Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 240 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 240 DIE NEUE WELT Seite $ 25.000 Juden lebten. Heute zählt allein die Loge die d r e ifache Zahl an Mitgliedern. Oef f entlichkeitsrecht für hebräiiche Gymnasien in Polen. Die polnische Regierung hat zwei hebräischen Gymnasien der Kultusgesellschaft „Tarbuth" Oeffentlichkeitsrecht erteilt. Tarbuth verfügt über 10 Gymnasien, 4 Lehrerseminare, 181 Volksschulen und 85 Kindergärten mit insgesamt 35.000 Schülern und mehr als 1000 Lehrern; ihr Wirkungsradius ist also ungefähr der gleiche wie der des hebräischen Schulwesens in Palästina. In einer Pressekonferenz erklärte der Direktor von Tarbuth in Polen, Dr. Schmetterling, die Regierung habe eingesehen, daß das hebräische Schulwesen eine Lebensnotwendigkeit für die jüdische Gemeinschaft in Polen bedeute. Es sei zu hoffen, daß die Regierung nunmehr auch den Volksschulen und den Lehrerseminaren des Tarbuth Subventionen bewilligen wird. Jüdische Kandidaten in Frankreich. In Frankreich, wo demnächst das Parlament neu gewählt wird, ist der Wahlfeldzug in vollem Gange. Unter den Kandidaten der verschiedenen Parteien sind mehrere Juden: Leon Blum, der Führer der französischen Arbeiter-Partei. Einer der Kandidaten der radikal-sozialistischen Partei in Paris ist der Präsident des Jüdischen Nationalfonds von,Frankreich, Advokat Mirtil, auf das Programm der republikanisch-sozialistischen Partei kandidiert der Zionist Advokat Corcos, auf das Programm der sozialistischen Partei Bernheim. Allein in Paris kandidieren fünf Juden, und zwar außer dem bereits genannten Advokaten Corcos der berühmte Verteidiger Schwarzbarts, Advokat Torr es, die Sozialisten Hirsehowitz und J. Levi und der Kommunist Charloß Rappoport. Es steht noch nicht fest, ob Baron Maurice de Rothschild diesmal kandidieren wird. Da infolge von Einbürgerungen die Zahl der jüdischen Wähler in den letzten Iahren stark angewachsen is,t„ ist eine neue Erscheinung zu beobachten: die Kandidaten aller Parteien werben um die jüdischen Stimmen, die . verschiedenen Parteien veröffentlichen Wahlappelle auch in der jüdischen Presse und verbreiten speziell zu den jüdischen Wählern sprechende Wahlliteratur. Auch werden jüdische Wahlversammlungen vorbereitet. Die Stadt Paris stellt 17.000 Objekte der Dreyfus-Affäre aus. Die Stadt Paris hat im Museum Carnayale) soeben eine Ausstellung von 17.000 Objekten (Dokumente, Zeitungen und Bücher, Photographien, Zeichnungen usw.), die auf die Dreyfus- Affäre Bezug haben, ausgestellt. Die Sammlung wurde der Stadt Paris von einem kürzlich verstorbenen reichen Pariser Juden, Herrn Ochs, vermacht. Die' neue Schächt-Bill in Irland. Die vom Deputierten Campbell eingebrachte Bill über humanes Schlachten ist vom Parlament des irischen Freistaates in zweiter Lesung angenommen worden. Die Bill macht eine Ausnahme für das Schächten nach jüdischem Ritus, das in dem Umfange gestattet werden soll, als die jüdische Bevölkerung Koscher-Fleisch benötigt. Eine jüdische Gemeinde in Gdinia. Die jüdische Bevölkerung in der neuen polnischen Hafenstadt G d i n i a b e i D a n z i g, durch die in Zukunft die Emigration aus Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei gehen soll, ist heute so sehr angewachsen, daß man bereits Schritte zur Gründung einer jüdischen Gemeinde unternommen hat. Plätze für eine" Synagoge und einen jüdischen Friedhof wurden bereits angekauft. Neue spaniolische Synagoge in Rom. In Rom fand die feierliche Einweihung der neuen s p a n i o 1 i 8 c h e n Synagoge statt, zu deren Bau Ruinen alter spariiolischer