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Die neue Welt · 1932-03-04 · Heft 233 (4.3.1932) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 233 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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ttr. 233 DIE NEUE WELT Seite? Union de* Zlonl8ten-R«visioniBten Mittwoch, den 9. Mir» 1983, V99 Uhi abends, im H«ul**«al d*ft V«rbandt« ttelma, I!.. Untere Augartenstraße 38 VORTRAG Gegenstand: Kommunismus und Judentum Referent: Paul Haller Regiebeitrag 20g Freie Aussprache! Sabbat schütz, hat der orthodoxe Gemeindeverband Jugoslawiens erneut Schritte beim zuständigen Ministerium unternommen um für diie Kinder religiöser Eltern Befreiung vom Schulunterricht an Sabbaten und F e i e r t a g e n zu. erwirken. Die jüdischen Vertreter erhielten die feste Zusicherung, daQ ihre Wünsche erfüllt werden würden. Der diesbezügliche Ministerialerlaß wird täglich erwartet. In früherer Zeit hatten ähnliche Versuche ein positives Ergebnis nicht erzielen können. i'c Bestie Publikum Antisemitische polnische Zuschauer treiben einen Volks* genossen in den Tod Die Hetze, welche so häufig bei Sportveranstaltungen zutage tritt, wenn jüdische Sportler an Wettkämpfen teilnehmen, hat jetzt zu einem tragischen Ausgange geführt. In« der Vorwoche kam in Lemberg der Entscheidungskampf um den Titel eines Landesmeisters zur Austragung. Vor einer vieltausendköpfigen Zuschauermenge trat der jüdische Boxer Groß (Mitglied des jüdischen Sportklubs „Hasmonea") gegen den polnischen Boxer Godlewski (Mitglied des polnischen Sportvereines „Pogon") in den Ring. Groß, ein bekannter Sportsmann, ist mehrfacher Meister, Der Akademiker Gqdlewski hat seine Studien in Belgien absolviert und sich dort einen guten Namen als Boxer'erworben. Bereits nach den ersten Gängen erwies sich Groß seinem Gegner weitaus überlegen. Obzwar sich Godlewski auf die Verteidigung beschränkte, war er bald übel zugerichtet, verletzt und erschöpft. Das versetzte den polnischen Teil des Publikums in einen Zustand der Raserei. Der Raum erdröhnte von Rufen: „Schlag den Juden nieder! . . . Laß dich nicht von einein Juden besiegen! . Hoch Polen!'4 usw. Unter dem Eindruck dieser Kundgebung wies der geschwächte Gedlewski die Aufforderung, den Ring zu verlassen zurück und trat immer wieder an. Bis ihn ein verhältnismüßig schwacher Hieb, den Groß ihm beibrachte, endgültig zu Boden zwang. Der Pöbel heulte. Gedlewski konnte sich nicht mehr erheben und starb nach wenigen Minuten unter den Händen des herbeigerufenen Arztes. Der Vorfall hat in der Stadt ungeheure Aufregung hervorgerufen. Von antisemitischer Seite wird die böswillige Lüge verbreitet, daß Groß Bleistücke in seine Boxhandschuhe hätte einnähen lassen. Der polnische „•Nationalstolz" läßt es eben nicht zu, daß der Sieg eines Juden über einen Polen als gerechtfertigt angesehen wird. Nur jüdische „Tücke" kann einen polnischen Kämpfer zu Fall bringen. Die jüdische Bevölkerung, von der jetzt in Polen überhandnehmenden antisemitischen Strömung bedroht, fürchtet, daß der unselige Vorfall den Ausgangspunkt neuer Judenhetzen bilden könnte. Man will dahin wirken, daß die jüdischen Sportsleute bis auf weiteres nicht gegen Polen öffentlich antreten. Allgemein ist die Erbitterung gegen die S p o r tb e h ö r d e, welche den Boxkampf leitete und, dem Drucke des Pöbels nachgebend, nicht rechtzeitig eingegriffen hat und den Kampf bis zum tödlichen Ausgang laufen ließ. Der jüdische Boxer Groß ist inzwischen in Untersuchungshaft gesetzt worden. Die Juden sehen dem Ausgange dieser Untersuchung mit begreif» licher Besorgnis entgegen, denn die Affäre trägt bereits den politischen Stempel. Und unter solchen Umständen müssen die Juden auf alles gefaßt sein. Ein panarabischer Kongreß soll nach Mekka einberufen werden Das Büro Reuter verbreitet ein Telegramm seines Jerusalemer Korrespondenten, der erfahren haben will, daß in kurzem ein panarabischer Kongreß nach Mekka einberufen werden wird mit dem Ziele, einem arabischen Völkerbund zur Bekämpfung des westlichen. Imperialismus und zur Befreiung der arabischen Länder aus der Kontrolle der Mandatsmächte zu bilden« Wie die J. T.