Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 238 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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R EVU E BEZU0SBED1N0UNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljahrig S4.20 ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6.-; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jagostanrien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—j Romanien mpqatlleh Lei 40.-, viertellährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, viertel ährig Mark 3.-: Bulgarien monatlich Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.-; Schweiz und die üT - * — * "r-J------ jährig Schweizer Francs 4.50 -. iVMiiiaiilvu utvflS .-. UU.K....... ...».«»..».< Lewa 40.—, vierteljährig rigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- HER AUSGEBER: R OBE RT STRICKER Redaktion 0. Verwaltung: Wien IX, Universitätsstr. 6-8, Tel. B-48-504 — Erscheint jeden Freitag Genf BEILAGE , (Seite O) Ich hörte in Gesellschaft ein; Gespräch zwischen zwei Menschen an, zeichnete,es auf und lehne jede Verantwortung in bezug auf das Gespräch der beiden über Genf' ab. „Genf?",, fragte der erste mit verächtlicher Miene. „Batlonim sjnd das in eurem Genf. Nach , dem schändlichen Schauspiel Japan-China müßten alle ihre Demission geben, auf 'daß endlich Schluß sei mit der Komödie." , „Sie sprechen selbst wie-ein Batlen", meinte der zweite. „Ohne den Völkerbund würde solch ein Konflikt zu einem wirklichen Krieg ausarten." „Was ist der Unterschied zwischen einem „wirklichen" Krieg und dem, was in der Mandschurei und in Schanghai vorgeht 1' . . , . „Ein einfacher Unterschiedi Ein wirklicher Krieg zwischen zwei solchen Mächten würde hunderttausende Tote auf beiden Seiten zur Folge; haben und ein Jahr müßte bis zum Versuch direkter Verhandlungen vergehen. Und sicherlich würden noch . ein paar andere Nationen in den Konflikt hineingezogen werden. Hier aber gjbt .es vorläufig nur einige tausend Leichen und schon wird über Frieden verhandelt und vielleicht wird es sogar d^ese^n Frieden geben. Weil es eben diese Batlonim gibt. Vyc.il die dabeistehen und schreien: „Ruhe!" Wenn man schreit, kann man manchmal etwas wegschreien. Das darf irisbesondere kein Jude vpt^e^^ppnn unsere jüdische j^raft besteht ^rößteatej?«>i Ä^;^ä^;M|tt»l: ■ «ine »Gefahr -und-ein "Unglück durch 'Sc^<jjien>;au^: der v Welt zuv sc^f^ Und uberd^ wort. Dieser? Name hat! einen'hohen und': ehrenvollen Ursprung. So nannte man Menschen, die sich mit Verachtung zu physischer Gewalt" stellten, zu Faust/ zu Dolch und zu Kanone, und an die ewige Kraft des Geistes glaubten. Das war keine so üble Weltanschauung, vielleicht sqgar eine praktisch?. Es verlohnt sich manchmal, zu den alten jüdischen Traditionen zurückzukehren, zum Ruf:: Es lebe der Batlenl, uno^zur'Idee des Wegschreiens; denn die moderne Uebersetzung für Batlohus ist vielleicht; Glaube an die öffentliche Meinung -und die Idee des Wegschreiens besteht in dem Anrufen dieser Qeffentlichkeit." „Aber Genf selbst glaubt Ja nicht an Ihre Kurpfuscherei. Sehen Sie sich den Vorschlag der Französen an *- eine Völkerbundarmee,. eine Kraft! der Faust, der Dolche und Kanonen, die alle antreiben und nicht wegschreien sollen." . . „Das ist ein anderes Kapitel, kein Gegensatz zum „Geist". Warum soll es nicht eine Kraft geben, die gehorsam dem Geist dient? Das ist dje yrirkliche ehrliche Röile der Kraft daß sie der ehrlichen,-öffentlichen Meinung diene. Die Gesellschaft ist gegen Diebe und Mörder und braucht Polizei. Ich bin mit'Herz und Seele für den französischen Vorschlag. Nach einigen Jahren, Sie werden sehen, wird aus ihm etwas werden. Und aus dem Völkerbundim allgemeinen. Dazu wird' gerade die allgemeine Anerkennung für' Genf in Sachen Schanghai, das das Aufflackern eines . wirklichen; Krieges verhinderte, viel beitragen. Alle werden es bald anerkennen Und nachzudenken beginnen, wie man1 aus dem Völkerbund etwas Rechtes schaffen kann."' ' „Wie? Sie haben gar schon ejn fertiges Programm?" ' : ' '• ::- 1 _ _'; •' „O ja. Erster Punkt...