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Die neue Welt · 1932-03-11 · Heft 234 (11.3.1932) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 234 (11.3.1932)
Date
1932-03-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife 4 DIE NEUE WELT Nr. 234 ■MMMVaiMM» UntfffHltti*, iNft Tau«* I ZMtl«MMri«teHtonMt S „fLPHORA" I f., Oa*rt»fal»<bMHI 22 I ffekt MS) TM. R-S4-4-161 Spanien vertriebenen Juden, dät Wohlwollen und die Freundschaft des n«nen Spanien zam Ausdruck bringen soll. Lord Plumer schwer erkrankt Feldmarsthall Lord Plurner, nach Sif Herbert Samuel det «weite High Com« missioner für Palästina, liegt in seiner Wohnung zu London schwer krank darnieder. Im Hinblick auf sein hohes Alter — er wird im März d. }. 75 Jahre alt — gibt sein Zustand ztt ernsten Besorgnisse Anlaß. — Als Gouverneur von Palästina ist Lord Plurner —. im Gegensatz zu seinem jüdischen Vorgänger Samuel — treuer Freund der zionistischen Sache gewesen. # Eine Jude chinesischer General. Die Londoner Zeitung „Jewish Post" erfährty daß der chinesische General Moische Cohen, der sich'. auletzt viel hervorgetan hat, Kind jüdischer Eltern in Manchester ist. Moische Cohen, der schon lange in China lebt, hat erst vor zwei Jahren seine Eltern in Manchester besucht, wohnte an der Seite seines Vaters derh Gottesdienst in der Synagoge bei, Heß sich wir Thora aufrufen und spendete 35 Pfund Sterling für die Synagoge, deren Vorsteher ein Onkel von ihm ist. * Zwei jüdisch« Familien Berlins suchen den Tod. Die furchtbare Not hat wieder 2wei jüdische Familien Berlins den Tod suchen lassen. Vor wenigen Tagen erst haben sich der Kaufmann Max Deutsch und Seine Frau in ihrer Wohnung, SchapeTStfaße 31, mit Gas vergiftet. In hinterlassenen Briefen gab das Ehepaar an, daß sich seine wirtschaftliche Lage derart verschlechtert hat, daß es keinen anderen Ausweg mehr sah als den gemeinsamen Freitod, — Heute fand man in . ihrer Wohnung Niebuhrstraße 10> zu Charlottenbnrg, den 72jährigen Hypothekenmakler Max Lessersohn, seine 62jährige Ehefrau Margarete und ihre 43jährige verheiratete Tochter Sylvia Simon mit einer Schweren Gasvergiftung bewußtlos auf. Die Familie Lessersohrt lebte seit langer Zeit in drückender wirtschaftlicher Not. Man hofft, Frau und Tochter am Leben erhalten zu können, während Max Lessersohn kaum mehr zu retten ist. * Ein jüdisch-historisches Museum in Amsterdam. Bei Anwesenheit von Vertretern zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer Behörden eröffnete das jüdische Mitglied des Amsterdamer Stadtrats, E. Bqekman, das, neugegründete jüdische historische Museum in Amsterdam mit einer Ansprache, in der er die Hoffnung ausdrückte, daß das Museum bald in einem eigenen G.ebäude untergebracht sein wird. RUualmordmHrchen In Syrien Jerusalem, 6. März. (J. T. A.) Die hebräische Tageszeitung „D o a r H a y o m" berichtet über eine neue Ritualmordbeschuldigung in Syrien, im klassischen Lande der Ritualmordlegende. In Aleppo wurde ein Araber verhaftet, der einen Sack trug. Als er gefragt wurde, was in dem Sack enthalten sei, erwiderte er: Btennmüteria1 fur die Synagoge. Man öffnete -den Sack und fand in ihm einen zerstückelten Leichnam. Bei dem Verhör vor der Polizei legte der Araber das Geständnis ab, er sei von einem Griechisch-Orthodoxen gedungen worden, den Leichnam vor die Tür der Synagoge hinzulegen, damit auf diese Weise gegen die Juden die Beschuldigung erhoben werden könne, sie hätten einen Ritualmord begangen, um sich Christenblut zu dem bevorstehenden Pessachfest zu beschaffen. Erst im Juli 1929, einen Monat vor den Massakers in Palästina, wurde von der arabisch und französisch geschriebenen Presse in Damaskus und in Beirut eine Ritualmordhetze eingeleitet. Es wurde erzählt; der sechzigjährige Jude Chatta sei dabei angetroffen worden, wie er ein geknebeltes fünfjähriges christliches Mädchen In einem Sack zur Syn* agoge trug. Es stellte sich heraus, daß diese Legende von Anfang bis Ende erfunden war. Trotzdem wurde von christlichen Kreisen in Damaskus die Ritualmordhetze fortgeführt und dabei die Legende vom Ritualmord im Jahre 1840 aufgefrischt. Die Ritualmordaffäre von 1846 in Damaskus, die viele jüdische Opfer kostete, hatte bekanntlich die gesamte jüdische Welt in Erregung versetzt und war mit der Anlaß zur Gründung der Alliance Israelit* Universelle. Auch in den Jahren 1892 und i926 wurde das Judentum in Syrien durch Ritualmordlegenden