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Die neue Welt · 1932-03-18 · Heft 235 (18.3.1932) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 235 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Gelehrte verfaßte nun in Neapel — außer einer Sittensatire „Ewen bochan" (Der Prüfstein), die in sehr gelungener Weise die Verkehrtheiten der Zeit schildert — in Form eines fingierten Talmudtraktats „Massechet Pur im" (Purimtraktat) eine Parodie, die bis zum heutigen Tage dank ihres r schlagfertigen, geistreichen Witzes nichts an Frische verloren hat. Kalonymos war ein Kind der Renaissance, welche die Satire in der Literatur zur vollen Geltung brachte. Italien wurde damals — wie Burckhardt sagt — zu einer Lästerschule, wie sie die Welt weder vorher noch nachher aufweisen konnte. Selbst die „Göttliche Komödie" von Dante wurde parodiert. Was Wunder, daß die ohnedies zu sarkastischem Witz neigende Judenheit Italiens von dieser Strömung nicht unberührt blieb, ja von ihr geradezu mitgerissen wurde! In strenger Anlehnung an die talmudische Vortragsweise erörtert Kalonymos bedeutsame Fragen des Purimrituals und in der Diskussion läßt er verschiedene Rabbinen, wie z. B. Rabbi Trinker (Bibi), Rabbi Weinkrug (Bakbuk) und Rabbi Wein mann (Karmi), ihre Wohlmeinung abgeben. Da es vor allem auf einen regelrechten Rausch ankommt, gebietet das Büchlein (aus dessen Inhalt hier zum ersten Male einige Proben in Uebersetzung wiedergegeben sind) vor allem — in Nachahmung des Pessachtraktats, wo vom Wegräumen des Gesäuerten die Rede ist — daß am Vorabend des 14. Adar alles Wasser von Haus und Hof zu entfernen ist. Wer dieses Gebot übertritt, mache sich einer Sünde schuldig, die mit vierzig Stockhieben zu ahnden sei. So weit die Mischna. Hierauf wirft die Gerriära die Frage' auf: Woraus folgt die Behauptung der Mischna? Da erklärt Rabbi Weinkrug, Sohn des Rabbi W einfaßt Es -heißt in der Thora: „Du sollst das Schlechte aus deiner Mitte ausrotten." Schlecht ist aber nur das Wasser, denn es steht geschrieben: „Die Erde ist unfruchtbar, - weil das Wasser schlecht ist." Dies stimmt auch mit der Ansicht des Rabbi Alt wein überein,, der da meint, Gott hätte die Zeitgenossen Noahs mit der Sintflut bestraft, weil sie zu Purim Wasser tranken, wie aus Moses Thora hervorgeht: „Da sah der Ewige, daß groß war die Schlechtigkeit der Menschen auf Erden und daß alle ihre Gedanken und ihre Herzenstriebe, schlecht waren alle Tage." Und Schlecht ist, wie wir bereits gesagt haben, nur das Wasser. Tanu Rabbanan: Es lehrten unsere Meister: Warum wurde Mose, unser Lehrer, würdig befunden, daß die Der große deutsche Sprechfilm der Fox Arnold Korff, Marion Lessing, Theo Shall 20.000 Mitwirkende Regie: Raoul Walsh Kreuz-Kino I. Schöffer-Kino vi. Palast Kino Ulli. Handl-Kino XV. Planetarium II. Praterstern VAHBT Sa, a H 1 i 23 Sckemet'l Jedem VOIGTLÄNDER-FILM Hegt eine PRÜFUNGS-URKUNDE bei. Sie gibt Ihnen die Sicherheit über die hervorragenden Eigenschaften jeder Filmspule! Thora durch ihn verliehen werde? Weil er vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berge Sinai stand, ohne Wasser zu trinken. Ein jeglicher ist verpflichtet, am Purim zu trin ken. Selbst die Kinder sind zur Beobachtung dieses Ge botes anzuhalten. In welchem Alter sind nun die Kinder verhalten, am Purim zu trinken? Manche