Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 233 (4.3.1932)
- Date
- 1932-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sefte 3 Nr. 253 Sehsliplatten, auch Taateh I ZatilungaariilCKtarang 5 „ELPHORA"I i., OominlkaMtbatttl SS I Eeka Kai) Tal. R-J4-4-16 I Mit vorzüglichster Hochachtung Ing. Eugen Buchbinder, Stadtbaumeister. Bemerkung der Red.: Es ist richtig, daß Herr Ing. S. Kaplansky, einer der Führer der sozialdemokratischen Arbeiterpartei „Poale Zion", ständig im Dienste der Zionistischen Organisation stand, vom Zeitpunkt der Absolvierung seines Studiums in Wien vor zirka 25 Jahren bis zum Kongreß 1931, auf welchem er nicht mehr gewählt wurde. Er hat weder auf irgendeine praktische noch eine theoretische Betätigung auf technischem Gebiete hinzuweisen. Das Erstaunen des Einsenders über die Ernennung ist vollauf gerechtfertigt. Die für diese Ernennung verantwortlichen Faktoren, in erster Linie die Leitung der Zionistischen Organisation, werden wohl oder übel Rechenschaft abzulegen haben. « Eine Erklärung Der Herausgeber der „Neuen Welt" erhielt von Professor S. Brodetzky, Mitglied und politischer Referent der. Zionistischen Exekutive in London, folgendes Schreiben: „London, 11. Februar. — Sehr geehrter Herr! Ohne mich in eine Kontroverse einlassen zu wollen, gestatte ich mir, Ihre Aufmerksamkeit auf eine Erklärung zu lenken, die in Nr. 228 Ihres Blattes in einem Artikel aus London veröffentlicht ist. Der Verfasser schreibt dort: „Die Herren Brodetzky und Goldsmith haben den Judenstaats-Zionismus, die letzte Rettung von Hunderttausenden zugrunde gehenden jüdischen Existenzen, als unverantwortlichen Huliganismus hingestellt." „Diese Erklärung entbehrt jeder Grundlage und es muß dem Schreiber bekannt gewesen sein, daß sie falsch ist. Ich sende Ihnen in der Anlage den Text des Briefes, wie er in der „Times" erschienen ist, und hoffe, daß Sie ihn in seinem vollen Wortlaut abdrucken werden. Ihr Korrespondent behauptet ferner, im gleichen Artikel, daß mir nach Veröffentlichung dieser Erklärung in der „Times" eine Reihe von Protesten 'allgemeiner Zionisten zugegangen sei. Auch diese Feststellung ist falsch. Weder vor noch nach der Veröffentlichung der Erklärung in der „Times" ist mir irgend ein Protestschreiben zugegangen. Hochachtungsvoll S. B r o d e t z k y.M * Dem Wunsche Herrn Prof. Brodetzkys entsprechend nachstehend der Wortlaut der Notiz in der „Times (in Uebersetzung): „Times",. 1. Jänner 1932. In Abwesenheit des Präsidenten N.' Sokölöw stellt Mr. Professor S. Brodetzky, Mitglied und politischer Referent der Exekutive, der Z. O. und Jewish Agency, fest, daß Mr. Jabotinsky weder in der Z. O. noch in der j. A. ein Amt bekleidet, daß er tatsächlich eine Agitation für den Austritt seiner Gruppe aus der Zionistischen Organisation führt. Die Z. O. weist die Verantwortung für die Aeußerungen des Mr. Jabotinsky energisch zurück. Mr. Goldsmith, Vorsitzender der J. A., weist gleicherweise sowohl die Angrife Mr. Jabotinskys gegen Großbritannien als auch sein ganzes Programm von sich." * Bemerkung der Red.:' Ohne einer eventuellen Stellungnahme unseres Londoner Korrespondenten vorgreifen zu wollen, sei festgestellt, daß im offiziellen Organ der Z. O. und J. A. „H a o 1 b m" — für welches die Herren Prof. Brodetzky und Goldsmith verantwortlich sind —- im Zusammenhange .mit der berühmten Affäre Artikel erschienen sind, welche die von unserem Korrespondenten erwähnten Beschimpfungen mehrfach und verstärkt enthalten. * internationale Konvention gegen den Antisemitismus Professor Guido T e d e s c h i (Rom) schreibt: Rom, 20. Februar. Sehr geehrter Herr Herausgeber! Ich habe mit Interesse den Kommentar gelesen, den „Die Neue Welt" vom 12. Februar meiner Anregung einer internationalen Konvention gegen den Antisemitismus widmet. Es scheint jedoch, daß meine Idee mißverstanden worden ist, inso^ fern, als sie nicht die Lösung der Judenfrage zu geben vorgibt, wie der Zionismus, sondern einen Beitrag zu dieser Lösung bringen möchte. Gleichzeitig möchte sie eine Anwendung der Herzischen Idee sein, daß die Judenfrage auf den internationalen Boden gehört, was übrigens sehpn mit Bezug auf den Zionismus positiv rechtlich anerkannt. worden ist: Hier