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Die neue Welt · 1932-04-01 · Heft 237 (1.4.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 237 (1.4.1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. ätf Oft kopiert nie werden in Wien und in viefen anderen Ländern die als besonders wohlschmeckende Delikatesse allgemein bekannten und beliebten, weil nach einem soeziellen Verfahren erzeugten hochwertigen runden und dünnen viereckigen W«r Srram-Mazzoih kauft, well*, da$ er nur tfaraniieri rriiche Ware, h urige Erzeugung, bekommt I Achten SlQ auf die Stampiglie „H. Strom", die auf jedem Paket ersichtlich ist 1 Merken Sie sich im eigenen InWesse die 3 Worte: Strums rund« Mazzoth I Mazzoth- Bttckerei H.STRUM, WIEN II Rotensterngasse 11 . Tel.R-41-6-12 Mazzoth sowieGriefj und Farvel Die vorzüglichen „Strum-Mazzoth" werden erzeugt unter ständiger Aufsteht deß ehrw. R^bbinais der isfael/Kultusgemelnde. Die genaue Einhaltung streng orthodoxer Kaschruth-Vorschriften wird von Sr. fihrwurden Herrn Rabbiner Babaih überwacht. Die Erzeugung erfolgt mit eigens konstruierten/pätentiifitlich geschützten Maschinen (Qefen) auf elektrischem Wege mit fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern So will ich nun ihren persönlichen Standpunkt kennenlernen. Gut. Sie glauben nicht ari das „zionistische1 Menschenmaterial", nicht daran, daß dieses Willen und Kraft aufbringen wird, radikale Aenderungen zu verlangen. Was werden Sie nun tun, wenn Sie mit eigenen Augen wahrnehmen, falls dies doch geschehen sollte? Werden Sie auch dann hartnäckig behaupten: da ich daran nicht glaube, so traue ich auch meinen Augen nicht? Erlauben Sie mir, Sie an ein Beispiel zu erinnern. Sie haben lange Zeit an Englands Fähigkeit und potentielle Bereitwilligkeit „geglaubt", seinen Mandatsverpflichtungen nachzukommen. , Es kam aber dann ein Augenblick, wo Sic , fanden, daß dieser „Glaube" der realen Grundlage entbehrt, "und erklärten ihren „Unglauben" an England. Das; isjt sachlich. Ich frage also: Wenn mit dem zionistischen .Menscbenmaterial,dasselbe geschieht, wenn morgen oder v übermorgen > tatsächlich das eintrifft, woran Sie nicht glaubten,, werden Sie die Tatsache anerkennen und aus ihr. die, ^Konsequenzen ziehen?" .'■ '• ." V." .■■ *i ,. .....! ' \ * - •; AüS 'meiner -Antwort: ,«* ^usni.mcan»• ,«•••.<■«<■ .V«vt * r>i:-.ij>j,Lassen>Sie mich zunächst; bekennen, daß ich; vvprrij Wert einer 'geeinigten Front nicht so heilig überzeugt bin. 'Es ist manchmal nützlich, manchmal^ auch nicht. Ich "weiß -z. B. angesichts der heutigen politischen Lage des ' Zionismus nicht,-ob es für die Bewegung, d. h. für unsere Endziele, von Nutzen sein wird, wenn alle einer Körperschaft beitreten, die offizielle Verpflichtungen; *und p£fizielle Grenzen hat.tVielleicht ist es soga£ bei der gegenwärtigen Lagebesser, wenn ein teil draußen bleibt, um die Freiheit zur Durchführung solcher Aufgaben zu haben, die für eine offizielle Körperschaft sehr unbequem, aber doch sehr nötwendig sind. Die Frage ist erwägenswert, aber das nur nebenbei. Daß die Massen sehr unzufrieden sind und eine Aenderung „wollen", ja eine radikale Aenderung, ist nicht neu. Schon seit Jahren sind alle Zionisten unzufrieden und „wollen", daß es anders werde. Aber das „Wollen"! Bei einigen.bleibt es dabei, bei anderen führt es zu Beschlüssen und Taten. Darin besteht der große' Unterschied jener