Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 238 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seile I DIE NEUE WELT Nr. m Hut ab vor Preis und Qualität der $18.-, 24.-, 32.- CESCHKA HOTE VII, Kaiserttralle 123 IX, AUerstrafte 6 rückziehen. Da war es Dr. Schnürer, der gemeinsam mit den jüdischen Verbindungen „Kadimah'*, „Unitas", „Ivria", „Libanonia" usw. eine „Adresse der österreichischen Akademiker" im Mai 1896 an Heral richtete, worin ihn diese um die Führung der Judenstaatsbewegung ersuchten und ihm die Teilnahme der geistigen Arbeiter des Judentums an der „Heiligen Sache" des jüdischen Volkes zusagten, Judengemeinde Schimpfereien und Drohungen — Eine ungewöhnliche Art des Verkehrs mit der jüdischen Studentenschaft Wie berichtet, hat der Gesamtverband jüdischer Hochschüler „Judäa" vor zwei Wochen seinen ordentlichen Delegiertentag abgehalten. Nun erfährt man, daß nächste Woche eine W i e d e r h o 1 u n g dieser Jahresversammlung stattfinden wird. Die Vorgeschichte dieser ungewöhnlichen Wiederholung einer Jahresversammlung ist ganz unerquicklicher Natur. Sie findet quasi auf Befehl eines der Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, des Herrn Dr. Josef Löwenherz statt. Mehrere auf dem Delegiertentage gefaßte Beschlüsse hatten das Mißfallen der Herren erregt, unter anderem auch der Umstand, daß bei der Abstimmung über den Antrag, dem Kultusvorstande besonderen Pank auszusprechen, einige Delegierte nicht mittun wollten. Daraufhin erging sich Herr Dr. Josef Löwenherz Funktionären des Verbandes gegenüber in Beschimpfungen und Drohungen. Er nannte das Vorgehen der studentischen Vertreter „bübisch" und „lausbübisch" und forderte Reassumierung der Beschlüsse unter Androhung des Abbruchs . der Beziehungen der Gemeinde zur Studentenschaft. Erklärend sei bemerkt, daß die „Judäa" von der Kultusgemeinde eine — übrigens kleine — Jahressubvention erhält. Der Vorfall bringt Zeiten in Erinnerung, da die jüdischen Gemeinden von den sogenannten „Kahalniks" und „Regierem" beherrscht wurden. Die Zustände brachten es damals mit sich, daß die Macht(in Händen von Männern lag, die nicht verwalteten, sondern Gnaden und Ungnaden austeilten, demütigen Dank forderten und so taten, als wären Machtmittel und Steuergelder der Gemeinde ihre Machtmittel und ihre Gelder, die nicht nach Zweckmäßigkeit, sondern nach ihrem freien Belieben anzuwenden seien. Mit größtem Unbehagen denken mährische, slowakische, polnische und russische Juden an diese glücklich überwundenen Zeiten und Methoden zurück. Es wäre sehr traurig, wenn sie in Wien Auferstehung feiern würden. ■'• Die „Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs", welche viele Studenten zu' ihren Mitgliedern j zählt, übermittelte der „Neuen Welt" nachfolgenden j Wortlaut einer an den Klub der zionistischen Mandatare im Kultusvorstande, dessen Mitglied Herr Dr. Löwenherz ist, geric'hteten Zuschrift: „Auf dem letzten Delegiertentage des Gesamtver- 1 bandes jüdischer Hochschüler „Judäa" war die Kultusgemeinde durch den Vizepräsidenten Herrn Dr. Josef Löwenherz vertrete«. Nachdem der Delegiertentag mehrere Beschlüsse gefaßt hat, welche die Unzufriedenheit des erwähnten Herren hervorriefen, nahm er dies zum Anlasse,. Beschimpfungen und Drohungen gegen die studentischen Vertreter auszustoßen. Funktionären des Verbandes gegenüber bezeichnete er das Vorgehen jener studentischen Vertreter, die von ihrem Stimmrechte in einer ihm nicht genehmen Weise Gebrauch gemacht hatten, als „bübisch" und „lausbübisch". „Mit dieser schwer zu qualifizierenden Beschimpfung bedachte er auch jene, die es gewagt hatten, bei der Abstimmung einer Dankeserklärung an den Kultusvorstand ihre Stimmen zu versagen. An die Beleidigungen knüpfte Herr Dr. Josef Löwenherz die Forderung, daß ein neuerlich einzuberufender Delegiertentag alle von ihm beanständeten Abstimmungen wiederrufen müsse, und die Drohung, daß anderenfalls die Kultusgemeinde den Verkehr mit der jüdischen Studentenschaft abbrechen und die Hand von ihr abziehen, d. h. jede Unterstützung einstellen würde. Er hat damit seinen Auslassungen den Sinn einer Nötigung gegeben und sie sind auch so verstanden worden." „Die gefertigt« .Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs« sieht et als ihre Pflicht an, gegen dieses Vorgehen, welches gleicherweise die Würde der jüdischen Bürgerschaft als auch der jüdischen Studentenschaft aufs schwerste beeinträchtigt, Vorstellung zu erheben. So darf die Vertretung der Wiener Judenschaft nicht zu jüdischen Akademikern sprechen. Mehr denn je brauchen wir eine auf Würde und Ehrenhaftigkeit bedachte jüdische Studentenschaft. Die oben geschilderte Art ist aber danach angetan, sie zu demoralisieren, in dem schweren Kampfe, den sie gerade jetzt gegen antisemitische Angriffe zu führen hat, zu schwächen, »ie vom Judentume abzustoßen. Diese Art des Vorgehen! erinnert an die überhebliche Art der „Regierer" in den Ghettia einer dunklen Vergangenheit. Die von äußeren Feinden so hart bedrohte jüdische Studentenschaft darf nicht auch von jüdischer Seite her beschimpft und unter demütigenden Druck gestellt werden. Besonders beschämend und hart zu verurteilen ist es, wenn ein zionistischer Mandatar so handelt." mmmmammmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Mittelschülerkundgebung für die Reform des Religionsunterrichtes Der Verband zionistischer Mittelschüler antwortet auf die assimilatorische Stellungnahme des Religionslehrerverbandeg in der , Massenkundgebung am Samstag, 9. April, halb 8 Uhr, IX., Währingerstrafie 43. „Für die Reform des Religionsunterrichtes'4 „Unser Kampf gegen Hakenkreuz und Assimilation" Kein Mittelschüler darf fehlen! sa In alUn einschlägig«« Ge- «iv •rhälllieh. B«itn' Schüllar fadimänniicH befestigt. Zanlr •! verlauf B r * o n - P « I m a. VVla* V I. f<K*K< macnfli 1000 Reisekoffer 75 cm lang, extrahoch, linielprelt S 8.90 FiChliiann. XIV, Reindorfgasse 33 Gründung der vevi§ioni§ti$dieii F^auengruppe Oeslerreidts Frau Edith Lachmann in Wien Montag, den 4. d. M. fand im Herzl-Saal „des Heims in der Unteren Augartenstraße, die erste Werbeversammlung der neugegründeten revisionistischen Frauengruppe in Wien, statt. Nach Eröffnung der Versammlung durch Frau Margit Buchbinder hielt Frau Edith Lachmann aus Breslau das großangelegte Referat. Frau Lachmann, bekanntlich die Gründerin des kontinentalen Bundes zionistischer Mädchen, sprach in ausführlicher Weise über Zweck und Ziele der zu gründenden Frauengruppe und führte im wesentlichen aus: Als wir am letzten Kongreß in Basel beschlossen, eine revisionistische Frauengruppe zu. schaffen, geschah dies in der Ueberzeugung der dringenden Notwendigkeit Wir waren uns darüber klar, daß nur der Zusammenschluß aller revisionistischen Frauen uns die Möglichkeit schafft, unsere nationalen Aufgaben zu erfüllen. Wenn wir den ideologischen Sinn des Revisionismus erfaßt haben, müssen wir auch alle unsere Kräfte mobilmachen, um. ihm zum Siege zu verhelfen. Lassen wir uns nicht von Schlagworten vor den Kopf stoßen. Wir sind pazifistisch, wir wollen Frieden, aber wir wollen auch die Gewähr für ihn haben. Ueberall wächst die Judennot in beängstigender Weise. Der Gedanke des Selbstschutzes, vor Jahren von Jabotinsky ausgesprochen, nimmt heute überall greifbare Formen an, vor allem in Erez Israel. Würde dieser Selbstschutz schon vor dem Jahre 1929 bestanden haben, wir hätten nicht die blutigen Tage von Hebron und Safed erlebt. Es ist absurd, sich immer nur auf den schützenden Engländer zu verlassen. Nicht weniger absurd ist es, gleichzeitig zwei Bewegungen dienen zu wollen, der sozialistischen und der zionistischen. Es gilt, allen Elementen des Aufbaues die gleichen Rechte, Pflichten und Aufgaben auf allen Gebieten zu überantworten. Die Aufgabe der Frau besteht darin, daß sie ihre ganze Umgebung mit nationalem Geist erfülle, daß sie vorerst politisch reif werde und mit voller Ueberzeugung die Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina propagiere. Förderung des Tozereth Haarez, Stärkung des Tel-Chaj-Fonds sind, wichtige Bausteine zu diesem Werk. Der ausgezeichnete, mit Temperament und Innerlichkeit durchpulste Vortrag der Rednerin, die eine tiefgründige Analyse der zionistischen Frauenaufgaben gab, hinterließ einen bleibenden Eindruck auf die zahlreiche 9 INTR A"-Schokolade . nDD w ups Die einzige Schokolade unier Aufsicht des ehrw. Rabbintn Josef Babad