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Die neue Welt · 1932-03-25 · Heft 236 (25.3.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 236 (25.3.1932)
Date
1932-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 DIE NEUE WELT Nr. 2% Hut ab vor Pieis und Qualität der $18.-, 24.-. 32.- Ceschka-Küte Vit, K aiserilraBc 123 IX, AlserstraB« 6 keit zugeben müssen, die Aufgabe durchzuführen, die wir übernommen haben, so müssen wir uns vorkommen zurückziehen." Die bis nun vorliegenden Bericht«* lassen bereits erkennen, daß die Erklärung des Exekutivkomitees überall größte.s Aufsehen und Interesse hervorrief, und Von der gesamten jüdischer! dnd; nitfhi'jiidiichÄrj Presse wiedergegeben wurde. Es ist hervorzuheben; daß der weitaus überwiegende Teil der unabhä,ng:.6-en jüdischen Presse die Erklärung veröffentlichte, ohne daran au.c.h nur die leiseste kritische Bemerkung zu knüpfen, was wohl für die jüdischen Stimmungen symptomatisch ist. In England hat die revisionistische Aktion bereits ihre ersten Auswirkungen zu verzeichnen. Dies ist unter anderem bei dem am 15. d7 M. stattgefundcnen politischen Dinner des Anglo-Palestine Club in London zum Ausdruck gelangt. ' Aus den meisten Reden englischer Parlamentarier, in denen die revisionisti :he Erklärung berührt wurde, war zu ersehen, daß dieselbe ihren Eindruck auf die Versammlung nicht verfehlt hat. Auch hier hat die Presse die revisionistische Erklärung an leitender Stelle veröffentlicht. In der Schweiz hat Herr Dr. S. E. S o s k i n, Vertreter der Union beim Völkerbund, die Erklärung in französischer und englischer Sprache den Mitgliedern der Perm? nten Mandatskommission überreicht. Aul' dem hatte er im selben Zusammenhange eine Pressekonferenz einberufen, bei der eine größere Anzahl europäischer und überseeischer Journalisten anwesend waren. Am nächsten Tag wurde die Erklärung von der „Neuen Zürener Zeitung", die sie als sehr geschickt bezeichnet, und anderen Schweizer Blättern veröffentlicht In O est er reich wurde die Erklärung <m sämtliche Gesandtschaften, Konsulate, RegierungsbehVcifa und. an'etwa 70 jüdische und sonstige;Körperschaf tea.rcisandt Außerdem wurde sie als Aufruf in Tausenden von . Exemplaren auf der Straße verteilt,,Am 15. März, fand «odann ein eindrucksvolles revisionistisches Massenmeeting im Hotel Continental statt, an dem die Herren. D. Nebenzahl, F. Richter, Robert Stricker, Dr. S. Wolf, Dr. Samonsky und Lubotzky über das Thema „Protest gegen Englands wortbrüchige Palästina-P olitik" sprachen. Die führende jüdische und allgemeine Presse des Landes, darunter die „Neue Welt", die „Neue Freie Presse", die „Reichspost", das „Neue Wiener Tagblatt" und das „Wiener Journal" haben sich mit der Erklärung des revisionistischen Exekutivkomitees befaßt In Polen ist die Erklärung in der jüdischen und einem großen Teil der allgemeinen Presse aller Landesteile erschienen. Die Erklärung wurde außerdem in polnischer und jiddischer Sprache auf großen Plakaten in den Straßen, Synagogen und öffentlichen 'Plätzen der meisten Städte der Republik ausgehängt An die Wojewoden, Hochschulrektoren, Sejmabgeordneteh, Bürgermeister, Kultuspräsidenten und andere führende Persönlichkeiten des Landes wurde die -Er klärung zusammen mit entsprechenden Begleitschreiben übermittelt In Litauen ist die Erklärung samt einer erläuternden Begleitschrift dem Präsidenten der Republik und allen Ministern sowie Mitgliedern des diplomatischen Korps, Journalisten und Parteiführern überreicht worden. In Deutschland wurde die Erklärung von der führenden Berliner Presse, unter anderem vom „B e rliner Tageblatt", trotz deren Inanspruchnahme durch die Reichspräsidentenwahl wiedergegeben. In Belgien ist es gelungen, das Statement des Exekutivkomitees der breiten Oeffentlichkelt zur Kenntnis zu bringen. Es erschien in der größten Zeitung des Landes, dem Brüsseler „Soir", in der Morgen- und Mittagsausgabe vom 14. und 15. März unter der Ueberschrift: „La* Situation en Palestine, mecontentement chez les juifs." Auch die einzige jüdische Tageszeitung Belgiens, die in Brüssel erscheinenden „Letzte Neijes", brachten das Statement in der Sonntagsausgabe vom 13. März. In Rumänien war die Erklärung in der „Drumuri Noua" und einer Reihe von rumänischen und jüdischen Zeitungen veröffentlicht. Aehnliche Nachrichten liegen vor aus Belgien, Frankreich, Lettland, der