haben die Staaten die Bildung eines jüdischen nationalen Heims als von internationalem Interesse anerkannt. Ehe jedoch der Zionismus die Judenfrage gelöst hat, ist es nur logisch, jedes andere Mittel, das zu ihrer Heilung oder Linderung beitragen kann, in gleicher Weise zu beurteilen ist. Was die Wirksamkeit betrifft, die einer solt eben rechtlichen Unterdrückung der antisemitischen Agitation zukäme, so bin auch ich der Meinung, daß der Antisemitismus weder durch Gesetze noch durch Sanktionen ausgerottet werden kann; allerdings glaube ich, daß seine sichtbarsten und brutalsten Kundgebungen sich Unsere geliebte Mütter Clara Marguh'es ist wenige Tage vor Vollendung ihres achtzigsten Lebensjahres sanft entschlafen. Die Beisetzung erfolgte in aller Stille auf dem Döblinger Fiiedhofe (israelitische Abteilung). Anna Putermann (Soanowioe) Dr. Isidor Msrgulies Dr. Emil Margulies iLeitmerltz) Hanne Margulies Heinrich Margulies (Tel-Awlw) als Kinder Dr. Jakob Putirmann als Schwiegersohn Julie, Frltzl, Marfa and Nanny Margulies als Schwiegertöchter SämWohe Enkel und Urenkel wirksam bekämpfen lassen. Das wäre nicht nur ein direkter Gewinn, sondern würde auch verhindern, daß der Judenhaß aus der Gewalt immer neue Nahrung lieht und das Uebel immer unheilbarer wird. Innerhalb dieser Grenzen ist mein Vorschlag, meiner Ueberäeeugung nach, unzweifelhaft nützlich, schon aus dem Grunde, weil die internationale Verpflichtung eine Umgehung des Gesetzes bei der Anwendung verhindern würde. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener Guido Tedeschi.T Union darZionisten-Revisionisten Oesterreichs, Gr. Vl-Vlll Donnerstag, den 10. März 1932, hälb 9 Uhr abds.,in den Klubräumen des Cafe Höllriegel, ViU Burggasse 28 (Ecke Kuchengasse) Versa m mlung Die Lage des jüdischen Volkes_ Was kann zur Abhilfe geschehen? Das Programm des Zionismus- Revisionismus Redner: hg. ROBERT STRICKER Entree frei! Güate willkommen! Adel und Die «^Bjiinne (Aus einer Meschuinödim-Galerie) „Neue Freie Presse" war 'vor einigen Tagen in der glücklichen Lage, ihren jüdischen Lesern nach den Enttäuschungen der letzten Wochen, als da sind: Kunsc 1) a lc s wiedererwachte antisemitische Gefühle (Bitt' Sie, wer bätt* das gedacht? Er war doch immer so freisinnig — im Gegensatz zu der reaktionären Seipel-Gruppe!) und das Herannahen des nationalen (!) Studentenrechtes, endlich einmal mit einer wirklich guten Nachricht aufzuwarten: „Wie Brieftelegramme und Kabelberichte melden, hat sich Rosette Anday, das hervorragende Mitglied des Wiener Operntheaters, mit (Baron) Egon Ketschendorf vermählt." No also, Maseltow, Maselt . . . Wer redet da von Maseltow? Was ist das für eine unpassende Bemerkung? Bitte, lesen Sie nur weiter: „Die Trauung fand in New York in der St.-Thomas- Kirche Dienstag, den 16. v. M„ statt." Ach so, das ist natürlich was anderes! Aber eigentlich, wenn man sich's recht überlegt, geht die Sache gunz in Ordnung. Denn die reizende Rosette ist eine brave Jüdin aus Budapest und er, der hoffnungsvolle Ehemann, den 'eine andere Zeitung einem „alten ,A d q Iis g e sc h l e c h t" abstammen läßt, Enkel des ehemaligen Prä s i d e n t e n der Israelitischen Allianz, Kultusvorsteher und Mitbegründers des . B e t - H a m i d r a s c h z ü Wien, David R. v. G u t m a'n n, gehörte selbst nöctf vor kurzem dem Judentum an. Und so haben Braut und Bräutigam, wenn sie sich die Hände zum ewigen Bunde reichen, wirklich und wahrhaftig Anspruch auf eine Trauung in der St.-Thomas-Kirche. Aber merken Sie etwas? Dienstag, am jüdischen Glückstage (Ki tow!) haben sie sich trau0ö lassen, wohl in Anlehnung afi die altererbte Tradition der Häuser Anday und Ketschendorf . . . £)ie jeritza wird sich natürlich furchtbar kränken, daß auch die Anday einen Baron bekommen hat, aber ihr Schmerz wird dadurch gemildert, daß der Ketschendorf genau so ein Jud' ist wie ihr freiherrlicher Gemahl Leopold von Popper. Aus dieser Analogie ist allerdings mit Sicherheit auf die Zukunft zu schließen: Ketschendorf wird genau so eine christliche und antisemitische Entwicklung nehmen wie sein ehemaliger uud nunmehriger „Glaubensgenosse" Popper. Wenn wir schön von Taufe und Bühne sprechen, sei auch, eines neuen Sterns der Reinhardt- Bühnen