Verlanget daher nur 1NTRA mit ■wajo tov um r-nn ntwn Oberau ernflltlich Udierg.4 Zuhörerschaft, die regen Anteil an der sich anschließenden Diskussion nahm. Am 5. April fand, dann die konstituierende Sitzung statt. Es wurde ein fünfgliedriges Arbeitfkomitee gewählt und beauftragt, mit der Arbeit so rasch als möglich zu beginnen. Die rev. Frauengruppe Wien ist somit gegründet; es werden alle, die ein Interesse an ihr haben, eingeladen, an der Arbeit teilzunehmen. Die nächste Sitzung findet Dienstag, den 12. April, um 5 Uhr nachmittags, im Heim, Untere Augartenstraße 38, statte Eugenie Kreitler* Jabotinsky in Holland Begeisterte Aufnahme Ueber Jabotinskys Aufenthalt in Holland schreibt der Amsterdamer Korrespondent des „Hajnt": Vor kurzem weilte Wladimir Jabotinsky bei uns in Holland. Zweck seines Aufenthaltes war, die Organisierung der zionistisch-revisionistischen Gruppe in Holland. Die Vorträge Jabotinskys in Amsterdam und Im Haag, erzielten durchschlagenden Erfolg. Er sprach über das Thema: „England, die Araber und die Juden". Die großen Säle, in denen er sprach, waren überfüllt. Eine Seltenheit in Holland. Die gesamte holländische Presse widmete diesen Vorträgen und der Person des Referenten die größte Aufmerksamkeit. Das Amsterdamer „Handeisblatt", die größte und einflußreichste Tageszeitung Hollands, widmete Jabotinsky höchstes Lob und besprach ausführlich die Verdienste, die er sich erworben hat. Es schrieb u. a.: „Das jüdische Volk darf stolz darauf sein, einen so genialen und begabten Mann wie Jabotinsky zu besitzen--- Der Besuch Jabotinskys führte zur Bildung eines Zentralkomitees der holländischen Zionis t e n in Amsterdam, das in Holland viel für den Zionismus leisten wird. Die Leitung haben die Herren Charles.. M. Nijveen (Vorsitzender), E. Sekir (Sekretär, Joh. Verbulstraat 119), M. B al k e n (Kassier), M. Engelstein und Hermann Berglass. Der Führer der palästinensischen Orthodoxie gestorben. Am 26. März starb in Jerusalem Rabibi Chajim Joseph Sonnenfeld, das geistliche Oberhaupt der unter der Fahne der Agudas Jisroel organisierten palästinensischen Orthodoxie, im Alter von 85 Jahren. Unter der orthodoxen Judenschaft Palästinas herrscht über das Ableben ihres Führers tiefe Trauer. Rabbi Chajim Joseph Sonnenfeld, der im November 4931 sein 83. Lebensjahr vollendete, lebte seit etwa sechjzig Jahren in Palästina. Er war einer der bedeutendsten Talmudisten unserer Zeit. * , i Di: David Alkalay siebzig Jahre alt. In diesen Tagen feiert der populäre Führer der jugoslawischen Juden, Dr. David Alkalay, Advokatjin Belgrad, seinen 70. Geburtstag. Tn der modernen zionistischen Bewegung ist Dr. David Alkartay seit deren Anfängen führend tätig. Er war Mitglied der akademischen Verbindung „K ad im ah" (Wien), die als erste jüdische Gruppe die Gedanken von Dr. Theodor Herzls „J u d e n s t a a t" akzeptierte, und nahm an dei^i ersten Zionistenkongreß in Basel (189?) und an späteren Kongressen als Delegierter teil. Als Mitglied des e r s t e in zionistischen Aktionskomitees gehörte Dr. David Alkalay als erster Sepharde dem engeren Kreise Dr. The<bdor Herzls an und wurde zum Zeichen der Sympathie1 von Herzl in seinem Roman „Altneuland" in der^' Gestalt des A1 a d i m verewigt.; * Fords „Internationaler Jude" Spanisch. Das antiJ .semitische Buch von Henry Ford „Der internatiol- ,na 1 e Jude" ist soeben in Barcelona in einer spa-3nischen Ueibersetzung erschienen. Dir Parteien benutzen die Ausführungen Fords in ihrem reaktonär-anti* semitischen Kampfe gegen die heutige republika-j nische Regierung aus. Bekanntlich hat Ford, als er dem, Antisemitismus abgeschworen hat, seinem deutschen'. Verleger Theodor Fritsch untersagt, sein Buch in, deutscher oder in einer anderen Sprache erscheinen zu lassen; Fritsch erklärte aber schon damals, daß er sich an dieses Verbot nicht kehren wird. ' * i Ein Vertreter des englischen Kultus im Oberhaus? Im Zusammenhang mit der geplanten Reform des englischen Oberhauses erhebt die Wochenschrift „Jewish Chronicle" die Forderung-, daß im Oberhaus auch ein Vertreter der jü'dischen Religion sitzen soll. Nach dem jetzigen Oberhaussystem, das einige Jahrhunderte alt ist, nehmen. 2 6 Bischöfe die Inter-