Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 232 (26.2.1932)
- Date
- 1932-02-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DTF NEUE WEI T Nr. 2*2 Sotiillplitton, auch TMleh I 2«Mu«giirl*loit«riJ«| 5 „6LPHORA" I I., Oominlkansibasftl 22 I >E6k« K»l) Tit. R-J4-4-161 heute dieser Diskussionen, die von dem klaren politischen Blick Herzls Zeugnis gaben." Zu diesen Prinzipien rang sich bereits Herzl im Kampf mit der aufstrebenden deutschnationalen Richtung in der Akademischen Lesehalle durch. . Die weiteren Geschick«1 der Akademischen Lesehalle, das Beginnen; des Antisemitismus, ui den Reihen der Studenten, die turbulenten Vorgänge, die im Jahre 1881 zur Auflösung der Halle führten, und Herzls innerer, nach außen hin nicht sichtbarer Kampf gegen den Antisemitismus gehören einem besonderen Kupitel aus dem Leben Theodor Herzls an. Die rote Inquisition Mnssenverhat'tungen und Erpressungen in Sowjetrußland. Jüngst haben wieder Massenarretier ttngert in Sowjetrußland, hauptsächlich in der Ukraine, eingesetzt. Man hört nicht viel davon, da anscheinend' eine strenge Zensur der Korrespondenzen in Sowjetrußland gehandhabt wird. In Palästina ist eine Menge von Briefen eingetroffen, die Schrecken erregen. Auch viele Telegramme mit der Bitte, 2 0 bis 50 Dollar zu schicken, laufen ein. In den Briefen wird tt. a. darauf hingewiesen, daß die Worte „Ich bin kran k" nichts anderes - bedeuten als „Ich b in -verhafte t". Aus den Nachrichten geht hervor, daß in den letzten zwei Monaten nicht weniger als "5Ö.Ö0Ö Juden verhaftet wurden. Ein Odessaer Jude schreibt nach seiner Enthaftnng: . V „Man hat 200 Juden verhaftet und sie in ein Zimmer gesperrt. Man verlangte V a 1 u t a, fremde.« Geld von ihnen. Stühle zum Sitzen gab es-nicht! Man stand zusammengepreßt wie in einem Heringfaß. Obendrein wurde noch Dampf in das Z i m m e r g e 1 e i t e t, so daß man nahe am Ersticken war. Diejenigen, die irgendwo Gold oder fremde Valuten auftreiben konnten, wurden gegen Uebergabe freigelesse.n. Die anderen mußten unaussprechliche Leiden durchmachen. Es wurden auch bettelarme Juden arretiert und gezwungen, diejenigen anzugeben, die Valuten hätten." Der gleiche Vorgang spielte sich in unzähligen anderen Städten ab. Weder Greise noch Frauen wurden geschont. Der Terror geht weiter. Die Hnuptrorgr aller besteht darin, irgendwie Gold oder Valuta zu erlangen, um sich durch deren Abgabe aus Kerker und Not befreien zu können. * Jerusalem, 17. Februar. Im Zusammenhang mit den vom hebräisch-jiddischen Publizisten Benzion Katz gemachten Mitteilungen über Massen Verhaftungen von Juden in Rußland und Valuta-Erpressungen an den Verhafteten, bezw. deren Angehörigen in Rußland wie im Ausland durch die s o w j e t r u * s i s c h e ,0 e h e i inp o 1 i z e i (OGPU.) richtet der hebräische Dichter Chaim Nachman Bialik ein offenes Schreiben an die jüdische Presse in der ganzen Welt, in welchem er die Presee auffordert, an sichtbarer Stelle die „gegen die Juden in Rußland geübte neue Inquisition, die noch grausamer ist als seinerzeit die Inquisition in Spanien", zu brandmarken. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meyer D i z e n g o f f, richtete auf telegraphischem Wege an Dr. Stephen S. W i s e in New York, Ehrenvorsitzenden des American Jewish Congress, einen Appell, überall in Amerika Protestversammlungen gegen die neuen Judenverfolgungen in Ru'ßland abhalten ztt lassen, Eine .Beihe von Protestver' Sa m m 1 u n g e iF wird in Palästina vorbereitet. Reuebekenntnis! Zu den abstoßendsten Kennzeichen des bolschewistischen Systems zählen die „öffentlichen Reisebekenntniss e". Die Furcht vor barbarischen Strafen und die Hoffnung, durch knechtisches Verhalten gegenüber den Machthabern ihre Gunst zu erwerben, haben die schamlose Sitte der Selbstbeschuldigung erzeugt. In Sowjetrußland hat der Geist der Scheiterhaufen-Inquisition seine Auferstehung gefunden, jener Geist, der darin schwelgte, seine Opfer vor die Wahl zwischen Martertod und Beschimpfung des eigenen Glauben« zu stellen, jener Geist, der die Heuchelei als Massenerscheinung züchtete. Aus Moskau wird gemeldet: Der bekannte jüdische kommunistische Führer und Chefredakteur der Tageszeitung „E m e s s", M. Litwakow, bezichtigt sich selbst im „Emess" sch'werwie g e n d e r und g r o b e r Fehler, die er 1921 bis 1026 begangen hat, indem er sich von national-menschewis tischen und opportunistischen Erwägungen nicht frei hielt. So. habe er nicht rechtzeitig das J,ii.d dis che Kammertheater als ,,k 1 e i nb ü rg er Ii ch" entlarvt, auch habe er in einigen Fällen die jüdische Arbeiterpartei „Bund" als ^.idealistisch" charakterisiert. Von jetzt ab werde er die Parteilinie genau einhalten. Der Besuch des Führers '.Ins' R'evlsinni^m s.. v. i;! ohne Zweifel vieles zur Sfiirkuug des mitionaleu Gefühls im italienischen Judentum und' /.ur Entwicklung des Revi- Brief aus Italien Judentum — Faschismus — Zionismus - Revisionismus Ein palästinensischer Freund schreibt der „Neuen Welt""aus Italien: Mailand. Anfang Februar. — Fahrplanmäßig war ich schon einigemale in Italien, da ja der Weg von Erez Israel nach Europa über Triest führt. Aber in Italien bin ich zum erstenmal und hege den natürlichen Wunsch, die 50.000 Seelen zählende Judenschaft des Landes kennenzulernen. Das ist aber nicht leicht. Auf der Straße kannst du den Juden vom Italiener ndcht unterscheiden. Ich weiß nicht, ob diese äußerliche Aehnliehkeit zur Zeit des alten Rom und Juda auch so groß war. Jetzt ist sie überraschend. Dazu die Tatsache, daß die Juden nur ein Achthund ert^tel der Bevölkerung ausmachen. Auch in den großen Städten ist der Prozentsatz der Juden minimal. Auf 800.000 Einwohner in" N e a p e 1 entfallen 800 Juden. In M i I a n o gibt es mehrj 10.000 auf eine Million Einwohner. Aehnlich ist die Proportion auch in Rom. Auch die Namen sind vollitalienisch. Giorgio, Umberto, Angelo, Dante, Renzo usw. sind die meist gebrauchten Vornamen. Man kann zwar manchmal einen judisch-sephardlschen Vornamen mit dem „Ben" am Anfang antreffen, aber dies ist schon eine sehr seltene Erscheinung. Die Zunamen sind gleichfalls ganz italieni- *siert. Von der Sprache nicht zu reden. Die italienische Sprache herrscht autokratisch. Vom spanio1ischen oder „jiddischen" Jargon ist hier anch nicht ein Anzeichen geblieben. Das national-kulturelle Leben der Juden ist dürftig. Vor dem Zionismus identifizierte sdch das jüdische Leben mit der Synagoge. Der Zionismus hat. die Keren-Kajemeth-Büchse, die Keren-Hajessod-Sammlungen und von Zeit zu Zeit eine Wahldebatte hinzugefügt Tiefer jedoch ist der Zionismus nicht eingedrungen in die Seele der Juden, welche in einem Lande leben, das einen Mazzini, Garibaldi und Cavour hatte, wo in der Gegenwart ein vojlsaftiger Nationalismus herrscht, der nicht, wie in den mittel- und osteuropäischen Rändern, vom Antisemitismus durchtränkt ist. In dieser Hinsicht muß man Mussolini und sein Regime ehrend