Synagogen Roms, die aus dem 1"4. Jahrhundert stammen, verwendet worden sind. ff J ■ ' ' ■ ■ ■ als hätte er Mitleid, bald, als wäre er verärgert. Schwarze Wolken drängen' sich, den Mond zu verfinstern, das einige himmlische Auge, das in alle Winkel hineinblickt, und sie wollen ihm sagen: „Bei uns — je weniger man schaut — desto besser, je finsterer — desto ruhiger." Das Dach der Schul glänzt dem Mond ironisch entgegen, auf Rechnung der Wolkenfetzen: ,,^enn man selbst nichts vermag, heißt es, ist's nicht gut." Der Schnee knirschte scharf unter ihren Füßen. Still gingen beide. Oscher begann zu reden, wie wenn ei* mitten im Gespräch gewesen wäre: „Ein Schadehen bei mir gewesen deinetwegen! Zwar einer, wie es sich gebührt, aber ich hab ihn nicht zu deinem Vater gehen lassen. Ich weiß im vorhinein, daß er nicht wird wollen. Deinem Vater kommt als Bräutigamvater ein außerordentlicher und ausnehmend reicher Mann zu." Awrejmel blickte ihn verwundert an. „Hier in der Stadt gibt es niemand deinesgleichen. Für dich gibt es nur was in der Fremde. Nun — ich such auch für Mirjam eine Partie in der Fremde . . , Aber bei ihr ist's etwas anderes... Sie ist eine Waise..." Oscher senkte seine Stimme und bog sich zu Awrejmels Ohr: „Ihre Mutter ist von sehr geringem Stand. Im übrigen, was heißt niedrig? Nicht allein, daß sie "arm ist . . . sondern an und für sich niedrig... In einer fremden Stadt will ich sie für meine ausgeben ... Sie ist ja eine Verwandte von mir... Zu hoch will ich selbst nicht . . ,M Oscher fühlte, daß er wie ein Betrunkener rede. Die Synagoge ist ein Werk des bekannten jüdischen Architekten Del Monte. — Die Synagoge der spaniolischen Gemeinde Roms befand sich bis jetzt in den Räuden der römischen jüdischen Volksschule, sie mußte aber die Lokalitäten in der Schule räumen, da die Schule sich stark entwickelt hat — die Zahl der Kinder war in wenigen Jahren von 200 auf ungefähr 500 gestiegen — und sie darum sämtliche Lokalitäten für sich selbst benötigt. Erste Talmud-Thora-Schule in Abessini en. In Addis Abbeba, der Hauptstadt Abessiniens, wurde die erste Talmud-Thora-Schule für Kinder der Falaschas (schwarze Juden von Abessini en) eröffnet. Die Lehrerschaft setzt sich ausschließlich aus Falaschas zusammen, die in jüdischen Zentren des Auslandes studiert haben. Ein Denkmal für Lord Melchett in Palästina. InTel-Mond, der von dem verstorbenen Lord Melchett (Sir Alfred Mond) gegründeten Plantagen-Kolonie der Palestine Plantation Ltd., wurde am 8. April in feierlicher Zeremonie im Beisein des jungen Lord Melchett, jetzigen Präsidenten der Palestine Plantation Ltd., und der Lady Melchett der Grundstein zu einem Denkmal des verstorbenen Lord Melchett gelegt. Ein jüdischer Veteran des bulgarischen Befreiungskrieges. Im Alter von «nmoRRHoiDEn SIND HEILBAR! AUFKLARUNC KOSTENLOS ourchcie ROTHflUS W0IHEHE An die Rathaus-Apotheke, Wien I, Stadion?. 10/N. W. 1. Ich bitte um kostenlose Zusendung der wissenschaftlichen Broschüre „Die Hämoirhoiden und Ihre Bekämpfung'4 Name: ................................................................................................................... Adresse:................................................................................................................... 