Rabbinen meinen, sobald das Kind am gemeinsamen Tischgebet Havalim«i.Ji nur mit der einzigen schwedischen Weltmarke teilnehmen dürfe. Rabbi Levi sagt: „Ich aber sage, bereits mit sieben Tagen, da das Gebot des Trinkens am Purim dem der Beschneidung, die am achten Tage erfolgt, vorgeht." Rabbi Trinker sagt: „Fließt ein Bach durch die Stadt, so ist es verboten, sich ihm am Purim zu nähern." Da wendet ein Schüler ein: „Aber Rabbi Neuwein, Sohn des Rabbi Weinmann, sagte doch, es sei erlaubt, sich am Purim arn Meeresges|^d^zu^ e^^hen^ Rabbi. Trinker erwidert: „Meeresstrand ist etwas anderes. Das Seewasser ist gesalzen und daher besteht keine Gefahr, daß man es trinken wird." J Tanu Rabbanan: Es lehrten unsere Meister: „Wenn es zu Purim regnet, so verschließe ein jeglicher sein Haus und verhänge seine Fenster, auf daß er das Wasser nicht sehe!" In diesem Tone geht es weiter. Um der Form zur Gänze zu genügen, schließt Kalonymos das Büchlein mit dem Spruche, der nach Beendigung des Studiums eines Talmudtraktats dreimal gesagt wird und mit dem Worte „Hadran" beginnt. Genau so,!, wie beim ernsten Talmudstudium, wird auch hier beteuert, daß man zum Studium dieses Traktats wieder zurückkehren werde und mit ihm „in dieser Welt und in der künftigen Welt" verbunden sein wolle. Bei der Lektüre des Purimtraktats glaubt man das verhaltene Lachen des geistreichen Rabbi aus Neapel zu hören. Und über die Parodie des Kalonymos, in der übrigens jede Geschmacklosigkeit, die solchen Schriften anzuhaften pflegt, vermieden ist, wurde zu allen Zeiten seine Arbeiter schläfrig arbeiten. Er schrie sie an, trieb sie an. Seine Stimme wurde aber vom Geräusch der brausenden Wellen verschlungen, das irgendwie von oben wie böses Geheul herabgesaust kommt und dem Ufer zueilt, als wollte es die Welt verschlingen. Er sprang selbst auf das FloB auf und ergriff das Ruder, sprang von einem Floß aufs andere, glitt aus und fiel ins Wasser. Ein Schrei entriß sich allen Zuschauern und Arbeitern. Es schien, als ob die gigantischen Wellen ob des Geschreies erschrocken wären und vom Ufer weichen wollten. Das war nicht das Schreien von Menschen, sondern das Geschrei des Menschen, der seit je mit den Wilden Kräften der Natur im Kampfe steht. Die Arbeit setzte aus. Jeder fühlte sich gedrängt, ins Wasser zu springen, von Angesicht zu Angesicht mit dem Todesengel des Wassers zu ringen und ihm das Opfer zu entreißen. Menschen wurden Helden in diesem Augenblick. Ein mit einem Strick umgürteter Arbeiter sprang hinein, ein schwarzer Kopf schwamm ihm entgegen. Er ergriff ihn fest. Beide wurden mit dem Strick ' herangezogen und auf Boruch« schwimmendes Floß heraus gerettet. Die Arbeit war für einige Minuten gestört worden. Diesem Zufall hatte Boruch zu verdanken, daß es seinen Flößen früher als den anderen gelang, den Paß zu erreichen, Boruch kam zu sich. Er stand auf seinen Flößen und sah nicht ohne Herzweh mit an, wie das Vermögen einiger Holzhändler mit wegschwamm, «in Floß ans andere anstieß, sich auflöste, jeder Stamm weggeschwemmt wurde. Und bald kam es ihm in den Sinn, daß er am Sabbat, wenn Gott will, das Gebet der Errettung aus Todesgefahr sagen werde und daß er nach dem Sabbat um neue Flöße hinausfahren werde, denn er ist, wie es scheint, fast der einzige auf dem Platz. Die Ware wird rasch und gut abgesetzt