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Die neue Welt · 1932-03-04 · Heft 233 (4.3.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 233 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Bei Kopfschmerzen, Sehwindel. Ohrensausen, gestörtem Schlaf, schlechter Laune, gereizter Stimmung greife man sogleich z» dem altbewährten „Franz-Josef"- Bitterwasser. In Apotheken und Drogerien: erhältlich. licht und Esras Aktion als eine überaus ntitz liehe charakterisiert. Diese Aktion ergänzte Herr Arlosoroff, das palästinensische Exekutivmitglied, indem er durch ein Radiotelegramm „Verwahre mich gegen die Veröffentlichung der Korrespondenz" dem energischen Redakteur in den Arm zu fallen versuchte. Das In-den-Arm-Fallen scheint überhaupt eine beliebte Methode unserer Agency-Leute geworden zu sein. Das lustige Spiel um die seinerzeitige Veröffentlichung des Passfieldschen Weißbuchs fand erst kürzlich seihe Wiederholung. Kaum hatten die Londoner Revisionisten ein arabisch-britisches Projekt der Oeffentlichkeit mitgeteilt, den inzwischen sö bekanntgewordenen Plan einer palästinensischen Kantonsverwaltung unter arabischer Vorherrschaft, war auch schon die Jewish Agency mit der Dementier spritze zur Hand, indem sie erklärte, daß die in Präge stehende Schrift nichtt einmal der Beachtung .wert sei. Die palästinensische Exekutive war nicht dieser Ansicht, denn Herr Arlosoroff diskutierte dieses. Projekt mit seinen Kollegen in einer speziellen-Sitzung. . Und so wie immer, wenn die Revisionisten auf eine Gefahr hinwiesen und dje Abwehrkräf des, jüdischen Volkes mobilisieren wollten, setzte sich auch jetzt der ganze Apparat in Bewegung, um die besorgten Warner zu sensationslüsternen Abenteurern zu stempeln. Und so wie immer, versuchen sie auch jetzt,- das verhängnisvolle Vertuschungssystem weiter zu üben. Das sind die zu registrierenden politischen Aktionen. Wer führt die zionistische Politik? Man glaube aber nicht, daß die Revisionisten allein die Beschwerdeführer sind. Die Resolutionen der gewiß nicht radikalen Allgemeinen Zionisten auf ihren verschiedentlichen Tagungen tragen durchaus Beschwerdecharakter. Die Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten Palästinas „ver-; zeichnet die unnatürliche Lage der zionistischen Exekutive, deren Mitglieder zum größten Teil außerhalb des Landes weilen, wodurch sich die Verantwortung in den Händen der Nichtzionisten und eines einzigen Zionisten (eines Parteivertreters obendrein) befindet". In einer zweiten Resolution wird die Konferenz deutlicher, indem sie fordert, ' daß '„die Allgemeinen - Zionisten in der Exekutive ihren Einfluß auf die -Agency in zionistischem Geist ausüben^sgller^"^äDie zwei. letzten Resolutionen der Tagung gehen charakteristischerweise über den Rahmen formaler Unzufriedenheit hinaus. Sie beeinhalten Forderungen, und zwar solche, für die der Revisionismus seit Jahr und Tag kämpft. „Die Konferenz", heißt es, „ersucht das Exekutivkommitee der Allgemeinen Zionisten Palästinas, sofort Schritte zu unternehmen, um eine Mittelstandskolonisationspropaganda in und außerhalb Palästinas zu entfalten und diese Kolonisation zu organisieren." Und weiters: „Die Konferenz fordert ihre Mitglieder in der jüdischen Nationalversammlung auf, dahin zu wirken, daß eine neutrale Arbeitsvermittlungskommission geschaffen werde, die allein imstande ist, ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gewährleisten." Wenn der Jischuw davon spricht, daß in die palästinensische Jewish Agency erst zionistischer Geist eingeführt werden müsse, so ist das ein Beweis für das Tempo, in welchem die durch Nichtzionisten „erweiterte" Jewish Agency als das, was sie ist, erkannt