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Die neue Welt · 1932-03-18 · Heft 235 (18.3.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 235 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 235 SeMllplatton, auch Timh Zahlungterfolentiruni „ELPHORA" I., Oomlnlktniiboltt 9t <Eeki K»l) Tal. R> gung und wirtschaftliche Hilfe und müssen keinerlei Verpflichtung naoh der Richtung eingehe«, daß sie sich nicht noch Beendigung des Studiums im Lande selbst etablieren werden. Die Regierungskrise sind von dieser Antwort der ausländischen Studentenschaft auf die Hetze in Versammlungen und Zeitungsartikeln sichtlich unangenehm berührt. Der Unterrichtsminister lud die Vertreter der Presse zu sich, um ihnen zu erklären, dafl die Maßnahmen der Üniversitatebehörden durch die technischen Verhaltnisse an den Hochschulen bedingt waren und dafl die tschechoslowakischen Hoch» schulen nach wie vor allen Studierenden ohne Unterschied der Nation und Rasse offen stünden. Nicht ganz so entschieden erklärte sich der Dekan der tschechischen medizinischen Fakultät Prof. W eigner, der betoute, er sei prinzipiell gegen Rassenunterschiede, aber die tragische Schuld der Ausländer bestehe darin, dafl man ihnen ihre „Rassenzugehörigkeit" als Schuld vorhalte. Eine tolle Taufgeschichte aus Budapest wird berichtet: Andreas D a v id, der als Jude an ungarischen Universitäten nicht aufgenommen worden war, studierte ein Jahr in Wien. Eines Tages wurde seinem Vater, einem Budapester Fabriksdirektor, der Universität sbeamte Stephan Karsay empfohlen, der angeblich in .der Lage war, Inskribierungen durchzuführen. Vater und Sohn übergaben ihm ihre Dokumente. Als Karsay aus den Papieren ersah, daß sein Schutzbefohlener Jude ist, riet er zur Taufe, doch wollte David davon nichts wissen. Karsay besprach nun die Angelegenheit mit einem Bekannten, und sie beschlossen, David ohne dessen Wissen taufen zu lassen. Zu diesem Zwecke dingten sie einen( Werkzeugschlosser, Alexander C s i p 1 e r, und erschienen mit diesem beim reformierten Geistlichen in Neupest, wo Csipler alias David seine Geneigtheit zum Religionsübertritt kundgab. Der Geistliche taufte, den falschen David und stellte darüber ein amtliches Zeugnis aus. Karsay, der von David schon 500 PengÖ für Spesen erhalten hatte, ließ danach den ahnungslosen David auf Grund der neuen Dokumente an der Debreciner Universität inskribieren, wo er als reformiert geführt wurde. Ein Jahr ging alles gut.; Zum neuen Semester stellte sich Karsay wieder zur Verfügung und erhielt diesmal für die Einschreibung 300 Pengö. David und auch seih Vater wußten noch immer nicht, auf welche Weise.' Karsay die Inskribierung gelungen war. Einmal aber, David hatte die Prüfungen mit Auszeichnung abgelegt, bezeichnete er sich als Jude. Kurz darauf erhielt er vom Dekanat einen Brief des Inhalts, daß sein Bekenntnis zur jüdischen Religion den Angaben im Index widerspreche,, weshalb sein Universitätsbesuch bis zur Klärung der Dinge zu ruhen habe. Die Recherchen des verblüfften David deckten die hier erwähnten Tatsachen auf und endeten mit dessen Klage vor Gericht. Da aber Karsay inzwischen als geisteskrank in einem Irrenhaus interniert wurde und der unterschobene Täufling Csipler aus Furcht vor Strafe nach der Tschechoslowakei -> geflüchtet ist, mußte die Verhandlung zurückgestellt werden. Notizen Weitere 150 amerikanische Juden gehen nach Palästina. 