-A. hierzu erfährt, gewinnt der Plan des Mekka-Kongresses in der Tat immer festere Formen. Bis jetzt war Mekka als Tagungsort eines panarabischen Kongresses nicht in Betracht gezogen worden, weil König Ibn Saud vom Hedschas und Nejd eine Teilnahme an einem ponarabischen Kongreß oder an der panarabischen Bewegung abgelehnt hat. Seine Gegnerschaft gegen den König des Irak, F e i s a 1, stand einem Zusammengehen der mittelasiatischen arabischen Länder in der panarabischen Frage im Wege. In der letzten Zeit aber haben sich die Beziehungen zwischen Feisal und Ibn Saud gebessert, so daß die Abhaltung des Kongresses in Mekka in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückt ist. Die jüdischen Kreise beobachten diese neuen Vorgänge innerhalb der panarabischen Bewegung und die Kampagne für Abschaffung der Mandate nicht ohne Besorgnis. Hyamson wird nicht Sekretär des Board of Deputies Der Plan, den jetzigen Chef des Einwänderungsamtes der Palästina-Regierung Hyamson zum Sekretär des englisch-jüdischen Board ES! WIRD! SCHON! WIEDER! BESSER! ^tftf** •je* ©s*af pau* $u*a 0*° Ein Film von Ph. L. Mayring und Dr. Fr Zeckendörf. Nach einem Manuskript von E.Szatmary und P. Hell. Produktion: Bruno Ouday. Regie: Kurt Gerron. Täglich: -Kino I. H-lo II. Sfafa-Hino VII. Kolosseum-Kino II of Deputies zu ernennen, ist nun definitiv fallen gelassen worden. Gegen die Ernennung Hyamsons erhoben bekanntlich mehrere zionistische Mitglieder des Board schwere Bedenken; sie wiesen darauf hin, daß Hyamson durch die Art, wie er die die jüdische Einwanderung einschränkenden Maßnahmen der Palästina- Regierung durchführt, sich bei der jüdischen Bevölkerung Palästinas außerordentlich unpopulär gemacht hat. Zum Sekretär des Board und damit auch des Joint Foreign Committee wurde B. A. Zaiman, der bisherige Hilfssekretär des Board, ernannt. Das Joint Foreign Committee, welches bisher für Hyamson eingetreten war, hat nun der Ernennung Zaimans zugestimmt. Bravo! Endlich hat einer, der auf dem Rücken des Zionismus hochgekommen ist und ihn dann verraten hat, die verdiente Abfuhr erhalten. Briefe an die //Neue Welt // Eine sonderbare Ernennung am Technikum xu Haifa Die „Neue Welt" erhielt folgenden Brief: Wien, am 21. Februar. — Sehr geehrter Herr Redakteur! — Ich bitte Sie um Raum für die öffentliche Besprechung einer Angelegenheit, die mir von höchster Wichtigkeit scheint Das Technikum in Haifa ist ein Institut von größter Bedeutung für Palästina. Jahre hindurch ging der Kampf darum, ob das Technikum zu einer Hochschule ausgestaltet oder als Mittelschule geführt werden solle. Daraus geht hervor, daß das Bestreben der dort beschäftigten Lehrer dahin ging, das Bildungsniveau der Hörer recht hoch zu halten und ihnen reiches technisches Wissen zu vermitteln. Ich kenne einige dieser Lehrer, die wirklich den höchsten Anforderungen zu entsprechen vermögen, die auch seit Jahren an dieser Lehranstalt wirken. „Um so mehr mußte es mich mit Erstaunen, ja //i tnit Empörung erfüllen, daß ohne jeden ersichtlichen Grund ein vollkommener Außenseiter, Herr Ing. S. Kaplansky, zum Direktor dieser Schule ernannt wurde. Ich kann es nicht verstehen, warum Herr Kaplansky mit der Leitung der Anstalt, betraut wurde, da er mit Technik oder technischer Wissenschaft nur so viel gemeinsam hat, daß er vor mehr als zwanzig Jahren die Technik in Wien absolvierte, hingegen seither nicht einen Tag technische Arbeit leistete. „Herr Ing. Kaplansky hat seine Lehr- und Arbeitsjahre auf einem ganz anderen, weitab von technischer Wissenschaft gelegenen Gebiete durchgemacht. Wir sind gewohnt, als Lehrer ah technischen Schulen Menschen zu sehen, die sich entweder auf theoretischen Gebieten einen Namen gemacht haben oder in der Praxis auf besondere Leistungen hinzuweisen vermögen. „Ich glaube nicht, daß Herr Ing. Kaplansky in der einen oder in der anderen Richtung auf eine, wenn auch nur bescheidenste Leistung hinweisen kann. Ich habe somit Grund anzunehmen, daß bei dieser Ernennung andere Gründe als fachliche Eignung maßgebend waren. