Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 233 (4.3.1932)
- Date
- 1932-03-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 233 DIE NEUE WELT Seite 5 Aus Deutschland Beilage der »Neuen Welt« für Deutschland # Filralredalcfion und Administration t Berlin, Charloftenburg % Joadtimsfalerstraße 3 H Der internationale Jude und die Assimilanten Rund um die deutschen Finanzjuden In der internationalen Presse, die sich , vor die t)iskussion über die Weltkrise in Wirtschaft und Finanz gestellt sieht, kann man seit dem Zeitpunkt dieser Krise einer eigentümlichen Betrachtungsweise begegnen. Die Wirtschafts- und Fih'arizk'reise jener Länder, die sich ebenfalls von den Folgen des ökonomischen Zusammenbruchs einzelner Staaten berührt fühlen, suchen eifrig nach dem Urheber des Uebels und finden ihn auch — nahezu einstimmig. Der Sitz des Uebels befindet sich in Deutschland, das fremde Kredite absorbiert babe und heute eine Politik betreibe, die dahin gehe, die Privat- und Kriegsgläubiger durch Nichtbezahlung schwer zu schädigen. Das ist der Sitz des Üebels. Und dessen Erreger? . Der Jude* der aus Deutschland, stammt und •'in tJeh Kapitalzentren London und New York das Finanzwesen beherrsche. Dieser zumeist aus Deutschland stammende Jude, so heißt es, habe ' zunächst im Krieg und später in der Epoche der Reparations- und Anleiheverhandlungen die ehemaligen Feinde Deutschlands zu gewaltigen Finanzengagements in diesem Lande animiert, um heute Deutschlands Zahlungssabotage zu unterstützen. ., So war in einer Reihe von Aufsätzen der „National Review". (London) zu lesen, daß diese jüdischen Bankiers in London, die aus Deutschland stammen, nur das Interesse ihres Landes im Auge haben, die eingefrorenen Kredite auf Kosten der absolut berechtigten französischen Reparationsansprüche zu retten versuchen) was eine verhängnis- volle Wirkung aufdie englische Regierung ausübe und die englischen Beziehungen zu Frankreich in unerhörter Weise verschlechtere. ' Die englische Presse, hauptsächlich die „Daily M ai 1", spricht offen von den London German Jews, die an dieser Situation schuld seien, und der Pariser „M a t i n", der diese Beschuldigung in großer Aufmachung bringt, läßt zwischen den Zeilen durchblicken, daß er sich mit dieser antisemitischen Spitze identifiziere. Die amerikanische Finanzpresse stößt ins gleiche Horn. Sie spricht von den International Bankers in New York, die das gute amerikanische Geld an faule Auslandsschulden, hauptsächlich an Deutschland geliehen hätten und es heute nicht mehr zurückholen könnten. Nun also. An der ganzen Misere des Pfunddebakels, an den Kalamitäten mit den deutschen Reparationszahlungen, die Frankreich nicht bekommen kann, und an den minderten Bankenzusammenbrüchen in U. S. A. ist der deutsche F i n a n z j u d e schuld, der glühende deutsche Patriot, der seine neuen Wahlheimatländer England; Amerika und Frankreich verrät. Schauen wir uns in Deutschland selbst um. Hier sucht man wiederum nach dem Erreger des deutschen Uebels. Man braucht hier nicht das altbekannte Stimmungsbild zu malen, Bis zum^Ueberdruß haben häuptsächlich die nationalsozialistischen Kreise auf den Feind Deutschlands hingewiesen, auf den „internationalen Juden", der vorbedacht und systematisch das deutsche Volk durch sein internationales Kapital versklave, den Weltkrieg erregt, den Verlust des Kriegs herbeigeführt und schließlich den ganzen deutschen Jammer verschuldet habe. In England, Frankreich und Amerika gilt der Jude als Helfer Deutschlands im Wirtschaftskampf, in Deutschland selbst stempelt man ihn., zum Verbündeten der Feinde Deutschland s....... * Das