Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 235 (18.3.1932)
- Date
- 1932-03-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 9 DIE NEUE WfeLT Hut ab vor Preis und Qualität der S18.-, 24.-, 32;-« Ceschka-Hiite VII, Kalisrttratt* 113 IX, AlserttraBo 6 der Polizei verhaftet .wurden. Die Verletzungen, eines der Juden sind ziemlich ernster Natur. Der Hergang war folgender: . Arabische Siedler in der Nachbarschaft des Meschek-Bodens kündigten an, daß sie den Kuskus- Tabun-Boden für sich beansp ruch en und Ilm in Bearbeitung nehmen wollM Jüdische: iLfrntfarb^tef. hatten schon früher mit dem Pflügen des Bodens begonnen. Die Administration des Haifa-Distrikts, die von der Ankündigung der Araber, sich widerrechtlich in den Besitz des Bodens zu setzen, verständigt worden war, hat keinerlei Vorkehrungen getroffen, solidern .erklärt, es mögen Juden "wie Araber den Boden in Bearbeitung nehmen. Ais die Araber auf dem Boden erschienen, war dieser bereits von Juden gepflügt. Etwa 30 jüdische Landarbeiter mit ihren Gespannen befanden sich noch auf ihm."'Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen'den Aräberir und den Juden. Der Polizeiinspektor Harringtqn erschien an Ort und. Sielile und befahl beiden streitenden Parteien; die Arbeit auf den Feldern einr zustellen. Die verhafteten Araber und Juden wurden noch am selben Tage gegen Erlegung einer Kaution arffcfreieti Fuß 'gesetzt: * * < •- Ueber den'Vorfall wird von zustündiger jüdischer Seite mitgeteilt, daß auf dem. 1925 von der Meschek Company gekauften'Boden damals nur 4 arabische P ä c!b t e r f a nt' i Ii e; n.' Angesiedelt waren'. Bei allen anderen Arabern, die jetzt den Boden okkupieren wollten und dä'beV die * jüdischen Pfltiger angriffen, handelt es sich um Beduinen und Fellachen aus der Nachbarschaft, die niemals diesen Boden bearbeitet hatten. Unter den Juden herrscht größte Entrüstung, gegen "den Haifa er I) i^ striktsbeamten Lees, der* selbst den Arabern geraten..,.habe,, das Land u m,z u p f 1 ü.g e n, auf, dem die Juden, bereits Pf 1 ugar.b:eitr"geleistethaften i <.; . J. " •,.....? . ♦• v. ' ' .< Eine neue Mordtat! in ^ol»sfina - . Jeru s a 1 em, |2. Mörz. (J. T.?A.) In der .Nacht des. 6. März gegen Mitternacht iwurde in der Eraeki- Kolonie Kfar Chassidim der jüdische Siedler Samuel;Gu t erro an h of in seinein Hause ersehossenj,- Die Mörder gaben 7on draußen durch das Fenster drei Schüsse ab» deren einer Gutermanhof tödlich traf. Bevor es noch möglich wurde, eine Verfolgung der Mörder, aufzunehmen, konnten diese spurlos. entkommen. Es ist dies innerhalb von sieben Wochen im Tale Je z r e e 1 der zweite Fall, i!|aß ein jüdischer Siedler um Mitternacht ermordet wird. Am,, 17. Jänner wurde bekanntlich um Mitternacht in Balfouria der Farmer Josef Burstein in seinem Hause erschossen. Die Täter hat man bis jetzt noch nicht ermittelt. Die Bestattung von Samuel Gutermanhof fand unter großer Teilnahme der' Siedler "statt. Die Trauerrede hielt Rabbi Daniel' aus Haifa, der über den Mangel an Sicherheit im Lande klagte.. Die jüdische Gemeinde in Haifa sprach beim Polizeiohef von Haifa vor, der. der Meinung Ausdruck gab, daß, die Mörder Ein verwaistes Leben