Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 237 (1.4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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t. 25? Seite 5 Weltmärkte für die palästinensische Pro« duktion bezweckt. Wir begrüßen daher die Idee der Abhaltung einer Totzereth-Haaretz-Könfer«fl« während der Orient-Messe in Tel-Awiw. Wohl bemühen sich bereits in verschiedenen Ländern jüdische Organisationen um den Verkauf palästinensischer Produkte. Doch bedarf diese Tätigkeit der Konzentration aller Kräfte« ständigen Kontaktes und eines gemeinsamen Arbeitsplanes. Die erste Weltkonferenz der Freunde der Totzereth*Haaretz*Sewegtitig «oll in diesem Sinne einwirken. Die Propaganda für Palästina-Produkte ist eine Angelegenheit, die über den Parteien steht Jeder Zionist wird in ihr ein wirksames Mittel sehen. Auch der dem Herzischen Programm fernstehende Jude wird in ihr die gute Gelegenheit «ur Förderung jüdischer Arbeit erblicken. Beide werden einer nützlichen und gerechten Sache dienen, Keine formellen Bedingungen werden an die Teilnahme an der Konferenz geknüpft« Jedermann, ob von einer Vereinigung delegiert, ob Tourist oder Einwohner Palästinas, wenn er nur als Freund des Totzereth-Haaretz- Gedankens hinkommt, wird uns willkommen sein. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Konferenz zahlreich besucht und an individuellen und kollektiven Energien reich sein wird, daß ihre Beschlüsse eine neue Aera in der ökonomischen Fundlerung des jüdischen nationalen Heimes eröffnen werden. Für das Örganisationskomitee: J. Abarabia, Ch. Arönsohn, Ch. Ariaw, Bär-Drora, J. Belilowski, M. Berchin, Z. Butkowsky, J. Bauer, J. Churin, M. Disengof, Donati, Efrojkin, A. Ewserow, H. Farbstein, A. Granowsky, I. Großkopf, M. Großmann, A. Idelsohn, V. Jabotinsky, D. Jaffe, Sch. Jaffe, M. Kahan, A. Krause, Rabb. I. Kuk, R. Lichtheim, M. Machness, D. Markus, I. Meier, M. Meerowitsch, S. Meersohh, J. Naidltsch, S. Natansohn, Perutz, I. Rokeach, A. Schenkar, M. Smielansky, Ch. Soskin, J. Schechtmann, R. Stricker, J. Suprawsky, J. Trivus, Z. Tiomkin, Torokor, S. Tolkowsky, Rabb. B. Usiel, M. Winokur, E. Waschitz, A. Weinschall. Am Rumänien Antisemitische Studenten zerstören die Synagoge und das jüdische Geschäftsviertel in Jassy Der Konflikt zwischen den rumänischen Studenten und der Regierung, der im wesentlichen wirtschaftliche Ursachen hat und der schon in Bukarest zu blutigen Zusammenstößen zwischen demonstrierenden Studenten und Polizei geführt hatte, hat in Jaösy ein Nachspiel gehabt, das in stihwere antisemitische Manifestationen ausklang und zu Mißhandlungen von Juden sowie Zerstörungen jüdischen Gutes führten. Die Studenten der Jassyer Universität veranstalteten eine Sympathiekundgebung für ihre Bukarester Kollegen, wobei es auch hier zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei kam. Auf beiden Seiten zählte män mehrere Verletzte. Plötzlich wurde aus der Mitte der Studenten die Parole gegeben, gegen die Juden loszuziehen. Die Studenten zogen in das jüdische Viertel und vor die Synagoge, richteten zunächst am Gotteshaus ein rücksichtsloses Zerstörungswerk an und demolierten auch eine Anzahl jüdischer Geschäfte. Aueh in anderen Teilen der Stadt würden jüdisehe Geschäftsläden zerstört- Jüdische Einwohner würden vielfach angegriffen und zürn Teil verletzt. Einzelheiten über das Zerstörungswerk und die Zahl der Verletzten und Verhafteten fehlen in diesem Augenblick noch. Georg Cuza und Robu schlagen den jüdischen Abgeordneten Singer nieder Die Stüdentenunruhen in Bukarest' und Jassy haben ein erregtes Nachspiel in der Kammer gehabt. In der Reihe der Redner, die in de? Debatte über die Stüdentenunruhen das Wort ergriffen, wies der jüdische Abgeordnete Dr. Singör darauf hin, daß auch bei diesem Streit zwischen Studenten und Regierung, der nichts mit Jüdischem zu tun bat, die Juden die Opfer waren. Die antisemitischen Studenten in Jassy haben die Synagoge und jüdische Geschäfte zerstört. Er ersuchte den Innenminister, nicht zuzulassen, daß die Angelegenheit in das antisemitische Fahrwasser gelenkt werde. Die Rede des