Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 239 (15.4.1932)
- Date
- 1932-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711843-2711860--3069-2716409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
185 Tit.. UniversUätsbibliotliek Wien. I. Preis 35 Groschen lahrgang 6 Freiing/ den 15* Aprf! 1932 Nr« 230 V.b. b. REVU E BBZUOSBBOINQUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S 4.20, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.-, viertel Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljahrig Kc 13-—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-, ~ " Lei 40.-, vierteljährig Lewa 120.—; Italien mc Lei 120.—; Dentschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig -■ ----die ül monatlich Lire 8.—, vierteljährig Lire 14.—j Schweiz and Jährig Schweizer Francs 4.50 ...„..._..„ Zloty6.-; ...„.„.--.- ... .. i Rumänien monatlich Mark 3.—j Balgarien monatlich Lewa 40__, vierteljährig Lander monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel' rlgen HERAUSG EBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: Wien IX, UntoersUätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Wohin gehl die jüdische Jugend? Die Forderungen der zionistischen Millelsdiuljugend Wien, 13. April. Die Depression des jüdischen Lebens hierzulande hat einen solchen Grad erreicht, daß . in den Kreisen, denen ein positives jüdisches Sein Lebenszweck ist, Besorgnis um die , Zukunft und der Drang nach radikaler Aenderurig der gegenwärtigen traurigen Situation unverkennbar sind.. Von. diesem düsteren Prospekt hebt sich der von Herzls Geist getragene zionistisch e W il le deutlich ab, indem er sich in zahlreichen Aktionen zur > Sammlung - der auseinanderstrebenden Kräfte der österreichischen Judenheit kundgibt. In diesem Rahmen wirkt das Problem unserer j üdisehen Jugend, am brennendsten. Wir sahen seit Jahren auf der einen Seite Gleichgültigkeit,. Richtungslosigkeit, Abfall überhandnehmen, wir sahen auf der anderen Seite eine jüdische Gesellschaft, die solchen Erscheinungne teilnahmslos, ja fördernd gegenüberstand. Und heute bietet sich 'unseine Gruppe junger Menschen, die nicht gewillt sind, diesem Prozeß zu unterliegen oder sich mit dem Lauf der Dinge abzufinden. Es ist jene jüdische Jugend, die in der Atmosphäre des aufbauenden kompromißlosen Zionismus lebt und von ihr die kämpferischen zukunftgerichteten Kräfte bezieht; es ist eine starke jüdische Jugend, die hier, aus allen Schichten. derjüdischen Gemeinschaft .Oesterreichskommend, am Werke ist: nebenden, zj9.nj(s^sch-revisiomstischep Jugendbünden und, ^yereihe^^i^-vä^ch'^e' jüdische, die z\bni.sti sc;he 'Mi11 e 1 scliu 1 j ügend. Diese lernende Jugend ist sich klar geworden, daß in. ihrem Verhältnis zu dem Schulgegenstand, der offiziell „Religion" genannt wird, etwas nicht in Ordnung ist. Sie weiß,-daß gerade in den entscheidenden Jahren ihrer Entwicklung das, was sie als jüdische Menschen benötigen, nämlich j. ü di s c h.e s' Wissen, von elementarer Bedeutung ist., Diese Jugend, die künftighin volljüdisch leben will, weiß auch,, daß« ihr das ohne Kenntnis des ganzen Umfangs modernen jüdischen Wissensguts nicht erreichbar sein kann/Die jüdische, die. zionistische Jugend fordert also eine grundlegende, Reform des jüdischen Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen — und erstaunlicherweise. gerade jetzt, wo die Sorgen um die leibliche Existenz, um die nächste Zukunft näherliegender erscheinen könnten. < Der erste Schritt war ihre von uns bereits besprochene Rundfrage; an die Mittelschüler selbst, an die Lehrer, an die Parteien der Kultusgemeinde; der zweite Schritt, eine Aussprache in einer Mittelschulversammlung, die die ersten Ergebnisse dieser Rundfrage und das Reformprogramm selbst behandelte. Der Geist beider Aktionen' bewies, daß das Bestreben der zionistischen Mittelschüler dem elementaren Trieb, sich jüdisch zu bilden und sieh jüdisch ausleben zu können, entspricht. Schon der Ernst und die Sachlichkeit, mit dem der