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Die neue Welt · 1932-03-25 · Heft 236 (25.3.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 236 (25.3.1932)
Date
1932-03-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 236 DIE NEUE WELT Seite 9 Am Rußland Verlorene Dollarmillionen Die „Neue Welt" hat bereits gemeldet, daß der A g ro -Joint (amerikanische Hilfsorganisation zur Ansiedlung von russischen Juden in der Krim) nur mehr zwei Jahre seine Tätigkeit fortsetzen wird. Im ganzen und großen hat seine Arbeit bereits aufgehört. Jahre hindurch wurde in einem Teil der jüdischen Presse über die „J u d e n k o 1 o n i s a t i o n" in der Krim debattiert, bzw. gegen sie polemisiert, zumal die jüdisch-amerikanischen Joint-Herren mit ihrer Krim-Förderung das „zionistische Phantasma auszurotten" hofften. Jetzt kann die Sachlage objektiv beurteilt werden. Immer größer wird die Zahl der jüdischen Kolonisten, die aus der Krim in die Städte und Städtchen flüchten, sogar bis Moskau und Leningrad, da sie sogar die schwere Arbeit in den Fabriken dem Leben in der ländlichen Kollektive vorziehen. Die amerikanische Judenheit hat zweifellos durch den Agro-Joint viel geleistet, aber es war eine philanthropische Arbeit und keine nationale Aufbauarbeit für das jüdische Volk; es waren Experimente, die Sowjetrußland mit den Juden gemacht hat. Die zahlreichen Millionen Dollars, die die amerikanischen Juden für die jüdische Kolonisation in Rußland hergegeben haben, hätten besser für die Umstellung Her Juden in die Kleinindustrie verwendet werden können, aber die Joint-Führer ließen sich von dem Gedanken, daß die Sowjetregierung Boden u msonst bereitstelle, faszinieren. Sie vergassen, daß Kolonisation eine äußerst schwere Sache ist, und die Berechnungen einer billigen Kolonisation in Rußland haben sich als falsch erwiesen. Ohne Subvention von 1000 Dollar per anzusiedelndem Menschen ist eine Kolonisation unmgölich. Man besetzte zwar den Boden, aber man verwurzelte sich nicht mit ihm. Dem jüdischen Bebauer blieb der Boden fremd. Die Kolonisation der Krim ist eine erledigte Sache. Die Millionen des „Agro-Joint" sind verraucht. Jetzt steht das Schlagwort Biro-Bidschan auf der Tagesordnung. Mit Hilfe der Sowjetregierung soll am Amur eine jüdische Republik entstehen, an der mandschurischen Grenze, dem Kriegsgebiet im Fall eines ostasiatischen Konfliktes. Man weiß, daß dort eine weißgardistisch.e Armee konzentriert ist und beim Einmarsch in Biro- Bidschan dasselbe tun würde, was Petljura und Denikin in der Ukraine angerichtet haben. Es ist zu hoffen, daß die Juden, soweit sie nicht gezwungen sind, den Weg nach Biro-Bidschan nicht gehen werden. Der Anti-Pessach-Feldzug in Sowjetrußland hat begonnen Die „Apikbjres" sich nennende jüdische Sektion des Gottlosenverbandes hat am 15. März den Anti-Pessach-Feldzug proklamiert, der bis Ende April zu dauern hat. In der Proklamation werden die jüdischen Atheisten aufgefordert, den Aktionen der „Klei-Kojdesch" (ironische Bezeichnung für jüdische religiöse Funktionäre) sowie der Kampagne zur Beschaff u n g von Mazzoth entgegenzuwirken. Ferner werden die Atheisten aufgefordert, tausende neue Mitglieder für die Gottlosenbrigaden anzuwerben. Der Plan sieht die sofortige Entsendung sogenannter Zehner- Brigaden in die jüdischen Kolonien .zur Führung des antireligiösen Werkes vor. Für diese Brigaden werden Arbeiter, Studenten und Jugendliche angeworben. In den Städten werden tausende antireligiöse Proklamationen und Exemplare der Zeitung „Apikojres" verbreitet. Die jiddisch-kommunistische Tageszeitung „Eines s" bedauert die vom Volkskommissär Smidowitsch in der Oeffentlichkeit abgegebene Erklärung, daß jetzt, wo die Synagogen in Arbeiterklubs umgewandelt worden sind, die Fortsetzung der antireligiösen Kampagne nicht mehr so wichtig sei. Die Zeitung berichtet, daß der Präsident eines Kollektivs im jüdischen Rayon Freidorf den Ortsrabbiner zu einer Tagung der jüdischen