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Die neue Welt · 1932-02-26 · Heft 232 (26.2.1932) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 232 (26.2.1932)
Date
1932-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 232 Seite f Zeit, da auch das Jubiläum des Keren Kajemetb gefeiert wird, des ältesten Sohnes und Lieblings des Herzl-Zionismtis. Ich fürchte aber, daß ich nicht werde „vergessen" können. Die Verbitterung und Empörung Uber das, was in Erez Israel unter dem gegenwärtigen Regime geschieht, erlaubt mir nicht, bei meinem persönlichen Hervortreten mich auf einen gemütlichen Ton der Feierlichkeit zu begrenzen. Aber ich halte es für nötig, in dieser schriftlichen Begrüßung noch einmal zu sagen, daß wir alle ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit einen starken und mächtigen Keren Kajemeth brauchen. Man kann über Taktik und vielleicht auch über einige seiner Prinzipien diskutieren, aber das sind alles Nebensachen; Hauptsache ist, daß wir den Keren Kajemeth mächtig und vor allem reich sehen wollen. Ich bin stolz, konstatieren zu können, daß der Brith Trumpeldor in vielen Ländern, wo Kommissariate für den Keren Kajemeth existieren, v%pv für dieses Ziel arbeitet" Sk^Mknv *%U1 wi 'ff > y^dcurU Jubiläumsaktion des Keren Kajemeth Ziel: 500 Dunam in der Kolonie „C h i b b a t h Z i o n". Jede zionistische Gruppe wird eine Anzahl von Dunam (ä S 100) zu erlösen haben. — Zeit der Aktion: Die Purim-Woche. — Gemeinsame Jubiläumskundgebung aller zion. Gruppen. Am Donnerstag, den 17. März, wird eine Kundgebung stattfinden, bei welcher die Nestoren der Bewegung sowie die Repräsentanten aller Föderationen und Sonderverbände sprechen werden. — Als Abschluß der Jubiläumsaktion wird in einem großen Wiener Kino eine Palästinafilmvorführung stattfinden. Für judisdie Selbst wehr! — Tel Chajt Am 4. Februar hielt V. Jabotinsky in Paris vor einer tausendköpfigen Menge im Saal „Mutualite" einen Vortrag über die antijüdiscb. en Exzesse und die Ziele des Keren Tel-Chaj. Er wies auf die sich immer mehr zuspitzende unsichere Lage der Juden in der ganzen Welt hin. Wir dürfen uns nicht länger wie Lämmer znr Schlachtbank führen lassen. Nur wenn wir den Pogromhelden mit starker Faust entgegentreten und ihnen zeigen, daß jüdisches Leben und Eigentum nicht ungestraft angegriffen werden können, werden wir freier aufzuatmen vermögen. Hiezu ist jedoch eine systematische wehrsportliehe Erzieziehung der jüdischen Jugend in allen Ländern erforderlich. Der Vortrag wurde von dem überaus zahlreichen Publikum — Hunderte konnten wegen Ueberfüllung des Saales keinen Einlaß finden — mit Begeisterung aufgenommen. 200 amerikanische Juden nach Palästina abgereist 200 amerikanische Juden haben »ich in diesen Tagen nach Palästina eingeschifft. Die Mehrheit derselben wird sich dauernd in Palästina niederlassen, um dort Orangen plan tagen anzulegen, während die tÜ>rigen nur eis Touristen reisen. Ein protestantischer Bischof gegen die Judenbekehrung Die katholische Schottische Mission in Budapest leitete vor einigen Wochen eine Judenbekehjung«kampagne ein, die in der jüdischen untf Tfcgespresse Ungarns viel erörtert wurde. Anknüpfend an die verschiedenen Diskussionen gab Herr Dr. Desider B a 11 h a z a r, protestantischer Bischof von Debrecen, die folgende Erklärung ab: •,Die Bekehrung dürfte meiner Meinung nach nur im Kreise derjenigen Völker in organisierter Form geltend gemacht werden, welche noch nicht zur moiraldschen Höhe des geistigen, persönlichen Gottheitsbegriffs gelangt sind. Nichts ■ beweist mehr, daß das Judentum in hohem Grade zu dieser Höhe gelangt ist, als eben Jesus, der die sittliche Höhe des Gesetzes und der Propheten j anerkannt hat und ihnen einerseits die Unantast- J barkeit sicherte, andererseits auf deren Grundlage; stehend erklärte: „Das Heil kommt von den! Juden." Wenn also das Judentum mit vollem Rechte sich darauf bezieht, daß es der Welt die reichste Gottesidee und die höchste sittliche Auffassung gegeben hat, daß seine Heilige Schrift auoh die Heilige Schrift des