Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 234 (11.3.1932)
- Date
- 1932-03-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. *M ©cifttgc Arbeitet > Srautit, «fttflfe, Qudtxhantt, $M\ ibffle effen im «Ueiiin ftnttttfft tiglfft btt».bunfÄ 6 i tn o ti 4 b rot. SReic^ <w fltöjrfat^n mtb SBitamtnew. $n -liflnniit 2)eltrrtt(f|f». m$t bcqutm 6tiMrittto.'t>fi<r<i)fn'tn Srt)tt gct^o^aiibtilnirtt.Uflb «ädnrttit »tQfti . . Älmonobtotrabrift 3ftiett*Staßr<ttt 11 » Säfilttttt« $*ttt>erfflttft (SjpOrt—— UtHtÜft mtttttfiUt »ine #n däfa flütfji nationaler Basis '«ü'r Diskussion stellen, die einzige ist, die Wege ebnen kann. Der Dnrrhbruch dieses Gedankens läßt sich nicht mehr aulhalten, . ■., ■ . * Dem großen Meeting in Paris wohnten zahlreiche jüdische Persönlichkeiten bei, deren Anwesenheit (dor Präsident der Union der Zionisten-Revisionisten Vladimir Jabotinsky und der Präsident des zionistischen A, C Leo Motzkfn) die Bedeutung der denkwürdigen. Versammlung betonte. t lOOprozenl ige Amerikaner Die „Gleichberechtigung" der Juden in Amerika Die jüdische Geschichte kennt keine'Ausnahme von der Regel, daß jede stärkere Judensiedlung Judenfeindschaft mit sich bringt. Unfehlbar und überall! Im Widerspruch zu dieser Regel stehende Erscheinungen erweisen sich, bald und unfehlbar als Täuschung. Eine solche Täuschung is,t das Gehaben der Juden, welche aus Amerika nach Europa als Gäste kommen, als lOOprozentige Amerikaner. Wenn man ihnen vom Antisemitismus in Europa erzählt, tun sie unendlich verwundert. So was,gibt's zu Hause nicht! Wenn man ihnen von der Ab-. Schließung der nichtjüdischen Gesellschaft vor der jüdischen erzählt, rufen sie: ^Unbegreiflich!" Entsetztes Staunen malt sich auf ihren sonst so heiteren, runden, gutrasierten Gesichtern. Wenn man ihnen von der Notwendigkeit einer nationalen, politischen Organisation der juden spricht, wehren sie energisch ab: „So was haben wir' nicht notwendig. Wir sind lOOprozentige Amerikaner!" Dieses Staunen und diese Sicherheit sind glatte Täuschung. Schminke, für die -Europareise:..aufgelegt,,, um stattlicher zu erscheinen. Diese Hundertprozentigen wissen ganz gut, daß „zu Hause" der Antisemitismus und das Ghetto blühen. Und wie sie blühen, beschreibt eine deutschjtidis'che JoWnaifsfin ^Ör. ^nde- RMma-rfu^: Weiß (New York) in Form der Wiedergabe persönlicher Erlebnisse im „Hamburger Familienblatt". Sie erzählt u. a.:. - v ■' : „Möglich, daß auch andere diesen Fehler begehen — ich jedenfalls hatte in Deutschland die .Vorstellung, daß es in Amerika, oder besser gesagt,in den Vereinigten . Staaten von Nordamerika, keinen Antisemitismus gibt.' Aber bevor noch das; Schiff, das mich, in die „Neue Welt" bringen sollte, amerikanisches Gebiet erreichte, war ich jgezwungen;,-meinem falschen. yorstaUungen in bezug auf die Judenfreundlichkeit der Amerikaner zu revidieren. Die erste antisemitische Aeußeruug, dje ich von einem Amerikaner hörte, war folgende:. Mein Tischgenosse auf dem Dampfer, ein sehr' intelligenter und belesener junger Lehrer aus Kalifornien, äußerte bei einem1 Gespräch über die führenden deutschen Zeitungen („Berliner Tageblatt", Vossische Zeitung" usw.): „Diese Zeitungen haben Niveau, aber es sind Judenzeitungen." Auf meine Bemerkung, daß auch ich Jüdin sei, * antwortete mir der junge Mann :.' „Qh* das schadet nichts, ich habe einmal einen sehr lieben jüdischen Kameraden gehabt." Ich versuchte mehrmals mit dem Kalifornier ein Gespräch über