wird. In Warschau erfuhr man etwas mehr, gelegentlich des Abschiedsbanketts für das nach Palästina übersiedelnde Exekutivmitglied Farbstein.. Ein alter Zionist, der Delegierte des palästinensischen Keren-Kajemeth-T3irelctoriums "Älter Dro'jano w,~ $äbr~ Fächern' folgende Worte auf den Weg mit: „Farbsteins Weg wird nicht mit .jRpsen besät i sein* In Erez Israel arbeitet nicht mehr die zionistische Organisation, sondern die Agency,. die au» Nichtzionisten und gar Antirionisten bestent" ... . . .. Diese Worte eines palästinensischen Zionisten be-: antworten mit einem Schlag die Fragen *aer die zionisti* sehe Politik, führt Die Allgemeinen Zionisten hätten' schon viel früher Gelegenheit gehabV .tfur -• Erkenntnis zu gelangen, wer die zionistische PoUtik führt und .'was der Grund des oben beschriebenen Kurses ist Die Zionisten-Revisionisten haben es oft ausgesprochen- (und sind dafür verleumdet, beschimpft, angepöbelt worden), daß in der Agency A n t i:zi.o rt i's t e n -sitzen. Wird, man; sie wieder als sensationslüsterne^. Abenteurer bezeichnen, wenn sie vor neuen Gefahren warnen?i v Notizen Benjamin Cardozo Mitglied des Obersten Gerichts der Vereinigten Staaten. Präsident Höövef ernannte den1 berühmtenj ü d i s c h e n Rech" t sge lehrten .••Benjamin Cardozo zürn Richter am Oberstern Gericht, der Vereinigten Staaten. Dieses, höchste ameri-, k a n i s c h e V r i t> u n ä 1 zählt nunmehr zwei . Ju<Jeri zu Mitgliedern: Louis D: Brand eis' und Benjamin N. Cardozo. Cardozo wurde am 24. Mai 1870 in New, York geboren. - * Ein Jude Mitglied der Regierung in Niederländisch-Ostindien. Herr B. J. de L.elear,wurde zum Direktor des Finanzdepartements der Regierung von Niederländisch-Ostindien ernannt. Er ist der erste Jude, der ein Departement der -Batavia-Regierung, verwaltet. * . 1 i Gegen die Juden in der Türkei. Die Regierung •hat dem türkischen Parlament einen Gesetzentwurf vor1 gelegt, wonach fremden Untertanen jede auf Erwerb gerichtete Beschäftigung in den Dorf«rn und Landstädten untersagt wird. In den größeren Städten ist der Haridelrmit M öin öp o 1-ar ti><kie.ln! (Tabak, Zucker, Alkohol, Sah?, Petroleum,- Zündhölzchen);, ferner die Arbeit in ö ff entlichen Diensten, das Gewerbe als Fremdenführer, Träger, Transportarbeiter, Handwerker, Wächter, Kellner, Tierarzt, Apotheker usw.; .. . . :,. j, ■_ . ' s. fy^Ti;.. ^^.y ~ ■■ untersagt. Da die meisten der in der lurkei lang ansässigen, Juden das... i;iifek(sch> .Staa^sJ|ürger recht nicht >«'Ä; u*t!:'?. ^^w^pwlm'j^^i |! Die ganze Welt singt Paul Abrahams Schlager! Die ganze Welt lacht über Paul Pranks und Ludwig Hirsclif e letl/i^usispieiet: Diese drei Prominenten im Reiche der leichten. Muse schulen die wit* ige und melodienreicne TONFILM* O P E R E T T E; ^ößlOCKUfflEHE^' mit Hermann Thlmlg, G^org Altxander, ' Magda Schneider; Oiiy Gebauer, Lee Perry, . Roai Baraony Täglich Im: Opern-Kino. l. / lmperial-Klno. 1. LßuEn- Itiß, III. / tlpria ThereslEn Kino, Uli. Im Verfeih Deutscher Tohfilniv L ..Battfil'^jC^- i Ein verwai§fe§ Leben Von Jehuda Steinberg (Fortsetzung.) Als Qscher in seiner Sondermission ums „Kind" ins Dorf kam, war dieses schon 17 Jahre .alt Klug genug war er bereits, zu begreifen, warum der Vater sich jetzt an ihn erinnert habe, und sein Herz begann aus alter und neuer Empörung überzukochen. Gerne würde er dem Vater sagen: Als icb einen Vater brauchte, hast du mich weggeworfen; jetzt brauchst du mich als Kind. Aber bei mir im Herzen ist dieser Platz verwachsen — kein Platz für einen Vater. Der Wagen stand draußen zur Fahrt bereit. Der halbtrookene Landweg, der zum gegenüberliegenden Berg aufsteigt, lag in Erwartung da, senkte sich jenseits des Berges in