Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1932-03-25 · Heft 236 (25.3.1932) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 236 (25.3.1932)
Date
1932-03-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2711613-2711843-2711857--3039-2716376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 4 Nr. 236 SensIMatti'A, auch Touscl I ZaniungseHele •taiiins 5 „ELPHORA" I I., Oommlkint tMistei 22 I Ecks Kai) tel. «-54-4-U I tat hineingezerrt und feierte ihren „Fuchs" Bahr, welcher sich gerne als Märtyrer der Völkischen sah. Ein Albe hält eine antisemitische Rede! Alben klatschen Beifall! Diese Demütigungen konnte und wollte Herzl nicht mitmachen und erst j:tzt erkannte er deutlich, daß er wirklich ein fremdes Element in dieser Gesellschaft war und ist. Herzl beschloß, den Verkehr mit der „Albia" sofort abzubrechen. Auf diesem Kommers war Herzl selbst nicht anwesend. Aus den Zeitungsberichten erfuhr er am nächsten Tag, daß die „Albia" auf dieser antisemitischen Veranstaltung „offiziell" begrüßt worden sei und er wartete einen Tag ab, in der irrigen Meinung, daß die „Albia** gegen den antisemitischen Ton des Kommerses protestieren werde. „Qui tacet consentire videtur."") Am 7. März 1883 — zwei Tag«* nach dem Kommers — richtete Herzl ein Schreiben an den Burschenkonvent der ,.Albia". Der Brief führte eine sehr scharfe Sprache und war in schroffster Form gehalten. „Ich sagte den edlen jungen Leuten Lebewohl."w) Bei Burschenschaften und Verbindungen gibt kein selbständiges Austreten der aktiven oder inaktiven Burschen aus dem Verband, vielmehr hat der Burschenkonvent das Recht, das Austreten entweder zu bewilligen oder zu verwerfen. Herzl verlangte im Schlußsatz seines Briefes, daß man ihm, da gegen seine Person .nichts Ünhonoriges vorgebracht werden könne, die honorige Entlassung aus der Burschenschaft gewähre. Sofort trat der Albenkonvent zusammen und unter dem Vorsitz des jur. Ernst Hörner beschäftigte man sich lange mit dem schroffen Brief des Semiten Herzl. Die tiefgekränkten Alben beschlossen, den honorigen Austritt nicht zu bewilligen, sondern Herzl zu c h a s s i e r e n.lfl) , Eine Chassierung bedeutet die größte Strafe, die eine Verbindung gegen ein Mitglied anwenden kann, und in Burschenschaftskreisen, besonders der damaligen Zeit, galt dies als eine Ehrenlosigkeitserklärung. So wurde nun Herzl als „ehrlos", „vogelfrei" erklärt — weil er sich offen zum Judentum bekannte und wie ein anständiger Menschhandelte. Natürlich erregte dieser Beschluß bei einem Teil der Burschenschaft große Unzufriedenheit •— es imponierte die stolze und gerade Haltung Herzls, trotz seiner im Briefe . an die „Albia" zum- Ausdrucke gebrachten „Respektlosigkeit". >; Erst am 2. April tagte nochmals der Konvent in Angelegenheit Herzls, die Chassierurtg wurde aufgehoben, der Austritt gewährt und Herzl aus der Mitgliederliste der Couleur gestrichen. Theodor Herzl war natürlich auch mit diesem Resultat nicht zufrieden. Er verlangte eine Feststellung, daß sein Austritt „über eigenes Ansuchen" gewährt wurde, und schickte Kappe, Band und Couleurabzeichen zurück. Die akademische Burschenschaft „Albia" lehnte aber diese Forderung ab* Die „Albia" faßte den Beschluß, keine* Juden mehr aufzunehmen. Die bisherigen jüdischen Mitglieder durften in der Couleur bleiben. Dieser .Antrag wurde/ von Paul von Portheim gestellt Interessant Ist die weitere Stellung Hermann Bahrs in der „Albia". „Der Schwadoneur und Windbeutel Hermann Bahr, heute Philosemit,< morgen Nationalsozialist und dann wieder gläubiger Fanatiker der katholischen Kirche"30), wurde in derselben Zeit, da Herzl sich von der Albia lossagte, von dieser als' relegierter Märtyrer gefeiert. Dreimal wurden größere Feiern für Bahr von der Polizei verhindert. Auch Schönerer zeigte sich seinem folgsamen Schüler dankbar und lobte ihn bei einer Bahr-Feler im Hotel Zillinger. „Fuchs" Bahr holte sich seinen Siegeskranz in der '„Albia" •— er durfte zur Burschenprüfung steigen und bestand diese „cum laude". Sein Antisemitismus erhielt eine „Auszeichnung", Herzls jüdisches Bekenntnis aber eine „Chassierung". Da Bahr auch in Graz und Czernowitz relegiert wurde, widmete er sich ganz der Journalistik. 