ist nicht neu, nicht überraschend, nicht verwunderlich. Der Antisemitismus ist international und operiert mit den> groteskesten Mitteln. Und schon diese Tatsache allein macht, ob man es wahrhaben will oder /licht, die Judenfrage zu einer internationalen Frage. Aber es gibt noch immer gewisse jüdische Kreise, die dieses .Faktum nicht begreifen wollen. Wie sie sich abquälen, aus diesem grotesken Circulus vitiosus einen Ausweg zu finden! Gerade in dem Augenblick, da ^Engländer, Franzosen und Amerikaner den aus Deutschland stammenden Juden Landesverrat vorwerfen, brüstet sich z, B. die C. V. Zeitung (Organ des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) eines Paul. M. War bürg, jenes amerikanischen Juden, der sich um eine Reform des Geld- und Kreditwesens der Vereinigten Staaten bemühte, als eines Mannes von deutschpatriotischem Gefühl, dem die Beziehungen zu Deutschland herzensteuer waren und der während des Weltkriegs den Präsi-' denten Wilson bat, ihn von seinem Posten zu entheben, da er als Deutscher von Geburt nicht dazu beitragen wolle, den Krieg gegen sein Heimatland zu finanzieren. >f; So ähnlich sprachen und sprechen natürlich auch für ihr Land die in Frankreich und England lebenden jüdischen Assimilanten. Ein anderes israelitisches Blatt in Deutschland geht noch weiter. Es erzählt in den Stunden, da die Hakenkreuzler jetzt wieder die Parole von der Verelendung Deutschlands durch die Juden anläßlich der Präsidentschaftswahl um so kräftiger ins deutsche Volk werfen, das es gerade ausländische jüdische Glaubensgenossen sind, wie Lord Reading und Herbert Samuel, die für Deutschland arbeiten, und in ihren Ländern dem deutschen Standpunkt in allen Zahlungsfragen, besser gesagt N i c h t -Zahlungsfragen beipflichten. Welch,ein wertvolles Dokument ist doch ein solch deutsch-israelitischer Lobesartikel über die „Deutschi'reundlic.hkeit" der englischen und französischen Finanzjuden, wenn er in die. Hände der „Daily Mail", des „Matin", der „National Review" fällt. Der Hochverrat der englischen und amerikanischen Juden bewiesen! Durch jüdisches Zeugnis! Wie aufdringlich und töricht ist doch der Ueberpatriotismus der Assimilationsjuden! So absurd die Propaganda der Antisemiten, so grotesk ist die Abwehrmethode unserer Assimilanten — in Deutschland und überall. 1 Million Hau§frauen für Kalhremer Eine interessante Feststellung Man ha* kürzlich festgeisteill't, daß von .100 österreichischen Hausfrauen mindestens 75, das ist im ganzen weit über 1 Million, täglich Kaithreiner verwenden. Diese ungewöhnliche Beliebtheit des Kathreiner spricht zweifellos für die Güte dieses heimischen Kaffeegetränkes, beweist aber auch gleichzeitig, daß Kathreiuer in bezug auf den Breis den 'heutigen Verhältnissen vollkommen angepaßt ist. Wissenschaft unterm Hakenkreuz Der gelehrte Antisemitismus Auf Plakaten und in Zeitungen empfiehlt der Nationalsozialismus die Lösung der Judenfrage in der einfachen Form der Ausrottung. Es gibt aber auch eine andere nationalsozialistische Literatur, eine für den Hausgebrauch, dazu bestimmt, den Führern und Agitatoren das theoretische Rüstzeug zu liefern. Diese Literatur begnügt sich nicht damit, die Argumente auf Schlagring, Revolver und Handgranate zu beschränken, sondern will zu einer mehr wissenschaftlichen Behandlung des Judenproblems gelangen. So ist im Leipziger Verlag Grethlein ein Buch „Wir suchen Deutschland" erschienen, in welchem ein großer Abschnitt, von Herbert Blank verfaßt, der Judenfrage gewidmet ist. Blank verzichtet auf Sinnsprüche, wie „Juda verrecke" und Gedichte: „...wenn 's Ju'denblut vom Messer rinnt", sondern