anerkennen: Der italienische Faschismus ist in seiner Gesetzgebung und in der alltäglichen Praxis nicht nur nichtantisemitisch, sondern neigt dazu, die jüdischen Rechte anzuerkennen, zu betonen. Das vor kurzem veröffentlichte Gesetz über die judischen Gemeinden ist in diesem Geiste gehalten. Es hat sogar die Unzufriedenheit der Assimilationsjuden hervorgerufen, weil es zu judisch ist. Aber das ist nicht neu. Der Vatikan klagt darüber, daß der jüdischen Religion in Italien mehr Rechte zuerkannt wurden als der katholischen KircH* vergißt jedoch, daß die jüdische Religion k ei ne po,li t i s chen F o r d erungenan Italien hat, von^denen der Katholizismus aber voll ist. '"''•■;r Die Universitäten sind j ü cfi s ch e n S t u den ten aus allen Ländern geöffnet. Im Lichte des studentischen Huliganismus in Deutschland, Oesterreich, Polen, Rumänien usw. ist dies eine außergewöhnliche und erfreuliche Erscheinung. ' /„'•■ An den Universitäten, in Banken, im Kommer ziehen, in der Industrie, inltler Armee und Marine finden wir Juden an verantwortlichen Stellexi. In diesem Lande, welchem die jüdischen Massen fehlen und das von brutalem Antisemitismus frei ist, hat sich der offizielle Zionismus in eine philanthropische Organisation ohne Nationalpathos, ohne Glauben und ohne Jugend verwandelt. Der italienische Delegierte zum letzten Kongreß hat sich der brithschalomistischen Gruppe „A" der allgemeinen Zionisteri angeschlossen. Der geistige Führer der italienischen Zionisten und zugleich Redakteur des zionistischen Wochenblattes gleicht eher einem trennungsorthodoxeu Agudisten. Der Revisionismus hat in Italien vom ersten Moment seiner Entstehung au feineu anderen Weg eingeschlagen. Die junge' Organisation ist zwar" noch schwach, aber trotzdem haben die Revisionisten bei den Wahlen zum XVII. Kongreß zirka 300 Stimmen auf sich, gegen 500 der allgemeinen Zionisten, vereinigt. Seit zwei Jahren erscheint hier eine reviösionistisc he Monatsschrift „L'Idea Sionistica". Vor kurzem wurde hier eine „B rit-Trumpe ldor-Organisation begründet. Zur Zeit existiert eine größere Gruppe in M i 1 a n o. Es gibt aber schon viele jüdische junge Leute, die sich als Beta r im betrachten, Hebräisch lernen, Geschichts- und Zionismus-Kurse besuchen, ihren eigenen Sportverein besitzen usw. Hiebei sei .erwähnt, daß laut Gesetz nur faschistische Vereine das Recht haben, sportliche Tätigkeit zu betreiben. Dementsprechend ist die zionistische Sportgruppe dem Verbände faschistischer Sportorganisationen angegliedert. Der Präsident der revisionistischen Landesorganisation ist ein Rechtsanwalt und Oberstderitalieni« sehen Armee, ein Enkel eines Mazzinischen Mitkämpfers für die Freiheit Italiens. Die Mitglieder des revisionistischen Zentralkomitees träumen von einer großen nationalen Bewegung im Judentum, ähnlich der italienischen. Im Februar wird in Milano, unter Beteiligung Wladimir Jabotiuskys, die I. Revisionistische Landeskonferenz Italiens stattfindensioniismus beitragen. [-.'