84 Jahren starb in Sofia Aaron Wolf G o 1 d b e r g. Er war nach Bulgarien mit der russischen Armee gekommen und nahm an den heroischen Kämpfen am Schipka- „Juden Eintritt verboten!" Der Leser könnte glauben, daß sich dieser Text auf eine Aufschrift in irgend einem reichsdeutschen oder österreichischen Kür ort bezieht, der sich „judenrein" erhalten will, oder etwa auf eine Affiche im Büro der palästinensischen Landlingsstelle. Dem ist nicht so. Mari kann jetzt in den Straßen Londons ein Plakat sehen, das diesen Text tragt, zii einer Versammlung einladend, die „die barbarischen Methoden, die die Juden hier in unserem England beim Schächten anwenden", zu enthüllen einberufen wurde. Außerdem soll die Versammlung „alles behandeln, was mit der jüdischen Gefahr zusammenhängt". Alle Anglosachsen sollen kommen, um die imperale Fasohistenliga, so nennt sich die Einberuferin — z\\ hören. Juden ist der Eintritt verboten. . Wir kennen den , Text, wir kennen die Melodie schon seit langem, heute holten wir sie wieder anläßlich der Gemeinderatswahlen in Wien, wo die Hakenkreuzler mit dem Schlagwort vom Schächten und von der jüdischen Gefahr operieren. Nun h,at auch, das liberale, konservative, fortschrittliche England sein Hakenkreuz; das England, das Kommissionen aussendet, wenn es wo Pogrome gibt; das England, das sozusagen das Gewissen der internationalen Moral vertritt, das England der jüdischen Minister; das England der Balfour-Deklaration; das England, dem der Völkerbund das heilige Gut der Verwirklichung unserer legitimen Ansprüche anvertraut hat. Das Hetzplakat in den Straßen Londons muß Die Worte paßten nicht zueinander, aber was er sagen wollte, hatte er schon herausgebracht. Er begann plötzlich innezuhalten, so wie er plötzlich begonnen hatte zu reden. „Skrsch, skrsch", beendete der Schnee Oschers Worte. Awrejmel war wie betäubt, er wußte nicht was zu sagen. Oscher beeilte sich, Abschied zu nehmen. „Gute Nacht, gute Nacht", wünschten einander die Spaziergänger und trennten sich. Die Spaziergänger sind schon weit voneinander entfernt, jeder hört nur seine eigenen knirschenden Schritte. Auf dem Himmel kämpft der Mond mit den Wolken, bahnt sich einen Weg, blickt voll Mitleid herab, wer allein durch die Straßen irrt, möge sich ihm anvertrauen, der Mond wird ihn geleiten. Awrejmels Phantasie hatte Arbeit für die ganze Nacht, Oschers Verhältnis zu Mirjam wurde ihm ein Rätsel mehr. Durch sein Hirn flackerten Bilder: Rifke . . . Oscher . . . Bejle . . . Mirjam . . . Und immer wieder gaben sie sich ihm in anderem Zusammenbang. Nur das eine war ihm klar und gewiß, daß Oscher ihm anzuhören gegeben habe, Mirjam^ sei zu gering für ihn. Klar war es ihm, daß Oscher sich nicht richtig zu Mirjam verhalte und daß Mirjam eine unglückliche Waise sei, und bis heute hatte er es noch nie so deutlich gefühlt, wie lieb er Mirjam habe. Er faßte darum bei sich den Entschluß, sich dem Vater zu entziehen und Hochzeit zu halten mit Mirjam. Er erzählte alles der Mutter. Brajne fand sich vor die Tatsache gestellt, wie viel« Schwierigkeiten da im Weg stehen. Sie wußte, daß An die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daß die „Neae Welt" ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freund* liehst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Nene Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zn bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen noch den Empfängern irgend welche Verpflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt" P a ß im Jahre 1877 teil, deren Ausgang für die Befreiung Bulgariens entscheidend war. Am 11. August 1877 unternahm Sulejman Pascha 14 Attacken auf diesen Punkt, Goldberg hat sich an der Zurückschlagung aller dieser Attacken beteiligt. Die Teilnehmer an den Schipka- Kämpfen werden in Bulgarien als Nationalhelden verehrt. Bei der Bestattung Goldbergs trug ein Funktionär auf schwarzem Kissen die acht Tapferkeits-Medaillen, die sich der Verstorbene erworben hat, und die