150 amerikanische Juden haben am 5. März an Bord der „Acquitania" die Reise nach Palästina angetreten, um sich dort dauernd als Farmer niederzulassen. Wie schon mitgeteilt, hatten sich am 14. Februar d. J. in New York 200. amerikanische Juden mit dem Ziel Palästina eingeschifft; der größte Teil dieser Reisenden will sich in Palästina der Orangenzucht widmen. i Jabotinsky spricht in Amsterdam. In einer überfüllten Versammlung in Amsterdam sprach Wladimir Jabotinsky, der Führer der Zionisten-RevU sioniatcn, Uber „England, die Araber und die Juden". Eine Zusammenarbeit zwischen Arabern und Juden, sagte Jabotinsky, sei jetzt nicht möglich. Auch von England haben die Juden augenblicklich nichts zu erwarten. Die Juden der ganzen Welt müssen eine eiserne Mauer um Palästina bilden. Die zionistische Propaganda müsse darauf hinzielen, Palästina in den Brennpunkt des Interesses der Nationen zu stellen. In einem Gespräch mit dem Amsterdamer JTA.-Vertreter sagte Jabotinsky, der unter dem Schriftstellernamen „Atalena" schreibt, er vollende jetzt ein Jacob- Drama, dem ein David*Drama folgen wird. Die britischen Streitkräfte in Palästina und Transjordanien. Auf eine Anfrage von Brigade-General Spears im Unterhause erwiderte der Unterstaatssekretär für das Luftfabrtwesen Sir Philip Sassoon: Die Gesamtstärke der Streitkräfte in Palästina und Transjordanien ist ungefähr 3900 Mann, VUk Aufruf Die Leitung des Jüdischen Natfonalfonds, Oesterreich, erläßt folgenden Aufruf; Juden! Zionisten! Der Keren Kajemeth, die Schöpfung Theodor Herzls, Prof. Schapiras nnd Johann Kremenezkys, wurde aus kleinen Anfängen ein Instrument der nationalen Befreiung. Er ermöglichte die Entstehung von Tel-Awiw, der ersten jüdischen Stadt der Welt seit dem Verlust der jüdischen Selbständigkeit Er besitzt urch den Erwerb der Haifa-Bucht den Schlüssel zur Erweiterung Haifas, der von Herzl vorausgeahnten Stadt der Zukunft. Auf seinen Farmen schuf er den Typus des Chaluz, der die Verwurzelung des Volkes im heamatlichen Boden gewährleistet. <T dar 'ür die mir anläßlich meiner Promotion zugekommenen G ückwünache sage ich auf diesem Wege allen meinen Freunden und Bekannten herzlichen Dank. Dr. OLA BUKSPAN In dem von ihm erlösten Emek erstand der selbstarbeitende Siedler. Er erlöste bedeutende Teile der Pflanzungszone in der Sarona-Ebene, zwecks Schaffung einer dichten Volkssiedlung. Für den Bedarf der Mittelstandssiedlung stellt er bedeutende Teile seines Sarona-Besitzes zur Verfügung. Der Keren Kajemeth hat 300.000 Dunam für das Volksganze erlöst 32 Prozent des jüdischen Besitzes in den fruchtbarsten Zonen des Landes gehören ihm. Der Keren Kajemeth hat seine Pflicht getan. Im 30. Jahre seines Bestandes ruft er euch xti großen Opfern für die Jubiläumsaktion auf. Antwortet durch Taten! Landeskommission des Keren KajemetE — Zionisti* scher Landesverband. — Misraohi. — Union der Zionisten-Revisionisten. — Verband der radikalen Zionisten. — Vereinigte zion.