Landwirte eingeladen hat, bei welcher Gelegenheit der Rabbiner über das Thema der Brüderschaft Israels und der Bürgschaft der Juden für einander predigte. Nichts, fährt die Zeitung fort, beweise mehr die dringende Notwendigkeit der Fortführung der antireligiösen Propaganda als dieses Faktum. Die Erpressungen an Juden bestätigt Vor einigen Wochen haben die jüdischen Zeitungen Nachrichten über Erpressungen gebracht, die von den Sowjetbehörden an Juden in Rußland verübt werden. „Die Neue Welt" hat über diese Vorgänge berichtet und auch den Protestruf Ch. N. B i a 1 i k s an die jüdische Welt veröffentlicht. Die Sowjets haben in ihrer gewöhnlichen Manier diese traurigen Dinge abgeleugnet. Kürzlich erschien in der Redaktion des Warschauer „Hajnt" ein amerikanischer Jude (sein Name kann nicht veröffentlicht werden, damit seine in Rußland lebenden Juden keinen Schaden davontragen), der viele Monate in Rußland verbrachte und zahlreiche Städte und Städtchen besuchte. Dieser einwandfreie, intelligente Mensch, dem man in keiner Weise Animosität gegen Sowjetrußland unterschieben kann, erklärte, daß all die Fälle, in denen man versuchte, bei Juden Valuten zu erpressen, auf Wahrheit beruhen. Ja mehr noch, die krassesten Fälle seien bisher noch gar nicht bekannt. Er selbst, sagte er, hat Juden gesehen, welche in inquisitorischer Art gepeinigt wurden. r 1 SYMBOLE JÜDISCHER ARBEIT... Y£3 *B> itisfi good äre bests", „ Katt/tSsfer» reich <che Wwen", „Trinkt deutschen Wein* . ,», so appelliert heute alle Welt an das Naüona Ige fühl Daher unterstützt auch der national fühlend* Jude die Aufbauarbeit Erez Israels dadurch, daß er Ptoriukte jüd.scher Arbeit in Palästina kauft» Verlangen Sie ausdrücklich: K ÄRMEL WEINE aus RICHON'LE'ZBON PalästinaffMaxzof h aaaHBBBBNnHMHMMHnMHMOMHi hergestellt in den Mühten de* Landes aus dem Getreide - m iniiiiiiiiniinnin LL1 llllllllillII IIIIIIIIIt &ür den Großhandel: GUSTAV WILDER IV» RAIN SRO. 31, Tel. U-42-4-84 Telegramme: Karmcl, Wien darunter auch einige seiner ältesten Jugendfreunde, von denen einer, ein ganz armer Mann, sieben Tage auf Salz kniend gehalten wurde, damit er 100 Dollar herausgebe, die er — gar nicht besaß. Derselbe Gewährsmann erzählte auch von 46 Juden, die in eine ganz enge Kammer gesperrt wurden und denen man bei mehr als 20 Grad Kälte kaltes Wasser über die Köpfe goß Man möge nicht glauben, erklärte der amerikanische Jude weiter, daß die Inquisitoren ohne Zweck arbeiten. Sie wissen, was sie tun. Ihre Peinigungen haben eine bestimmte Wirkung. Jeder, der gepeinigt wird und selbst keinerlei Geld hat, wird gezwungen, die Adressen seiner im Ausland lebenden Verwandten anzugeben. An diese wird nun in seinem Namen telegraphiert, man möge ihm soundsoviel Geld schicken, da sonst sein Leben in Gefahr sei. Tatsächlich laufen dann von da. und dort Dollars ein. Das geschieht in »«nein Lande, das vorgibt, die Judenfrage gelöst zu haben. Das entzückende Toniilm-Lu»tspiel Ein charmantes Spiel von Verwechslun en, Intrigen und natürlich - Lieefc! mitOeorg Alexander, Üen Devers.Trude Berliner, Tibor v. Halmay und Hans Junkermann Regie: Conrad Wlene Schlager; Arthur Cuttmann BURG-KINO Tfls,ich- SCHWEDEN-KINO I. OpemrlnR I». Tel. B-20 3-99 II. Taborstr. 1. Tel. A-4J -6 Ab >6.Mä»z SA SC HA-PALAST III. Ungarg9sse60 wm^m^ Monopol: Vindobona Film. E. Rosenste.n, Wien n II mmmmmmm_ Produktive judisdie Kredithüfe Die mit Hilfe des American Joint Distribution Committee vor 9 Jahren gegründete Wiener jüdische Kreditkasse für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien hielt am 9. März 1932 ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der. Obmann des Vorstandes, Herr Börserat Glück, gedachte des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Jakob März und teilte den Beschluß der Israelitischen Allianz mit, die Ziele der Kreditkasse durch Uebernahme von Geschäftsanteilen im Betrage von S 10.000 materiell zu fördern. Der durch Direktor H e n i s c h