und -hetzen beunruhigt. Beide Male gelang es, die Legende zu zerstören, bevor sie Unheil anrichten konnte. Herr Norman Benftddi lächelt ♦ ♦ ♦ Und die „Jüdische Rundschau" ist zufrieden. „Ich muß mir's niederschreiben! Dal' einer lächeln kann und immer lächeln. Und doch ein Schurke sein!" Shakespeare „Hamlet". An der hebräischen Universität kam es bei der Antrittsvorlesung des neuernannfen Professors Nor man Bentwich zu Demonstrationen eines Teiles der Studentenschaft, welcher gegen die Berufung dieses Mannes protestierte. Der Universitätsrektor Magnes ließ englische Polizei kommen und die Studenten gewaltsam entfernen. (12 von ihnen wurden dann relegiert.) Im Bericht heifit es: „Während der langandauernden Länriszenen saß Herr Norman Bentwich ruhig auf seinem Platze und lächelte . . ." Norman Bentwich, der Sohn des alten Lon doner Herzl-Zionisten Herbert Bentwich, war in der Vorkriegszeit aktiver Zionist. Nach der Einrieb: tung der englischen Verwaltung in Palästina erhielt er zufolge seiner zionistischen Beziehungen einen höheren Posten bei der Verwaltung und wurde bald Generalstaatsanwalt von Palästina. Mit der Ernennung vollzog sich bei ihm ein radikaler Gesinnungswechsel. Er entfernte sich von den Juden und vom Zionismus und wurde ein willfähriger Handlanger im Dienste der antisemitischen und antizionistischen Britischen Bürokratie. Er gebärdete sich innerhalb und außerhalb seines Amtes als Diener arabischer und engh'sch-antizionistischer Interessen. Den Juden zeigte er den Rücken. Skandalös war sein Verhalten nach dem Pogrom im Jahre 1929, nach der Niedermetzlung von 80 Juden, Greisen, Kindern und Frauen in H e b r o n und S a f c d. Skandalös in amtlicher Hinsicht, noch skandalöser in menschlicher, in jüdischer Hinsicht. Ein bezeichnender Vorfall: Nach den Jüdenschlächtereien 1929 unternahmen die englischen Beamten, deren Neigungen den arabischen iVIördern gehörten, eine Aktion, um einerseits den Juden ihre Verachtung zu beweisen und anderseits in der Welt die Meinung zu erwecken, daß es „verfolgte" Araber in Palästina gäbe. Sie veranstalteten eine Sammlung für „die arabischen Opfer der Unr,uhe'n'V Während die Judenschaft Palästinas dieses Manöver der Regierungsbeamten als schma'hliehste Provokation empfand, beeilte, sich'Norman Bentwich — als einziger Jude —, den antisemitischen Mörderfreunden kriecherisch und schamlos einen g r ö ß e r e n G e 1 dbetrag für ihre famose Aktion zu überweisen. Aber die heimtückischen, Bürokraten bewiesen wenigstens guten Geschmack. Sie warfen dem ehrvergessenen Juden sein schmutziges Geld ins Gesicht! Sie wiesen die Spende zurück, mit dem Bemerken, daß ihnen die Teilnahme ihres „Kollegen" Bentwich an der Aktion „unerwünscht" scheine. % Es ist nur selbstverständlich, daß sich Norman Bentwich der Vereinigung „Brith Schalom" anschloß, jener Vereinigung, deren geistiger Schöpfer der Universitätsrektor M a g n e s und deren Ziel die Bekämpfung des Herzischen Zionismus, der jüdischen Ansprüche auf Palästina ist. (Vor wenigen Tagen erst hat das Mitglied der zionistischen Exekutive Farbstein die verräterischen Umtriebe des „Brith Schalom" gebrandmarkt und die Ausstoßung seiner Leute gefordert.) Aber Norman Bentwich ging noch weiter als seine engeren Freunde. Er hat ein soeben erschienenes Buch herausgegeben: "P a 1 e s t i n e u n d e r B r i t i s h A d m i n i s~t r a t i o n" („Palästina unter britischer Verwaltung"), in welchem die Parteilichkeit gegen die Jitden jedes Maß tibersteigt. Ja, das Verbrechen an den Juden wird entschuldigt, jeder Versuch der Juden, in Palästina zu ihre'in Rechte zu kommen, als „zügellose Provokation" bezeichnet. Angesichts dieses Schandwerkes tritt auch die Zionistische Exekutive aus ihrer sonst leider zu stark betonten Reserve heraus. Das Buch wird im Februarheft des offiziellen Organs der Exekutive "The New Judaea" als direkt „aufreizendes" Machwerk charakterisiert. * Der von Bentfwich erhoffte Schandlohn für seine bedingungslose Ergebenheit an die Antisemiten und Antizionisten Palästinas ist allerdings sonderbar ausgefallen. Als der Herr Generalstaatsanwalt im vorigen Herbst auf Urlaub ging, benützte die Palä- .