Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 239 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 239 DIE NEUE WELT Seit© S 1 Berater in jüdischen Dingen sind Tauf- und Abfalljuden. Ihr Programm ist nicht antisemitisch, aber ihre Wirtschaftspolitik ist es. Der Umstand, daß sie einzelnen, politisch willfährigen jüdischen Individuen Vorteile zukommen läßt, ein System der Hausjudenschaft etabliert hat, ändert nichts daran, daß die Art ihrer Verwaltung der Gemeinde die Juden schwer schädigt. In den großen Betrieben der Gemeinde nnd im Verwaltungsdienste finden Juden keinen Platz, obzwar in Wien über 13 Prozent Juden leben. Ihre Steuerpolitik ruiniert den jüdischen Mittelstand und beraubt dadurch auch die jüdischen Arbeiter und Angestellten, welche fast nur in jüdischen Betrieben Arbeit bekommen können, der Lebensmöglichkeit. Die Christlichsozialen haben den Antisemitismus nicht nur in ihrem Programme, sie setzen ihn in die Tat um. Der Umstand, daß sie es auch verstehen, mit der jüdischen Hochfinanz und Großindustrie politische und sonstige Geschäfte zu machen, macht ihren Antisemitismus nicht ungefährlicher. Wenn es ihnen paßt, schützen sie schuldige jüdische Bankdirektoren, werfen dafür schuldlose jüdische Bankbeamte aufs Pflaster. Unter ihrem Regime sind alle Stellen in der staatlichen Verwaltung den Juden verschlossen. Die Kommunisten, welche den brutalsten Klassenkampf predigen, haben die Austilgung alles Jüdischen zum Prinzip erhoben. Ueber die anderen wahlwerbenden Parteien, die durchwegs antisemitisch eingestellt sind, zu sprechen, erübrigt sich. Keine der genannten Gruppen trägt dem Interesse und der Würde des jüdischen Wählers Rechnung. Keine hat die Berechtigung, seine Stimme zu fordern. Die Jüdische Volkspartei lehnt es daher ab, den Juden die Wahl irgendeiner der aufgestellten Listen zu empfehlen. Für die Jüdische Volkspartei Oesterreichs: Oberbaurat R. Stricker, H. Kandl, Dr. D. Bukspan, P. Wühl. GUSTAV WILDER Palästina-Produkte-Import WIEN IV . RAINERGASSE 31 . TELEPHON U-42-4-84 BRATISLAVA . stefanikova C.25 r teliboo TELEGRAMM-ADRESSE: KARMEL OFFERIERT! Tribüne Die „Neue Welt" erhielt folgenden Brief: ,Wien, 12. April. — Geehrte Redaktion! Unter dem Titel .Zweierlei Maß* berichtet Ihr Blatt aus Deutschland, daß dort hakenkreuzierische Blätter von der sozialdemokratischen Regierung Preußens sofort eingestellt werden, wenn sie Beleidigungen gegen führende sozialdemokratische Minister oder Parteiführer bringen, daß sie aber unbehindert das jüdische Volk verunglimpfen und gegen Juden Mord predigen dürfen. Ich erlaube mir, darauf aufmerksam zu machen, daß es bei uns in Oesterreich nicht anders zugeht." „Aus Anlaß der Wiener Gemeinderatswahlen haben die Nationalsozialisten Plakate herausgegeben, die an Blutrünstigkeit alles übertreffen. Eines trug in RiesenJettern die Worte: Judenblut wird spritzen — Hitler wird das deutsche Volk durch ein Meer jüdischen Blutes führenl' KARMEL-WEINE OLIVENÖL JAFFA-ORANGEN TOILETTESEIFEN JAFFA-GRAPEFRUIT FRÜHGEMÜSE FRUCHTSÄFTE SOWIE MAZZOTH SÄMTL LANDES- HONIG PRODUKTE Autorisierter Vertreter der: Großkellereien der Baron Rothschildschen Kolonien,Richon le Zion „Hashaklai" Ltd., Petach-Tikvah . „Hamashbir" Ltd., Tel-Awiw „ShemenTalestlne Oil Industry Ltd., Haifa . „Tenuva" Agricultural Cooperatlve Societies Ltd., Tel-Awiw* „Assis" Ltd., Fruit Products, Ramatgan Grands Moulins de Palestine, Haifa todIw "WD — Bekanntlich gehören alle Plakattafeln und