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Die neue Welt · 1932-04-08 · Heft 238 (8.4.1932) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 238 (8.4.1932)
Date
1932-04-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 238 DIE NEUE WELT Seite 5 gegen alle Juden zu hetzen. Da aber zeigt sich ,die preußische Regierung taub und blind, erinnert sich nicht daran, daß es eine Notverordnung gegen Verhetzung gibt. Morddrohungen gegen das ganze deutsche Judentum werden eben viel geringer eingeschätzt als kleinere oder größere Respektverweigerungen gegenüber einem Regierungsbeamten oder Parteiführer. Die westfälische Presse bringt ausführliche Berichte. Voriger Woche vermißte man die 25jährige Hausangestellte Martha Kaspar, die bei einem jüdischen Schlächtermeister und Viehhändler namens Meyer beschäftigt war. Bald darauf fand man an verschiedenen Stellen Paderborns Leichenteile und verhaftete den Arbeitgeber der Martha Kaspar und dessen Sohn. Im Verhör erklärte der Sohn, daß zwischen ihm u,ud dem Mädchen intime Beziehungen bestanden hätten, die nicht ohne Folgen geblieben seien. Bei einem Abtreibungsversuch sei das Mädchen gestorben. Er habe, um die Entdeckung zu verhindern, die Leiche zerstückelt und die einzelnen Leichenteile zerstreut. Der grauenvolle Vorgang erregte in allen Bevölkerungsschichten Abscheu und Entsetzen. Die nationalsozialistische Press« Westfalens versuchte, durch Auffrischen der Ritualmordlegcnde die P.aderborner Bevölkerung in eine Haßstimmung gegen jüdische Mitbürger und die Juden überhaupt hineinzuhetzen. Die nationalsozialistische „National-Zeitung" schreibt u. a.: „. . . eine derartig grausige Tat konnte nur in einem asiatischen Gehirn ausgeheckt werden, und die Ausführung derselben läßt Schlüsse auf eine geradezu abgründige Perversität der Täter zu, in die sich ein deutscher Mensch nicht einmal hineinzudenken vermag." Der von Hitler herausgegebene „Völkische Re o b a c h t e r" zeigt sich bestrebt, den Fall restlos für Parteizwecke auszuschlachten. Die Freitag-Nummer des Hitler-Organs bringt einen zweiten Artikel über den Fall, der die Unterschrift trägt: „Zw ei Juden schänden und Schächten ein deutsches Mädchen. Der Jude Meyer gesteht den Mord." Die Zeitung teilt mit, daß an Kurt Meyer die Frage gerichtet wurde, ob ihn etwa religiöse Motive (Ritualinord?) zu der Tat veranlaßt haben, und daß Meyer dies verneinte. In dem Artikel heißt es dann: „. . . Nicht genug damit, daß diese Rasse unser Volk aussaugt, sich christilches Dienstpersonal hält, das sie davor bewahren muß, nicht im eigenen Dreck zu verkommen,' sie schändet auch unsere deutschen Mädchen und schlachtet sie in bestialischer Weise ab . . . Auge um Auge, Blut um Blut, Zahn um Zahn, so lautet doch ein Grundsatz der Hebräer. Wir fordern strengste, allerstrengste Strafe. Nicht umsonst soll sich eine deutsche Mutter die Augen um ihr Kind ausweinen. Nicht umsonst soll ein deutscher ater seine Tochter auf eine solch gemeine Art und Weise verlieren." @äow HerzI in der akademisdhen ursdiensdiaft «Albia» Wr vt.iolgten Herzls Tätigkeit in „Alb'V hi'* zur Zeit seines Austrittes Dichter 'kraann Bahr spielte nicht sj.iiü einwandfreie Rolle hiebei der Der eine y n u,'j3' Alben '•..•'.'.'.St r D.icii:«r Bemann Bahr, der das „völkische \i: der „Alb?«-' durchsetzte, schien später den tXbi't m \*"50;.s völkisch. Auch soll seine Abstam-?;->; ganz rein sein, etwas jüdisches Blut fließe sln-*n unschön Adern B«urs spritsrtv.' x'^IfreTen St*H<-.- ve ev: sic':>. mit Kevzl in $* WafcrUit äheteln. B v«raucht dor;, sein? % ,c'."'? viel den Grtmt> dt cun- >.-,\ eiseuvUcJb durc": SriJdewa* Dsr Sch.-;t; Herds ,.j u $. c n r «i r; nncsr sich scis Aystmiknten de BeschJu; r. e K a\ e c, r.o Artikel, „Herzls *Ä t", der . an •jffentlicht wurde, stimmt, insoferne :*rr „Albia" beschäftigt, nicht mit der >ahr, eifriger Katholik geworden, \ iilkischen Jugendsünden zu verber- Austrittes Herzls aus der „Albia", Bahr verursacht wurde, zu vererleichterte es, die „Albia" au irischen. Die „Alben" wollten ganz d?e K':* ihtarier ausschließen. Die jüdischen Igten ich würdelos und blieben trotz a. k •! i n e Juden mehr a u f z u- Zeit in der Burschenschaft. Die h 'ir- '«Jim *V>*"i*».»A«. W*m*'4**J' Ftr.'ts.