Abgeordneten Singer wurde vielfach durch Zttrüfe und Tumulte der antisemitischen Parlamentarier gestört. Plötzlich stürzten sich die Abgeordneten Georg Cuza, ein Sohn des Antisemitenhäuptiings Professor Cuza, und Robu auf die Rednertribüne, zerrten den jüdischen Abgeordneten herunter und mißhandelten ihn. Die Sitzung mußte unterbrochen werden. Bekanntlich haben die jüdischen Abgeordneten im rumänischen Parlament eine Demarche beim Parlamentspräsidium wegen des Terrors, dem sie seitens der cuzistfschen Abgeordneten ausgesetzt sind, unternommen. Die Studentenunruhen sind heute beendet worden, nachdem der Studentenführer Cotlga dem König C a r o 1, der ihn empfing, das Versprechen gegeben hatte, daß keine Unruhen mehr stattfinden werden. Die „Eiserne Garde" kündigt die Verteilung des Haus- und Grundbesitzes der Juden unter die Bauern an Abteilungen der „Eisernen Garde" in voller Ausrüstung durchziehen Stadt und Bezirk Tutova, wo sich Gorneliu Z. Codreanu, der Vater des Mörders des Präfekten Manciu, um das durch den Tod des früheren Justizministers Hamangiu frei-' gewordene Abgeordnetenmandat bewirbt. Den Bauern wird die Zuteilung des Haus- und Grundbesitzes der im RICHONLEZION t,DIE ERSTE IN 2ION") SO NANNTEN DTE ERSTEN JÜDISCHEN ANSIEDLER PALÄSTINAS, DTE VOR 45 JAHREN TNS LAND KAMEN, IHRE KOLONIE, AUS DER SIE IM LAUFE DER JAHRE DTE BEDEUTENDSTE WEINPRODUKTIONSSTÄTTE DES LANDES SCHUFEN. SO BELIEBT UND GESCHÄTZT WAREN DIE WEINE ALSBALD IN ALLER WELT, DASS IMMER WIEDER VERSUCHT WURDE, IHRE CHARAKTERISTISCHE ETIKETTIERUNG NACHZUAHMEN. VERLANGEN SIE DAHER BEIM EINKAUF AUS¬ DRÜCKLICH KARMEL-WEINE AUS RICHON-LE- ZION, AUS DEN GROSSEN KELLEREIEN BARON EDMONDE DE ROTHSCHILDS, DIE BIS AUF EINEN VERSCHWINDEND KLEINEN BRUCHTEIL DIE GE- SAMTE LANDESPRODUKTION BEHERRSCHEN. GROSSVERTRIEB: GUSTAV WILDER ncobv mtts IV, RAINERGASSE 31 TELEGRAMME: KARMEtXwiEN TEL. U-42-4-84 Wahlkreis wohnhaften Juden für den Fall eines Erfolges der „Eisernen Garde" versprochen. In Hunderten von Exemplaren werden Verzeichnisse des jüdischen Haas- und Grundbesitzes verbreitet. In der mittleren Kolonne dieser Listen ist jedes jüdische Haus oder Grundstück einzeln angeführt, links ist der Name des gegenwärtigen jüdischen, rechts der des künftigen bäuerlichen Besitzers ei-ngetragen. Tausende jüdischer Heimatloser in ihrer Existenz bedroht Abgeordneter George* Cuza, der Sohn des Führers der Liga für nä'tiön^l^hris,tliöhe Verteidigung, Prof. A. C. Cuza, hat im Parlament den Entwurf eines „Gesetzes zum Schutz der nationalen Arbeit" eingebracht. Der Entwurf sieht den völligen Ausschluß aller „Fremde n" von jeder Art wirtschaftlicher Betätigung vor. Wie der J. T. A. aus jüdisch-parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, ist dieser Gesetzentwurf, dessen Annahme angesichts der antisemitischen Stimmung in der gegenwärtigen Kammer nicht ausgeschlossen erscheint, vorwiegend gegen die Taüsende jüdischer „Heimatloser" gerichtet, denen die Einbürgerung, auf die sie nach dem Friedensvertrag Anspruch hätten, mit Hilfe der formalistischen Bestimmungen des Staatsbürgerschäftsgfcsetacs noch immer vorenthalten wird. Eine Annahme des Gesetzentwurfes Cuzas Würde bedeuten, daß Taüsende von Familien jüdischer Kaufleute, HanJrwerker und Angestellter mit einem Schlag brotlös werden. J> ERSONu.lALMA GUMMIABSÄTZE - ^gg*/ Lebensversicherung für Ihre Schuhe! In allen einschlägigen Geschäften erhältlich I Beim Schuhmacher fachmännisch befestig! I ZfiNTBALVf RKAÜFi BERSON«PALMA, WIIN VI. Die Makkabia m Palästina Die jüdische Sport- und Turnerschaft, welche im Weltverband „Makkabi" vereint ist, hat den Beweis erbrächt, daß unerschütterlicher Wille, Energie und Begeisterung alle Hindernisse überwinden können. Allgemein war man der Meinung, daß die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in der ganzen Welt, die Relseerschwerungen und die politisch unsicheren Verhältnisse für^ eine großangelegte Sportveranstaltung in Palästina außerordentlich ungünstig wären, ja diese unmöglich machen würden. Die Tatkraft der Leitung und die Begeisterung der jüdische« Sport- und Turnerschäft haben