Plakatsäulen der sozialdemokratischen Gemeinde Wien, die es wohl versteht, eine Zensur auszuüben. Plakate, in denen die Führer Seitz, Breitner usw. respektlos behandelt werden, sind immer zurückgewiesen worden. Aber die Herren vom Rathaus, die eifrig um jüdische Stimmen werben und sie auch bekommen, übernehmen ruhig Mordplakate gegen jüdische Bürger. Also auch hier zweierlei Maß. Hochachtend I. G.' Kavaliefen^Ji Hast nur mit oer einzigen schwedisunen weitmarke HARRY P1EL in dem Meisterwerk der Sensationen DBR^«.»»j»,n.».p. GEHEIMAGENT mit MARIA SOLYEG Täglich im: Gartenbau-Kino I., Ufa-Ton-Kino II., Stafa-Kino VII., Kolosseum-Kino IX. UNIVERSAL PICTURES fordern. Aber auf dieser Welt weiß die Waise selbst nicht, womit sie dafür entgelten wird!" Tränen funkelten in Mirjams Augen. Sie fand jetzt nicht das scharfe Wort, das ihm gebührt hätte. Awrejmel blieb wie in sich versunken. Er hatte Mirjam in ihren Tränen lieb, ihre Seele sah er damals auf ihrem Gesicht. Er ertrug ihr Weinen nicht. Er stürzte sich auf sie und küßte sie mit durstigen Lippen. Sie hob die Hände, um ihn von sich wegzudrängen. Aber es fiel anders aus. Die Hände legten sich um seinen Hals... Awrejmel fühlte sich angeschmiegt an eine warme, wogende Brust Die Sonne senkte sich und blickte wie absichtlich durch die Bäume. Die jungen Bäume schauten gleichgültig, kindlich-gleichgültig zu und dufteten mit angenehmem Geruch. Die beiden standen wie trunken. „Weshalb sagst du solche Sachen?", sagte Mirjam mit hilfesuchendem Vorwurf. „Weshatlb sind die Sachen so, frag* lieber", antwprtete er weich. „Oscher ist doch wie ein Vater zu mir." „Wer hat dir denn gesagt, daß ein Vater besser ist?" Beide fühlten, daß sie in verborgenen Wunden wühlen, und gingen auf andere Dinge Uber. Beide sprachen hell und laut, um das Frühere zu übertönen. (Fortsetzung folgt.) Eine sdtwere Anklage Die jüdische Journalistik der politischen Unterschlagung beschuldigt — Bialik, Goldberg und Katz klagen an Der „Verband zum Schutze der leidenden Juden Sowjetrußrands" mit dem Sitz in Palästina veröffentlicht eine vom Dichter N. Bialik und den bekannten zionistischen Führern I. Goldberg und Benzion Katz gezeichnete Anklage gegen die Jüdische Telegraphenägentur (J. T.-A.) und die jüdisch-amerikanischen Tageszeitungen „Morgen- Journal" und „Tag" wegen Unterschlagung dokumentarisch belegter Berichte über die grausame, auf Gelderpressung gerichtete FoHeorung jüdischer Bürger in Rußland. Juden werden zwei Wochen und länger in der Haft am Schlafen verhindert und in den Wahnsinn getrieben, sie werden in nngeheizten oder überheizten Kerkerlöchern gefoltert und anderen scheußlichen Torturen ausgesetzt. Sie sollen dadurch veranlaßt werden, Geld fremder Währung von ihren im Ausland lebenden Freunden zu fordern und an die Sowjetregierung abzuliefern. Der palästinensische Vertreter der J. T.-A. wird beschuldigt, ihm übergebene Eingaben an den amerikanisch-jüdischen Kongreß über die schrecklichen Leiden der russischen Juden übernommen and deren Veröffentlichung, gegen sein Versprechen, unterdrückt zu haben. Der Chefredakteur des „Tag", Dr. Margosch es (New York), weilte in Rußland, hat dort bei Juden Material über die Verfolgungen gesammelt, ihnen Beistand und Informierung der Weltjudenheit versprochen. Er hat das Material unterschlagen und gute Berichte über die Lage der Juden veröffentlicht Der Londoner Korrespondent des New Yorker „Morgen- Journal" hat seiner Zeitung Erklärungen des Sowjetvertreters