Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 238 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT N».K8 «s Ift tili ©orjaglidi«* »oibtngnngsmttttl «e$»n JSIitMtmut, tnaqtnMbtn, gü<tttttmtbHt; weqtn f*l««» HtM^tums'an rtaljtfdl^rt *nb Üttamtatn ooa f4< Wnber. Das rinjt«» »tot in l}?al«nt(<t)»* »«^«(funj. 3n fcttt «ntth 5*lntoft^inW»nj»n nwb JMAtrttn «t|Änm. Siljr »ttf««m{ Simontbtrt In 5d>ttbtn (5»omttolpadVn4) $imrm8bti>tfabtrt SBUmÄagran 11 ■ £ffglt$cr $oHon\aah - «rpott grtippen durch den Bürgermeister Dizengoff, das Exekutionsmitglied Brodetzky und Frau Szold fand Montag, den 28. März, im Beth Haam (Tel-Awiw) statt. Der Präsident des Weltmakabbi Dr. H. L e 1 e w e r (Berlin) und der Führer der palästinensischen Makkabi, Na dar, darikten für den Empfang. Dienstag, den 29. M.rz, mittags, vollzog sich der Aufmarsch durch die Sta^t und der Einmarsch in das vom. Stadtingenieur Schiffmahn erbaute prächtige Stadion. Während des Marsches der 5000 Makkabi-Sportler vom Herzliah- Gymnasium zum Stadion bot die Stadt Tel-Awiw ein prächtig bewegtes Bild. Sämtliche Häuser, Läden und Autos waren mit den zionistischen Fahnen und Emblemen, sowie den Symbolen der Makkabiah geschmückt. Viele Tauseride Einwohner von Tel-Awiw bildeten auf dem Wege Spalier und riefen den vorbeimarschierenden Sportgruppen'ermutigende Worte zu. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, führte den Zug zu Pferde an. * Am Dienstag um 3 Uhr nachmittags wurden im Stadion die Makkabi-Spiele offiziell eröffnet. Vorher vollzog sich der symbolische. Akt der Freilassung von 120 B r i e f t a u b e.n, 10 Tauben für jeden der 12 Stämme Israels, aus dem Stadion zur Uebermittlung der Nachricht der Einweihung des Stadions nach allen Enden Palästinas. Währenddessen wurde der zionistische Hymnus „Hati kwah" angestimmt, wobei sich die Fahnen der einzelnen Ländergruppen neigten.. Es folgten ein Defilee sämtlicher Sportgruppen an dem Präsidenten des Welt-Makkabi, Dr. Hermann Lelewer vorbei, der den Gruppenführern jedes Landes die Farben aushändigte. ••- . Einer Aufforderung de> Stadtverwaltung von Tel. Awiw Folge leistend, trugen a'Ll%Häuser in^ 'Tel- Awiw reichen Fahnenschmuck, Anv Sonntag nachmittag und am Montag ruhte in-Tel-Aw'iw diö -Arbeit;: ' v i ■ Die KonfcTO^en^e^«L<*r j .?: w—1.;- Aus' folgenden Ländern nehineri Spörtgrüppeii 'ah der Makkabiah teil: Oesterreich, Deutschland, Lettland, Estland, Litauen, Finnlänfl, ^s^cftVcho^vrakeir Rumänien» Australien, England, Amerikal!Bulgarien;" Luxemburg, .Dänemark, Schweden, Aegypten, Syrien, Griechenland^ Tunis,._Frankreich, Belgien,' Holland und Palästina. ' Der Verlauf * der Makkabiah wird von allen hier anwesenden Sportfachmännern als überaus glänzend bezeichnet. Der Aegypter Said Muhained siegte im 500- Meter-Lauf, die Amerikaner Feigan und Ginsberg gewannen im Hochsprung für Männer mit Leistungen von 1 Meter 80, bzw. 1 Meter 75. Die deutsche Hockey-Mannschaft und die deutsche Han dball-Mannschaft gewannen über die palästinensischen Gruppen. Im Tennis