die Wälder und Täler irgendwohin abwärts, als wollte er sagen: Ein Mensch darf nicht von allem Anfang wissen, wo sein Weg endet. Schlojmele hob noch einmal die Augen zum alten Großvater empor, gleichsam um ihn zu fragen: Lassest mich also wirklich wegfahren! Dieser gaib ihm einige Küsse auf die Stirn und wünschte: „Fahr' wohl, Gott soll dir helfen, sollst ein ehrliches Kind sein, wir sollen an dir viel Gutes erleben." Schlojmele heftete die Augen auf den gewesenen Lehrer, der ihm nach seiner Art zulächelte. Schlojmele wurde es jßjötzlich warm. Für ihn war der Weg klar. Er fährt, aber nicht zum Vater, sondern nach Radiwce, wo sein guter gewesener Lehrer wohnt, wo er das kleine Waisenmädchen, die schöne Mirjom, treffen werde. Frohgemut bestieg, er den Wagen und schmiegte sich an Oscher. Die Pferde zogen an, der Kutscher pfiff ihnen zu, die Räder rollten fröhlich und eilig zum Berg, ihr Lärm übertäubte die paar Abschiedsrufe „Fahr gesund", die Schlojmele nacheilten zusammen mit einigen verfrühten Schmetterlingen! ohne den Wagen einholen zu können. Als sie bereits' den Berg hinauffuhren, blickte sich Schlojmele urh. Es'schien, als ob Dorf, Bäume, Teich ihr früheres Aussehen verloren hätten. Alle wurden sie ein einzig Ding,' dris ihm fremd ist und ihm immer mehr entschwindet.; Schlojmele schmiegte sich noch inniger an Öscher. Die vorösterliche Sonne begann mit ihnen ihren Spaß zu treiben. Da scheint sie geradeaus m die Augen, da verkriecht sie sich hinter irrenden Wolkenfetzen. Auch der Weg treibt mit ihnen Späßchen. Bald laufen die-Pferde unter einer Staubsäule, als wäre es Hochsommer, Bald versinken sie ,in Kot, aus dem. sie den Wagen nur mit Mühe herausziehen. Auf den FeU dem begegnen sie Schafherden, die Erde fressen, als wäre es Gras. „Mäh" rufen die alten Schafe, „mäh" singen die Lammskjnder nach. .... _jffr. 233 "besitzen uffd .die* meiMeirder'verbotenen- Berufe spezifisch /«jü dische sind, ist "das"Gesetz von vernichtender ■Wirkung. ' ..... * *. ■ ■ '•f. Lehrstuhl füjr Hebräisch an der Lemberger Uhi- veteitat jAridenv Institüt für orientalische Sprachen an 'der LeffibergEer UnivefsiiHt, das1 von dem her-; vorragenden Orientalisten Dr.v.;A;lexej , Klawek geleitet <wird, wurde ein Leh r stu hl[ f ti,rH e-bräisch eingerichtet, so daß ,yon,,nun..ab Äta g,i s t e r p r ü f u n g e n -für Hebräiseh abiieIe^/^räea;'-?K6iwi*en.'vund für he- .bräische Arbeiten der Do.k.tp.rtitel verliehen werden kann. Am Institut werden nunmehr qualifizierte ^Lehrkräfte fifr■ das;h e bir ä3 siehe Seh u 1 w e s e n aus- . gebildet werden. .'. . v '(' . .. -#........ Nach 500 Jahren wieder eine Judengemeinde , in {..Barcelona. Die jüdische Gemeinde in B a r c e 1 o n a, die " über, eine eigene Synagoge und einen eigenen Friedhof verfügt, ist von dem Prä s i d e n t e h der s p ani sehen Provinz K a.t al.an.i e.n o f f i zi e iL a n- ,6.1 kannt w p r den. Der Vorstand der Gemeinde beriet vüber einen Antrag, den Präsidenten, im Rahmen-;eines festlichen Aktes zu begrüßen. Es wurde aberbeschlossen, von einer! solchen Begrüßung, die leicht als* eine Identifizierung der jü'di sehen Genie lüde mit.einer bestimmten.. Partei ausgelegt werden und den Juden, sobald eine andere Partei zur Macht kommt, stärke Verlegenheiten bereiten könnte, abzusehen. Der Präsident der Gemeinde Barcelona, Dr. D a n o n, begab sich inoffiziell zum Präsidenten von Katalonien und 'begrüßte ihn. ''.'.-■ '.. - i". '" ■ " ■'• ' )'• '-. •' , fr' 90.000 jüdische -Familien in Polen leben vom Ackerbau. In der-letzten Generalversammlung des Verbandes jüdischer Landwirte und Gärtner „Ikori Ganon'- hielt das Mitglied des. Warschauer Stadtrates ] Engelmann einen Vortrag über Landwirtschaft unter den Juden und teilte mit, .' 