zwei Typen, die ich einst „psychologische Rassen" genannt habe. Nun zur Erbschaft. Z, B. die erweiterte Jewish Agency. Sie hat alle, zweifellos enttäuscht. Ein verdatetes Leben " Von Jehuda Steinberg 9. (Fortsetzung.) Boruch hörte nicht auf, von dem. Wunder zu erzählen, das ihm waderfahren .war. Zehnmal hatte er es gestern erzählt, zehnmal auch heute — und konnte sich nicht satterzählen. Er begann zu jsohildern, wie er hingeraten war, was für Gedankeoi ihn bedrängten in der Minute, da die Wellen ihm den Mund verstopften, wie die Schreie losbrachen ... Aber mitten drin platzte er in Weinen los, fiel bald auf Brajne, bald auf Awrejmel, er küßte sie und weinte, weinte und küßte. Wenn Nachbarn hereinkamen, fing er wieder dasselbe zu erzählen an. Er hatte noch etwas Außergewöhnliches zu erzählen, wie ein König in Frauengestalt,- die selige Mutter — ihm vor den. Augen, erschien ... Doch konnte er nicht zu.Eadp erzählen: Tränen verwehrten es ihm. Er fiel apf die Nachbarn, küßte sie und weinte. Awrejmel hatte schon genug davon. Es kam ihm vor, daß auch die Stiefmutter .dqr .Erzählung schon überdrüssig sei. Froh war er, daß die Sonne niedergegangen war. Er begab sich zu Oscher. Als er eingetreten war, traf ,er keinen an mit Ausnahme Oschers und einem seiner armen Nachbarn. Dieser stand vor Oscher und bat ihn, er, möge ihm mit dem Quartiergeld warten, bis Gott ihm helfen würde, etwas zu verdienen. Geld gibt sie nicht. Ihr Drum und Dran besteht in der Einmischung in die Führung der zionistischen Politik . (z. B. in der Frage, ob man den Beduinen 3000 Dunäm Keren-kajemeth-Boden „freiwillig" , äbtreten soll). In welcher Richtung sich, solch ein Einfluß bewegt, wissen alle.1 Und alle oder fast alle sägen ganz aufrichtig, daß das „ein Ende" nehmen muß. Schlagen Sie ihnen aber vor, an „das Ende" heranzugehen! Eins von beiden. ^Entweder, muß der ganze Kontrakt mit'den Nichtzionisten jgelos'tuny^der Mandatärmächt mitgeteilt werden, daß die jjewish Agehcy, wie 'es.. im M$|idat steht,,: von, nun ab weiter von der Zionistischen Organisation repräsentiert wird oder mäh muß wenigstens einen Beschluß durchführen, daß die Nichtzionisten sich nur mit ökonomischen Dingen befassen dürfen und keineswegs mit politischen (Zweikammersystem), und obendre;n das Fifty-Fifty- Blutwallungen, Herzbeklemmung^ Atemnot, Angstgefühl, "'Nei'venreizbarkeit,' Migräne, Schwermut, Schlaflosigkeit■■'•■"können durch deu * Gebrauch des natürlichen . ^Franz?Josef!^Bititei'wassers oft beseitigt .werden. •<<!";•>,y>, .w-i-.'-f1.'.!... t;-J.. >Avit {• jjiyjUj-ni'Strt { »•^■l-i- ,' -;•; ■ ■;." ' . P/inzipf abschaffen und(einen .einheitlichen Köngr'^ Jangen, auf dem natürlich ciie Z)onis,ten die absoluten . Herren .sein werden. Und wenn die Nichtzionisten, denen ^.der. Appetit auf die Beherrschung des Zionismus gekom- ..nien ist, einer so unangenehmen Reform nicht zustimmen, so mufij, man zurück zum ersten Plan, zur Lösung des . g a n z e n y e r h ä 11 n i. s s e s, oder — alles beim alten , [belassen., Nun bitte, ich .Sie,, machen Sie das Ihren Leuten klar, die unzufrieden sind und die Lage ändern „wollen", und fragen Sie sie, ob sie das in Wirklichkeit umzusetzen!; bereit )§ind. Ich fürchte, daß Sieisjöfort ein starkes Sinken 'der, (radikalen Temperatur feststellen werden. ' - Ich könnte. Ihnen ähnliche Fragen;über jede andere; Reform stellen. Ein« Reform ist jeing