1884 veröffentlichte Bahr in einer Studentenzeitung die. freudige Mitteilung, daß „Teutonia" (Prag), die mit der „Albia" auf freundschaftlichem Fuße und gänzlich, unter ihrem Einfluß stand, eine antisemitische Burschenschaft sei. Diese Veröffentlichung rief in Studentenkreisen ein* große Debatte hervor und Bahr mußte sich vor dem Albiakoovent verteidigen, weil durch diese Publizierung „Gefahr bestand, daß die .Teutonia', wenn sich die Erklärung Bahrs bestätige, aufgelöst werde". Es folgten' Verhandlungen, Sitzungen, Erklärungen; Bahr erhielt bloß eine. „offizielle Rüge", da sich der Albiakonvent der Verantwortung Bahrs, er habe bona fide gehandelt, anschloß. Dies war die erste Bestrafung Bahrs. Die zweite folgte erst nach einigen Jahren, als er seine „AntiBemiti. sehen Interviews", in welchen er in seiner bekannten Art sich über Juden und Antisemiten lustig machte, veröffentlicht hatte. Diese journalistische Arbeit erregte in der „Albia" große Empörung und man wollte ihn „cum infamia" chassieren. Der damals schon populäre und bekannte Redakteur Hermann Bahr marschierte nach Canossa, erschien vor dem Konvent der „Albia", um sich zu verantworten. Das Resultat war, daß er zwar kurze Zeit als Mitglied der „Albia" noch geduldet wurde, jedoch später aus der „Albia" austreten mußte. (Ein Schlußartikel folgt) Wahle didi selbst! An« der Wieiief Judengemeinde — Ein Wort an die zionistischen Mandatare Es wurde bereits berichtet, daß im Verlaufe der Budgetdebatte in der Wiener Kultusgcaneinde Sprecher der „Union österreichischer Juden" den Pla.n entwickelt haben, die im Spätherbst 1912 fälligen Neuwahlen in den Vorstand nicht durchzuführen und durch Vorstandsbeschlufi den jetzt im Vorstand sitzenden Herren ihre Mandate weiter zu belassen. Als Grund wurde angegeben: Die Durchführung von Wahlen kostet 60.0 00 Schilling, diie „breser" zu verwenden wären, und die leiten sind schwer und bedrohlich. Wozu also das kostspielige und aufregende Wählen? , Zur Geldfrage sei bemerkt, daß! die' Summe von 60.000 Schilling' hoohigegfiffen, ' tendenaUfs erstellt ist. Aber angenommen, nicht zugegeben, sie sei ungefähr entsprechend. Da das Gemeindebudget 6,000.000 Schilling beträgt, machen 60.000 Schilling sage und schreibe ein Prozent aus. Da aber für vier Jahre gewählt wird, bedeutet die Ersparnis, auf ein Jahr berechnet, nur 15.000 Schilling, also ein Viertel Prozent des Budgets. Das ist ein Betrag, der ohne Wimperzuoken ausgegeben wird, wenn die Fasßade eines Gemeindeihaußes schäbig geworden ist. Die Renovierum-g der Fassade dos Vorstandes, die, weiß Gott, sahr der Ausbesserung durch Wahlen bedarf, soll wegen des „sündhaft" hohen Betrages unterbleiben? Wegen der großen Not der r ——- Simonsbrot--s ne.ft imm' r uin-irfiAt ol» QefutiOhet «• ttnd 9?lthateft<>rot an 9?%ralj'«t rnib Bltoirt«««. tyroNfti W ©uMix'rfopftma. SKaunlUbfit u< * Buderl.ai<>& it. Sa9 cift. örM In tmniratf.tor $;t* padunfl! Sc r 6<qurm: StmotU&rot .in 6d)>tbtn «Storni olpaduns) Qü $a6eit in gutf« 0dntofHut Innren nb likdeiMn eimonäbrotfabrlh Osten äagran 11 ii «i aftfllldjcr *0ftb«tfa«b-«StJ»rt i *') Aus dem Brief Herzls an die „Albia", w) Aus Herzls Selbstbiographie. 