffe-Lister den Rat, nach Palästina zu gehen und selbst nach dem Rechten zu sehen. Als- Taylor Wedgwood nochmals aufforderte, seine Bemerkung über die Unzuverlässigkeit der Polizei zurückzuziehen, erwiderte Wedgwood: „Ich ziehe nichts zurück. Drei Massakers an Juden in Palästina seit Beginn der englischen Herrschaft in diesem Lande haben gezeigt, daß die englischen Beamten nicht loyal im Sinne einer englisch-jüdischen Zusammenarbeit handeln." Mit dieser Erklärung wolle er keineswegs die britische Kolonialbeamtenschaft als solche treffen; denn die englischen Beamten in Palästina sind für gewöhnlich nicht Koloriialbeamte mit Erfahrung, sondern sie sind'ohne irgend eine koloniale Schulung riachPalästina ' gesandt : worden. Wedgwood : gab Cunliffe-Lister;.^ den Rat, vdie jetzigen.;Beamten aüs ' Pa^stirta herauszuholen .und; an i .'ihrer Stele typische englische Kolonialbeamte' nach Pa- " lästina zu entsenden. .•»*»-,:». ...» t«.« - .. •- <• Um die jüdische Einwanderung in Palästina Zu Beginn der mehr als zweistündigen Palästina- Debatte richtete Sir john Buch an, der Vorsitzende des Parlamentarischen Pro-Palästina-Komitees, an die Regierung das Ersuchen, eine erhöhte Palästina- Einwanderungsquote zu verkünden, die die Juden zufriedenstellen könnte. Er begründete die Forderung in einer längeren Rede, in der er den Gedanken entwickelte, daß Großbritannien Palästina in Obhut genommen habe für das gesamte jüdische Volk, nicht nur für eine beschränkte Zahl Juden. Ist dem so, so habe England die Pflicht, soweit die wirtschaftliche Kapazität des Landes es gestattet, Freiheit der Einwanderung zu gewähren und die notwendigen Maßnahmen für Sicherheit, von Leben und Eigentum der Einwanderer Ein verwaistes Leben Von Jehuda Steinberg (Schluß.) 12. Als ein Scbadohen zu Oscher kam und ihm für Mirjam Boruchs Awrejmel vorschlug, schätzte sich Oscher glücklich. Er machte sich fortwährend Gedanken darüber, ob die Sache oioht einen anderen Gang nehmen köunte, wie es öfter bei den jüdischen Leuten vorkommt: ohne die Einwilligung der Eltern. Ging die Sache aber durch einen Schadehen, wußte er gewiß, daß alles gut auefallen werde, weil Boruch bestimmt nichts dagegen haben werde. Er gab daher seinerseits dem Schadohen einen kurzen Bescheid: v ,(Gehpn Sie, werden Sie mit der anderen Seite, fertig!" Dem Sohadchen gefiel die Auwort sehr. Der Schadehen kennt sich in diesen Dingen aus. Er verstellt die Antwort so: „Bei mir ist keine Frage, daß ich da« gegen bin. Kann ich denn etwas Besseres finden? Darum liegt die Hauptsache auf jener Seite." Was jene Seite anlangt, weiß er bei eich, daß er mit ihr zu zwei Dritteln fertig sei, d. h. mit dem Bräutigam und mit der Mutter. Er braucht nur noch den Vater zu gewinnen. Der Pruth that sich geöffnet, das Eis bat begonnen, sich zu lösen, Es schwimmen noch Eisschollen inmitten des Pruth; irgendwo prellen sie ans Ufer, verweilen, Scholle auf Scholle, und sind im Begriffe, sich wieder zusammenzuschließen. Der Himmel des Vorfrühlings verdüstert sich und verspricht noch ein wenig Schnee; ein kalter .Wand sagt Amen , , , Waldvedioheai zu treffen; andernfalls richte es künstliche Schranken auf gegen eine freie und vernünftige Entwicklung des in seine Heimat zurückkehrenden Volkes. Die nach dieser Richtung hin in der Vergangenheit gemachten Fehler müssen wieder gutgemacht werden. Die Juden haben in den letzten Jahren viele Millionen für die Entwicklung Palästinas ausgegeben und dadurch den englischen Steuerzahler entlastet. Wenn nun die Meinung aufkommt, daß England seinen Verpflichtungen gegenüber den Juden dem Geiste Und dem Buchstaben nach nicht nachgekommen sei, so besteht die Gefahr, daß diese Beiträge in Zukunft ausbleiben. Die wachsende industrielle und landwirtschaftliche Prosperität in Palästina müsse sich in Zahlen neuer Einwanderer ausdrücken. Sir John Buchan fordert zum