*4 : ,;Weiß schön. Der' französische Vorschlag." > i.Nein. Der 1 VölkerDündpoUzei-Gedanke ist mein zweiter Punkt, Der erste ist friedlicher. Den Rat des Völkerbundes•' soUcin die'-Völker,, nicht - mehr wie bis jetzt, sondern direkt ' wählen/ ''Jetzt werden die Mitglieder des Volkerbündrates und aller Kommissionen von den Regie« rungen bestimmt und sind so einfach Beamte oder Agenten der einzelnen Regierungen, von" denen; jede dort'ihre natipnale Politik'betreibt und nicht die Politik des Völkerbunds als einer Einheit. Das muß anders werden.; Ich schlage nicht das gewöhnliche allgemeine, gleiche Proportiönalwahlrecht vor wie zu. einem Parlament. Z, B. folgendes System: Zunächst versammein sich in Genf spezielle internationale ' Institutionen!' etwa alle höchsten Richter aller Staaten, alle Friedens-Nobelpreisträger, Delegierte aller großen Religionen usw., die die Aufgabe haben, eine Kandidatenliste aufzustellen. Jeder Staat soll in dieser Liste mit zwei Kandidaten vertreten sein. Dann wird diese Liste in jedem Land zur Abstimung gestellt Von Vladimir Jabotinsky und in jedem Land müssen die Wähler für einen Kandi däten a 11er Länder . stimmen. Zur Abstimmung dürfen nicht alle Bürger zugelassen werden, sondern nur eine qualifizierte Zahl, nur solche Menschen, die sich in langem öffentlichen Dienst ausgezeichnet haben, in einem Dienst, der Menschenliebe und Takt erfordert. Richter mit langem Dienst, Parlamentarier, die drei- oder fünfmal ins Parlament gewählt wurden, insbesondere Präsidenten oberer und unterer Parlamentskammern, Bürgermeister mit besonderen Verdiensten usw. Das Resultat wird ein Völkerbundsrat sein, in dem jede Nation einen Vertreter hat, aber jeder von ihnen wird von der ganzen zivilisierten Welt gewählt sein." „Was ist der Unterschied? Der älteste oberste Richter kann im Innern ein ebenso verbissener Nationalist sein wie der, der heute bei der Ratsversammlung sitzt. Und die Bürgermeister? Ich erinnere mich an einen Bürgermeister von Wien, einen langjährigen Bürgermeister mit Verdiensten um die Stadt Wien, der ein 'schwerer Antisemit war und Lueger hieß." „Das ist kein Argument. Es mag Ausnahmen geben, aber im allgemeinen hat ein Mensch, der lange Jahre, einen öffentlichen Posten bekleidete, mit allerlei Menschenkategorien, Gruppen und Klassen, zu tun hatte, : gewiß viel Erfahrung, Takt und Verständnis für mensch liehe Nöte^ges^mmelt. P-fV. größte Unterschied aber wird "JaU ' M« MU ' W f nnfi#fl< A«l jfAl*. lfÄll>AMUMH«lMMtAM darin liegen} d$ß sich die; Mitglieder des Völkerbundrates -von /;ihjfe^«€g&#n^^ ly^an^örtiichv1Ä V;-; •/ '\ „Punkt? ' ist ^er französische Vorschlag, -Was -•weiter?";' :" . - .. . „Punkt 3 ist mein System, dem Völkerbund gewisse konkrete Aufgaben von rein internationalem Charakter zu übergeben. Es gibt eine Anzahl solcher Aufgaben, die nicht der Völkerbund betreibt, sondern eine Gruppe von Staaten oder ein einzelner Staat. Z.B. die zwei Kommissionen, die die Donau und den Suez-Kan,al verwalten, die nach meiner Ansicht vom Völkerbund bestimmt werden niüßten. Aber das ist nur eine Kleinigkeit. Ich will, daß der Völkerbund die direkte Verwaltung eines Landes übernehme." s „Sie meinen wohl Palästina." „Ja. Der einzige logische Ausweg. aus einer verwickelten Lage. Mit England geht es nicht. Ein neues Land suchen? Erstens ist das sehr unbequem, sehr heikel, daß eine andere Regierung die.' Ausschaltung Englands verlange, um es selber besser zu machen. Zweitens, wo ist die Garantie, daß der neue Mandatar Englands Fehler nicht wiederholen wird, d. h„ daß das Mandatsgebiet nicht im Sinne der internationalen Aufgabe, sondern im Sinne eigener Interessen, panislamischer oder imperialistischer usw., verwaltet werden wird? Bei direkter Verwaltung durch den Völkerbund fallen alle ) FÜR DEUTSCHLAND diese Schwierigkeiten weg. Das Heikle verschwindet* Es ist keine Beleidigung für England, wenn gefordert wird, daß eine internationale Aufgabe in die Hände jenes Organs übergehe, daß den höchsten Gedanken der Internationa Ii tat verkörpert. Jedes Land kann das ohne die Gefahr, des Egoismus bezichtigt zu werden, unterstützen... Kaum wird man davon zu reden beginnen, so wird man nachdenken und die positiven Vorteile des