1B) Jemanden aus einer Burschenschaft mit Schande linauswerfen. , ,0) Aus den Kartellnachrichten der „Albia". Wiener Juden? Das ist unaufrichtiges Gerede, dazu ber stimmt, die Steuerzahler dumm zu machen, um ihnen das Wahlrecht rauben und sich selbst die Mandate weiter und mühelos sichern zu können. Aiber die Herren machen dde ReoHmrog ohne den Wirt! Es gdibt ein Ge«e<tz, das erfüllt werden muß, es gibt Behörden, die diese« Gesetz su wahren haben, und es gibt — dessen, können die Herren sicher sein — jüdische Parteien und Gruppen, welche diesen Wethlraub oicM d«ulde<n werden. Die Sprecher der „Union" in der Budgetdebaitte liaben behauptet, daß auch andere Parteien im Vorstände bereit ednd, diesem ,W a h I r e c k t s r a ii b zuzustimmen und eich aueih durch Verhinderung der Wahl die Mandate weiter zu sichern. Bereits vor drei Wochen wurde in der „Neuen Welt" an die zionistdsethe'n Mandatare die Frage gerichtet, ob auch 6ie an diesem un« erhörten Vorhaben eines Wahireohtsrauibes beteilig.t sind. Bis heute hat der Klub der zionistischen Mandatare geschwiegen. Dafür wurde aus Kreisen der „Union" und anderer Parteien verbreitet, daß auch die zionistischen Ma.ndatare bereit öind, beti dieser unwürdigen Saotoe milauifcU'n. Zur Ehre des Klu'ba s*ai an/genommen, daß wohl nicht a l le aioniMi^ohen Mandatare ihr politische« und aioni*t'is.c(he<s Ehrgefühl so verdräng* baiben. Die Frage ist gestellt, eie muß beantwortet werden. Heraus mit der Sprache! * Eine von der „Jüdischen Volkspartei Oesterreichs" u>nd der „U <a i o n d e r Z i o n i «t e n- Re v isio n i s tem" einberufene große Versammlung hait sich mit den Vorgängen in der Wiener Judengemeind« beschäftigt. Naoh einem eingehenden Referat des Oberbauratea Robert Stricker wurde eine Resolution gefaßt, in welcher in schärfster, Weise gegen jeden Versuch einer Vereitlung der' Wahlen zum'gesetzlachen Termin protestiert wird. Mit besonderem Nachdruck wurde darauf verwiesen, daß die zionistischen Mandatare es bisher vermieden haben, ihre Stellung zu dieser Fraige m präzisieren. Die „Jüdische Volkspartei" und die „Union der Zionisten- Revisionisten" we-rden ungesäumt alles unternehmen, um jedes Attentat auf das Wahlrecht zu vereiteln. Tribüne Jüdische Unduldsamkeit Die Betriebsgruppe der Angestelltenschaft der W'i ener Kultusgemeinde ersucht um Veröffentlichung folgender Mitteilung: Im „Oesterreichischen Lehrerblatt" vom 15. März 1932, einer Zeitschrift, welche ausschließlich von Nichtjuden herausgegeben und fast ausschließlich für nichtjüdische Leser bestimmt ist, ist über Veranlassung des Städtischen jüdischen Religionslehrers Herrn Josef Pick ein Aufsatz unter dem Titel „Jüdische Unduldsamkeit" erschienen. Als Grundlage desselben dient ein Briefwechsel zwischen dem Vereine der städtischen Religionslehrer und dem Kultusvorstande. Ohne auf das Meritorische dieses Briefwechsels einzugehen, erklären die unterzeichneten Vertreter der Angestelltenschaft der Kultusgcmeinde, daß dieses Vorgehen eines jüdischen Religionslehrers?in krasser Chillul Haschern ist. Mit der Bezeichnung „Jüdische Unduldsamkeit" wird der uns Juden seit Jahrtausenden bekannte Versuch neuerlich unternommen, weine vermeintlich häßliche Handlungsweise durch das vorangesetzte Bestimmungswort „j ü d i s c h" noch häßlicher erscheinen zu lassen Die Religionslehrer der Kultusgemeinde sind über diese Handlungsweise genau so wie jeder andere anständige jude empört und erklären der jüdischen Oeffentlichkeit, daß Herr Religionslehrer Josef Pick für diese einzig dastehende Herabsetzung des Judentums allein die Verantwortung trägt. — Oberverwalter Josef Popper, Obmann; Religionslehrer Aron Schwertfinger, Obmannstellvertreter; Leopold Spitz, Schriftführer. Bemerkung der Redaktion. Wien ist die Stadt der rituell-politischen Perversitäten. In Wien ist so ziemlich alles, was mit dem jüdischen Ritus amtlich beschäftigt ist, sozialdemokratisch organisiert. Wien