Schlüsse, daß man die von Lewis French geführte Landentwicklungskommission anweise, sich auf ihren genau umschriebenen Aufgäbenkreis zu beschränken und sich nicht in die eigentlichen Streitfragen einzumischen; eine solche Einmischung anderer Kommissionen in der Vergangenheit habe England nur Unannehmlichkeiten bereitet. Nach Buchan sprach Wedgwood, dann der jü- Jerusalem, 20. April. (J. T. A.). Die Polizei beschlagnahmte in den Wohnungen der Kommunisten I s f a e 1 P e v s her und Josef & üb in stein tausende Kommunistische. F'lügblätter^ iii denen die a r ä b 1 s c h e n B^aüetri aufgefordert werden, das bevorstehende Nebi Müsa-^csf"' auszunutzen','1 um sich ge g en di e Reg i e r ü n g u n ddieZionistenzu erheben. Pevsner und Rubinstein wurden1 verhaftet. ..... Jerusalem, 25. April. Aus Anlaß des Nebi Musa- Festes sind viele Taüsefade fremder Araber nach Palästina gekommen. Nachdem Anzeichen dafür vorhanden sind, daß^ die'Kommunisten unteV ^diesen Arabern eine verhetzende Propaganda entfalten, hat die Polizei in Jerusalem 41, in Tel AwiWjll.'jind in Haifa 15 jüdische Kommunisten verhaftet. ' Die vorstehende Meldung ist eine neuerliche Bestätigung des Umstandes, a^ef in'Palästina von kommunistischer Seite geführte g egen de n Z i o n i sp—» JOÄN CRAWFORD * jääik. ffivv >»J^^w°wy in dem deutsohen Sprechfilm Welt und Unterwelt BURG-KINO SCHWEOEN-KINO Tel. B>20-3-99 Tel. A-49<5-60 ■■DHBBaNHMMNa Metro-üoidwyti-Mayer mmmmmtmmmmmmm erschrecken vor einem zweiten Winter ... Sie strömen ihren Duft aus;und scbreien:^ör-;;iinsere Stimme! Aber die Sonne blickt auf die.Erde; herab, sie kflßt der Berge' Gipfel. Der, Schnee hält' sfen nicht, zerschmilzt zu Wasser . und ' ergießt sich in die . Teiche.,• Dds Schneewasser scbwemnvt das Eis -von .den• "Ufern"weg y,nd treibt es weiter,- weiter. .Der jScl^ee treibt das» Eis und so kommt es .zum Krieg: man hetzt den Bruder rgegen den Bruder. Rein ist schon der Pruth, er geht in seine Ufer zurück. Es spiegeln sich in ihm kahle Bäume. Fröhlich gleitet auf seinen lebendigen Wellen das erste F\oü. Man ruft ihm entgegen: „Gesegnet dein Kommen!" . Boruch rüstet sich, naph frischem Holz. auszufahren, aber, verschiebt seine Reise von Tag zu Tag. Er, bftt die Energie verloren.Uper ganze Handel fängt an, ihm gleichgültig zu werden. Es geht ihm durch den Sinn: „Wozu? Wofür? Und wenn ich nicht fahre — wird mir der Sahn ein größerer Feind werden? Werde ich ihm im Haus selbst fremder werden?" Er weiß nicht, wie es in anderen Heimen aussieht, vielleicht ist es ringsum ebenso. Er weiß, daß er eich einmal bei einem intimen Freund beklagt und dieser ihn ausgelacht habe: Jorgen, die er sich macht, wenn der Sohn ihm nicht in' die Augen schmeichelt!" JEr besitzt aber nicht' sqlch ein kühles Herz: er dürstet nach Kinderliebe, nach einem Lächeln, nach einem zufriedenen Lächeln, das ihm gelte. .Um diese Zeit kam der Schadohen zu ihm. Er hatte selbst fiphon über eine Partie nachgedacht. Er würde schon gerne ein Enkelkind sehen. Die Enkelkinder ist er entschlossen, selbst aufzuziehen, an ihnen wird er Freude haben. dische Abgeordnete Barnett Janner, der den Kolonien" minister aufforderte, den im Briefe MacDonalds an Dr. Weizmann enthaltenen Versprechungen durch positive Mäßnahmen gerecht zu werden, und betonte, daß, welche Leistungen immer in Palästina vollbracht wurden, diese nicht der englischen Kasse zur Last fielen, sondern ausschließlich durch die jüdischen Anstrengungen ermöglicht worden sind. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Robert Hamilton, umriß die Situation Palästinas in den letzten Jahnen. Er gab au, daß dtie Ereignisse dazu angetan waren, diejenigen zu enttäuschen, die ein schnelleres Tempo der Entwicklung ' erwarten. Aljein die . RJicksicht auf die Absorptionsfähigkeit des Landes mache gewisse Beschränkungen hotwendig; eine plötzliche Oeffnung der Tore für neue Einwanderurig würde nutzlos sein, wenn nicht für die Neuankömmlinge Beschäftigung gefunden wird. Es sei darum am besten, wenn man die Angelegenheit der Einwanderung dem High Commissioner und der Jewish Agency überläßt, die gemeinsam die Zahl der von Zeit zu Zeit zuzulassenden neuen Arbeitereinwanderer k% stimmen. — Der Kolonienminister Cunliffe-Lister wird in den nächsten Tagen eine Erklärung abgeben. m u s keine geistige Angelegenheit ist, kein Streit um Ideen. Da geht es um Blut und Leben. Vor dem großen Judenabschlachten im August 1929 arbeiteten die jüdischen Sendlinge Moskaus in Palästina und nachher priesen sie die Mörder der Kinder, Weiber und Greise in Hebron und Safed arme Märtyrer der arabischen Freiheitsbewegung. Wieder soll es einen Pogrom geben... Wer steht hinter dieser Bewegung, welche die Vernichtung des zionistischen Werkes und der jüdischen Menschenleben in Palästina zum Ziele hat? Dieser Pevsner, dieser Rubinstein, diese dürftigen Jünglinge, die jetzt im Polizeikotter sitzen? Das sind untergeordnete Werkzeuge. Die Drahtzieher sind weit, weit oben zu suchen.- Einer sitzt auf dem Skopusberg in' Jerusalem, in der hebräischen Universität. Das 'palästinensische Örgan der Zionisteri- Revisionisten „H a a m" ' berichtet unter'' dem Titelt „I m Namen des Rektors Dr.v'Magnes'' wie iöTgt:' - * V'.;, nw»ü ü: 'bi<&ih;-r, t,;, ,.....,,Vor einigen . Tagen erschienen in.4er .Wohnung unseres Mitgliedes Dr. A. in Jerusalem, zwei Mädchen , und baten, um eine Unterredung, da sie im Namen des , Herrn Dr. Magnes, des Rektors der hebräischen Universität, Mitteilungen zu überbringen hätten. , Dr. A. erklärte den Mädchen, daß er mit Dn Magnes in ständigem Verkehr stehe und es daher verwunderlich finde, daß ihm Dr. Magnes Mittelspersonen . sende. Darauf rückten die Mädchen mit ihrem Anliegen heraus. Sie wären um eine Spende für die „Rote Hilfe" gekommen. Herr Dr. Magnes habe ihnen die Adressen verschiedener Personen bekanntgegeben, bei denen etwas zu holen sei, darunter auch die Adresse des Herrn Dr. Ä. Dieser erklärte den Sammlerinnen, daß Dr. Magnes in diesem Falle einen Mißgriff getan hatte, da er, Dr. A., keinerlei Sympathie für einen Fonds der kommunistischen Partei hege. Die Mädchen zogen mit leeren Händen ab." * Der Fonds „Rote Hilfe" ist ein Kampffonds Als der Schadchen ihm die Partie vorlegte, blickte er ihn an, als ob er besoffen wäre. Aber der Schadehen versteht, aus den Augen zu lesen, und weiß, wie und wann ein Wort zu sagen. „Heutige Zeiten, Reb Boruah, Sie wissen doch! Man kann den Kindern nicht im Weg stehen, und im Notfall stellt man ein Traudaoh ohne die Eltern." „Ist das, beißt es, mit seinem Wissen!" .Selbstverständlich." Er hat Zeit, sich's zu überlegen. Als der Schadehen ihn verließ, durchdachte er die Sache. „Heutigen Kindern kann man nicht im Weg stehen." „Familiensinn hat beute keinen Wert mehr . . ." „Gold ist rund . . . ein paar Hunderter mehr, ein paar Hunderter weniger . . . die Hauptsache ist Glück. Und was werde ich ihm tun, wenn er zu seiner Mutter zurückfährt? . . . Mirjam ist eine Waise — desto besser! Wer weiß es! Vielleicht hat sie Eltern unseresgledchen gehabt." „Brajne wird mögliaheriweiße nicht darauf :bestehen — desto besser! Soll Awrejmel «eben, wer ihm im Weg steht und wer ihn wirklich lieb hat! Im Gegenteil, vor der Welt wird er gut dastehen: ee wird heißen, daß er auf nichts anderes geschaut bat als auf einen anständigen Ruf!" . Als man Oscher zu Boruch wegen der Verlobungsurleunde berief, ging er mit der Absiebt bin., die ganze Sache abzulegen. Aber sobald er in die Wohnung hinaufkam, begegnete man ihm mit einem breiten „Boruch habä, Mechütan!" Boruch trank ihmein „Leohajim Meahutan" m und zerküßte sich mit ihm unter Tränen. Mörderische Wühlarbeit Moskaus in Palästina Der Rektor der hebräischen Universität als Protektor dieser Arbeit