Tschechoslowakei und anderen Ländern. Die Informationen aus den außereuropäischen Ländern stehen vorläufig noch aus. Aber schon jetzt ist der durch die Aktion des Exekutivkomitees hervorgerufene Eindruck den einlaufenden Berichten gemäß sehr bedeutend. Der jüdische Protest und die jüdische Kampfbereitschaft sind dadurch klar zum Ausdruck gebracht worden. Nachdem die öffentliche Meinung der Weif über die jüdischen Gefühle auf diese Weise informiert wurdV wird der nächste Schritt des Revisionismus die Eitlleitung einer großangelegten jüdischen Massen0,6titl0n sowohl an die Regierungen der Völkerbundstaaten wie auch an die Vereinigten Staaten sein. Das Exekutivkomitee hat bereits aal ,!;dj#ie^'\Ge^ett;4(Ä«. fteih* vörbereltender Maßnahmen getroffen* / England und Palästina Kundgebung des Anglo Palestine Club und des Pro Palestine Comittee London, 17. März. Die gestern In London stattgehabte Kundgebung jüdischer und nichtjüdweher Politiker, die im Pro- Palestine Committee vereinigt sind, gibt sich, nach den Ausführungen der Redner zu schließen, als interessanter fteflex auf dfe Jan gy4 f t rVc'h-e «Aktionen der Ziönisten-Revisionisten, die bekanntlich der gesamten politischen Welt das mandatswidrige Verhalten Englands in der Frage des jüdischen National- 1 heims aufzeigten und der Forderung einer, zionistischen Kursänderung im Verhältnis zu England Ausdruck gaben. Bei der vom Anglo Palestine« Club veranstalteten Kundgebung waren 15 Parlamentsmitglieder und zahlreiche Gäste anwesend, die vom Vorsitzenden James de Rothschild begrüßt wurden. Mit besonderer Betonung hielt James de Rothschild die Zelt als gekommen,; um die Frage Palästinas als britischen; Dominions zu behandeln. Juden und Araber würden wenn Palästina als Teil des britischen Imperiums bestünde, großen Nutzen ziehen. Der, Gedanke des judi- GUMMIABSÄTZE - ti£g£f Lebensversicherung ihre Schuhe! In allen einsch!äg:gen Geschäften erhältlich 1 Beim Schuhmacher fachmännisch befestigt! lENTRAlVERKAU^i BERSON.PALMA, WtlN Vt. sehen Nationalheims bedeutet nicht k nur, daß die Juden nach Palästina gehen, untiUört'Vtn igeistiges oder moralisches Zentrum zu errichten, sondern weit mehr: die Wiederli erstell ung eines politischen Gebi 1 des, wie es dort bereits einmal bestanden hat. Baron Rothschild bedauerte, daß es eine zionistische Gruppe' '(die' Zionisten-Revisionisten) gibt, die sich gedrängt fühlte, sich abzusondern und die Niederlegung des Mai.dats seitens Englands» zu verlangen. Die Zionisten-Revisionisten sind darüber e n 11 äu s cht, was geschehen ist, was die britische Regierung zu tun unterlassen hat und über die Berichte, die veröffentlicht wurden. Sie sind besorgt': über das, was der nächste Be- ' rieht (French-Bericht) enthalten wird und verlangen mit! Nachdruck, daß -England das Mandat niederlege. Er persönlich würde das sehr bedauern. Colonel John Buch an, dem zu .Ehren die Veranstaltung vor; sich ging, sagte, daß Palästina für die ganze jüdische Rasse bestimmt sei und daß es für die jüdische Einwanderung keine andere Einschränkung geben darf als die Grenze der ökonomischen Kapazität des Landes. Allzuoft war die offizielle Politik mehr negativ, bestenfalls passiv. Zionismus bedeutet für Großbritannien eine moralische und politische Verpflichtung. Palästina ist der Schlüsselpunkt in. der Strategie des nahen Ostens, von einem prosperierenden, in sich gesicherten Palästina hängt in hohem Maße die Sicherhett Englands im nahen Osten ab. Capt. R. B. Solomon erklärte, daß die 15 Millionen Juden das Recht haben, an die Gesetzgeber in England zu appellieren, auf die Verantwortlichen der Palästina-Verwaltung einen Druck zur Erfüllung des englischen Versprechens auszuüben. Major H. L. Nathan sprach den Wunsch aus, daß England das Mandat über Palästina behalte, und wies auf. die große wirtschaftliche Entwicklung des Landes durch die Juden hin. R. D. Denman konstatierte, daß das langsame Tempo Englands in der Verwirklichung des jüdischen Nationalheims auch für den Engländer eine schwere Enttäuschung bedeutet. Jüdische Einwanderung und Bodenkauf seien erforderlich. Marquis of Hartington führte aus: England hat große Fehler gemacht. Die arabische öffentliche Meinung war durch das Versprechen versöhnt worden, daß in Syrien ein arabisches Königreich erstehen solle. Es wirkte sich durchaus zum Bösen aus, daß dieses Versprechen