werden. Awrejmel ging gerührt über das, was er gesehen hatte, nach Hause. Der Schreck war aus seinem Herzen noch nicht gewichen, und es kam ihm in den Sinn, daß ihm Oscher, wenn er dabei gewesen wäre, ins Ohr geraunt hätte: Siehst du, was ein Vater »lies macht, und wessentwillen? Der Kinder willen. Das Blut stieg ihm ins Gesicht. Die Finger ballten sich zu Fäusten. Es befiel ihn nahezu eine Gier, jetzt dem einstigen Lehrer zu begegnest. Er würde ihm sagen, daß der Vater, wenn er ein anderes Kind hätte, dasselbe für das andere getan haben würde, un3 er, Awrejmel, sich als Schlojmele im »Dorf hätte herumwälzen müssen. Er würde ihm auch gleichzeitig sagen, daß Mirjam, wenn sie keine Waise wäre, nicht an seinen Gnadentaten leiden müßte, und daß, wenn Bejle ein Kind geboren hätte, er bei seinen armen Mietern für jenes Kind Zins nehmen würde. Als er am nächsten Tag Vorabends zu Oscher ging, so war es mit der Absicht, Gelegenheit zu finden, wenigstens ein paar Andeutungen in dieser Richtung machen zu können. (Fortsetzung folgt.) viel gelacht. Sie war aber auch' Gegenstand vielfacher1 Anfeindung. Gestrenge Rabbinen vermochten keinen Sinn für den Humor des Purimtraktats aufzubringen und taten das Werklein, das zum ersten Male 1552 in Venedig in Druck ging, in Acht und Bann. Die Bannstrahlen vermochten aber nicht, die Heiterkeit zu durchdringen, und das Volk las viel und gerne in diesem Büchlein, das die Quelle einer schier unübersehbaren Literatur wurde. Kalonymos fand ein Heer von Epigonen, die allerdings niemals an ihn heranreichten. »M £leye4e/tMe QbotUip Wenn der Weg Sie nächstens wieder einmal in die KarntnerstraBe und zu uns führt, - so versäumen Sie es» bitte, nicht — auf einen Sprung In unsere billige Etage für Damen» Kleidung zu kommen •. .1 Dort gibt es kein Kleid Uber 40.— keinen Mantel über .. S 50.— keinen Hut Uber.....S 5,— keine Bluse Über •. S 10.— Lassen Sie sich dort die Neuheiten sefgen .. . Sie werden davon entzückt sein . . Aber wenn wir ihnen noch so viele Kleider und Mäntel vorführen, können Sie ungeniert wieder wegsehen» onne zu kauten ...! Denn das ist unser Qaschätts«Prinsipt Zwanglos sollen Sie Ihre Entschlüsse lassen .. I 2K^4mtHerst^as&e Wiens schönstes und billigstes Modenhaus I IMIMMMMMIM^^ JüdtfdieStudentenverlaftenPrag Als Folge der systematischen Hetze, die die Rechtspresse und auch ein Teil der fortschrittlichen Presse gegen das Studium von jüdischen Ausländern in der Tschechoslowakei entwickelte, haben für das neue Semester nahezu hundert aueländi-. sehe Studenten ihre Inskriptionsgesuohe zurückgezogen und sind in italienische Hochschulen, insbesondere nach Rom, Bologna, Pisa und Florenz, gezogen. Die italienischen Hochschulen sind diesen Studenten weit entgegengekommen; sie zahlen die Hälfte der für Inländer bestimmten Taxen, sind von Prüfungsgebühren befreit, genießen Faihrtermäßi- Lllian Harvey in „Zwei Herzen uni ein Schlag" mit Woll Albach-Retty und Otto Wallburg Buch: Franz Schulz nach einer Komödie von Blrabeau und Dolle» Musik: Jean Gilbert / KapeHe: Douglas / Produktion : Günther Stapenhorat / Regle: Wilhelm Thiele. Weitere Hauptdarsteller: Roia Valettl, Kurt Lilien, T. v. Halmay, Hermann Blas TÄGLICH i m> Gartenbau-Kino, 1. Ufo-Ton-Kino, II. v Stafo-Alno, V1L Kolosseum-Kino, IX.

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