siegte England über Palästina 4:1, Tschechoslowakei gegen Syrien 5:0, Polen' gegen Rumänien 5:0. Die Amerikanerin Mass Hoff gewann im Weit- und Hochsprung für Damen. Die Amerikaner Schneider und Adelman nahmen den ersten und den zweiten Platz im Schießen. Der noch, am Dienstag von den Deutschen gewonnene Sieg im 4 mal, 100-Meter-Staffel-Lauf geschah in 47,3 gegen Amerika. Die 3 mal 1000 Meter wurden von den Tschechoslowaken in 8:52,4 gegenüber Oesterreich gewonnen. Ein FuflbaMspiel zwischen Polen und Palästina endete 2:2, Der feierliche Abschluß Der Schlußtag der Makkabiah verlief besonders glänzend. Im Stadion verfolgten mehr als 25.000 Zuschauer, unter ihnen der High Commissioner, zahlreiche Regierungsbeamte und die Konsuln der fremden Mächte, mit gespanntester Aufmerksamkeit die Entwicklung dpr Sportkämpfe. Besonders prächtige Bilder boten die Turniere der Pfadfinder, Motorradfahrer, Radfahrer und Reiter. Helle Begeisterung weckte die von Abraham S c h a p i r a aus Petach Tikwah geführte Reitertruppe. Um 5 Uhr nachmittags begann die Schlußprozession der 5000 Makkabäcr, jede Ländergruppe marschierte . .unter eigener Fahne. Die der Stadt zü sich belegende Prozession bot ein farbenprächtiges Bild Auf die Gräber! Max Nordaus, Achad Haams und der Opfer deT Unruhen im Herbst 1929 wurden von den Makkabäern Kränze niedergelegt. Der Zug bewegte sich dann mit seinen Musikkapellen unter Absingen nationaler Lieder durch die Hauptstraßen von Tel-Awiw, wo er von der Einwohnerschaft um jubelt wurde. Auf dem Platz vor! (jem rferzIiah-Gymnasium löste sich der Zug auf, , In den Endspielen am Donnerstag gewann Miss; Hoff im 100-Meter-Lauf und im Weithochsprung (Thria-; tlhauon) für Frauen. Hymann gewann im 100-Meter- L^auf, Flaxma n im... 1500-Meter-Lauf, S c h-n-e i d e r im Speer- und Diskuswerfen und im Männer-Triathanon, so daß die letztgenannten vier Konkurrenzen alle -. von Amerikanern gewonnen wurden. Im 400-Meter-Lauf-gewann O e s t e yr ei c-h (Deutscher),. in der zweiten; Tennis-Konkurrenz wurde, England' von Polen , ge-; schitagen.. Den vom High Commissioner für den .Sieger im Staffettenlauf gestifteten Pokal gewann das Regiments-Team „Middlesex". Mehrere .Sportkämpfe werden noch in verschiedenen Orten des ..Landes ausgetragen, dje. Preisverteilung geschieht am 5. April zu Haifa. - •. .. r , Oesterreichische Erföige , Die Hoffnungen, die man auf den. jüdischen Sport Oesterreichs setzte, erwiesen sich als . vollauf gerechtfertigt, imponierend war, wie bereits.-.berichtet, die Leir i stung D e u t s c h e r s ■ 'im' 400-Meter-Läuf: Nicht minder gut schnitten Laub und Hirsekl; ab, von denen der erste die Meisterschaft; iin ■.B.