nicht eingelöst worden sei. Denn wäre es eingelöst worden, wir würden mit den Arabern weniger Schwierigkeiten hinsichtlich des Jüdischen Nationalheims in Palästina gehabt haben, als wir sie jetzt haben. Nach Ansprachen vom jüdischen Parlamentsmit« Uriion der Zionlsten-Revisionisten Mittwoch, din 30. «Sri 1932, >/.9 Uhi abends m Hurtl-^aal de» Verbands« heirrtt, II.. Untere Augartenstraße 38 VORTRAG Gegenwand: Kunst und Freiheit Referent- Dr. Oskar Rosenfeld Regiebeitrag 20 g Freie Aussprache 1 glied Barnett Janner und dem Vorsitzenden des Council der Jewish Agency Avigdor Goldschmid, der sich in der Abgabe von Loyalitätsversicherungen zu England nicht genug tun konnte, schloß die Kundgebung, irt der unverkennbar' bei aller Reserviertheit die Unzufriedenheit mit dem englischen Regime in Palästina zum Ausdruck kam. Wiener Judenstatisüflc Aus dem Verwaltungsberichte der Külturgemeinde für 1031 — Die Vergleichsziffern des Jahres 1930 sind in Klammern beigefügt Im Jahre 1931 hat die Zahl der Geburten 1064 (1222), die Zahl der Eintritte in das Judentum, bzw. der Rückt ritte 296 (286) betragen. Ans dem Judentum sind 749 (742) Personen ausgetreten. An St erbe f äl 1 en haben sich 2735 (2598) ereignet, so daß per Saldo ein Abgang von 2124 (1832) resultiert. Von den. , 2735 Todesfällen entfallen 42 (54) auf Totgeburten. . 1344 (1356) auf männliche und 1276 (1187) auf weibliche Personen. Als Todesursachen erscheinen in 545 (473) Fällen auf Erkrank un g en d e s Herzen s; in 483 (400) Fällen Erkrankungen des Blutes und seiner Bahnen; in 385 (424) Fällen krebsartige Erkrankungen; in 349 (336) Fällen Erkrankungen der A t m u n g s o r g a n e; T u b e r« kulose ist in .164 (164) Fällen die Todesursache. Im Jahre 1931 haben 114 (85) Personen, davon 60 männliche und 54 weibliche Personen durch S e 1 b s t m or d geendet. Dem Alter; nach' sind die meisten-Todesfälle, und zwar 583 (576) zwischen dem 7 0. und 80. Lebensjahre', 432 (403) zwischen dem 65. und 70., 351 (305) zwischen dem 60. und 65. Lebensjahre zu verzeichnen; Von 266 (222) im Alter von über 8 0 Jahren Verstorbenen waren 105 (97) männlichen und .161 (125) weiblichen Geschlechtes. Von den 2735 (2597) Sterbefällen entfielen 2590 (2436) auf O r t s a n s ä s s i g e, 145 (161) auf Ortsfremde, in Spitälern und Anstalten sind 1591 (1589) und in ihrer Wohnung 1144 (1008) Personen verstorben. Unter den 1064 (1214) Geburten des Jahres 1931 hat die Zahl der männlichen 544 (607) und die der weiblichen 520 (607) betragen. Von den 1064 (1214) Geburten entfielen 1024 (1149) auf Ortsansässige und 40 (65) auf Ortsfremde, und von diesen 1010 (1116) auf Entbindungen in Anstalten und 54 (98) auf solche in der Wohnung. Gegenüber den 1144 (1244) im Jahre 1931 im Wirkungsbereiche der Kultusgemeinde Wien vorgenommenen Trauungen, verzeichnet die Statistik 320 (324) in diesem Jahre vor dem Rabbinate vollzogene rituelle Ehetrennungen. Von diesen sind 85 (117) im 1. bis 10. Jahre der Ehe erfolgt. 3 (2) nach mehr als 30jähriger Ehe. Von den 749 (742) im Jahre 1931 aus dem» Judentume Ausgetretenen waren 362 (369) männlichen und 387 (373) weiblichen Geschlechtes, 467 (449) waren ledigen Standes. Die Höchstzahl der Austritte verzeichnet die Altersgrenze zwischen dem 30. und .40. Lebensjahre mit 191 (202). Unter den 296 (286) im Jahre 1931 ins Judentum eingetretenen Personen haben 143 (127) bereits früher dem Judentum angehört; von den Eingetretenen, bzw Rückgetretenen waren 99 (94) männlichen und 192 (197) weiblichen Geschlechtes. Hermann Vambery Auf den t9. Mär? d. J. fällt der hundertste Geburtstag des vor neunzehn Jahren verstorbenen Orientforsohers und Orientpolitikers Hermann Vambery, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in dem Kampfe zwischen England und Rußland um den Besitz des Ostens und in der Politik des „kranken Mannes", wie damals die Türkei genannt wurde, eine bedeutsame Rolle spielte. Vambery, der als Hersch Wamberger in einer Judengasse auf der Insel Schutt im damaligen Ungarn zur Welt kam, entfremdete sich wohl äußerlich dem Judentum, innerlich konnte er aber niemals von ihm loskommen. Seine Bedeutung für uns Juden besteht darin, daß er Theodor Herzl den Weg zum Sultan Abdul Hamid ebnete. Und es sei gleich vorweggenommen: er tat es in durchaus uneigennütziger Weise,

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