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie zur Lösung dieses Rätsels beitragen würden. Auf der Schwelle begrüflt ihn der Vater mit einfaltig-lachendem Gesicht, mit halbgesenkten Augen. Er beginnt ihn abzuküssen. Der Schnurrbart sticht» die Wangen werden naß, es ekelt ihm. Vier gezählte Küsse drückte der Vater auf die eine Wange, vier auf die anderie, die ersten mit der unaufhörlichen Frage: Was machst du, Awrejmel". Ihm schien es, als fragte inan nicht ihn. sondern als gelte irgend einem anderen Awrejmel diese Frage. Ein; Hoch der Stiefmutter, daß sie ihn wicht viel küßte. .Sie stellte ihn nur sich gegenüber, blickte ihm so warm in die Augen, streichelte seine Wangen, als bäte sie ihn um Entschuldigung. Endlich fand sie für ihn einen PJatz auf der Bank und gab ihm einen einzigen, aber Reißen Kuß. Er hatte genügend Zeit, zu bemerken, daß sie viel schöner sei als die Mutter. Bald darauf wurde es auf . einmal still im Zimmer. Ihm wurde »auf einmal schwer, zumute* als ruhte auf seinem Kopf; eine Last. Nicht einmal umwenden konnte ier sieh. Er hörte seinen Atem. „Was macht Großvater und Großmutter?" fragt der Vater plötzlich und wird rot dabei. Brajne sprang helfend bei. „Du hast gewiß Hunger", warf sie ein und begann den Tisch zu decken. Awrejmel aß, nur um schweigen zu können, um nicht reden zu müssen. Nach dem Essen führteihn die Stiefmutter stumm ins Sehl«* .mmer. Er hatte Ruhe nötig nach dieser Fahrt und der Begrüßungsszene, noch nie war er so müde gewesen. Als er erwachte, fand er sich wieder umringt von weichen, zärtlichen Augen. Und so am nächsten Tag, und so am übernächsten und so immer. Sie kaufen ihm Geschenke und einer will den anderen übertreffen. Er begann zu begreifen, daß sie sich ihm ins Herz hineinstehlen wollen. Kindesliebe wollne sie bei ihm kaufen. Er war gwöhnt, auf sich al* einen verlassenen Waisenknaben zu sehen, war stolz auf das Recht, niemand der Seinigen lieben zu müssen, er, der einzige Gerechte unter vielen Ungerechten. Jetzt will man sein Recht von ihm mit Spielzeug abkaufen. Er beschloß, sein Herz fest abzusperren. Baruch war es noch nicht' gegönnt, ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht seines Kindes zu sehen. Rasch hatte Awrejmel des Vaters schwache Seite heraus. Rasch nahm er wahr, was der Vater von ihm wollte, um das meiden zu können. Rasch nahm er wahr, was der Vater an ihm gern sehen würde — und das gerade tat er nicht. Er wollte merken lassen, daß er sich nicht für ein schönes Kleidungsstück oder weiches Wort kaufen lasse. Eine bestimmte Zeit verging. Der Vater begann gereizt au sein. Es gab Szenen zwischen Vater und Sohn. Awrejmel wird böse. Baruch aber beginnt sich, wenn die Stunde vorüber ist, schuldig und unglücklich zu fühlen. Er versöhnte ihn durch ein Geschenk mit etwas „Münze". Später, als Awrejmel in der Stadt heimisch geworden war und Geld brauchte, wurden solche Szenen für ihm die sichere Quelle für Geld. Besser ging's mit Brajne. Als fremde, „einkaufte" Mutter begnügte sie sich mit geringen mütterlichen Ansprüchen. Szenen zwischen ihr und Awrejmel konnte es nicht geben. Für sie ist es genug zu wissen, wozu sie frühmorgens aufstehen muß, wenn sie ein Mittagmahl zu bereiten habe, genug zu wissen, daß sie und Baruch ein Kind erziehen und es zum Manu heranzuziehen haben. Ob sie vom Kind Liebe erfahre oder nicht, das liegt nicht in ihrer Hand, aber über ihr Herz kann niemand gebieten. Ihr ist es genug, selbst das Kind zu lieben. Und wenn Awrejmel mit dem Vater eine Szene haben will, so setzt er sich hin, einen Brief schreibend — an die Mutter Dvojre. Der Vater will den Brief lesen — er läßt es nicht zu. Es beginnen Vorwürfe. Brajne bereitet unterdessen Kuvert und Briefmarke vor, nimmt den Brief, schließt ihn, schickt ihn ab. Ohne es zu wollen und ohne zu wissen, wie fühlt er sich an die Stiefmutter gebunden. Baruch bemerkte das und begann auf Brajne, ob der Kindesliebe, eifersüchtig zu sein, (Fortsetzung folgt.).

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