Von Jehuda St ei nb er g (Fortsetzung) Boruchs Branche war Holzhandel. Er kaufte in den Karpathenwäldern Fichte, band sie zu Flößen und Heß sie mit dem Pruth schwimmen,, so gegen 200 Werst bis nach Radiwce. Der Frühling ließ sich für Boruch mit viel Sorge und Mühe an. Er war wochenlang vorn Hause wegr Öscher ließ einmal in einem Gespräch Awrejrnel gegenüber fallen, daß der Vater in' diesem jähr bei seinem Geschäft zweimal soviel verschnitten habe wie .früher; er habe' so viel Holz zusammengekauft, daß eVa.lle anderen Holzhändler verschlingen werde. „Schickt sich das?" fragte Awrejrnel mit versteckter Ironie, und unangenehm, berührt, „Eß jeh ihm foviel im Jahre weg?" „Nur essen?" antwortete, der andere. „Nä, und Kleidung;? Und für deinen Ehestand sammeln? Und einen Menschen aus dir machen? Aj, diese Kinderl" „Aber", unterbrach ihn Awrejrnel, „ich verlang das ja nicht von ihm. Mit welchem'Recht verschlingt er Kleinere als er, wenn . . .'* „Der Kinder wegen", ließ ihn der andere nicht zu Ende'kommen." •[ { „Der Kinder wegen, der Kinder wegen", entriß ei sich Awrejrnel „Alles wird auf die Kinder überwälzt und Kinder müssen die Wohltat einstecken."1 . - einer organisierten Bande angehören. Guterman* hof wanderte 1926 aus Warschau in Palästina ein. Er stand im 29. Lebensjahre" tind hinterläßt eine Witwe. . / " V ■'; Im Zusammenhang mit der nächtlichen Ermordung von zwei jüdischen Kolonisten In Balfoufia und in Kfar Chassndön (in Emek Wurden von den Kolonisten Wächtertrupp § gebildet» die abweohselnd Pa' troutUendienst tun und alle Vorstädte: von Haifa und dif'KoIonien im Haifa^Distrikt bewachen. 'SSmtliölre Mhglieder jdes Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) erschienen beim High Commissioner General Sir Atthur-Waiichop^ und erhoben Beschwerde über „den Mangel an S^eiher.fae1t,;der sich in den jüngsten Morden an zwei jüdischen Kolonisten in Balfouria urfd in Kfa/ Cha$s$irm ausdrückt. -Die Mitglieder der Exekutive erörterten?mit dem -High , Commissionef das 'pesamtpr.ob.lem defc- Sicherheitim Lande. 1 Well Ste'nmctzbrot das einzige Bröl fit, das aui ge- § § Waich*nem u.enlhüUtem Getreide hergettelltwird § I' Well Ste'nmeizbTöt das einige Brot Ist, in. welchem | .Jf lieh nach den Ergebniilen de wissenschaftlichen j§ ff Forschung sStnlliche lebenswichtige Ergänzung*- § Im d Autbautfotfe d't Qetreldfkorni, die der 1 •'.ff. Körper benötigt, enthalten sind §f 1 Regelmäßig *teinmet*btot rssen, heißt den Köiper 1 Ü zur (iesundheü erziehen § Eine imposante Kundgebung Gegen den Wortbruch der englischen Regierung — Ein zionistisch-revisionistisches Massenmeeting Dienstag, den i£. März, fand im großen Saal des Hotel „Continental eine von der österreichischen Union der Zionisten-Revisionisten. unter dem .Schlagwort: Geigen, die wor tb r,.ü.c hige Palästina*Po 1 itik E n g ia n d s I" einberufene tiherfüllte 'Massenversammlung statt., Es war die jnipbsanteste, zionistische Kund* igejbung, die Wien, seit langem gesehen hat. Den Vorsitz [führte Vizepräsident LecMtd Silz maiin.' Es 'sprächen •die; Herren - p. N e b e~n fe h B. L u b o t z k y, Fritz jR^tfh t e'fV^r.!N. Sara%)nsk.y, Dr.