starke, unbarmherzige S;ache. ManKmag vorsichtig sein wie man ^will, man kann aus einem gegebenen Zustand heraus keine wirkliche Reform durchführen, ohne die Interessen oder :t Privilegien jener "Elemente oder jener Institute zu tani gieren, die irgendeinen Vorteil öder Profit aus dem gegebenen Zustand ziehen. Es ist leicht zu sagen, daß - künftighin nicht alles auf den K e re n Hajessod gebaut werden körine. In Wirklichkeit wird eine demgemäße Reform einerseits die Lage der Schulen, andererseits die der Kwuzoth und Moschawim im Emek berühren. Ist man „Glauben Sie mir, ich kann nicht",' wies ihn Oscher ab, „wenn es meines wäre, waruni nicht? Aber Sie wissen doch, ioh habe keinfen Anspruch aufdas Geld. Es ist als Mitgift für das Waisenkind bestimmt!" ■.)','.. .,. Awrejmel wendete sich um: er wünschte, Mirjam wäre zugegen und könnte^ diese Worte hören. Aber sie war nicht da. Der Bittsteller stand bald auf dem einen Fuß, bald auf dem anderen, räusperte sich, hatte auf Oschers Worte nichts zu antworten: ein wenig heißt doch solches Geld — heiliges Geld. Kaiin man Wohltäten üben mit heiligem Geld? Er wendete sich ab und ging hinaus. Awrejmel öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch im gleichen Augenblick tat sich die Tür auf und Oschers ständige Gesellschaft begann einzuströmen. Oschers Haus war ein Ort, wo Öfters junge Leute aus dem Städtchen zusammenkamen, teils — um einfach einfe fröhliche Stunde zu verbringen, teils — um' neue Gesichtspunkte und gute Projekte bezüglich „städtischer Angelegenheiten" durchzubesprechen. Die Pläne als; solche wurden selbstverständlich nicht durchgeführt, aber deswegen hörte man nicht auf, über sie und über neue Pläne allgemeiner Natur zu sprechen! Oscher hörte niemals auf, an die Möglichket ihrer Durchführung zu glauben sowie an die gute, ehrliche Absicht der debattierenden jungen Leute. Er wollte auch nicht an der Fähigkeit der Menschen; mit "Ernst eine gute Sache zu besprechen, ' zweifeln. Schön das bloße Reden über eine gute Sache hielt er für wertvoll. Er war hiebei zufriede.i wie ein Kind über'ein kleines bereit, die Gegnerschaft zu brechen, die hier entstehen wird? Nehmen Sie das Populärste, die Mittelstand»« Politik. In der Theorie sind alle dafür. In Wirklichkeit ist das aber aufs engste mit der Frage gewisser alter Privilegien der Histadruth Haowdim, der Arbeiterorganisation, verbunden. Soll z. B. endlich das neutrale Arbeitsamt geschaffen Werden oder soll es, wie bisher, in den Händen der Histadruth bleiben? Soll die Geldsammeltätigkeit der Zionistischen Organisation in die -Richtung, der Schaffung von Kapital für Kredite oder zur Schaffung von Fonds zur Unterstützung von Chaluz- Unternehmungen gelenkt werden? Sie erwähnen unter denen, die eine Aenderung „wollen", auch die Linken. Nun, fragen Sie. diese, ob sie wirklich eine Reform unterstützen wollen, bei der sie unbedingt etwas von ihrer privilegierten Rolle einbüßen, würden. Populärer noch ist heute der Gedanke von der Aenderung der politischen Methoden. Genug den Nacken gebeugt ( Man sagt, wir wollen eine stolze, hartnäckige Politik führen. Erst gestern habe ich solche Worte von einem, Bekannten. gehört, aber er hat sich plötzlich selbst unterbrochen und geschlossen: „Ja, versteht sich, mit der Regierung dürfen wir uns nicht verfeinden!" Er glaubt, daß man eine Politik der Opposition gegen eine Regierung führen