führt aus: „Individueller Antisemitismus ist eine Verfälschung und Verwässerung der ganzen Frage. Die Anschauung, daß eine Rasse besser sei als die and e r e, ein Volk besser als das andere, schlägt der völkischen Lehre von der Arteigenheit ins Gesicht. Jedes Volk wird seine Wesensart schon aus dem Daseinstrieb heraus für die wertvollste halten, aber diese subjektive Anschauung ist für die Welt der Tatsachen ohne Bedeutung. Wir haben die Eigenheit des Juden, die ebenso besonders und niemals mehr vorkommend ist, genau so als eine organische Erscheinung zu betrachten und zu wc fen wie die1 deutsche. Der Jude ist nicht besser noch schlechter als der Deutsche. ' \ ..' , Die innere Ueberwindung des Judentums kann nur durch Ueberwindung des Liberalismus geschehen; \w diesem fühlt sich der Jude zu Hause. Die Epoche des Ns-mus aber fußt auf dem Gefühl, nicht auf dem Geist. Der letzte pommerische B a u e r njunge hat mehr Möglichkeiten und Lebensvarianten in sich als der geistvollste Jude. Für den ns Staat steht der Jude unter Fremdenrecht, denn für die deutsche Volksgemeinschaft und ihre Lebensinteressen besteht zwischen einem Juden und einem Zigeuner kein Unterschied. Warum sollte gerade der Deutsche es immer nötig haben, sich in die Seelennöte anderer hineinzudenken? Dabei ist das Fremdenrecht für den Juden durchaus keine Deklassierung, so wenig wie etwa für den Engländer oder Französen, die in Deutschland zu Gast sind. Im Gegenteil, der Jude soll seine Würde wiederfinden. Gesund wäre seine Aufteilung auf verschiedene Berufe, doch darf man sich nicht zu viel davon erwarten: das jüdische als ein altes Volk kann gewisse Berufe nicht mehr ausüben; so den des Landwirts (trotz einiger Reklamebauern). Es ist auch gar nicht Schuld des Juden, wenn er sich z. B. in der Justiz und in der Publizistik so stark festgesetzt hat. Ein römisch-orientalisches Recht meistern natürlich die zu Gaste wohnenden Orientalen besser als die Deutschen selbst; beim kommenden deutschen Recht wird die normale Lage von selbst wiederhergestellt sein. Ein intellektuelles Volk meistert die Waffen des Geistes, nämlich das Wort, natürlich besser als der Deutsche; man muß eben aufhören, auf den Geist zu schwören." Berliner Nachrichten Stammtisch: Die Revisionisten Berlins treffen sich jeden Dienstag ab 8 Uhr abends im Cafe Tclschow (1. Etago), Hardenbergstraße, direkt am Bahnhof Zoo. Auch die von auswärts in Berlin eintreffenden Revisionisten werden auf diese Zusammenkünfte aufmerksam gemacht. Vortrag Dr. Bloch: Im Rahmen einer Mitgliedsversammlung der Berliner Revisionisten sprach Dr. Hans Bloch am Donnerstag, den 3. März, über das Thema: „Qibt es eine zionistische Stellungnahme zum Nationalsozialismus?" Ueber den Vortrag, der sehr gut besucht war, werden wir in der nächsten Nummer der „N. W." ausführlich berichten. Der rcvlsion. Landesvorstand trat am Mittwoch, den ds.. zu einer Beratung zusammen, bei welcher die aktuellen Fragen erörtert wurden und zu den Vorschlägen aus London Stellung genommen wofden ist. Mit groOer Zufriedenheit wurde die Bereitschaft des Herrn Oberbaurat Stricker zu einer Vortragsreise Uber Deutschland zur Kenntnis genommen. Dieselbe wirdin den nächsten Wochen, verwirklicht werden. AuDerdem begrüßte der Landesvorstand die Uebertragung des Kontinentalbüros des Tel Chaj -Fonds nach Berlin und erläßt in den nächsteh Tagen eine Aufforderung an alle Parteigenossen, sich in den Dienst des T. Ch.