'xiaß'." gegenwärtig •'•'O-;0.O'OO' jüdische F am i 1 i e h ' i n Pol'e h ausschließlich in Ackerbau und Gartenarbeit beschäftigt sind. Es gelte nun, alle diese Kräfte, in den Verband einzugliedern, um die jüdieche^Landwirtschaft in Polen auf ••.einen höheren Standard, durch Gründüng von Produktionsgenossenschaften zur besseren Verwertung der Produkte, undI. von .Kreditgenossenschaften zur Förderung der Wirtschaft Ades jüdischen Landwiirtes und Gärntners zu bringen. .: * .' '.'' '•'';• Nachklänge;zum Pogrom in Wiliia. Däs: Gericht in Wiina verurteilte; den jungen Juden Sa-lm-an R u b rii wegen Mißhandlung1 eines, n i c h t j ü dd.sc h e n , ^Studenten am 9, November 1931j dem Tage: des: Wilnaer Pogroms, zu d r e i..j.<a.hx.e rt, s,c.h W<e r.e n K,e tX,e,r s. „Rubin.;., führte zu ." seiner yerteidigurig";anV .er ■' habe "gesehen, Wie der Student auf eine jü d i s c h e Frau : e in s"c h 1 u g, und habe sich dieser Frau angenommen. ' Das Urteil gegen Rubin ist das s C h w e r s;t e; in ,der /Reihe, der. Prozeßurteile im, Zusammenhang mit .dem . Wilnaer Pogrom. ..Wie bekainnt, sind die.' in e ls't'e n bisher Verurteilten'Juden. * Prozeß gegen Pogroihisten in Griechenland.- Der Staatsanwalt in Saloniki hat die offizielle' Anklage j gegen die Urheber der a <n t i s e m i t d s.t5.h eU nruhen.im Juni 1931 erhoben; der .Beginn. des Prozesses wurde für den 2. April angesetzt \yie erinnerlich, fanden im Juni im Zusammenhang mit Gerüchten,' daß die Sa'lö n iki e r Juden mit Bulgarien' k o n s p i r i e r e n, ausgedehnte antisemitische Unruhen statt* die mehrere Tage andauerten und in der Niederbr,ennun.g ,. des. jüdischen Stadtviertels Campbell gipfelten. Angeklagt sind 29 Personen, unter, ihnen als diie moralischen Urheber der Unruhen der Ch e f r eda k t e u r d e s, R e g i er'u ngso r ga'ns „Makedonia'V Nico Fard i s, der Präsident der Griechisclven Nationalunion Kosmidis, und der Sekretär .dieser .Union, Hartopplus. Da in Saloniki anläßlich des Prozesses antisemitische ' Man if e'stätioneii zu befürchten wären, wird der Prozeß in der bnachbarten, 40.000 Seelen zählenden. Stadt V e r:r i a stattfinden. In Verria leben 400 Juden. ,'<*,:.. .......;Sabbat-Sch.uldispens in Jugoslawien. Angeregt . durch . eine Enquete des W e 11 v e r b a n d es für; ,....... Oscher,, wird 'aufge^räumt, Er spürt neben sich eine Seele, die ihm so .ergeberi .ist, unrt er wünscht sich, daß Gott, gebe Gesundheit,, viele Tage .ihm, ..seiner . Bejle, seiner Mirjom, Schlojmele, und daß Öott' Keife allen Juden, auf daß sie ihre eigenen Häuser haben und Mietzins einheben. , ' . ' . •..'*,;. ' ... ' .' : \; Schlojmele kam-es vor,-nachdem er in die Stadt eingefahren war* als hätte ihm jemand; ein Netz über die Augen gelegt; es schien ihm, als sehe er alles nicht . in seiner Wirklichkeit; - kaum daß er den Vater erkannte. W.ürd.e-er ihm auf der Gasse begegnet sein, . unter anderen. Männern) er wüßte nicht,- ob er ihn er-; kannt hätte.- Auch die Stiefmutter hatte er sich anders vorgestellt. Oft hatte er sie jm , Traum gesehen\ reine häßliche, dürre Frau,, mit, großem . Mund, der^ immer schreit« immer schilt, mit) dünnen, zum, Kneifenstets . gekrümmten Fiijgern, mit- Katzenaugen, die man überall, sieht und die einen überall ansehen; alles wie unter , einem -Schloß. Sie .selbst ist auch mit Schlüsseln gegürtet, und wenn sie gebt — raßliges Geklingel wie Grillengezirp. Aber sein,e Stiefmutter, jetzt kann er. es sehen, ist ganz anders. Er empfindet es angenehm.,, sich, in Gedanken die Szene zu wiederholen, da ,er zum erstenmal .des, Vaters i Haus betrat

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