in England übermittelt, in denen alle* Untaten gegen die Juden dreist abgeleugnet werden, und das „Morgen-Journal" hat für die Verbreitung dieser, das russische Judentum preisgebende Lügennachrichten gesorgt. Die Anklage schließt mit den Worten: „Im Namen des Verbandes stellen die Unterzeichneten fest, daß die jüdische Presse in einer Angelegenheit, welche Tausende leidende russische Juden betrifft, ihre menschliche nnd jüdische Pflicht nicht erfüllt Sie wird hiefür Rechenschaft ablegen müssen. Aber ein Teil der jüdischen Presse (Anm. d. Red.: Die in der Anklage namentlich angeführte!) hat durch sein schmähliches Vorgehen Schande auf sich geladen. — Für den Verband: N, Bialik, Vorsitzender, I. Gold her«, Benzion Katz." Verirrte Jugend Die Früchte der roten Assimilation — „Nieder mit Palästina!" — „Nieder mit dem Judentum!'* — Die kommunistische Schwester Als in den Achtziger- und Neumzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts unter der jüdischen Jwgend die Tauf- und Abfalibeweguaiig einsetzte, söhien das Judentum eine verlorene Sache. Die religiöse Bindung erwies sich zu schwach, um den Zerfall aufzuhalten. Da trat Theodor Herzl aJs Retter der jüdischen Jugend, also als Retter des Judentums, auf. Seine Idee vom Judenstaate und von der nationalen Einheit erfaßte die jüdische Jugend mit unwiderstehlicher Kraft und riß sie vom Abgrund weg. Heute stahlt das Judentum vor dem gileiohen Problem. Mit der Preisgabe des vollen Herzl-Zionismus, der vom und für den jüdischen Menschen das Höchste fordert, mit dem Ersatz dieses Herzl-Zionismus durch einen Klein- Zionismus des Geldsammelns, des sozialistischen und kulturellen Experianentierens hat wieder der A braarsch der Judem vom Juden tum eingesetzt. Sie geht ins Laiger der Klassenkampfparteden, vor allem ins Lager des Kommunismus, über. Erst versuchte man im zionistischen Laiger diese Tatsache abzuleugnen. Dann tröstete man sich mit der Theorie, daß die Jugend wohl dem Ideal des Klassenkampfes •nachgeht, aber ihren Zionismus und ihr Judentum mitnimmt. Jetzt tritt die Fadenscheinagkeit dieses Trostes zutage. Die Jugend kann nicht zwei Idealen dienen. Geht elie zum Klassenkampf, dann geht sie vom ZiomisffliUs, vom Judentum endgültig weg. Dann wird in ihr das jüdische Gefühl in jeder Form abgetötet. Zwei Fälle jüngsten Datums mögen dieses Faktum illustrieren, * In Rumänien äst der Zulauf der jüdischen Jugend zum Kommunismus überaus stark und bildet das immer wiederkehrende Thema in zionistischen Kreisen. In einem Berichte der Cizernowitzer „Ostjüdisohen Zeitung" über eine dort abgehaltene VorsomwUung schreibt Dr. Mayer Ebner: „In einer Volksversammlung, in der das kammu« mdstisohe Buch Otto Hellers „Untergang des Judentums" diskutiert wurde, hat eine Gruppe jüdischer Jugend im Festsaal des jüdischen Hauses, wo die Versammlung stattfand, wiederholt gerufen: „Nieder mit Palästina!'* — „Nieder mit dem Judentum!" — Also, so weit ist die Verblendung eines Teiles der jüdischen Jugend gediehen, daß sie ohne ein Gefühl unnennbarer Beschämung es in eine jüdi« «cJieo Volksversammlung hinausz-uschreien wagt: „Nieder mit Palästina! Nieder mit dem Judentum!" Und SIEGM. KORNMEHL aROSSFLIISCHHAUAREI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-ft*5-99 u. A-16-9-3* Lieferant für Heilanstalten *mS!h!£8S!Lm unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Ist. Kultusgemeinde Wien Autoiuafcllune keatonio« IX,, Bcrggus« 18 /XVIII., Wtfhrtaflcratr. t?