äe bki . er . „ . t Borucit viaiiie sclhci n. sich.in sein Her. <K<\ Worte her« ev Isohon ohuu-d Bra.hu* r»«f' iurM soeri'vicii 'len 3 r-'!h':-(i in ihfciu /Ais was fiovuch ur\!:l\tc sir;f> tioe ■ ■'iun bittere: Mzdl'.'v» ' •c dem Stiege), de* l.mi-ifimhn war bh i M<3Hfehniun «Jo;? Vinte} Siu;t. IV i, '! Asi »Uf«. ijOfl; :j;>nk in . . eUm Wildfremdel . . . Verstehst du?... -\l\vn ein erwachsener Jungel" GruditLk vor seinen eigenen Worten. Er du, wann und weshalb dieser Gedanke geschlichen hatte. Aber kaum hatte er gebracht, müßte er sich gestehen, daß solchen Gedanken nachgehangen habe, ruit respanntem Blick da. Sie verstand i o-un der Worte. Erst später, als sie '!■ bitter saß, wurde ihr mit einemmal i"-- agt hatte, und auf ihrem Gesicht nasse breit, wie bei jemand, der ingenommen hat. Sie schämte sich ihr gegenüber hing. Ihr frauliches die letzten Tiefen beleidigt. Das zum Sohn gab ihr immer neuen t-5n fehlten, half ihr die Phantasie;ren Augen und Awrejmel erschien ■ ■ t»h W n unschuldig leidet, und sich selbst! c;)- ychieU' it; ai» Hoten Gottes, der geschickt wurde •i verteidigeü zu In s-hützen, zu retten — den Märtyrer. bie .1 :".Ji .( (t sich diese Mission. Der erste Ge- -J n(v% der in iruens Kopf aufleuchtete, war: so rasch als rö£l'.'h A••l-rf^f «erheiraten und ihn des Vaters ^iacIiiherf'K';: •. o. (Hkif ige Seiten im Manuskript der Er- ■zahiuuff. i - drd sich den'Zusammenhang mit Ai-ia Vorluv^--'- unschwer rekonstruieren können.) Von Josef Frankel (Wien) . .. . in. /, :< >;."'', „Albia" wollte anfangs Mitglieder, die nicht reine Arier waren, nicht gegen ihren Willen aus ihrem Kreise entfernen. Später aber wurden die Juden gezwungen, auszutreten. Besonders tragisch ist das Schicksal des Antragstellers Paul von P o r t h e i m. Er war ein äußerst begabter Student, eine gute Klinge, führte eine geschickte Feder und hing mit großer Liebe an der „Albia". Nur einen Fehler hatte er — er war ein Judcnstämmling, und da er instinktiv herausfühlte, daß auch er die „Albia" werde verlassen müssen, beging er 1884 Selbstmord. Die Geschichte der „Albia" berichtet, daß techn. A. Grünwald, jur. Theodor Herzl und jur. Edmund Lang die letzten nicht reinblütigen Füchse der „Albia" gewesen sind. Während Grünwald einige anstandslose Schläger- und Säbelmensuren lieferte, hatte es Theodor Herzl nur zu einer einzigen Mensur gebracht, die sehr zahm verlief. Dank der Bemühungen seines einflußreichen Leibburschen wurde Herzl — nicht ohne Gegnerschaft — geburscht. Er hat aber weder als „Fuchs" noch als „Bursch" eine besondere Rolle gespielt. Als Bursch hat er keine Mensur geschlagen und wurde bald inaktiv. Zu seinem Ausscheiden aus der „Albia" gab, wie bereits berichtet, der „Wagner-Kommers" den äußeren Anlaß. Der Beschluß, daß Juden, die schon Mitglieder waren, in der „Albia" verbleiben dürfen, wurde später geändert. Die Herren Lang und Grünwald wurden von der Mitgliederliste gestrichen. Die Aktivitas wurde judenrein, aber trotzdem waren im Jahre 1884 ein großer Teil der „Alten Herren"31) Juden. Ja, es gab sogar einen jüdischen Ehrenburschen, Herr Julius Steiner, aber kurze Zeit darauf wollten die Aktiven nicht mehr Juden als „Alte Herren" dulden, versuchten diese aus der „Albia" zu entfernen. Inaktive und „Alte Herren" erhoben Einspruch. Aber schließlich wurden die jüdischen „Alten Herren" doch ausgeschlossen. Natürlich auch der jüdische „Alte Herr" Sachs, der trotz der neuen Richtung weiter in der „Albia" bleiben wollte, mit der Begründung, daß der Antisemitismus nur eine vorübergehende Strömung sei. Die „Albia" steht heute auf arisch-nationalem Standpunkt und gehört zu den wenigen' Burschenschaften — in Wien nur noch die „Olympia" — die Juden unbedingte Satisfaktion" zu geben, denn „es sei absurd, ein Studenten die Juden für ehrlos und satisfaktionsunfähig erklärten, war es die „Albia", die diese Ansicht nicht teilte und den Antrag stellte, den Juden „unbedingte Satisfaktion" zu geben denn „es sei absurd, ein riaetsuDg folgt.) 