Cnristeaums ist, daß es außer ihm auf dieser Welt keine Religionsgemeinschaft gibt, die ungeachtet ihrer Minderheit einen so enorm hohen Prozentsatz vorzüglicher Männer auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Kunst und des Wirtschaftslebens aufweist, daß sowohl die Diaspora als auch das sittliche Leiden seines Erdrücktseins es in seiner Glaubenstreue nicht erschüttert hat, dann muß jeder denkende Kopf glauben, daß die jüdische Religion den Segen besitzt, groß und glücklich zu machen! Ich lernte von meinem christlichen Glauben, daß man niemand in seinem Glück, besonders in seinem Glaubensglück, stören darf; man darf auch niemand des edlen Selbstbewußtseins des Besitzes seiner Tradition und der Werte seines Glaubens berauben. Die großen Dienste, % Urteile über Simonsbrot —* \. Simonibtot oitbltnt als DMfmaf)ra«gfmtttf! btn ctffrn l' mq rittjnnt^mtn nnt> f)eHt »otjl bat Stffr auf btm (Stbttte btt RefotmcrnAi)ning bat, 2. Simon* t>iot €ft Utdjt Dti&aulfdf nno ttbtrttffft an tDof)fflt t^matf meine» €rad)ttiH lt>*» anbtn Kornbrot V- $n btn guten Qeinroftfidn Hungen nnft ««itfmlen cr^ältlM) Simongbrotfaftrit OH*n»ftagran 11 Sftg.ttfttr $o|totrfonft - Ogporf J die das Judentum der ganzen Welt geleistet hat, gemahnen auch uns ungarische Christen, mit keinen Bekchrungsabsichten Anlaß dazu zu geben, daß als Folge unserer Handlungen eine Bitterkeit entstehe .. Was der Studienreisende Lange Zeit hindurch hatte man durchaus falsche Vorstellungen von den Juden in China« Man sprach davon, daß es dort die Nachkommen der verlorengegangenen zehn Stämme gäbe, die heute viele Millionen Menschen zählen und im Rahmen des Landes bedeutende politische und wirtschaftliche Positionen einnehmen. Als ich auf meiner chinesischen Reise dort ansässige europäische Juden fragte, ob ihnen von chinesischen Juden etwas bekannt sei, erklärten sie, daß es viele zum Judentum übergetretene Chinesen gebe, aber von Judenchinesen sei ihnen nichts bekannt Im Jahre 1919 traf ich in der Stadt J a o m i n (Mandschurei) einen Judenchinesen. Als ich dort einen Laden betrat und mich mit dem Inhaber in ein Gespräch einließ, fragte mich dieser, was ich sei. „Ich bin ein Jude", antwortete ich. Auf seinem Gesicht zeigte sich eine sonderbare Zufriedenheit und er erklärte mir, daß er ebenfalls Jude sei. Nicht einer von den „neuen" Juden, sondern Jude tri seinem, iw> neuesten,. _" ^K^Lem,-<Sis^>ieft Seltsame Schicksale der Juden* dimesen N« Mischowsky erzählt Frage beschäftigen, angeben, daß die Juden zur Zeit der Min tu-Dynastie (70 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung) eingewandert seien, und zwar aus dem Westen, aus Per sie n. Tatsache ist, daß sich bei den Judenchinesen zahlreiche persische Sprach ausdrücke finden und daß die religiösen Hymnen der Judenchinesen den persischen sehr ähneln. Auch wurde ein aus dem 4. Jahrhundert stammendes chinesisches Werk gefunden, in welchem von fremden Beth Hamidraschim und von einem einzigen Gott die Rede ist, den die Fremden verehren. Der arabische Reisende Abi Saud al Hassan gibt in seiner Beschreibung aus dem Jahre 878 an, daß die Juden in China volle Freiheit hatten, daß die chinesische Regierung und das Volk keinerlei Rassenunterschied kannten und die Juden zu hohen politischen Stellen beriefen. Offiziell ist bekannt, daß die chinesische Regierung im Jahre 1163 den Juden erlaubte, einen Tempel in Kiangfu zu bauen, und daß die Juden um den Jahren 1329 und 1354 offiziell nach Peking eingeladen wurden, um mit der chinesischen Regierung wegen Eintritts in die Armee zu verhandeln. In den diesbezüglichen Dokumenten werden die Juden „Schowi" oder „Jehudim" bezeichnet. Ich sah in Schanghai Bilder der Kiangfu er jüdischen Synagoge mit zahlreichen Bauteilen und Höfen. Drei Baugruppen führten zu den Eingängen, die Höfe waren mit Gräsern und Bäumen bepflanzt Vor jedem Eingang standen hohe kubische Steine, in welche die Hatiptlehren der jüdischen Religion in chinesischen und hebräischen Buchstaben eingeritzt waren. Auch befand sich. dort das Allerheiligste und ein Altar, zu