- Fonds zu stellen. Die Betar-Schule: In, unserem Berichte Uber die Einweihung der Betar-Schule, der in der letzten Nummer der „N. W." veröffentlicht war. wurde aus Versehen die Begrüßungsrede dos Natzlw des Betar für Deutschland. Alexander Reiter, nicht erwähnt, der mit warmen Worten diese erste große betarische Realität in Deutschtand begrüßte. Predigten in den Oemetndesynagogen. Freitag, den 4. März 1932: 19.15 Prinzregentenstraße (Dr: Salomonsky). In den übrigen Synagogen beginnt der Gottesdienst um 18 Uhr. Sonnabend, den 5. März 1932: 9.00 Heidereutergasse (Dr. Freimann). 9.0C1 Kaiserstraße (Dr. W. Levy). 9.00 Rykestraße (Dr. Freier). 9.00 Pestalozzistraße (Dr. E. Levy). 9.00 Kottbusstraße (Dr. Bleichrode). 9.C0 MUnchenerstraße (Dr. A. Levy). 9.00 Grunewald (Dr. E. Cohn), 10.00 Oranienburgerstraße (Dr. Warschauer). 10 00 Lindenstraße (Dr. Weyl). 10.00 Lützowstraße (Dr. Wiener). 10.00 Fasanenstraße (Dr, Bergmann). 10.00 (Lewetzoystraße (Doktor Lewkowitz). 10.00 Markgraf-Albrecht-Straße (Dr. Prinz). Frankfurt a. Main. Am Sonnabend, den 5. März, abends 8% Uhr, spricht im Helm der Revisionisten, Seilerstraße, 33. prt., Dr. Paul Arnsberg über das Thema: „Kommunismus — Opium für das jüdische Volk". Die Versammlung Ist frei zugänglich. Gäste willkommen! Heideibers» Am 24. ds. fand eine von der revisionistischen Ortsgruppe einberufene Versammlung statt, bei welcher sprachen: Otto Hecht über ,.Gedankengang des polltischen Revisionismus". A. R a f f a i 1 o w i t s c h über ,.Die jüdische Qegenwartslaga und unsere Aufgabe". Die Versammlung verlief sehr gut und hat insbesondere durch die' Aussprache sehr viel Aufklärung Uber den Revisionismus gebracht. Karlsruhe. Im Rahmen der Jugendtagung am 14. da. sprach A. Raftailowltsch (Heidelberg) Uber den ..P o 111 i s c h e n Zionlsmu s". In der Debatte griff ein Poale Zionist den revisionistischen Referenten an und auch der anwesende Dr. Martin B u b e r trat Herrn Raffailo.wltsch entgegen und warnte vor europäischem Nationalismus. Herr «Raffallowltsch vermochte in seinem Schlußworte alle Einwände treffend zu widerlegen, so daß auch Neuanmeldungen zum Revisionismus zu verzeichnen sind. Die Essener Synagoge geschändet 1: Wie aus Essen gemeldet. wird, wurde die Essener Synagoge, das Meisterwerk, Professor Körners, die als die schönste und monumentalste des Reiches, wahrscheinlich ganz Europas, gelten kann, geschändet. In riesigen Lettern wurde über dem Portal die Inschrift „Juda verrecke!" angebracht. Die Untat hat in weiten Kreisen der Bevölkerung Empötung hervorgerufen. Man ist den Tätern, die in nationalsozialistischen Kreisen zu suchen sind, auf der Spur. Halbmonatsschrift „Geheime Politik" wegen Ritualmordbeschuldigung verboten Der Oberpräsident der Provinz Sachsen hat die in Halle a. d. Saale seit kurzem erscheinende Halbmonatsschrift „Geheime P o I i t i k'Y die laut Kopfvermerk der Bekämpfung des „Judentums, Logentums und der Weltspionage" dient, wegen des Artikels „Die Ritualmordblutgesetze — Kannibaiismen" auf sechs Wochen verbpten. In dem Artikel wurde behauptet, daß den Juden, der Mord eines Christen nicht nur erlaubt, sondern geradezu von dem rabbinischen Gesetz vorgeschrieben ist. Es wird weiter hin behauptet, daß die Juden zum Purim und Pessachfest das Blut von Christen benötigen und es sich durch Ritualmorde beschaffen. Zum Schluß heißt es: „Bed uns wird die Erkenntnis des wahren jüdischen Wollene künstlich verhindert und der Willkür der jüdischen Volksrichter freier Lauf gelassen." Aus der Begründung der Verbotsverfügung: „Diese Ausführungen enthalten nicht nur den unmittelbaren Vorwurf, daß die Angehörigen der jüdischen Religionsgesellschaften allgemein aus religiösen Gründen Nichtjuden morden und ihr Blut benutzen, sondern der Artikel macht sich auch die wiedergegebenen Aeuße-