Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 239 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711860--3070-2716410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 ÖI£ NEUE WELT Nr. 239 nie erreicht n ^BSr Wer Siram Maxzoth kauft, wef$f d»$ «r nqr garantiert tfUcMe Ware, h urtge brxeugung, bekomm!! Achten Sie auf jedem Paket ersichtlich auf d'e Stampiglie JH. Strom" .....Mi die Merken .Sie sich Im eigenen Interesse die 3* Worte: Strums runde Mazzothl s»;h.strum(wien ii Rote nstern gas se 11 . Tel.R-41-6-12 werden In Wien und in vielen anderen Landern die all besonders wohlschmeckende Delikatesse alleemein bekannten und beliebten, weil nach einem speziellen Verfahl en erzeugten hochwertigen runden und dünnen viereckigen ftruiii Mazzo sowie Griefj und Fai vel Die Tor züglichen .,Strum-Mazzoth" werden erzeugt unter ständiger Aufsicht des.ehrw Rabhinats der is. el.Kuitusgememde Die genaue Einhaltung streng oithodoxei Kaschruth-Vorsrhriften wird ▼on Sr. Bhrwärden Herrn Rabbiner Babath Uberwacht. Die Erzeugung erfolgt mit eigens konstruierten, patent imllich geschützten Masch nen (O^fen) auf elektrischem Wege mit fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern denen es gegeben ist, im Lande der Väter zu weilen und das.- J.üdische National hei ni aufzubauen. Morde in Palästina ' Am 3. April morgens wurde der 21jährige arabische Chauffeur Ismid Elareff in seinem Auto mit durchschnittener Kehletot aufgefunden, und zwar ungefähr an der gleichen Stelle, wp'zwei Tage vorher der amerikanisch-jüdische Tourist Israel Wolf, ebenfalls mit durchschnittener Kehle, tot aufgefunden wurde. Man glaubt nunmehr, daß sowohl Wolf als auch Elareff Opfer einer ' a r a bi s c h e n Terroristengruppe sind, die die Morde zum Zwecke der Erregung von Unruhen organisiert hat. Die Polizei hat umfassende .Sicherheitsvorkehrungen, namentlich auch im Hinblick auf das am 15. April beginnende Nebi-Mousa-Fest, getröffen. Der stellvertretende, Chefsekretär der Palästina- Regierung hat die Redakteure der verschiedenen palästi- §cheIhammers[Lo§e abermals von besonderem h Gluck begünstigt! - Während der . abgelaufenen Ziehung der V. Klasse der 26. Klassenlötterie wurden wieder viele vom Bankhaus Schelhammer & Sdiättera Wien Ii Stefansplatz II verkaufte Lose mit bedeutenden Treffern gezogen. So entfielen: der Haupttreffer von S 80.000.— auf die Nr. 62.680, der Haupttreffer von S 60.000.— auf die Nr. 19.573. Weiters wurde eine namhafte Anzahl von Treffern zu S 20.000.—, 10.000.—, 8000.-T-, 6000.—, 4000.— und 2000.— mit Schelhammer-Losen gewonnen. Bei der 23. und 24. Klassenlotterie entfielen in beiden Hauptziehüngen die Prämie von je S 500.000.— und in der 24. Lotterie außerdem auch noch die Haupttreffer von S 300.000.—, 100.000.—, 80.000—, 60.000 und 50.000.— auf Schelhammer-Löse. nensischen. Zeitungen zu einer Besprechung über Fragen der öffentlichen Sicherheit eingeladen, der der stellvertretende Polizeikommändant und andere hohe Beamte beiwohnten. Der stellvertretende Chefsekretär gab im Namen des High Commissioner eine Erklärung über die letzten Zwischenfälle in Palästina ab und ersuchte die Pressevertreter, der Regierung darin behilflich zu sein, R u he u ridr Ö idtiü ii g im Lande aufrechtzuerhalten. Den Pressevertretern wurde gesagt, daß die Veröffent- Bei Magen- und Darmbeschwerden, Eßunlust, Stuhlträgheit, Aufblähung,' Sodbrennen, Aufstoßen, Benommenheit, Schmerz in der Stirn, Brechreiz bewirken 1—2 Glas natürliches „Franzi Josef "-Bitterwasser gründliche Reinigung deö Verdauungisweges. In Apoth. erh. 9 Sichere kapitalsanlage hohe Verzinsung befriedigende tätigte eit bie en prhratwlrfschafJIche Unternehmungen In Palästina beratung Vermittlung Verwaltung durch Julius b e r g e r Jerusalem p. o. b. 832 lichurtg von Gerüchten oder Kommentaren, die dazu angetan wären, den inneren Frieden zu gefährden, streng geahndet werden