hat rote Rabbiner, Kantoren, Tempelsänger, Schochtim, Schamonim, Religionsschulinspektoren usw. usw. Man könnte diese liebliche Folge ins Unendliche fortsetzen. Rituell und rot. Schokolade und Knoblauch. Da kann es wirklich nicht wundernehmen, wenn einer dieser roten, frommen oder fromm sein sollenden Herren auch einen kleinen Ausfiug ins A n t isemitische unternimmt und daß die sozialdemokratische Lehrerzeitung gerne ihre Spalten dem koscheren, unter Aufsicht der ehrwürdigen Kultusgemeinde stehenden lehrbeflissenen Antisemiten zur Verfügung stellt. Brifh Trumpeldor (Vom Schilton-Büro, Paris) Information: Der Schüton hat die Dkudoth Nr, 17, 18, 19, 20 und 21, eine Enquete für die Kandidaten der „Tel-Chaj"-Instruktorenschule ausgeschickt. Im Anhang die Protokolle der 22., 23. und 24. Sitzung des Schüton. Die Dkudoth behandeln eingehend die Frage der zu gründenden Instruktorenschule, den Lehrplan, die Auf-» nahmebedingungen usw., des weiteren Fragen der Totzeret Haaretz, der Weltkonferenz für Totzeret Haaretz, Makkabia, die Brief marken-Aktion; ein spezielles Pekuda*Kommunique behandelt das Problem der Alijah und die Stellung des Schüton zu den praktischen Problemen der Alijah in dem heutigen Zustand der Alijah-Sperre. Fünf Chawerim des tschechoslowakischen Bethar sind nach Palästina gefahren. Ein neuer Ken Bethar ist in B a 11 h y a n (Tschechoslowakei) gegründet worden. Samuel Teichmann ist zum Mefaked Ken in Berehovo ernannt worden. Ein dort abgehaltener „Jaffa-Orangen- Nachmittag" nahm einen in; jeder Hinsicht gelungenen Verlauf. Der Ken Bratislava organisierte ein Abschiedsfest für den nach Palästina abgereisten Chawer Aladar Wetzlar, einen der Gründer des Bethar in der Tschechoslowakei und Mitglied der Neziwuth. Eine vom Bratislavaer Bethar zugunsten des K. K. L. veranstaltete jubiläumsausstelung war von Erfolg gekrönt. Ein neuer Ken ist in C e s. T S s l n gegründet worden. Die provisorische Leitung übernahm Oskar Hörlinger. Am 13. März findet die erste Pegischa des GalU Trnava statt; die des Galil Mukacevo wird in Kürze stattfinden. Eine große Gruppe des Haschomer Hazair ist wegen der „kommunistelnden" Tendenz im Kosicer Bunde des H.H. zum Bethar übergetreten. Eine unfaire Gegenpropaganda war die Antwort. Zur Intensivierung 4er Wehrsporterziehung ist im Mukaßevoer Ken ein spezieller Gedud organisiert worden. Die Mefakdej Glilim Klein und Herlinger haben ihre erste Inspektionsreise im Galil begönnen. Ein neuer Ken ist In Stropkow ins -Leben gerufen worden. — Hans Eger (Berlin) ist zum Vertreter des deutschen Bethar auf der Weltkonferenz für Totzeret Haaretz in Tel-Awjw ernannt worden. ~- Bis Peßach werden in Bessarabien vier Kreispegischoth in Balti, Akkerman, Hottin und Chisinau stattfinden. Die Mifkada Clilith hat spezielle Rapporte für die Kentm erlassen, laut welchen diese almonatlich ihren Tätigkeitsbericht abzufertigen haben. — Ein neuer Ken ist in Korschan (Litauen) gegründet worden, desgleichen einer in Koptschki auf die Initiative des Chawer J. Kulp. Der Sekretär der Neziwuth Chilewitsch besuchte Kopischki, sprach in einer öffentlichen Versammlung und installierte dort die vielversprechende Arbeit. Auf dem Rückwege besuchte Chawer Chilewitsch den Ken Poniewiesch. Chawer Ben-Hur besuchte im Auftrage der Neziwuth den Ken Mertasch. Ch. Chilewitsch reorganisierte die Arbeit im Ken WUkowischki. Der Instruktor Grinstein aus Lettland begann seine Arbeit mit der Instruierung des Ken in Wilkomir. Der Direktor S. Kaplan der „Hebrew AJliance Talmud Thora" in New York ersuchte die Neziwith, in seiner Schule einen Bethar Gedud zu gründen. Wegen Raummangels entfüllt heute die Fortsetzung der FeuilletQn-ErzHMung „Eia Verwaistes Leben**.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.