gedacht. Seit einigen Wochen tritt im Josefstädter Theater in der „Braut von Törozko" des geschäftstüchtigen Oito Indig die Budupester Schauspielerin Frieda Gombaszbgi auf. Sie spielt eine alte Jüdin, Frau Blum, in £iner derart wesens- und milieutreueu Weise, daß die Wiener Kritik voll des Lobes ist und von echtestem Ghetto spricht. Frau Gombaszögi war mit dem ihr gespendeten Lob zunächst sehr zufrieden, dann aber stiegen ihr doch gewisse Bedenken auf. Man könnte ja am Ende noch vermuten, daß sie selbst . . . Nein, das darf unter keinen Umständen geschehen. Und so bittet die verehrte Künstlerin das Wiener Publikum in einem Interview — wo? Natürlich in der „Neuen Freien Presse* — aus ihrer Rolle keine Schlüsse auf ihre Person zu ziehen. Denn sie sei weder alt noch Jüdin. So, jetzt wissen's die Wieher. Also, wenn die erste Behauptung so richtig ist Wie die zweite, dann muß die Gömbaszögi wohl sehr bejahrt sein. Denn bei der kurzen Entfernung, die Wien von der ungarischen Hauptstadt trennt, ist es rasch ruchbar geworden, daß die Darstellerin der Frau Blum eiher gut jüdischen Familie entstammt, io der sie Milieustudien für die „Braut von Torozko" anzustellen von Kindheit an reichlieh Gelegenheit hatte — eine Tatsache, die sich selbst durch Taufe und Leugnen nicht aus der Welt schaffen läßt Kränken Sie sich aber nicht, verehrte Künstlerin, es ist schon einmal so: das tragische Verhängnis fordert vom Assimilanten, daß er, um einer Chimäre nachzulaufen, um in einem Fremdkörper resjtlos aufzugehen, sein Blut, sein Volk, seinen Gott, sein eigenes Ich verleugne. Ueber kurz oder lang kommt aber die Wahrheit doch ans Licht. Sie müssen sich damit abfinden,.. Ludwig B a t o. Felix M. Warburg legt die Präsidentschaft im Joint Distribution Comittee nieder Herr Felix M. Warburg, der seit der Begründung des American Joitit Distribution Comittee im November t£l4, also mehr als 17 Jahre lang, Präsident de» Comittee war, hat sich entschlossen, dieses Amt niederzulegen. Zu seinem Nachfolger als Präsident des Joint Distribution Comittee wurde Herr Paul Baerwald, der seit der Gründung des Comittee dessen Schatzmeister war, gewühlt Lettland verletzt das jüdische Minderheitsrecht In der Budget-Kommission des lettländisChen Sejm machte Minister Breiksch den Vorschlag, jüdischen Schülern den Besuch der deutschen und russischen Minderheitenschulen zu v e r b i e t e n und ihnen nur den Besuch jüdischer Minderheitenschulen mit. hebräischer oder jiddischer Unterrichtssprache oder der lettischen Staatsschulen freizustellen. Der Minister führte zur Begründung des Vorschlags aus, er sehe nicht ein, warum die Regierung die Germanisierung und R u s s i f i z i e r u n g der Juden in Lettland unterstützen soll. Ihm wurde von jüdischer Seite entgegengehalten, daß die jüdische Jugend deshalb lettische Staatsschulen meidet und deutsche und russische Schulen vorzieht, Weil sie ja, wenn sie die Schulen verläßt, Staat san Stellungen nicht bekommt und gezwungen ist, sich dem Handel und den freien Berufen zuzuwenden, die sie meist mit Deutschen und Russen zusammenführen. Der jüdische Deputierte Rabbiner Pub in (Agudah) wies darauf hin, daß die von Juden besuchten russischen und deutschen Schulen private Institutionen sind, die keinerlei Unterstützung vor? der Regierung erhalten. Wenn die Regierung nun die Juden verhindern will, diese Schulen zu besuchen, so verletzt sie den Minderheitenvertrag. Die von der Regierung angeordnete Zusfimracn« l e g u n g der jüdischen mit den lettischen ftandwerkerschüjen. Wobei auch für die jüdischen Klassen, in denen bisher die Unterrichtssprache jiddisch oder hebräisch war, die lettische Unterrichtssprache eingeführt werden soll, findet in jüdischen Kreisen einmütige Ablehnung. Die Regierurigskommission beschloß d.arum. die den jüdischen Handwerkerschulen gewährte Subvention zurückzuziehen. Die Juden werden auf diese Weise gezwungen, die Mittel zur Erhaltung ihrer Schulen mit jiddischer und hebräischer Unterrichtssprache selbst aufzubringen. 2)ie Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs gratuliert herzlichst Frau Ok Bukspan zu ihrerPromotion zum Doktor der gesamten Heilkunde iililillillllliiiiilllililiillillllllllllllllillllllllllillil