würde. Die Mitglieder der Arabischen Exekutive Palästinas sprachen am 3. April nachmittags beim High Commissioner vor und erhoben die Forderung nach strengster Untersuchung des Falles des jungen arabischen Chauffeurs Ismid Elareff. Die Mitglieder der Exekutive erklärten, sie halten Elareff für einen neuen arabischen „M ä r t y r e r". Ein neuer Schulkonflikt? In Palästina scheint sich ein neuer Schulkonflikt anzubahnen. Die Lehrer erscheinen in Massen im Büro der Zionistischen Exekutive und fordern die Auszahlung ihrer Löhne, während die Exekutive, die von sich aus das möglichste für die Schulen geleistet hat, nicht mehr in der Lage ist, die Summen für die Gehälter vorzuschießen, da ihr Ersuchen an die Regierung, die staatliche Subvention für die hebräischen Schulen zur Auszahlung zu bringen, bisher erfolglos geblieben ist. Die Regierung macht die Auszahlung der Subvention davon abhängig, daß ihre Vorschläge betreffend eine strengere Regierungskontro'lle für hebräische Schulen in Kraft gesetzt und durchgeführt werden. Die Lehrerschaft besucht in Massen auch das Büro des Waad Leumi und fordert eine endliche Regelung der Gehälterauszahlungen. An die jüdische Wählerschaft Wiens wählen stau. Wahren» m ^dei Wien Gemeinderats (en letzten drei Jahrzehnten bei allen politischen Wahlen nationaljüdische Kandidaten auf Grund eines jüdischen Programms der^jüdische» Wählerschaft präsentiert wurden, ist es diesmal zur Auf stellung einer n a t i o na 1 j ü d i s c h e n Li sie nicht gekommen.» Der Grund dieser höchst bedauerlichen, die Judenschaft demütigenden und schädigenden Tatsache ist vor allem darin gelegen, daß ein Teil der österreichischen Zionistenschaft — und gerade jener, dem die Fühnmg nach äülienhin bis vor kurzer Zeit oblag — sich vom alten, bewährten nationalpolitischen Programme des Zionismus abwandte und den Geist der politischen Assimilation in seine Reihen eindringen ließ. Dieser Teil der zionistischen Organisation zählt heute Mitglieder — auch an führenden Stellen —, weHie in der österreichischen Sozialdemokratie politisch organisiert sind, d. h. in einer Partei, welche vielfach von getauften und abgefallenen Juden geführt und geistig beeinflußt wird, also ein Hort der Ehtjndung, der Assimilation geworden, istl Wie zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die österreichische Judenschaft sich in die Verhängnisvolle Knechtschaft eines fremdnationalen Liberalismus begab, hat sie heute vor der mächtigen, klassenkämpferischen Zu den Gemeinderatswahlenf Wiener Sozialdemokratie kapituliert. Damals waren die Juden willfährige Werkzeuge im Kampfe einer Nation gegen die andere, heute spielen sie > im Kampfe der Klassen dieselbe verderbliche Rolle. Diese Politik hat damals zum Abfall vom Judentum und zu einer ungeheuren antisemitischen Reaktion geführt. Sie muß heute das gleiche unglückliche Resultat zeitigen: Jüdische Assimilation und antisemitische Reaktion. Die unterzeichnete Jüdische Volksp a r t e i hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gesunkene Fahne des volksbewußten Judentums wieder zu erheben, alle Juden, welche wieder ehrliche, stolze jüdische Volkspolitik betreiben wollen, zu sammeln und zu organisieren. Die große Arbeit der Beseitigung der oben erwähnten politischen Verfallserscheinungen' innerhalb der" Judenschaft und Ernennung der jüdischnationalen Organisation erfordert eine Konzentration der Kräfte* Die Jüdische Volkspartei sieht daher diesmal von der Aufstellung einer Liste ab. Si6 wird aber bei der nächsten Gelegenheit zur Stelle sein. Was die Anteilnahme an der Wahl am 24. April betrifft, kann die Jüdische Volkspartei keine d er aufgestellten Listen dem jüdischen Wähler empfehlen. Die Wiener Sozialdemokratie entfremdet vor allem die Jugend dem Judentume, ihre Ein verwaisfe§ Le^en Von Jehuda Steinberg (Fortsetzung.) Awrejmel war es unangenehm, dazustehen wie einer, der