Gedankens einsehen." „Die Judenfrage ist in der Tat vielleicht das typischeste internationale Problem. Es ist logisch und gerecht, daß man ihre Lösung solchen Händen anvertraut, die sich hier nicht mit eigenen Interessen befassen müssen, mit der Notwendigkeit etwa,! die indischen Muselmanen zu schmieren oder jedem einzelnen Sohn des seligen Königs Hussein vom Hedschas ein Königreich zu sehenken. Ferner gibt das jedem Land, das einen Teil seiner jüdischen Bevölkerung loswerden möchte, die Möglichkeit, sich an Genf zu wenden und . zu sagen: „Ihr müßt größere Emigrationsgelegenheiten schaffen." Heute geht das nicht. Es bedeutete, sich in Englands Methoden einzumengen, und das ist gegen die internationale Etikette. Sich: aber in die. Angelegenheiten des Völkerbunds einzumengen, dazu hat jeder das Recht, sogar die Pflicht. Ueber-; dies wird das bei vielen ehrlichen und ernsten Freunden des Vqlkerbünägedanken8 ein Mittel zur Stärkung Genfs darstellen Vuhd auch dte eri^steö 'Mitärbelterj,' 'au* sogenannten Funktionäre des Völkerbunds, fühlen lassen, daß1 sie in alle^^jä^dern' der Welt zusammen; 15* Millionen' Völkerburidbürger haben, die um den Völkerbund bangen,' ihn unterstützen,' ihn stärken würden . . " „Der ganzenzionistischen Agitation würde das einen neuen Charakter verleihen. Die Zionismen rufen heute „England ist schlecht", wissen aber vorläufig nichts Besseres und es entsteht der Eindruck von Lärm ohne positiven Zweck. Bei meinem System wird der Aufbau des Landes mit der höchsten politischen Idee der Neuzeit verbunden. Der Zionismus wird von der gefährlichen Notwendigkeit befreit, jenem Lande Vorteile" zu versprechen, das den Judenstaat aufzubauen helfen sollte. Dann könnten auch die Gegner des Zionismus nicht mehr behaupten, daß man ein „Feind Englands" oder ihrer kolonialen Konkurrenten Helfer sei. Habe ich. nicht recht?" , Hier wendet sich der Sprecher an mich. Ich antworte verärgert: „Ich protestiere gegen diese Frage. Man kann nicht immer eine Meinung haben. Man hat auch manchmal das Recht, nur zuzuhören; Ich lehne jede Verantwortung für die Gedanken eines anderen ab, aber ich darf sie zur Diskussion stellen/4 Palästina im Zeichen der Makkabiade Das größte Sportfest der jüdischen Jugend Zur selben Zeit, da Erez Israel unter der Sonne des Frühlings von dem Geräusch der Arbeit erfüllt ist, die der L e v ante - Messe gilt, hat sich aus allen Ländern der Galuth ein mächtiger Strom; junger Juden in die Städte und Siedlungen;des jüdischen National-' heims ergossen. Das historische Ereignis der ersten •Makkäba'äb, der Olympiade der bewußt jüdischen'Sportjugend aus allen Teilen" der Erde, ist zugleich ein politi-; sches Ereignis. Unsere} Jugend, mitv Fußball,'-' Rakett, ' Diskus!'us\vv demonstrierte im Lande' ihrer Zukunft ^durch ihren sportlichen Geist das wnhrgewordene Wort' von den'Judenjungen, die junge Juden1 wurden — erzogen durch den gewaltigen erneuernden" Geist des s Zionismus. Die Wettpresse und insbesondere die . palästinensische Presse stellt die Bedeutung der Mafckabrah für die Palästina-Judenheit und die WeJUjudenheit fest, so die Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen s>nd durch ein beigefügtes £ bezeichnet unerhörte Resonanz dieser jüdischen Tat im jungen Erez Israel bekundend. Palästina jubelt, die Gallith ist erstaunt, die nichtjüdische Welt horcht auf, Eröffnung und Kampf spiele Am S o nnt a g, den 27.; März, - dem: Vortage der ' Eröffnung der Makkaibiah, gab die' Stadtverwaltung: von Tel-Awiw zu Ehren der ausländischen Makkabiah-Gäste einen Empfang, dem Vertretungen aus 2? Ländern; beiwohnten.'Unter den Gästen waren, zahlreiche Araber aus : Aegypten, dem Libanon, Syrien und Tunis.; Ansprachen hielten der Bürgermeister. von Tel-Awiw, Herr Dizengoff, der Leiter der Exekutive der Jewish Agencyi in Palästina Dr. Ohaim Arlosorof f und Miss Henriette S z o 1 d. Die , Veranstaltung endete mit einer Fest Vorstellung des Hebräischen Theaters „H a b i m a h". Im Verlauf des Sonntags waren mehr als 2800 fremde Gäste zur Teilnahme an der Makkabiah und der Levante- Messe in Tel-Awiw eingetroffen. Die offizielle Begrüßung der einzelnen Sport-