Hauptredner der- Versammlung das Problem '. behandelte,', sowie die lebhafte Teilnahme des ganzen jugendlichen Auditoriums ließen erkennen, wie lebensnotwendig alle, ausnahmslos die in Angriff genommene ' Umgestaltung < des „Religionsunterrichts" ansahen. Die Gespanntheit der Gemüter, die Gründlichkeit der Beratung waren bewundernswert. Es geht im wesentlichen darum, die veraltete Schablone des Unterrichts,' des Lehrstoffs, der Lehrmethode: zu beseitigen,, ein anderes;Verhältnis zwischen dem jüdischen Lehrer und dem; jüdischen Schüler an den öffentlichen Mittelschulen zu schaffen und im ganzen Jünglinge. und Mädchen zu jüdischen Menschen zu erziehen. Ein einfaches, natürliches» leicht verwirküchbares, auf der Linie moderner jüdischer Erziehung verwirklichbares Progr&nml . ' ' "Ed ist klar,; da# die;öffentliche, nichtjüdische Schule —• schon abgesehen von der knappen, dem jüdischen Lehrgegenstarid-' gewidmeten Zeit — unserer nationaljüdischen Jugend nie die jüdische Schule ersetzen, ihr niemals volles jüdisches Wissen vermitteln kann. Was aber der heutige Lehrstoff und der heutige Lehrer unserer Jugend heute noch zu bieten wagt, ist so kläglich, und von solcher Geringschätzung des Jüdischen, daß dies auf keinen Fall gerechtfertigt werden kann. Der Lehrplan stammt aus dem Jahre 1892, aus der Zeit, wo der Begriff „Jüdisch" in dem heute schon absurden Schema „Israelitische Religionslehre" stak, im Geist also dts assimilatorischen Auflösungsstadiums, wo jüdisches Volk und hebräische Sprache als historische Vokabeln in Schule und Gesellschaft angesehen worden waren, wo der israelitische Religionslehrer blasse Glaubenstraktätchen (etwa die Zehn Gebote und Loyalität fürs Herrscherhaus) zu vermitteln hatte. Die zionistische Mittelschuljugend will damit Schluß machen: mit dem ihrem heutigen Erleben widerstrebenden, unwürdigen Lehrplan und mit einem Lehrkörper, der teils in beharrender Rückschrittlichkeit den veralteten Lehrstoff verteidigt, teils das nationaljüdische Erwachen der ihm anvertrauten Jugend bekämpft. Die zionistische Jugend verlangt heute die Umwandlung des Religionsunterrichts in jüdische Volkskunde, die Darstellung der jüdischenGeschichte als der Geschichte eines lebenden Volkes — als einer jüdischen Nationalgeschichte, die Umformung des Brocken-Gebethebräisch in das Hebräisch des lebenden Volkes, wie es in der Literatur undin der Volkssprache heute erklingt. Kurz, der jüdische Mittelschüler verlangt modernen» jüdischen Unterricht. Auf der einen Seite steht also die kämpferische jüdische Mittelsthuijugend, deren Sprecher auf der Versammlung die Wünsche, seiner Kollegen, mit der Begründung motivierte, ' 'd^;y£e;'jüdis(lM!''''' lernende Jugend inv Geist des H erzischen Judeh'staatszionismus erzogen werden will; auf der andern die retardierenden Kräfte der „israelitischen" Religionslehrer^ der assimilatorische Geist der österreichisch-israelitischen Union, die schlafenden Parteien in der israelitischen Kultusgemeinde, die auch die gegenwärtigen zionistischen Vertreter zu wecken nicht ernstlichgewillt zu sein scheinen. Unsere zionistischen Mittelschüler, das ging aus der Versammlung deutlich hervor, sehen sich auch noch jenen Elementen entgegengestellt, die in das — sozialdemokratische rote Assimilationslager hinüberverführt wurden, Elementen, die jüdische Bestrebungen stets sabotieren und sogar gemäß, der-ihnen zuteil gewordenen Austrittsmmm Wir verkaufen and VERLEIHEN Elektr. Lichtbäder , Thermophore . Faraulkusapp. Qalvanisationsapp. Hochfrequenzapp. Solluxlampen Proiunduslampen Blaulichtreflektoren Langwellenstrahler Ultrarotlichtlampen nach Dr. Baar Quarzlichtlampen Bettische * heber * bogen „ lehnen Kühlapparate Luftk säen Krücken Krückstocke Zimmerklosette Qehschulen Säuglingswaagen zum wiegen Jaschke-u Wasserstrahl-Pumpen Fu«-,Arm- und Atz- Badewannen Wasser kissen Haartrockner etc. BANDAGEN- MIKOL ASCH Bandagen aller Art, Sanitätsartikel, Verbandstoffe, Gumtniwaren, Krampfadernstrümpfe, Senkfußelnlagen