-soz. Arbeiterorganisation (Poale Zion-Hitachduth). — „Wizo". iillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllM I Erauengruppe der Z i o n 8 ste n ■ Re vlsi on iste n | (Kinder, kommt zum Kinder-Pnrimlest!f | Sonntag, den 20. März 1932, 4 Uhr nachmittags, im Theater Reklame, II, Praterstraße 34 | | Theatervorstellung und Tanzvorführungen der Kindergruppe Trude Godwyit | i -1 i Es wirken ausschließlich Kinder mit, darunter Liest Weinberger i 5 Bestellungen auf Karten nehmen entgegen: die Administration der „Neue YVelta, II, Untere Augartens S Straße 38, Tel. A-45-6-34, und die Damen Pauia Stricker, TeL A-48-1-89, und Else Nebenzalü, | Tel. U-12-2-16. Karten für Kinder ä S 1.—, für Erwachsene ä S 2.- | | ' ii iiurtmi Kind erhält ein Geschenk! fiiiiiiiiiimiiiiiiHiiii» davon gehören 1940 den* britischen Armee-Einheiten,; 61Q den Xuftverteidignngskräften und 950 der Transjordanisc.he.rt f^renzmacht an. Brandstiftung in einer Synagoge in Saloniki. Pie vor zehn Jahren von der Familie Sarfatty erbaute prächtige „Sarfatty-Synagoge" wurde in der Nacht zum 5. März von unbekannten Tätern in Brand gesteckt Durch rechtzeitige Entdeckung konnte der Brand gelöscht werden, ohne daß größerer Schaden angerichtet wurde. Die Brandstifter hatten mehrere Stühle mit Petroleum begossen und angezündet Die anti- »iwunwmmmiiiiiBMi mMimNwmmmmmmmMMimiiHimmmmmmuiimm inmumiimmmmmnmmtitimmmiiHmmmi» *I^HNWWI|«imt«H«HIWW|«)tii|»IHW«OTHHHHt»HM^ SIEGM. KORNMEHL aROSSFLEISCHNAUklRSI Zentrale; IX.. Bcrgg*«a<» 1¥. Te'. A-17-.W o. A-16-9-34 L'eteran üi Heilanstalten Abteilungen für «^«Fleisch unter Autsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der isr Kui* tuajfemeinde Wien AiitosusteMung kostenlot, IX. Barflgasse 15 / XVill., WShrlngerstr. 97 mfwmttwiwntHHu titiiiiimiiiiiHmiitmmmiwiHiujiH imHuuiiiijtjtimi'initiut« semitischen Zeitungen „Makedonia" und „Fos" erklären nun, die Juden hätten selbst das Feuer in die Synagoge gelegt, um Christen aus Rache der Brandstiftung beschuldigen zu können. . Sechs Monate Gefängnis für Ladislaus Vanriay. Der Militärgerichtshof in Budapest verurteilte den Oberleutnant Ladislaus Vannay wegen Teilnahme an dem Putschversuch mit dem Ziele der Stürzung der gegenwärtigen Regierung — unter Zubilligung mildernder Umstände ■— zu sechs Monaten Staatsgefängnis und Degradierung. Im Verlauf der Verhandlung kam noch zur Sprache, daß nicht Berky, der den Putschplan der Polizei verriet, sondern der Vazsonyi-Attentäter Franz O y u 1 a i- Molnar den Plan verkündete, die jüdischen Bürger auf die Generalwiese zusammenzutreiben und von ihnen unter der Androhung, sie durch Maschinengewehre niederzumähen, eine Milliarde zu erpressen. Jubilöumsnieeting des Jüdischen Nationalfonds. Donnerstag, den 17. März, 8 Uhr abend9, im Bayrischen Hof, II., Taborstraße 39. Es sprechen: Als Vertreter der ältesten Zionisten Wiens: Med.-Rat Dr. Isidor Schallt, Med.