ö'x.feify dör zweite im.Hingen t Mittwoch, dftn II. Aoril 1938, V*9 Uht abend?, im M*rsl*S«al des Verband* hatfttt, II.. Untere Augartenstraße $8 VORTRAG Gegenstand: Die rote Assimilation Referent: Dr. Fritz Löhner (Beda) Regiebeitrag 20 g Freie Aussprache! errang. Diese beiden Sportler werden sich im Auftrag des österreichischen Olympischen Komitees nach Amerika begeben, um dort zur Weltmeisterschaft anzutreten. Vor mehr als 6000 Zuschauern wurden im Haifaer Hafen die Schwimmbewerbe ausgetragen. Im 100-Meter-Freistilschwimmen und im 300-Meter besetzte Fritzi Löwy den ersten Platz. Ihre KluibkoIIegin Hedy Bienenfeld- Wertheimer gewann das 200-Meter-Brustsohwimmen, G u t h das 1500-Meter-Freistilschwimmenj Für die Wiener Sportler, die in den nächsten Tagen hier eintreffen, sind besondere Ehrungen vorgesehen. Zweierlei Maß Ritualmordgeschrei in Deutschland — Wo bleibt die Notverordnnung? Mit eiserner Hand greift die sozialdemokratische Regierung Preußens gegen hakenkreuzlerische Ausbrüche im Wahlkampfe ein. Auf Grund der Notverordnung werden Dutzende von Zeitungen täglich konfisziert, Schriftssteller unter Anklage gestellt, wenn sie in unziemlicher Weise gegen Regierungsleute, Minister und politische Führer schreiben. Nun wird mitten im .heißesten Wahlakmpfe das Verbrechen -eities jungen Juden von der nationalsozialistischen und;deütschnätionalen Pressebelützt, um fanatisch Sir um-M azz o 1h 5irüm-Ma22Öih Sti um rundeMazzoih Das beste österreichische Erzeugnis! in Geschmack und Bekömmlichkeit unerreicht! eine von vielen Tausenden anerkannte Spezialität — eine besonders wohlschmeckende Delikatesse Achten Sie auf d'e Stampiglie „H. Srrnm", die auf jedem Paket ersichtlich ist! Merken Sie sich im eigenen Interesse die 3 Worte: Strums runde Mazzoth! ^äH.STRUM, WIEN II Rotensterngasse 11 . Tel.R-41-6-12 y e r 1 o n g e n S i e über dl 1 n ü r §(rum^Mazi;ofh Grie^ und fat vel Garantieft frische Ware — heurige Erzeugung! Die vorzüglichen „Strum-Mazzoth" werden erzeugt unter ständiger Aufsicht'des ehrw. Rabbinais der Israel.Kultusgemeinde. Die genaue Einhaltung streng orthodoxer Kaschruth-Vorschriften wird von Sr. Ehrwarden Herrn Rabbiner Babad Uberwacht. Die Erzeugung erfol^t mit eigens konstruierten, patentimtlich «^schützten Masch nen fOefen)" auf elektrischem Wege rriif fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern Em verwaistes Leben (FortsetzuJig) .10. Boruch konnte sich an das küble Betragen Awrejmels nicht gewöhnen. Er hoffte immer, er werde sich ändern; er werde ihn durch offene „Vaterliebe" gewinnen,' durch Geschenke und Aufmerksamkeiten von1 seiner Seite. Aber Tag um Tag verging und er sah immer deutlicher, daß, er .'kein Kind in sein Haus gebracht habe, sondern ein lebendiges Zeichen seiner großen Dummheit, die er bei der Scheidung gemacht hatte, als er sein einziges Kind im i Dorf ließ. Er glaubte, nian hätte Awrejmed im Dorf gelehrt, dein Vater, die ganze Zeit über feihd zu sein, anders konnte er die; ganze 'Sache nicht löswerden. Und Tag um Tag sah er deutlicher, daß Awrejmel der Stiefmutter näherkam. Bisher natte er ein Kind im Dorf und sie leere Hände; jetzt hatte sie ein Kind neben sich und er — leere Hände. Seine Eifersucht wuchs immer mehr und mehr. Eine Vorliebe hatte Awrejmel: Er spielte gern mit Dingen, die auf Boruchs Tisch lagen. Dieser wiederum hatte eine Schwäche: er konnte es nicht leiden, wenn jemand seine