ein Gespräch belauscht, und er trat den Weg zum Teich an. Ihm schwirrten durch den Kopf abgerissene Gespräche, die er irgend einmal gehört hatte. Er bemühte sich, einen Ausweg zu finden, seine Phantasie begann Mirjam in den Wirrwarr zu verflechten. Mirjam riß seine Gedanken a)b, er ging ob ihrer mit sich zu Rate: Da ging es ihm auf, daß er, von des Vaters Machtbereich befreit, Mirjam nehmen und mit ihr hinein ins Dorf ziehen würde — „allein" zu leben, aber er fühlte da, daß ihn vor ihr etwas abstoße: seine Feindschaft'gegen ihr Selbstbescheiden, das er so oft bei ihr fand... '. Wenn er Mirjam heiraten und Kinder haben sollte, würden sie — in diesem Gedanken gefiel er sich — bei ihm großgzeogen werden, so wie sie es seibat wollen. Er würde schon der Welt ein Beispiel geben, wie man Kinder zu erziehen hat. Und wieder rissen seine Gedanken ab: es kam ihm die Haltung seines Vaters zu ihm in den Sinn... Als er sich dem Teich näherte, erinnerte er sich daran, daß der Vater ihm das Baden Untersagt hatte, mehr der eigenen Besorgnis Rechnung tragend als dem Bedürfnis des Sohnes. Und ihm fiel plötzlich ein neuer Gedanke ein: dem Vater in allen Dingen zu folgen, wo des Vaters Wünsche den seinigen entgegenstehen, und sich damit die Rechte des Zurückgesetzten zu erobern. Er werde nicht in des Vaters Schuld sein, des Vaters Sehuldkonto werde bei ihm belastet sein. Er schritt einen andern Weg zurück, durch ein junges' Wäldchen mit jungen Bäumen, der sich vom Ufer' des Teiches bis unterhalb der Stadt hinzog. Der Weg war dort nicht ausgetreten, stellenweise mußte man über, grobes Gestein zwischen verschlungenen Wurzeln springen — schlechten Boden, aber schönen Himmel gab es dort. Dort gingen nur die, welche die Natur lieb hatten. , Awrejmel begab sich ins Grüne zwischen die. Bäume und schloß sich nur Mirjam allein an. Beide waren mit ihrer Gesellschaft zufrieden. Von der gegenüberliegenden Seite des Wäldchens hörten sie abgerissene,, helle Stimmen' und heiteres Gelächter, Durch die Blätterliicken zeigen sich die fröhlichen, feuchtglänzenden Gesichter der Badenden. Sie gehen leicht, tanzend, von quellender Jugend hingerissen. Sie plaudern über dies und jenes. Stimmen und Lachen mischen sich ein, keiner gibt dem andern Zeit, auszureden. Das frische Wasser und die sommerlichen Abende reinigen ein wenig die Seele und befreien den Badenden für kurze Zeit von der Nüchternheit mit ihrem nackten Egoismus. Darum schämen sich die Menschen beim Teich nicht dessen, was sie tun, und darum plaudern die Badenden närrische Dinge mit lauter Stimme ohne Zurückhaltung. Es fällt niemandem ein, daran zu denken, daß seine Weisheiten vielleicht nicht nach Wunsch aufgenommen werden. Aber Awrejmel war gerade nicht in Stimmung: er sah nämlich Heraberg daherkommen ünd sein Zufriedensein zerrann. „Hat er vielleicht wiederum neue Pläne für Waisen in der letzten Zeit zu euch gebracht?", wendete siah Awrejmel ironisch an Mirjam. „Was willst dü von ihm?", gaib Mirjam zurück, „er ist ein Narr, hat aber ein gutes Herz." Er sah sie mit gespanntem Blick an. - Sie hielt seinem Blick stand. Ein stiller Krieg hob an. Es sah aus, als wollte sie ihre Beherrschung wieder gewinnen, ihre früheren ruhigen Gedanken,, als hätte sie unter den Menschen nur gute kennengelernt. Lange blickten sie einander an. Awrejmel fielen auf ihrem Gesicht Falten auf, die er erst dann in seiner Erinnerung suchte, als er Oschers Haus verließ. Und seine Phantasie begann wieder zu arbeiten: Ist vielleicht die Frau, die man Rifke nennt — Mirjams Mutter? Er wendete sich zu Mirjam hin: „Ja, ein gutes Hprz hat Herzberg! Ein gutes. Herz hat aber auch Oscher I" „Ueber ihn hast du auch etwas zu sagen?", wendete sich Mirjam mit glühenden Augen an ihn. .Ueber ihn? Nicht da was zu sagen: Er wirft noch einmal einen armen Teufel aus seiner Wohnung heraus wegen einer Waise I Auf jener Welt wird er seinen Teil