Hofkapelle spielte Trauermärsche. Die berühmte Manuskriptsammlung Sassoon. Die Druckerei der Universität Oxford bereitet die Herausgabe eines „beschreibenden Katalogs der hebräischen und samaritanischen Manuskripte der Sassoon-Bibliothek zu London" vor. David Solomon Sassoon hat in vieljähriger Sammlertätigkeit eine Manuskriptsammlung zusammengestellt, die als Privatsammlung nicht ihresgleichen in der Welt hat. Der Katalog wird u. a. 73 Faksimiles nebst einem farbigen Stich, darstellend eine Seite aus der Eamous-Fahari-Bibel, sowie Reproduktionen von Manuskripten aus dem neunten und zehnten Jahrhundert enthalten. mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmemmmmmmmmmmmmmmm denen, die den Antisemitismus für das Monopol einzelner Völker und Schichten halten und in ihm eine vorübergehende Erscheinung sehen, die Augen für die Tatsache öffnen: Es gibt keine Grenze für den Judenhaß! Zwar wurde, wie die Londoner Meldung besagt, den anglosächsischen Faschisten der Saal zur Abhaltung der Versammlung verweigert und so dieser aktuellen Aktion ein Damm gesetzt. Für heute. Und morgen? Wir haben das deutsche Beispiel, wo im Verlauf weniger Jahre aus einem antisemitischen Flüßcheu ein Meer des Judenhasses geworden ist, aus wenigen Hakenkreuzlern eine Armee von tVA Millionen! Die Herren Kavaliere. Die sogenannte gute Wiener Gesellschaft hat wieder ihren Skandal. In einem noblen Klub, also dort, wo die Repräsentanten der vornehmen Kreise verkehren und unter sich sind, haben Klubmitglieder Hasard gespielt und riesige Summen verloren, bzw. gewonnen. Eine alltägliche Sache. Aber sie haben die Kavaliersehre verletzt, indem sie — falsch spielten. Man nennt bereits einige Namen, vor deren Glanz die Polizei nicht haltgemacht, sondern ihres Amtes gewaltet hat. Die Falschspieler sind verhaftet worden. Das verhaftete Trifolium besteht aus zwei Baronen jüdischer Abstammung und einem magyarischen Magnaten. Die antisemitische Presse, die es sonst mit der Verletzung der landesüblichen 92mm~mmm*m!~*m'mm*£eSBe&2S»**^ Boruch sich eine andere Schwiegertochter zugepaßt habe und daß er mehr seinem eigenen Wunsch Rechnung tragen werde, als der Neigung seines Kindes. Es genügte ihr, Awrejmele in die Augen zu schauen, um zu wissen, daß diese Haltung auf Widerstand stoßen werde. Sie nahm auf sich, die Schwierigkeiten zu beseitigen. Für den nächsten Morgen nahm sich Awrejmel vor, Mirjam zu beweisen, wie schlimm der gute Oscher ihr gegenüber gehandelt habe. Mirjam hörte alles an, verfiel in Nachdenken. Sie wunderte sich darüber, weshalb sie bis zum heutigen Tag Oscher nicht gefragt habe, wer ihre Eltern seien: Ob sie irgendwo leben? Wo sie sind? Wer sie sind? Es dünkt ihr, daß sie von jeher]weiß, sie sei eine Waise. Niemals in ihrem Leben traf es sich, daß sie wegen der Eltern hätte fragen müssen, all die Jahre segelte sie in einem still rauschenden, angenehmen Leben dahin. Ständig ist sie mit sich selbst beschäftigt, unter Oschers gütiger Fürsorge. Niemals hat sie wegen irgend etwas anderem sich Gedanken zu machen. Sie fühlte sich sündig gegenüber jenen Eltern, die sie niemals gesehen hat. Sie schämte sich vor Awrejmel. Niemals stimmte sie mit ihm so überein wie jetzt. Oscher und Bejle wuchsen sich bei ihr als zwei sündige Menschen aus, die einen Grund haben, vor ihr den echten Vater und Mutter zu verleugnen. Sie fiel in Weinen, Awrejmel beruhigte sie. Er enthüllte ihr seinen Beschluß wegen der Heirat. Für sie war dies nichts neues: sie hatte niemals etwas anderes gedacht. Sie wollte jetzt nur von ihm, er möge ihr ver«. sprechen, ihre Eltern herauszufinden. (Schluß folgte RUNDSCHAU «