etc. Taborstrafie 22 Telephon R-47-1-85 Krankenkassen u. Anstalten verlangen SpezialOfferte erziehung den Lehrstoff „Religion", d. i. in unserem Sinn „Jüdische Volkskunde", abgeschafft wissen wollen. Die bange Frage „Wohin geht die jüdische Jugend?" erhält so aktuellsten Charakter. Die zionistische Jugend will den Weg zum jüdischen Volk gehen. Sie hat die Kraft und das Temperament, dieses Ziel zu erreichen. Sie hat den Willen, im Lebensraum ihres jüdischen Bereichs groß und stark zu werden. Wir Revisionisten beglückwünschen sie zu ihrem schönen Unternehmen. Was wir im Weltzionismus als unsere Mission erachten, sei ihnen für die jüdische. Jugend anvertraut. : ' O . ti ■; , * < v. .. . ■ Den Vaogjt^'deir Versammlung führte stud. med. Jakob S c h ä ch t e r. Den Abend eröffnete ein Referat von Benno Weiser über „Antisemitismus mit besonderer Berücksichtigung der Zustände an den Wiener Hochschulen". Das Hauptreferat über den Zustand und die Reform des Religionsunterrichtes hielt Bernhard Blumenkranz. Anschließend sprach Erich Wolf über die Förderung der Assimilation durch nichtzionistische jüdische Lehrer. Dde zum Schluß gefaßten Resolutionen richteten sich an den Verband der jüdischen Religionslehrer und an den'Vorstand , der israelitischen Kultusgemeinde, Aus Palästina Eröffnung der LevaÄie-Messe — Die erste hebräische Radiostation Am Donnerstag, den 7. April, nachmittags, wurde in Tel-Awiw die große Levante-Messe eröffnet. Die Zeremonie vollzog sich mit allen Zeichen eines außerordentlichen Ereignisses. Unter den 2 00 0 geladenen Gästen, die sich aus allen Teilen Palästinas, aus den Nachbarländern und dem ferneren Ausland in der Haupt-Messehalle eingefunden hatten, befand sich der High Commissioner für Palästina, General Sir Artur W.a u c h o p a, der Patron der Messe. Ueber der Haupt-Messehalle wehten die Fahnen von Revisionistischer Stüdentenklub Montag, den 18. April 1932, »/,8 Uhr abends», im Hersl-saal des Verbands* heims, II., Untere Augartenstraße 38 VORTRAG Gegenstand: Das. letzte Experiment Referent: Dr. Wolfgang von Weisl Regiebeitrag 2ß g Gäste willkommen! Alle im redaktionellen Teil befindlichen cntgelt» liehen Notizen smd durch ein beigefügtes E bezeichnet 2 4 Ländern. Wie offiziell bekanntgegeben wird, sind die folgenden Regierungen auf der Messe vertreten usnd haben auch ihre Vertreter zur Eröffnungsfeier entsandt: Palästina, England, Aegypten, Schweiz, Rußland, Gypern, Rumänien, Bulgarien, Lettland. Besonders stark ist die britische Industrie vertreten. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Mayer D i z e ng o f f, begrüßte die Gäste im Namen der Stadt Tel-Awiw. Dizengoff. erklärte, diese Messe sei international, während die früheren Messen in Tel-Awiw rein palästinensisch waren. Während die vorangegangene Messe 609 Aussteller zählte, sind auf der Levante-Messe mehr als 12 0 0 Aussteller aus 24 Ländern zu verzeichnen. Das Orchester des britischen Militärs in Palästina spielte die englische Hymne und die hebräische ,.Hatikwah". Nachdem die Eröffnungszeremonie in der Haupt- Messehalle beendet war, eröffnete Bürgermeister Mayer Dizengoff um 6 Uhr nachmittags bei Anwesenheit eines tausendköpfigen Publikums die Messe auf der Radio» Station von Tei-Awiw, der ersten hebräischen Funkstation. Er wies in seiner Ansprache auf den organischen Zusammenhang von Makkabia'hi, Levante-Messe und' grandioser Purim-Feier als den Ausdrucksmitteln der großen jüdischen Stadt Tel-Awiw hin und sagte, diese drei Lebensäußerungen Tel-Awiwe beweisen, daß das Judentum Palästinas über zahlreiche junge schöpferische Kräfte verfügt, die nur strenger zusammengefaßt und weitblickend geleitet werden müssen, Tel-Awiw werde nicht allein das Zentrum der Palästina-Judenheit, sondern der Gesamtjudenheit werden. Dizengoff richtete au alle auswärtigen jüdischen Gäste das Ersuchen, der Judenheit in der Gaduth den Gruß und den Dank der Palästina-Judenheit zu übermitteln und auch dem Glück der palästinensischen Juden Ausdruck zu verleihen,