-Rat Dr. M. T. Schnierer und Lobl Taubes, ferner Adolf Böhm namens des Keren Kajemeth; Allgemein« Zioniöten: Dr. Oskar Grünbaum; Misrachi: Rabbiner Salomon Friedraann; Union der Zionisten-Revisionisten: Oberbaurat Ing. Robert Stricker; Verband der radikalen Zionisten: Dr. Leopold Plaechkes; Vereinigung der zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation (Poale Zion-Hitachduth) Mendel Siuger; „Wizo": Fruu Doktor Henriette Rappaport-Liechtenötein. Zur Purimfeier der Union der Zionisten-Revisionisten. An dem Mittwoch, den 23. März, stattfindenden großen Purim-Abend gelangt im Rahmen, des großen Programmen auch* „S tamnib'ätitrieM, ein' Rassenreinheitsketch in einem Akt, zur Ur- und Alleinaufführung. MHssvnHnnMnRVBM^ Tribüne Im Organ der Allgemeinen Zionisten (Landeskomitee) Oesterreichs „Die Stimme" ist ein von persönlichen Beschimpfungen strotzender Artikel gegen Dr. Wolfgang Weisl erschienen. Der Artikelschreiber leistete es sich u. a., die ärztliche Tätigkeit Dr. Weisls in unsauberer Art einzubeziehen. Aus der großen Zahl bei der „Neuen Welt" eingelaufenen Kundgebungen gegen diese Ausschreitung der „Stimme", seien zwei wiedergegeben: Brief des Herr» Dr. Wolfgang Weisl An die Redaktion der „Neuen Welt", Wien. Liebe Freunde! Ich höre, daß sowohl in der Prager „Selbstwehr" als auch in der Wiener „Stimme" Berichte über raeine Vortragsreise in Polen und speziell über raeinen Vortrag am 18. Februar in Lemberg erschienen sind, wonach ich dort eine schwere Niederlage erlitten hätte, feradezu fluchtartig Lemberg hätte verlassen und die burnee vorzeitig abbrechen müssen usw. usw. Da ich mich wieder auf einer Vortragsreise in Polen befinde, wo weder die „Selbstwehr" noch die „Stimme", sondern nur die „Neue Welt" zu finden ist, bin ich außerstande, den genauen Wortlaut dieser Lügen festzustellen, und muß mir eine preßgesetzliche Berichtigung in den genannten Zeittingen für später vorbehalten. Meinen Freunden aber, die vielleicht durch diese Ausstreuungen über die Stärcke und das machtvolle Wachstum des Revisionismus in Galizien und Polen getäuscht werden sollen, will ich hier kurz mitteilen, was in Lemberg und anderen Städten Polens von mir gesagt und von mir gefunden wurde. „Ich habe in Proßnitz, Sosnowice, Bedzin, Krakau, Przemysl, Tarnow, Rzeszow, Lemberg, Bielitz, dann in Krakau, Lodz und Mimkacew gesprochen, kehrte nach Wien zurück und reise jetzt neuerlich nach Bielitz, Chrzunow, Teschen, Kottewitz, nochmals nach Bielitz, Warschau und wiederum nach Lodz. Ich habe überall gegen die Linke gesprochen, habe überall erklärt, daß vor allem wir palästinensische Revisionisten den Marxismus nicht nur ous parteitaktischen Gründen, sondern als Feind und Zerstörer der jüdischen Familie ablehnen und schonungslos bekämpfen, daß wir Feinde des rein materialistischen, volksfeindlichen Marxismus sind, der mit daran Schuld trägt, daß unser Volk i-n Gefahr des Aussterbens gedrängt wird. Diese meine Ausführungen wurden überall von den meistens überfüllten Versammlungen, viele mußten wegen des Andranges, polizeilich geschlossen werden, stürmisch begrüßt, ohne daß auch nur ein einziger Gegner gewagt hätte, den Mund aufzutun. Es gab nirgendwo Zwischenfälle, außer in Lemberg, Dort hat eine ^leine Gruppe Hapoel-Hazaiv-Anhüuger Gelegenheit zu Störungen gesucht. Da ich ihnen bei meinen weit-

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