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Die neue Welt · 1932-03-04 · Heft 233 (4.3.1932) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 233 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Groschen fMtag, den 4. Min 1939 R EVU E HERAUSGEBER. ROBERT STRICKER BEZU OSBEDINOUNOEN: Oesiwdcb monatlich S 1.50, vierteljä Tschechoslowakei monatlich Ktf6.- ' ------- ' " " " Lei 40.-, vierteljährig Lel l20.-{ C Lewa 120.»; Itaifen monatlich Lite a Jährig Schweizer Francs 4.50 v . .- Redaktion a. Verwaltung: Wien IX, Universität Mir. 6»8, Tel. B-4S-S04 - " f M Rumänien monatlich Erscheint jeden Freitag ^lilHIIIillllllllU (Kinder, kommt zum Kinder^Porimtest!| | Sonntag, den 20. März 1932, 4 Uhr nachmittags, im Theater Reklame, 11/fraterstraße 34 | | Theatervorstellung und Tanxvorführungen der Kindergruppe T r u de öo d wyn | 1 as Es wirken ausschließlich Kinder mit, darunter Lletl Weinberger ====='| § Bestellungen auf Karten nehmen entgegen: die Administration der „Neue Welt", II, Untere Augarten- {§ straße 38, Tel. A-45-6-34, und die Damen Paula Stricker, Tel. A-48-1-89, und Else Nebenzahl, j§ | Tel. U-12-2-1,6. Karten für Kinder ä S 1.-, für Erwachsene ä S 2.- i fiiimtiiiiimiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiin^ Würde! Wurde! Der Heilige Vater läßt berichtigen Die unvernünftigste und unwürdigste Art, dem Antisemitismus zubegegnen, ist die Anpreisung der „besonderen Verdienste" der Juden um das Wohl der Menschheit, der „besonderen Leistungen" von Juden auf den Gebieten der Kultur, der Ethik und der Wissenschaften. Unvernünftig, weil diese Anpreisung des Judentums als Retters, Lehrers und Helfers der nichtjüdischeiiÄ^ens,chheit nicht geeignet ist. die Antisemiten versöhnlich zu stimmen. Diese Methode führt gewöhnlich zum gegenteiligen Resultat. Und unwürdig ist1 es, den Ausspruch des jüdischen Volkes auf gerechte und ehrenhafte Be-, haridlüng piit dem Hinweis?, altf-„besondere"' Leir . stungen zu, /begründen. : ©le einzig-; vernjuxftige ',yq\A. würdigeFormel 'lautöt:^Wi^ Jtiden sind; Menschert . wie;^Jle;anderen,; das jüiäiscK^ ^bjk -ist ein ^Vollf $ri4 Alle' anderen., Daher unser;Kecht auf gleiche Behandlung!" Jede Einschränkung oder Erweiteruiig ist von Uebel. . '; r. Die jüdische SelbStänpreisung ist wenig respektabel. Aber noch' kläglicher wird die Sache; wenn man mit Anpreisungen von nichtjüdischer Seite um Gleichberechtigung und Schonung bettelt. Das führt mitunter zu;-grotesker Blamage. Eine solche haben soeben die Wiener „Israeliten" erlebi Die Sache nahm voneiner Rundfunkrede des Jesuitenpaters Georg B'i che I ni a i e r ihren Ausgang. Pater Biehelinaier"berührte auch die Judenfräge und sprach in netter und anständiger Weise über die Juden, lehnte die rüden Formen gewisser antisemitischer Radaubrüder ab. . Das war genug, um die in der. „Union deutschösterreichischer Juden" ^rganisiei-ten Wiener Assimilätionsj.uden in einen Freudentaumel zu versetzen. Sie stürzten sich auf die Rede des geistlichen Herrn wie ein ausgehungerter Hund auf den saftigen Knochen. Sie verfaßten einen Bericht über diese gesegnete Rede (in der Begeisterung scheinen sie es auch mit dem Text nicht allzu genau genommen zu haben) und übersandten ihn allen möglichen und unmöglichen Stellen. Diesem Bericht zufolge hatte Pater Bichelniaier gesagt: „...Das jüdische Volk Hat der christlichen Weit d cn H e i 1 an d . g'.esc henkt, die Hai-' tung der Christenheit sollte darum eine der P'ah kbarkeit und Liebe sein; Antiseniitisf mus ist etwas den Lehren der katholischen Kirche Entgegengesetztes. Die antisemitische Bewegung ist für den Heiligen Vater eine -Quelle d e s G r am s;- der Papst hat wiederholt der Christenheit zugerufen, keine feind-, Hchen Gefühle gegen das Volk zu hegen, dem der Heiland entsprang.