. A v i -Ruf h. Union der Zionismen- Revisionisten Oesterreich Das Sekretariat der Union teilt mit; Am S ö n n t a g, de n 2 8. Februar, findet um 16 Uhr im Heim eine Parteiratssitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Politischer Bericht und Beschlußfassung; 2. Organisationsbericht; 3. Eventuelles. Alle Parteiratsmitglieder sind verpflichtet, au dieser äußerst wichtigen Sitzung zu erscheinen. * Die Bürostunden des Sekretariats werden täglich von 17 bis 20 Uhr (Freitag ausgenommen)' sowie Sonntag von 10 bis 12 Uhr abgehalten. Weltunion der Zionisten« Revisionisten Das Londoner Büro der Union teilt mit! Am 7. d. M. fand in P a r i s eine Sitzung der r e ▼ isionistischen Welt -Exekutive unter dem Vorsitz von Herrn V. Jabotinsky statt. Folgende Herren nahmen an der Sitzung teil: A. Angel, M. Berchin, M. Großman, V. Jabotinsky, Dr. J. Machower, J. Rosoff, J. Schechtmann, R. Stricker, Dr. Z. Tiomkin, I. Trivus und der Sekretär des Exekutivkomitees Dr. H. Rosenblum. Es ist u. a. beschlossen worden, demnächst eine politische Erklärung erscheinen zu lassen, die den Standpunkt der Union zur Lage in Palästina und zur allgemeinen politischen Situation offiziell präzisieren soll. Ein S c h w a r z b u c h, das Dokumente und sonstige Beweise des Mandatsbruches Seitens der Mandatannacht enthalten wird, soll in allernächster Zeit publiziert und den maßgebenden politischen Faktoren, wie dem Völkerbund und den Regierungen," zur Verfügung gestellt werden. Außerdem ist eine Reihe großzügigerpol itischer Aktionen für die nächste Zeit beschlossen worden. Die revisionistische Weltkonferenz Wurde für den 24. Juli d. J. angesetzt. Dieselbe wird voraussichtlich in Wien stattfinden. * Die Herren Dr. Z. Tiomkin und J. Schechtmann haben ihre Demission als Mitglieder des Exekutivkomitees eingereicht. Herr Dr. Tiomkin gab hiebei die Erklärung ab, daß er sich zu diesem Schritte genötigt sehe, nachdem die Politik des Exekutivkomitees England gegenüber nicht radikal genug geführt werde. Die Demission des Herrn Schechtmann ist darauf zurückzuführen, daß er die gegenwärtige Verteilung der Tätigkeiten innerhalb des Exekutivkomitees als unzweckmäßig erachtet. «. Sitzung der schekelzahlenden Mitglieder des Exekutivkomitees am 6. Februar in Paris. Anwesend: HH. A. Angel, M. Berchin, M. Großman, J. Machower, I. Rösoff, J. Schechtmann, R. Stricker, I. Trivus. — Sekretär: Dr. H. Rosenblum. Es wird einstimmig beschlossen, daß die .revisionistischen Schekelzahler der Exekutive der Zionistischen Organisation ein Gesuch um Legalisierung eines Sonderverbandes unter dem Namen „Sonder verband der Revisionisten in der Z. O." einreichen sollen. Im Programm dieses Sonderverbandes soll bei, der Formulierung unserer Ziele das Wort „ J. u d e n s t a a t" gebraucht werden, die Ausdrücke „Common wealth", „selbs^verwaltendes Gemeinwesen" ustorsollen bloß als erläuternde Begriffe dienen. — Ueber Antrag Strickers wird beschlossen, die sofortige Einberufung einer Sitzung des Aktionskomitees der Z. O. zu fordern. . . ■ Vom Jüdischen Nationalfond§ Feier in Paris — Ein Begrüßungsschreiben Jabotinskys In Paris fand in der Vörwoöhe eine Feier anläßlich des 50jährigen Jubiläunis der Chowewe Zion und des 30jährigen Jubiläums des Jüdischen Nationalfonds statt. Den Vorsitz führte Marcell Mirtil. Begrüßungsschreiben liefen von Pr9f. Paul P a i n 1 e v e, Jules Cambon und VI. Jabotinsky ein. Ansprachen hielten der Präsident des Komitees France-Palestine Justin Godard, J. Naiditsch, Emanuel Newman und Leo M o t z k i n, Jabotinskys Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Ich bitte Sie, meine. Abwesenheit zu entschuldigen. Es wäre mir ein großes Vergnügen, die schweren Tage zu vergessen, die wir jetzt durchmachen, durch die Begehung des Feiertags cjer Chibbat Zion, des Feiertags der Erwachung der nationalen Bewegung mit dein Ziel der Schaffung eines Judenstaats? u beigen Seiten des Jordan, überhaupt gar zu einer