seine Stellung zum Juden anzuknüpfen, doch vergeblich; zudem bemühte er sich auch von da an, mir auszuweichen. - Auf dem Schiff machte ich die Bekanntschaft einer jüdischen Schuldirektorin aus New York. Sie war 14 Jahre als Lehrerin an einer staatlichen Schule tätig gewesen und ist nun seit einem- Jahre Leiterin derselben Schule, In'einem Gesprücb äußerte sie eines Tages folgendes: „Selbstverständlich weiß niemand in der Schule, daß ich Jüdin bin." Die. Direktorin sagte mir, daß sie sicher ihren Posten verliert, wenn man in der Schule von ihrer jüdischen Abstammung erfährt. Ich sollte iu New York bald belehrt werden, daß sie keineswegs Übertrieben hatte. Eine junge Sozialbeaintin mit akademischer Bildung erzählte mir, daß sie nur dem Umstände, das „G1 ü c k", eine gute Stellung zu besitzen, verdanke, daß man nicht wisse, daß sie Jüdin sei. Auch dieses Mädchen ist keineswegs eine „Ässimilantin". Sie stammt ans einem ostjüdischen Hause, verkehrt mir mit Juden und ist eine bewußte und stolze Jüdin! — nur im Amte muß sie ihr Judentum verleugnen, denn sie" ist nicht reich genug, das Risiko zu wagen, ihre Stelle zu ver-: Heren. •' Im Hause der Sozialbeamtin lernte ich ihre Freundin, eine an einer städtischen Bibliothek beschäftigte Bibliothekarin, kennen. Auch sie versicherte mir, daß sie ihre Stelle nur dem Umstände verdanke, ^llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllim s F r a ms ti flypu P P e d QrZlon»<teti«gev8stonlst en I kdiitlti» Kindir-Puriffllest! I 5Sonntag, den 20. März. 1932, 4 Uhrj||ehmittags, Im Theater Reklame, II, Praterstraße 34 i _ Theatervorstellung und Tansvortöhrungen der Kindergruppe Trude Godwyn | | Vi 1 Es wifken attsgchllefrfch :Ktnder mit, darunter llatl Weinberger i ' i | 1. Bestellungen auf Karten nehmen entgegen; die Administration der „Neue Welt", II, Untere Augarten- I 1 . Straße .38, Tel. Ar45>6-.% und die Danien Paula Stricker, Tel. A-48-1-&9, und Else Nebenzahl, | Tel. Url2-2-16. Karten für Kinder ä S l.-L für Erwachsene ä S | I ..,' 1 ." ' "'. ' ......11 1 " ■ Jedes Kind erhalt ein Geschenk! I ^iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii daß man-noch nicht gewahr geworden pi, daß sie Jüdin sei. In der Folge lernte ich noch eine große Anzahl jüdischer Frauen und Männer der verschiedensten Berufe kennen, und fast alle, soweit sie nicht in jüdischen Betrieben beschäftigt waYen, erzählten davon, ' Wie schwer nnd doch lebe n s n ö t w e n d i g es für sie sei, ihr Judentum zu verleughen. Aber trotzdem konnte ich hoch immer hiebt glauben, daß .man überall, einen gilt vorgebildeten und Süchtigen 'Renschen"abwjeis't). weil er' Jude ist, und so machte ich mich dehn eines/Tages auf, um für mich selbst eine Stelle zuf suchen. Meine erste Absicht zielte auf eine Lektorenstelle für Deutsch.! Ich 'suchte eine Agentur auf," die derartige Stellen ' vermittelt.;Man kam mir, überaus lipflieh ventgegen, besonders als man erfuhr, daß ich ein deutsches Doktordiplom besitze, was hier sehr, angesehen,ist. Man bat mich, einen Fragebogen auszufüllen, dessen erste" Frage die nach der Religion war. Ich schrieb J ü da n. Sobald der Leiter der Agentur das Wort „Jüdin** erblickt hatte," sagte . er mir, ,däß es. ihm sehr leid, tue,*aber 'er könne.nichts'für mich tun, "denn es sei ihm k e i n1 Gy m nä ä'i'u'm und keiri;e,: Ühi'versität bekannt,"'*die eine Jüdin beschäftigen würde. Das gleiche wiederholte sich noch viermal in derselben Weise in anderen Agenturen. j ■ In der sechsten Agentur" spielte sich folgende Szene ab: Die Leiterin Sagte zu mir: Weil sie Jüdin sind, V e r e i n d e r B ü e, z a t z e r i n W i e n Söhnt äg; den ::20A-Wäxt"\93%:&Vto: abends, im Hütel Contin^riitaly Wien II, TaboiStraße 4 Heilerer Pyriwi-Ab - * \ : Esther-Oper, persisch-wienerische Revue von Dr. L.Berg er. Mitwirkend: O.Teller, M.Zelnikar, V. Schlesinger und J. Segal Rosenbach ' : " iik^ti^^ßit^Wm ' : 1 'Eintritfs^r1e%'l^l^^^^$6Shiitgli.edern und an der ^Abendkasse v'"-"'"'.. t^'i > will 'ich.-.offen zu ihnen sprechen, denn ich bin selbst^ Jüdin, — selbs"tvei-ständiicrjf' weiß es niemand hier. Si e_ wer den; als . J,iidin-^jie und i|aimmer eine S, t %lXfi2 a;n -P-i11 efn .;Ai^p-h t jüdischen Institut b-ek 0 mm e.n,:Sagen Sicj^-daß Sie eine deutsche Protestantin .si,nd,-und ic;h Ibiri gejviß, daß sie' bei dem, was sie, zu bieten haben, iu "kurzer Zeit eijie Stelle finden werden. : Diese Dame -isecsiuchte mi(j|i in über einer Stunde Zeit-zu überredejii ,;eii:e Sc h e i n c h r i s t i n zu werden. . ' , : Trotzdem bemerkt man an der Oberfläche des . öffentlichem Leibens nichts von Antisemitismus. Es gibt zwar auch in den VereinTgteii Staaten eine antisemitische Bewegung, doch sie hat keinerlei politische und gesellschaftliche Bedeutung uuul wird sie wohl auch -nie bekommen,vda~der;-:A^^ikaim?\'^ine]):/:Qi£f^e.n .pt>lifc|- s6hen oder •..ve.ligiösen'; K'timpf -• Jii'cht.- lietit,. Der.; Ünt'er-" schied zwäsclien» dem .deutschen und '^amerikanischen Antisemiten' bestellt darin, 4«^ der; Amerikaner nie vergißt, Was er sich als .ygenileman'Vseliiildig, ist, und stets das „keep siniling", dagj r f r e u nd 1 | ch e Gesi&ht wahrt, während der deutsahe. Antisejnit;sioh keine besondere Müh9...gibt» seinen Judenhaß zu verbergen.?In , einejn Punikte jedoüir.ist'(leT anierikauiseihe Judenhaß, unibedingt g ef üb r 1 i cii'e r als der deutsclie. Der deutsche Antisemit redet, der Ainerikanef,' der nicht so viel Zeit besitzt, ha'ndelf, wobei uhter Handlung natürlich nicht Gewalttätigkeit zu'verstehen ist. ' So, wie Italiener,,'Griechen, Rüssen, Chinesen u,, a„ luubeu auch die Juden ei« eigeues Viertel in New Ycjrk, Hiev wohnt , ail^er mu1 der ärmere Teil, der jüdischen Bevölkerung. Aber es gjföf entzückend gelegene, luftige, und sonnige Vororte von tfew York, wo sich in kjilonpterlangen, breiten, ' z. IV "mit Bäumen bepflanzten. Straßen, ein idyllisches' Familienlinüs ans andere re'iht,. — und in einzelnen dieser Vo'forte leben zu 98 Prozent n u r J ud e m' 'Manerzählte mir; daß in dieser. Gegend' vor einigen' Jahren - fastnoch a u ss.c h-l i e ßr, 1 i c!h C h r i's t e h wohriie'nj' als aber <ler jüdische Zustrom begann, verließen „.sie fluchtartig ihre bisherigen Wohnungen. :. . Nicht nur in der:jStadt,lebt der Judo., unfreiwillig abigesondert. In; der weiteren. .Umgebung von New York, „auf denn Lan^e", gibt es'eine große Anzahl von Kurorten, wo sich Ausschließlich jüdische Hotels befinden. Man uennt diese Kurorte „das jüdische Land". Union der Zionlsten Revisionisten Oesterreichs Mittwochf den 23; März H'32, aoends- Ü V,Ö Uhr, im Heim, II, Unt. Augartenstr.3S S Lustiger { Parim-Abend | mit durchwegs.neuem Program,m Zur Aufführung gelangt eine Esther-Oper | Persisch-wienerische Revne mit Tanz M und Gesang Mitwirkende: Oskar Teller, Viktor §| Schlesinger, Artur Hotf und andere Karten im Sekretariat, II, Unt Augarten- §§ stiaße 38, bei Herrn Theodor Grubner, =5 Telephon A-11-O-IÖ UiHon der Zi»mslen- Revi$iöni§fen Die Versammlung am Mittwoch, den 16. März, im Verbaiidslieim e n t f ä 11t. Aber das „jüdische Land" war nicht immea*.