2Mitglieder der Burschenschaft, jehen Grad erreicht haben. die schon den sichere kapltalsanlage hohe Verzinsung befriedigende tätlgkelt bieten privatwirtschaftliche Unternehmungen In beratung Vermittlung Verwaltung durch Julius berger Jerusalem p. o. b. 832 ganzes Volk in Verruf zu erklären, da das Duell eine internationale Einrichtung sei." Als ich jetzt in der „Albia" vorsprach, erklärte mir der Sprecher der „Albia": „Ich weiß, Herzls Zugehörigkeit zur „Albia" und seine Tätigkeit in der Burschenschaft gehören jetzt der Kulturgeschichte an". Ein Inaktiver meinte: „Viele von uns verfolgen mit Interesse den Zionismus, dessen Begründer unser ehemaliges Mitglied Herzl war. Wir verachten Assimilanten und achten bewußte Juden." Die Alben sind sich bewußt, daß ihr ehemaliges Mitglied Herzl der Begründer des modernen Zionismus ist und sind vielleicht aus diesem Grunde loyal Juden gegenüber, die sich zur jüdischen Nation bekennen. Unzweifelhaft hat Herzl in der „Albia" viel für seine spätere zionistische Tätigkeit gelernt. Vor allem erwachte in ihm in der „Albia" sein jüdischnationales Fühlen. Er bildete sich dort zum Redner heran und lernte besonders die Bedeutung fester Disziplin, einer strammen Organisation kennen. Nicht mit Unrecht sagte mir der Ehrensenior der „Albia": „Herzl war in der Burschenschaft, wie man halt sagt, lau, er hat aber sicherlich viel für seine zionistische Arbeit bei der „Albia" gelernt." Viele Motive seiner literarischen Arbeiten, besonders im Schauspiel „Das neue Ghetto", entnahm Herzl seinen Erlebnissen und Eindrücken in der Albia. Auch später pflegte er mit einigen Alben freundschaftlichen Verkehr, welcher auf beiden Seiten korrekt und den Formen einer Burschenschaft entsprechend war. Er hielt sich an den Ehrenkodex und hatte auch als Dr. Herzl mehrere Kontrahagen, Duellforderungen, doch die von ihm Geforderten drückten oder entschuldigten sich. Auch als Führer der zionistischen Bewegung nahm er lebhaften Anteil am Couleurleben der jüdischen Verbindungen, und als einst zwei Jüdischnationale sich duellieren sollten, intervenierte er mit Erfolg bei der jüdisch-akademischen Verbindung „Ivria". (Herzl war ein Gegner der Duelle zwischen Jüdischnationalen.) / Es wäre offenbar unrichtig und falsch, aus der Zugehörigkeit Herzls zur „Albia" die Behauptung aufzustellen, daß „Herzl" „deutschnational" war. Abgesehen davon, daß damals in der „Albia" verschiedene Richtungen vertreten waren, meint eine „Albia"-Mitteilung, daß sich! Herzl in einem Irrtum über das Wesen der Korporation befunden hat, weil diese damals Juden aufgenommen hatte. Herzl war in der „Albia" ein fremdes Element und gehörte, „abgesehen von Einzelerscheinungen" zu den Ausnahmen, und seine Anschauungen, die sich mit der „Albia"-Richtung nicht deckten, erwepkten berechtigtes Mißtrauen. Die „Albia" gab damals ihren Mitgliedern Kneipnamen; jeder derartige Name charakterisierte den Bundesbruder. Es ist vielleicht mehr als Zufall, daß Herzl den Namen einer Heldenfigur, die während der Kreuzzüge bei der Eroberung Jerusalems in hervorragender »Weise beteiligt war, erhielt, und dann den Titel „Fürst von Galiläa", „Fürst von Antiöchia" trug. Tankred war der Kneipname Herzls in der „Albia", höchstwahrscheinlich weil er schon damals in seinen Referaten, die dort niemals Beifall fanden, von Palästina sprach. Tankred, der „Fürst von Galiläa und Antiöchia" hatte sich als „Fuchs" mit der Judenfrage beschäftigt und nach Jahren den „Judenstaat" geschrieben. Wiederum kam er mit Verbindungen in Berührung, aber diesmal mit jüdischen. Nach der Veröffentlichung des „Judenstaates" wollte sich Herzl von jedweder Arbeit zu- Wetl Steinmefzbrot das einzige Brot fit, das aas ge- 1 waichcnem u. enthülstem Getreide hergestellt wird j Weil Steinmetzbrot das einzige Brot iir, in welchem fj sich nach den Ergebnissen der wissenschaftlichen § Forschung sämtliche lebenswichtige Ergänzung*- fj and Aatbaustoffc des Getreidekorns, die der 1 Körper benötigt, enthalten sind 1 Regelmäßig Steinmetzbrot essen, heil}* den Körper 1 snr Gesundheit ersiehe» M

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