aber das Unmögliche möglich gemacht, die Makkabia findet nicht nur 6tatt, sondern sie dürfte auch aller Wahrscheinlichkeit nach ein großes Ereignis werden. Die Schiffe Waren vollständig besetzt und gerade in den letzten Wochen hatte sich außerordentlich großes Interesse für die Makkabia gezeigt. Dieselbe beginnt am 29. März in Tel-Awiw. Von allen Seiten strömten Gruppen jüdischer Turner und Sportler nach Palästina. Auch in Wien, welches Durchzugstation für die deutschen, tschechischen, baltischen, polnischen, holländischen und belgischen Makkabis war, war ein außerordentlich reges Treiben zu verspüren. Die „Hakoah'', welche die Fürsorge für die Durchreisenden übernahm, hätte die Freude, jeden Tag viele Gesinnungsgenossen aus aller Herren Ländern als Brüder zu begrüßen, und bemühte sich, den Freunden den Aufenthalt in Wien so angenehm und kurzweilig wie möglich zu machen. Am Samstag und Sonntag waren Makkabis aus Danzig, Köln und anderen deutschen Städten Gäste der „Hakoah", am Montag reisten unsere Freunde aus der Tschechoslowakei durch und viele deutsche Gruppen und wurden auf den Bahnhöfen festlich begrüßt. Dänn verließen die Vertreter der „Hakoah" und des „Makkabi" Wien vom Südbahnhofe aus. Es ist eine erlesene Schar von Meistern, die die Farben der österreichischen Judenschaft in Palästina repräsentieren wird. Dank der hervorragenden Opferwilligkeit einer Reihe von Förderern können wir 38 Leute an den Start in Palästina senden. Diese 38 Sportler setzen sich zusammen aus Schwimmern, Ringern, Leichtathleten und Boxern. Unter ihnen erwähnen wir insbesondere unsere Schwimmmeisterinnen Heddl Bienehfeld, Fritzi LöWy, Hansi Bratmann, die Schwimmer Guth, Dreikurs, Goldschläger, die Ringer HirSchl, Birnbaum, Fincsus, Gottlieb, den Meisterboxer Laub, die vielfach bewährte Leichtathletenstaffel Blödy, Klein, Deutschi und Pollak. Es ist anzunehmen, daß die Wiener Expedition auf sportlichem Gebiete In Palästinä ehrenvoll abschneiden wird, es ist ebenso anzunehmen, daß dieselbe aus dem Gesehenen in Palästinä viele schöne und neue Eindrücke gewinnen wird und, mit diesen bereichert, mit doppelter Begeisterung und Mut weiter für die jüdischen Farben kämpfen wird. Dr. Hugo Benedikt Vizepräsident der „Hakoah*4* Nehemla de Lieme 50 Jahre alt Der bekannte holländische Zionistenführcr Nehemia de Lieme vollendete am 26. Mäfz d. J. sein 50. Lebensjahr. De Lieme, der einer konservativen jüdischen Familie entstammt, schloß sich Schon in frühester Jugend der zionistischen Bewegung an. Als 1907 der VllJ>Zionisten-Kortgreß im Haag tagte, kam die junge zionistische Generätiön Hollands in stärkere Berührung mit der Weltorganisation und einige ihrer Vertreter gelangten bald in zentrale Stellungen der Bewegung. Als nach Kriegsausbruch das Hauptbüro des Keren Kajemeth seinen Sitz nach dem Haag verlegte, wurde de Lieme eines der leitenden Mitglieder des Komitees, in dem er infolge seiner umfassenden nationalökonomischen und sozialpolitischen Kenntnisse eine besondere Stellung einnahm. Er ist der Schöpfer der Thesen, die die Londoner Jahreskonferenz von 1920 als seither geltende Grundsätze der Badenpolitik des Keren Kajemeth in Palästina angenommen hat. Nach der Londoner Jahreskonferenz wurde de Lieme auf Veranlassung von Brandeis in die Exekutive gewählt und hat, zusammen mit Julius Simon, im Winter 1920 eine Prüfung der Palästina-Arbeit vorgenommen, die in einem ausführlichen Bericht niedergelegt wurde. Im Zusammenhang mit diesem Bericht stellten de Lieme und Simon Forderungen, die auf eine radikale Aenderung der Grundsätze der Palästina-Arbeit hinzielten. Weizmann und seine engeren Freunde lehnten diese Vorschläge ab. Dies veranlaßte de Lieme und Simon zum Austritt aus der Exekutive. De Lieme steht noch heute in regstem Kontakt mit der Brandeis-Gruppe in Amerika und betätigt sich rege an dem zionistischen Leben in Holland. Neben seinen Arbeiten über Wirtschaftsprobleme hat de Lieme auch eine Schrift über Achad-Haam verfaßt. De Lieme nimmt auch im holländischen Wirt- Schaftsleben als Leiter einer zentralen Arbeiter- Versicherungsbank eine hervorragende Stellung ein