dem nur der Hauptpriester einen Zugang hatte. Von einem Podium aus wurde die Thora gelesen. Die Architektur des Ganzen war ein Gemisch aus chinesischen und persischen Motiven. Es wurde festgestellt, daß vom 13. Jahrhundert angefangen in China zahlreiche Juden gewohnt haben, die sich mit Import- und Exporthandel beschäftigten und es zu Wohlstand brachten. Ebenso ist festgestellt, daßMissionäre sich bemühten, sie dem Christentum zuzuführen, allerdings ohne Erfolg. Auch versuchten die Missionäre, den Juden alte wichtige Reliquien und Manuskripte abzukaufen. Die Juden lehnten den Verkauf Jahrzehnte hindurch ab und erst in letzter Zeit, unter dem Zwang des Hungers, sahen sie sich veranlaßt, einige Antiquitäten, darunter auch uralte Thorarollen, herzugeben, die sich jetzt in europäischen Museen befinden. Am Anfang des 17. Jahrhunderts versuchte der Londoner Rabbiner Jizchak Nieto (ein sephardischer Jude) mit den Judenchinesen in Kontakt zu kommen. Er bat sie in einem hebräisch geschriebenen Brief um Informationen und erhielt Anwort in hebräischer und chinesischer Sprache. Heute haben die In China lebenden Juden jeden Zusammenhang mit dem Judentum verloren. Im ganzen gibt es bloß einige hundert Familien. Ihre Synagogen sind entweder vernichtet oder durch Alter zerfallen, darunter auch die große Kiangfuer Synagoge. Nichts ist von ihr geblieben und in ihrer Umgebung wohnen einige Dutzend jüdische Familien — hungernd, verelendet, unwissend. Und doch geben von Zeit zu Zeit die Judenchinesen ihren Willen kund, mit der Weltjudenheit in Fühlung zu gelangen: sie schicken Abgesandte zu den weißen Juden nach Schanghai, welche ihrerseits wiederum eine Hilfsgesellschaft gegründet und einige junge Judenchinesen zu weiterer Ausbildung nach Schanghai gebracht haben. Diese jungen Juden sollen zu Lehrern und Erziehern für ihre im Zentralchina lebenden Brüder ausgebildet werden. Allerdings ist dieser Plan schwer durchzuführen, da die Judenchinesen, abgesperrt von der übrigen Welt, fast jedes Gefühl für jüdisches Wesen eingebüßt haben. Zum Schluß muß noch die Tatsache hervorgehoben werden, daß alle chinesischen Kaiserdynastien und das chinesische Volk niemals die Juden verfolgt und unter Ausnahmegesetze gestellt haben. Die Juden waren in China stets freie, gleichberechtigt« Staatsbürger. _ fT^t Trwcfe ^^^touu^ete fewn»** MONOPOL. ATLANTIS FILM WIEMVH. von alters her, aber er wisse nichts vom Judentum, da es an Lehrern und Erziehern fehle. Er sei mit einer Buddhistin verheiratet, ebenso seine Kinder. Er unterschied sich in nichts vom typischen Mongolen in Aussehen, Sprache, Kleidung und Lebensart, kannte ein paar Buchstaben des jüdischen Alphabets und von den Feiertagen waren ihm Pessach, Rosch Haschana und Jörn Kippur bekannt. Sonst wußte er nur, daß die jüdische Religion einen Gott kenne. Er wunderte sich sehr, daß es unter den „weißen Europäern" ebenfalls Juden gebe, und zwar ungefähr 15 Milionen, die zwischen den Völkern verstreut leben. Ob es außer ihm in seiner Gegend noch Juden gebe, wußte er nicht; denn eine Synagoge, ein Gemeindeamt, ein Cheder war nicht vorhanden. Hingegen erzählte er, daß es in Zentralchina eine Stadt Kiangfu gebe, wo Judenchinesen vorhanden seien. Zwei Jahre später traf ich im französischen Teil von Schanghai einen Juden, welcher aus Kiangfu stammte. Dieser konnte schon ein paar hebräische Brocken lesen und schreiben, die er von europäischen Juden gelernt hatte: er war der Schamraes in der Synagoge von Französisch-Schanghai. Von ihm erhielt ich die Adressen einiger Judenchinesen, angesehener und reicher Bürger Schanghais, die mir die gewünschten Auskünfte über die Juden gaben, für die ich mich interessierte. Wie lang die Juden in China wohnen, ist nicht genau bekannt. Auf einem Stein, der beim Eingang in die Kiangfuer Synagoge steht, ist zu lesen, daß die Juden in der Zeit der Hon-Dynastie (200 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung) nach China gekommen sind, während die Jesuiten, welche sich mit dieser

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