*4 Da habt ihr es, ihr - Herren Antisemiten, schwarz auf " weiß! Weil'ihr nicht den Juden liebt und ihm nicht stündlich danket; sitzt der Heil i g e' Va-ter in seinem Kämmerlein und grämt sich: Vielleicht'vergießt'er auch Tränen über euch! ' - Das „Neue Wiener Twblatt" brachte den rührenden Ei'güfi am Montag. Aber am Donnerstag schon erschien eine vom zitierten Pater stammende' Berichtigung.' Vorerst wird; erklärt, daß die oben zitierte Äeußerung dem Pater von der Union« „unterschöbe n" wurde. Pater Bichelniaier habe lediglich gesagt, daß „die katholische Kirche von jeher für das jüdische Volk, das e i n s t von'> Gott auserwählte Volk gebetet habe." Das ist wahr! Vor den Scheiterhaufen, auf welchen Juden auf Befehl der katholischen Kirche verbrannt wurden, standen immer Bischöfe und' Mönche und ' beteten für die armen, verirrten Sünder. 1 Dann aber habe Pater Bichelniaier von dem päpstlichen Dekret dto. 25. März 1928, welches auch vom Antisemitismus handelt und dessen scharfe Formen ablehnt, wörtlich gesagt: „...Als Ausdruck solch inneren Stehens zu sozialer Ge rech t i g k e i t und christlicher. Liebe, nicht aber a l s b 1 i n d e V e r k e n-; h u h g tatsächlich . v o r h a n d e n e r S p a n« Hungen, will bewertet sein, was , der gegenwärtige Papst in. einem Dekret vom .25. März 192^ (über den Aöti^emitisiniis) erklärte.'4; /Das klingt,schon anders!'Das heißt, aus feiner; :|e^ite;rröpracE6 J^n! jgrj^esf^u^sch^ nber«etzli# ©ent| ■A^-"-:,''v'M'^^v"-c<!^ vi Die Allgemeineni Zionislen stellen revisionislisdie Forderungen Anftizionisten an maßgebender Stelle BEILAGE ____(sc.e0) TOR DEUTSCHLAND Antisemitismus soll beileibe nicht tatsächlich vorhandener Grund abgesprochen werden. Nur die rüden Formen, die sich unter der Bezeichnung Antisemitismus herausgebildet haben, werden abgelehnt. * Wieder ein schönes Zeugnis, noch dazu ein christliches, beim Teufel! Man glaubte, den geistlichen Herrn sicher zu haben, und nun ist er entwischt unter dem ironischen Beifallsgelächter der Antisemiten. Ob Pater Bichelmaier aus freien Stücken ins Gegenteil berichtigt, ob er, was sehr wahrscheinlich ist, in heiligem Auftrage gehandelt hat, bleibe dahingestellt. Daß es ihm leid tut, den Unionjuden einen kleinen Finger gereicht zu haben, und daß er sich in Hinkunft vor Erörterung der Judenfrage hüten wird, steht fest. Wieder hat •es sich erwiesen, daß das Manipulieren mit der „Auserwähltheit" des jüdischen Volkes, mit seinen „besonderen Verdiensten um die Menschheit", daß dieses Hausieren mit christlichen Wohlverhaltungs-;Zeugnissen;:immer, zu; einem Fiasko führt. Ob die ij^epen von der Union aus der Affäre Bichelmaier •ietwas-lernen rwerden? Schwerlich. , er fmv i*2s ziomstisAe Politik? Niditzionoslen und . In emem Augenblick, da -der .Zionismus, .schwere politische Schlage zu parieren hatte, trat im Juli , 193t der Baseler Z i 6 n i.s tenkongreß zusammen, Um — wie. die zionistische. Welt erwartete — die drohenden Gefahren durch ein kons t r u k t i v e s Pr o g'r a m m und eine eindeutige Willenskundgebung abzuwehren. Nach den Metzeleien vom August 1929, nach dem Passfieldschen Weißbuch und dem sogenannten MacDonald-Bricf stand alles auf des Messers Schneide. Das „ErweiterteJewish <Agency"-System hatte of f enkundig Schiffbruch gelitten. Die stärke Fraktion der Zionisten-Revisionisten führte auf dem Kongreß den Kampf gegen die kleinmütige Verzichtpolitik und gegen alles, was sich im Laufe der Jahre verheerend ausgewirkt hatte, gegen alles, was der Begriff „Briit:h-Schalom" umreißt. Nach langem und schwerem Ringen gelang es den positiven Elementen-auf dem Kongreß, die defaitistischen Gruppen zurückzudrängen, und als man daranging, der Zionistischen Organisation eine von neuen Männern zu führende neue Leitung zu geben, waren die Zionisten- Revisionisten