und dennoch gut Freund mit dem Gouverneur und sogar mit dem Unterbeamten bleiben kann. In Wahrheit aber kann, man unter den heutigen Umständen keine Opposition ohne . tiefen und scharfen Konflikt mit der Regierung in Palästina und in London machen. Fragen Sie die Leute, ob sie dazu bereit sind. Mein Freund, ich fürchte, daß der reformatorische Wille Ihrer Leute am., besten so ausgedrückt werden kann: Wascht mir den Pelz und macht ihn nicht naß! Sie wollen;die Agency loswerden, ohne sie abzuschaffen; den Mittelstand kolonisieren ohne Tangierung der Histadruth; gegen die Regierung kämpfen ohne Konflikte — und da das nicht, möglich ist, ahsolut unmöglich ist, so fürchte ich, daß , die Unzufriedenheit nur Gerede ist. * Und wenn, dies bei jenen wirklich W ii 1 e und nicht Gerede ist, fragen Sie? Dann werde ich offen Buße tun, freudig tanzend Buße tun, Buße mit allen ihren praktischen Konsequenzen, wenn ich es zu sehen erlebe, daß die alte Zionistische Organisation in der Tat das schlechte Erbe einer schlechten Zeit über Bord geworfen und wieder ein Verband von Zionismen geworden.ist, . Aber unter einer.. Bedingung: ich reserviere mir diese schönen Gefühle fürden Morgen nach dem Tag, - da endgültig und faktisch, die. .große Aenderung vor. sich gegangen ist. Der Arme kann keinen Kredit geben. Bargeld, meine Herren, und, Schwarz auf Weiß!" Zur Diskussion über Kommunismus und Judenfrage Was deklariert der Kommunismus? Die im Fluß befindliche Debatte über die kommunistische Offensive auf dem Gebiet des jüdischen Problems bedarf einer Betrachtung, die über den gegenwärtigen Anlaß hinaus die Dinge sondiert., Fragen, wie die weitere Existenz des jüdischen Volkes im Zusammenhang mit der kommunistischen Grundhaltung, dürften nicht mehr zurückgestellt werden. Obwohl schon seit Jahren zwingende Momente zur Auseinandersetzung mit dem Kommunismus vorhanden waren, machen?,,sich erst jetzt und auch da nur Spielzeug, seine Wangen glühten* die Augen leuchteten wie bei einem Chassid, der von einer Auslegung seines Rabbi erzählt.. „Betrunken wird er . vom Reden", pflegte sich . Beijle oft über ihn zu beklagen. So pflegten die jungen Leute sich bei ihm zu drängen, seine. Einsamkeit zu vertreiben, stundenlang im Vertrauen auf ihr eigenes gutes Herz zu reden und ■ auf das gute Herz des „aalten Kindes" Oscher Goldmann. Die Gesellschaft war jetzt mit einem neuen, groß- . artigen Plan gekommen; Sie will die Witwen und Waisen des Städtchens .versorgen. „Jeder von. uns weiß", führte Samuel Heraberg, . ein entlassener Gymnasiast^ mit seiner gröhlenden Bauohstimme aus, „wie sehr die schutzlosen Witwen mitsamt den Waisen in unserem . finsteren, unkultivierten Städtchen leiden. Die Waisen wachsen wild auf. Be- . sonders zerren an meinem Herzen die Waisen. Und es . sterben doch die Witwen heutzutag vor Hunger! Darum ist mir eine Idee eingefallen: Eine, Schule aufmachen für Waisenknaben, und Waisenmädcheh. Ich will dort unentgeltlich Stunden geben." „Ich will Musikstunden geben", fuhr Salomen Reiter dazwischen, ein jünger Marin, der glaubt,' daß er Geige spielen kann. Der Plan gefällt, jeder verspricht sich sein Teil davon. Die Mädchen bieten sich zur Handarbeit an. Sie wollen ihre Schülerinnen zu nützlichen Menschen erziehen und gleichzeitig solle.i die Witwen und andere arme Menschen verköstigt werden.

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