^jüdisches Land", sondern -im Anfang war es e c h tarn e r-i k an isches Land. Dann.; eröffnete man dort ein, zwei jüdische Hotels — und/. die- Amerikaner.. b r ä c h e n ihre Zelte ab Und siedelten in ein anderes Gebiet über. Uebrigens gibt es eine große Anzahl von Kurorten und Hotels, die in der Anzeige mitteilen, daß Juden nicht erwünscht sind. ... . . .• - '■r-"^t)^räme¥ika4ische: Ju^e.^efetj^9''ViA'f-.i^.i^c?^-0 n" d e r t -von der ■.ame.rikäniselien. _,- Gesellachaf t,; n i c h t freiwillig allerdings, sondern wejl.der^eWte.^nierikaner den Juden nicht liebt. Diese Äntipathie. _wird keineswegs begründet,■-, wie d^es beispielsweise" die Theoretiker des deutsohen: Nationalsozialisinue "versuchen. . Der;Jude. . ist . dem Aanerikaner ^inlj^cn", unsympatliisch, und man :m*cJit keinerlei Versuch^ diese rassenpsychologisch bedingte ,Abneigung .?u .\fUgnen oder zu beschönigen; . s , v , ',, .. Man nennt zwar...die '-Yereinigteii. $^a>^n"..".von Noi-damerika. das .„L a n.4. d e. r F r.e i Ji e i iV}lÄ", "Wirklichkeit . ist es jedoch, das J^nd . der groß^gliphen Unfreiheit.- Insbesondere aber ist ] es ein, T^nd der Unfreiheit für dea Ju^en, ist_',ob 4«pb ^as. tä'nd^ in'.dem die: Bevölkerung, den Juden dwreh, e|n^ ucn^ e^ c;hVri ebenesrGesf tz a,ufs neue ins Ghetto' zwingt; ■ - . ■ - s_ (tegett'die' jüdische«. Soldaten 1» 'Ämerlte ^tts New. .York v|Ml..de^ „Neuen ..We^^^gpweidet: Kürzlich erschien in -;der ^militärischen Zeitschrift „Army and Navy Register" ein. iu'denhetz'erischer Artikel, in welchem gesagt wird, daß die Juden in der Armee „n i c ti t^die n e n w.O.U..^«». weil sich ihnen das nicht lqhoe'V ferner,, da\sic£^nter den Freiwilligen fast keine Juden befanden und daß"die Juden „unser"Land z^w a r! e »p-1 o i t i emm,: va.b * t Mi S b t veVtle i d i g e n wollen". Die gesamte jüdische' Presse reagierte auf diese Beschuldigung mit scharfen Protesten. Der Präsident des Jüdisch-amerikanischen Kongresses Bernhard Deutsch forderte in einem Brief an den Redakteur der Zeitschrift die Zurückziehung der Beschuldigungen gegen die Juden, welche oft; genüg ihr Blut als Beweis ihres Patriotismus geopfert Hätten, worauf* in der Zeitschrift ein Artikel erschien, der den antijüdischen Angriff abzuschwächen versuchte.' Daraufhin gab Bernhard Deutsch eine Erklärung ab, worin er feststellte, daß die Antwort des „Army and Navy Register"' die jüdische öffentliche Meinung nicht' befriedigen könne; ' Dieser Vorfall erregte, dermaßen die OeffentHchkeit, daß Präsident [&9 9.ve T 'den Kriegö-; tiii'd den l^arineminister aufforderte, genaue Nachforschungen bezüglich des ."Vorfalls zji pflegen^ von welcher Maßnahme der Verband, der jüdischen kriegsteilnehmer offiziell verständigt wurde. Der Kriegsminister' Hearly gab bezüglich der Juden in der amer.iki^nTschen Armee nnd der am Weltkrieg teilgenomtnenen jüdischen'' Soldaten ': eine 'loyale Erklärung, ab, welcher sich auch der •'Marineminister Adams anschloß. Aus*1., erschien eine statistische Darstellung der Leistungen der judischen Kriegsteilnehmer , in Form, einer Broschüre und eine, scharfe Zurückweisung der antisemitischen Angriffe > durch den jüdischen Veteranenverein. In allen Erklärungen wird die Opferbereitschaft und der Patriotismus der jüdischen Soldaten für ' ' ' * *, -.....1 ....... 4 U. S. A. hervorgehoben.