| stina-Regierung die Gelegenheit, ihn in seiner Abwesenheit auf Knall utt d Fall zu entlassenl Auf eine Anfrage im englischen Parlament, welche sich auf diese ungewöhnliche Maßnahme bezog, antwortete der damalige sozialistische Kolonialminister Thomas mit der Erklärung, daß die Londoner Zentralregierung die Entlassung gutheiße. „Rassische" Erwägungen hatten es für gut erscheinen lassen, Bentwich von seinem Posten zu entheben. Der Verrat am Zionismus hat dem Verräter nichts genützt Die judenfeindliche Clique hat ihn über die Klinge springen lassen. * Das war der Lohn, den die englische Gesellschaft dem schmiegsamen Bentwich zuteil werden ließ. Welchen Löhn hat diejüdischeGesellschaft dem Abtrünnigen gezollt? Sie hat den von englischen Antisemiten hinausgeworfenen Schädling zum Profässorandererstennationaljüdischen Universität gemacht, mit einer der höchsten Würden bekleidet, welche die jüdische Gesellschaft heute zu vergeben ha!' * Dank und Ehre den jungen Studenten in Jerusalem, die gegen diese Schande, gegen diese Besudelung der jüdischen Nation ihre Stimme erhoben. Der Lärm, den sie schlugen, ist Alarm, den treue Wächter in Zeiten der Gefahr und der Schmach schlagen! Wenn sich jüdische, wenn sich zionistische Zeitungen finden, die von „lärmenden Radaubrüdern" sprechen, „die unziemlichen Skandal verursachten" schreiben, so ist das nur ein Zeichen des Tiefstandes, in welchen das Judentum und die zionistische Bewegung jetzt geraten sind. Es ist ein Zeichen des Tiefstandes, wenn das Organ des deutschen Zionismus, wenn die Berliner „Jüdische Rundschau" ihrer tiefen Zufriedenheit Ausdruck gibt, daß die „Hausfriedensbrecher" vor die Gerichte kommen werden, daß man ein Dutzend Studenten von der Universität ausgeschlossen und der Möglichkeit des Weiterstudiums beraubt hat. Die „Rundschan", die sonst so gerne nach „links" sieht, tadelt die „eigentümliche Sentimentalität linksstehender palästinensischer Organe". Warum? Weil sogar die zionistischen Sozialdemokraten, die sonst kein gutes Haar an den Revisionisten lassen, ihre Unzufriedenheit mit dem gegen die Studenten gefällten brutalen Urteil be-. kündeten. Das tut das Blatt der Organisation der deutschen Zionisten! Es erweist damit dem deutschen Zionismus einen traurigen Dienst. .r. st. * Proteste! Der „Neuen Welt" wurden zahlreiche Kundgebungen übermittelt, in welchen Proteste gegen die Ernennung von Norman Bentwich und Protest gegen die Maßregelung der Studenten, welche ihre nationale Pflicht erfüllten, zum Ausdrucke gelangt. U. a. von der revisionistischen Organisation und der akademischen Korporation „Tiom kmiah" in Nancy (Frankreich) und vom Parteirat der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs. Die „Neue Welt" sammelt solche Kundgebungen, um sie in entsprechender Form der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. _ Die Relegierung der revisionistischen Studenten aufgehoben! Jerusalem, 8. März. Der Senat der Universität Jerusalem hat beschlossen, deo im Zusammenhang mit den letzten Störungen an der Universität von der Teilnahme an den Vorlesungen suspendierten Studenten zu erlauben, ihre Studien fortzusetzen. In einem hierüber ausgegebenen Kommunique des Universitütssenats wird die Schaffung eines Studenten rechtes an der Universität angekündigt, das Rechte und Pflichten der Hörerschaft genau regeln wird. Der Entwurf wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Am 3. März beganu vor dem Jerusalemer Gericht die Verhandlung gegen 12 Personen, die am 10. Februar die Antrittsvorlesung von Norman Bentwich, Professor für internationales Recht und Frieden an der Universität Jerusalem, gestört haben. Unter den von der Anklage geführten Zeugen befindet sich das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Doktor Berkson. ¥ Diese nach ßlattschluß eingelangte Meldung zeigt, daß sich anscheinend doch im Professorenkollegium Stimmen gegen die Rachegier des Rektors Magnes erhoben haben. Die Berliner „Jüdische Rundschau", welche die Relegierung der revisionistischen Studenten so freudig begrüßt hatte, wird hoffentlich gegen die ihrer Ansicht nach, übel angebrachte „Sentimentalität" der Professoren nicht zu hart ins Gericht gehen. Samstag» den 79. März 1932, Sofiensäle, III, Marxergasse 17 PURIM-BALL unter der Devise,,Purimnacht inTcl Awiw" Musik: Tango- und Jazzkapelle Misch a Tanzarrangement; Fred Erdstein / Tombola / Kostümfestzug Karlen sind erhältlich; Zionistisches Landeskomitee, I, Kärntnerstr. 28, Tel. R-27-4-86; Zionistisches Bezirkssekretariat II, II, Praterstraße 13, Tel. R-44-3-45: Bücherstube M. Rath und bei allen Komiteemitgliedern

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