erstattete Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr entrollte ein düsteres Bild der Wirtschaftslage jener Kreise, aus denen sich die Kreditwerber dieser Kasse rekrutieren. Im Gegensatze zu den früheren Jahren verzeichnet der diesjährige Bericht eine A bnahme der Zahl der eingelaufenen Kreditansuchen und auch der ausbezahlten Darlehen. Als Grund hiefür bezeichnet der Bericht die fortschreitende Verarmung des jüdischen Kleinhandels« und Kleingewerbestandes. Am deutlichsten komme dies bei der Gruppe der sogenannten „Ratenhändler" zum Ausdruck, die wegen der zunehmenden Arbeitslosigkeit allmählich ihre Kunden verlieren. Aber auch Neugründungen von Geschäften und Betrieben kann keine günstige Prognose gestellt werden. Der Bericht enthielt aber auch eine Reihe e rfreulicher Tatsachen. Die Gesamtsumme der Rückzahlungen war in der Berichtswoche höher als die ausbezahlten Darlehen, die Klagefälle und Abschreibungen hielten sich in den gewohnten Grenzen. In 13 Vorstandssitzungen wurden 811 Gesuche einer definitiven Erledigung zugeführt, davon 739 in positivem Sinne. Es gelangten 671 Darlehen mit einer Gesamtsumme von S 348.325 zur Auszahlung, gegenüber 724 Darlehen mit zusammen S 381.410 im Vorjahre. Die Höhe der Einzeldarlehen betrug in 79.4 Prozent der Fälle S 500, in 6.9 Prozent der Fälle unter S 500 und in 13.7 Prozent der Fälle zwischen S 500 und 1000. Nach Berufskategorien gegliedert, entfallen auf Kleinkaufleute 465 Darlehen (69.3 Prozent), auf Handwerker 120 Darlehen (17.9 Prozent), auf kleinindustrielle Betriebe 67 Darlehen (10 Prozent) und auf Angehörige freier Berufe 19 Darlehen (2.8 Prozent). Der Darlehensstand mit Jahresende beziffert sich auf S 189,728.92. Der Stand der Genossenschafter auf 1740 mit volleingezahlten 6238 Geschäftsanteilen ä S 10. Nach den durchgeführten Ergänzungswahlen setzt sich der Vorstand aus folgenden Herren zusammen: Karl A 11 m a n n, Aron B arschak, Max E i s n e r, Börserat Ignaz G 1 ü c k, Direktor Ernst Goldschmidt, Rafael H a 1 p e r n, Edmund H o f m a n n, Dr. Siegfried Kantor, Dr. I. H. Körner, Oskar Rosner, Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Feiwel Türkl. Dem Aufsich trat gehören an die Herren: Mendel Feigenbaum, Dr. Desider Friedraann, Gustav Goldmann, Dr. Armand K a m i n k a, Kammerrat Moritz K o h n, David L e s s i n g, Dr. Josef Löwenherz, Samuel Preis, N. M. Racker, Kommerzialrat Moriz Reif und Max Schiffmann. Der Vorsitzende schloß d;e Generalversammlung mit den Worten des Dankes unj der Anerkennung für die Beamtenschaft Sk 2&^^^77l^yC^» Xx^s>toA W/tie! y^ctwnJ iZ Jubiläumsaktion des Keren Kajemeth. Das Präsidium des .Keren Kajemeth ersucht alle zionistischen' Gruppen, die im Gange befindliche Jubiläumsaktion mit aller Energie und zeitgerecht abzuschließen. Es ersucht die verantwortlichen Leiter der Aktion, gleich nach Durchführung derselben mit dem Kren Kajemeth zu verrechnen und die gesammelten Gelder ihrer Bestimmung zuzuführen. Ein Legat für den Keren Kajemeth. Dr. Emil M e d a k s. A. hat testamentarisch dem Keren Kajemeth einen Betrag von S 1000 vermacht, der auch nach Abzug der gesetzlichen Abgaben dem Keren Kajemeth ausgezahlt wurde. Auch in Südafrika Kapstadt, 19. März. (J. T. A.) Im Namen des südafrikanischen Jewiah Board of Deputies überreichte dessen Präsident Hirsch Hill mann dem südafrikanischen Parlament eine Petition,, in der ge.gen die im Pankment einigebraohte Bill, betreffend Aenderaing des Namens der Potoheifsitrooim Ürndversity in Potchefstroom Christian University, Einspruch enhoiben wird. In der Petition wird darauf hingewiesen, daß eine Konfessiana.lisiieru.nig des Hoohsohuilwesens in Widerspruch zur Verfassung der städafrikamisohen Union steht. Die Bezeichnung der Potcliefotroom University als „christlich** würde zur Folge haben, daß j ü d i s c h e S t u d e n t e n faktisch vom Studium an dieser Universität ausgeschlossen werden würden.

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