Feder, seine Tinte, irgend eine Sache auf seinem Schreibtisch anrührte. . „Leg* weg die Feder, Awrejmel", ruft ihn Boruch, am Schreibtisch sitzend, an, „ich mag es nicht." Awrejmel legt die Feder weg und macht sich an die Uhr heran, die auf dem Tisch liegt. „; »Was willst du von der Uhr? Laß' sie gehen!" Awrejmel legt die Uhr weg und schickt sich an, mit dem Finger auf ein Glas zu klopfen. Das ist immer sein liebstes Spiel, den zarten Klang zu hören, den das Glas von sich gibt, gleich einer fernen, fernen Glocke. Das erinnert ihn an das Leben im Dorf, wo er jeden Sommer abends von der Ferne hören konnte, wie die Kirchenglocke ins Dorf herunter erklang und ihm der Klang die Erinnerung äh den frischen Feldgeruch brachte, an die weite Freiheit, .wo es keine- Waisen und keine Versorger gab ,und an seine stolze Einsamkeit und an. sein volles Recht, jedem feind zu sein. Boruch kann den Klang um keinen Preis hören. Ihn ermahnt er an seine Kinderjahre; da seih gottseliger Vater im Dorf eine Brennerei hatte und jeder solche Klang ihn hören ließ, daß der Revisor eintrifft und alle Hausbewohner vom Sohreck überfallen wurden. „Was kratzt du heute so?" ruft er verdrießlich aus. Awrejmel stellt das Glas weg, hält die Hände in den Taschen und sein ständiges Lächeln verzerrt, sich auf seinem Gesicht. Die. gute Stiefmutter hat sich schon mit allen . Gew'ohmheiten des Kindes vertraut gemacht. Sie weiß schon, , daß in dem Lächeln ein Quell von Feindschaft liegt. Sie hat wahrlich Angst vor diesem Lächeln. Sie nimmt sich seiner an: „Was willst du heute haben von ihm?" wendet sie sich vorwurfsvoll an Boruch, »was tut er dir?" „Ich kann das aber nicht leiden", antwortet er bös. „Nun, was kann er dafür, wenn du es nicht magst?" „Wenn ich es nicht leiden kann, darf er es nicht tun." Eine bessere Antwort durfte , Boruch Awrejmels wegen nicht geben. Die Antwort stand im Einklang mit seinem Gedanken: „Eltern dürfen nur solche Kinder haben, die ihnen nicht im Weg stehen. Eltern erziehen Kinder nicht der Kinder wegen, sondern ihretwegen". Boruch erhob sich Und ging hinaus. Er fiel Brajne an: „Immer hältst du nur zu ihmJ Als ob ich ein Stiefvater wäre!" Bei öfteren Anlässen dieser Art pflegte Brajne ein beleidigtes Gesicht herauszustellen, aber im Innern war sie sehr zufrieden. Sie 'wußte, daß Stiefmütter andere Vorwürfe zu hören gewöhnt sind. Sie empfand bei solchen Angriffen einen besonderen Stolz und ein besonderes Vergnügen, als würde Boruch sie umarmen und küssen und ihr sagen: „Du bist eine treue Frau! Man kann dir wohl Kinder zur Erzi' »• anvertrauen!" Noch mehr als bisher wa. mc mit ihm zufrieden und übergoß ihn mit den Worten: „Ich halt bei ihm, weil er immer recht hat", hob sie ihre Stimme, „was ist das für ein Vorgehen? Was plagst du ihn? Als wolltest du für jemand an ihm deine Galle auslassen! Immer nur Verdrießlichkeiten!" Sie sagte all das, um nur noch einmal das. zu hören, was sie gehört hatte. Boruch war es, als hätte ihn ein Hieb ins Hetz getroffen: „Du vergißt, daß du . . . daß du . . . eine