- S.; Wo 14 *und Rober.tl;StrIcker. Es herrschte gespannteste Aufmerk» - samkeitv die oft in helle~Entrüstung und frenetischen Beifall umschlug. Nach Schluß der Versammlung, die eine .überaus, wirksame Aktion im Rahmen der von den Zionisten-Revisionisten in,,der ganzen Welt jetzt geführten politischen Offensive gegen den Wortbruch der englischen Mandatarmacht darstellt, traten viele Versammiungsteiineh^er^^deT'Union d e r Z i o n is t e h - R e v l i.n'yifj':i ^.s u-u.'i ü:>'^.;.: .,• . ,«♦»»♦♦♦♦»♦»»♦♦»♦»♦»♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦<>»»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦»♦♦»♦» Ä*t h.-j. ■ ..Aiv-v :.,?>)> < .:v, : 1 riieto'Mlllö-lre mierei i! S«d ..Eä-is.ör»« Sfiwi». Sti ¥i.., :.i:3£>inry;.!!• '! ■Mrf.lrä Ith}^ 5. Max Hansen fv ^"^sMi^aefiMölkaUschen Komödie : „. V f. v» u i: mit Ursula Grabiey* fwitz Gjeünbaum <> - Musik: Mischa Spoliansky . . „Bas Auge des Drachen" Eine chinesisches Legende von Starewich Tel, ... A-33or50 , Tel. A-83-4-50 M<MMM<MMMMMMIMM»MMMMM»MMMMM<M>K sionisten bei. Es war für sie klar geworden, daß der kleine, auf große Ziele verzichtende Zionismus jetzt versagen muß, daß einzig und allein die vom Revisionismus proklamierte Rückkehr zum vollen, kämpfenden Herzl,-Zionismu8 Rettung aus schwerer Krise bringen kann. Eine Purim* Parodie der Renaissance Von Ludwig Bato. Pur im, das fröhliche Fest, ist tief im Herzen des jüdischen Volkes verankert und selbst in Zeiten tiefster Bedrängnis hat es Sonnenschein, fröhliche Mierien und bunten Mummenschanz ins düstere Ghetto gebracht ■Mögen gewisse moderne Ethiker „von einer höheren Warte aus" stirnrunzelnd, mit professorenhafter Gebärde dieses Fest hoch so hart verurteilen, das Judentum hält an Pürirri fest, noch heute. Daß dieses Fest nicht überlebt. ist, beweist die Auferstehung, die es jetzt in Palästina feiert. Dieses Volksfest im besten Sinne des Wortes treibt dort köstliche Blüten jüdischen Humors und in Tel-Awiw wird es mit prachtvollen Umzügen, fmit .Jubel .und Sang gefeiert. . An diesem Feste ist es geboten, sich einen Rausch anzutrinken. Alles, was während des Jahres verehrt wird, wird Gegenstand beißenden Voitzes. Mit einer Respektlosigkeit, die ein ^öi^sfreltrider isäüni zu begreifen vermag, -•-ien'f **deF heräri; Da tritt ehi P'uririiräbbi auf, bei Erhärtung der ^lächerlichen Behauptungen in seinem Vortrage, der P U r i in t h Ö r a, immer wieder zu Bibelversen Zuflucht nehmend. Da wird -über Wein ein P u r i m k t d d u s c h gesprochen^ der wie der wirkliche Segen beginnt, nachher aber in andere Gebete abirrt und zum tollen Durcheinander der ulkigsten'Texte wird. i. Die Purimthora; im Läufe der; Jahrhunderte zu einer ganzen Literatur angewachsen — der Bibliograph Steinschneider weist einige hundert solcher Abhandlungen nach — führt auf das sonnige Neapel zurück, wo vor etwa sechshundert Jahren der berühmte Gelehrte Kalonym0 8 ben Kalonymos wirkte. König Robert von Anjbüi ein '■ Förderer der Künste und Wissenschaften, berief ihn aus der südfranzösischen Heimat an den Hof von Neapel, wo er ihm die Uebertragung bedeutender W'erke aus dem Arabischen ins Lateinische ätiftrug. Kalonymos war um diese jZeit bereits als hebräischer Dichter'und Uebersetzer (Votr philosdphischen* mathematischen Und naturwissenschaftlichen. Schriften, griechischer und arabischer Autoren ins ■ Hebräische bekannt- Dieser ' Der andere blickte ihn an und wackelte mit dem Kopf. „Bist aber noch gar jung." Und beendete so <las Gespräch. fDer Frühling ließ sich regnerisch an. Die; Sonne setzte Tag um Tag klar, lebendig, hell, ein, aber bevor sie aus den Bergen trat, wurde sie von den Wolken verschlungen, von denen man nicht wußte, woher sie kamen. Es regnete ohne Blitz und Donner. Oft schien es, als regnete es auch wolkenlos. Kinder ärgern Sich, bitten Gott, daß er wenigstens ihren Feiertag Lag Beomer nicht zerstöre. Eltern sind frohgestimmt, voller Hoffnudg auf ein gesegnetes Jahr. Die Flüßchen schwollen immer mehr und mehr an, krochen über die Ufer. Verschwunden sind in ihnen die Klarheit, Ruhe und Fröhlichkeit, die sie besaßen, als sie klein waren, je größer, um so trüber, um so strenger. Mögen die Bäume ringsum ja nicht wagen,'sich» in ihnen, zu spiegeln. Das Flüßcheai ist für sich selbst'eine fertige Welt, kein Platz: da für jemand andern. Laßt es nur vorwäirtsstürmen,.brausen» sich selbst Lobgesänge singen, bis. das Meer es verschlingt!; , Boruch beeilte sich mit seinen Flößen, noch'bevor die Fülle der Flüsse über die Ufer steigt. Boruch hatte Glück. Zwanzig seiner beladenen Flöße stehen «chon aneinandergebunden am Ufer. Aber der Fluß bleibt nicht in se/ner Größe ruhig. Er stiehlt sich an die Ufer. Erst jetzt versteht man die geheimen Schleichwege des Flusses, der sich einen geheimen Weg bahnt, als föchte es ihn nicht' an, daß das Ufer ihm manchmal in Form von Halbinseln und ganzen Dörfern mittehhinein tritt. Der Dieb von einem Fluß, beginnt immer mehr all die Halbinseln, Dörfer zu überdecken. Ueber Nacht ist dieser Dieb nicht mehr zu erkennen. Ein Pruth mehr, ein Meer hat sich ergossen. Die Menschen, die nachdenklich bei dem grausamen, weiten Ungetüm herumstehen, können minutenlang in dem Irrtum verharren, daß sie sich irgendwohin Jn die Fremde, aneinen fremden Pruth verirrt hätten.; Boruchs Flöße standen; in Gefahr. Das. Wasser hatte sie umfangen, noch bevor er sie an einen sicheren Ort bringen konnte. Awrejrnel stand am Ufer neBißn dem Vater, aber ihn erregte mehr das grausame Bild, des Wassers. Ein Mittel war noch geblieben: die Flöße abbinden, sie tiefer hinabführen, dort wo es einen schmalen Paß zwischen zwei Bergen, gab. Dorthin hätte man die Flöße so rasch wie möglich bringen müssen, bevor sich andere Holzhändler mit ihren Flößen dort festsetzen. Der Rat leuchtete allen Holzhändlern in einer Minute ein, Alle gingen hastig an. ihre Arbeit. Jeder erriet, was der andere., tun wolle., Es. begann eip stiller > Kampf, ein Kampf auf Tod und Leben. Wer wird sein Vermögen retten und wer wird vom Wasser weggeschwemmt und in den Wellen zerrieben werden? Unzählige Aexte sausten durch die Luft und fielen hinab, aber nicht a.uf .Menschenköpfe. Man hieb Pflöcke ein, schlug Birkenbänder auseinander, um die-Flöße locker zu machen, aber jeder solche Hieb wirkte auf deu anderen. Holz.hnndler a|s Hieb auf seinen Kopf. Die Herzen pochten rascher als die, Aexte. Boruch hielt es nicht aus. Es schien ihm, dal!