in ihrem vollen Verantwortungsbewußtsein ,. und in ihrem Mut . zur Neu-. S Cihö P f u n g! bereit, den von ihnen inaugurierten Kurs durph;entsprechende Teilnahme an.der Exekutive Wirklichkeit werden zu lassen. Sie taten es aus patriotischer; Pflicht, in der Stunde der. Entscheidung. Daß es' nicht dazu kam, ist aus der weiteren :Eht«' Wicklung des Kongreßgeschehens bekannt. / " Nichtsdestoweniger aber war die Grund* haltung des Kongresses, wie sie sich in zahl- ' reichen, v^m ^evisiöni^mus inspirierten Beschlüssen kundgab, klar und deutlich, gegen .' die bis zum , r Kongreß geübte Verzichtstaktik, . vor, allem durch den. Sturz des nach außenhin weithin sichtbaren Exponenten eines Kleinzionismus; Professor Weizmann. . Die Monopolstellung der linken . Gruppen, deren einseitige Wirtschäftsdoktrin. im Verein, mit' ejner nahezu terroristischen Machtentfaltung im Lande dem' Aufbauwerk. schweren. Schaden zugeijigt hatte, wurde in' manchem ins Wanken gebracht Fragen wie die M i 11 e 1stan.dskolonisation, . der antinat.ionale Geist ' deS Forschungsinstituts auf dem' Skopus,;; die Organisierung' dös . ädnlinistrativen Apparats, erfuhren ihre Erledigung' vielfach im Sinne des von uns angedeuteten neuen Kurses. ' Alle im redaktionellen Teil befindlicher» cntgelt» liehen Notizen smd durch ein beigefügtes & bezeichnet Wenn so die Bahn frei schien für eine konstruktive zionistische Wiederaufbauarbeit, so gab aber die Zusammensetzung der neugewählten Leitung keineswegs die Gewähr für die praktische Verwirklichung des deutlich kundgegebenen Kongreßwillens. : Namen wie Birodetzky, Arlosoroff, Locker, mußten schwerste Bedenken dahin 'erregen, daß die neue Leitung hier retardierend wirken würde. Aus dieser Erkenntnis lehnte damals die revisionistische Fraktion die neue Leitung entschieden ab und machte ihre Gründe für die Notwendigkeit . ihrer weiteren oppositionellen Kampfstellung in . genau präzisierter Form klar. . Nun sind acht Monate vorüber, acht Amtsmönate der neuen Exekutive — ein genügend langer Zeitraum, um zu erkennen, wie berechtigt die revisionistische Besorgnis war, wie richtig ihre Prognose; ein genügend langer Zeitraum, um die Frage zu rechtfertigen: „Wer führt die zionistische Organisation?" * Wer führt die zionistische Politik?" Was die Oeffentlichkeit an Taten registrieren kann, dürfte sogar auf diejenigen, die in ihrem Verlangen sehr bescheiden sind, .nicht .ermutigend wirken. Den Auftakt der „politischen" Kampagne der neuen Herren bildete das für den gewesenen Präsidenten in London veranstaltete Bankett, auf dem sehr prominente Persönlichkeiten, Juden und Engländer, die unheilbringenden politischen Aktionen Londons und Jerusalems mit einem Schwall bis zum Ueberdruß wiederholter Phrasen wegredeten — während am gleichen Abend in Jerusalem der panislamische Kongreß zu einem großen Schlag j gegen den. Zionismus ausholte. Wenn dies Politik der Jewish Agency in London war, so war. die Annahme von ein paar hundert schäbigen Einwanderungszertifikaten durch die palästinensische Jewish Agency (unter dem fast einmütigen Protest des Jischuw) nicht minder Politik. Vergessen wir auch nicht die organisatorischen Bemühungen unserer Exekutive, die ganz unberechtigt und illegal ein Geschrei über die Beschlüsse der Revisionisten in Calais erhob und in einem Resolutionskommunique' Maßnahmen ankündigte, die auf den Ausschluß von rund 65.000 Kongreßwählern hinauslaufen. Man erinnert sich wohl an die mutige Tat des zionistischen Redakteurs vom „Israel's Messenger" Esra, dem es gelang, den bekannten Experten Sir John Hope Simpson in der Frage des zionistischen Endziels an die Wand zu drücken. Den zwischen Esra und Simpson geführten Briefwechsel haben wir vollständig veröffent-

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