Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 232 (26.2.1932)
- Date
- 1932-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 232 DIE NEUE W£LT Seite % dem Brith Sohalom nnd den linken Parteien nahestehendes Blatt, der Rigenser ^rimorgen" vom 10. Februar: „Die Bereitschaft des' arabischen Partners, den Juden am runden Tisch au begegnen, ist ein großer politischer Erfolg der Agency-Exekutive . . . Jeder Vorschlag ist geeignet, als7 Verhandlungs basi6 zu dienen.4* Diese und ähnliche Aeüßerungen der zionistischen Verzichtspresse sind eine dndirekte Bestätigung der vom revisionistischen Hauptquartier gemachten Ent hüllungen, Sie berechtigen wohl vollauf die tiefe Beunruhigung des überwiegenden Teile« der aonisti sehen Bewegung. Sowohl führende jüdische ZeHuUgen Polet», u. a der „Hajnt" und „Moment", als auch maßgebende Persönlichkeiten, vertreten gegenwärtig die Ansicht, daß die enthüllten arabisch-englischen Pläne, selbst wenn sie nur teilweise verwirklicht würden, eine Lebensgefahr für den Zionismus bedeuten. Es wird häufig die Frage aufgeworfen, ob denn nicht die Zeit gekommen sei, vor. aller1 Welt die Grenze zu proklamieren, wo die zionistiische. Nachgiebig keä t endet. . tir Der „French-Bericht". Das Exekutivkomitee der Weltunion der 2ioni- «ten-Revisionisteu teilt weiter» mit: Die Untersuchung des Herrn French galt in erster Linie der Feststellung der genauen Zahl von Arabern, die an^g.e.blieh durch dde jüdi «che Kolonisation verdrängt wurden. Die Palästina-Regierung v e r w.o ig ert e den j ü d iechen Vertretern von Anfang an die Möglichkeit, das Tatsachen- und Zahlenmaterial des French- Berichtes zu kontrollieren. Erst nachdem die Untersuchung schon ihrem Ende entgegenging und es augenscheinlich wurde, daß keine ernste Körperschaft deren Resultate annehmen würde, setzte die Regierung eSuc weitere Behörde ein, um den angegebenen Zahlen des Berjchtes, mit dem Scheine einer angeblich zustande gekommenen „Kontrolle" zu versehen. Wie diese „Kontrollbeihörde" aussieht, ist schon daraus ersichtlich, daß sie ebenfalls aus einem Beamten der Palästina-Regierung besteht. Herr French hat nun seinen Bericht, demzufolge angeblich 240 0 bis 2 500 arabische F a m'i 1 i e n durch die j ü d i s c h e A n s i e, d l .u n g v e r d r ä n g -t wurden, fertiggestellt. Auf Grund dieser Zahlen sollen nun Maßnahmen empfohlen werden, die geeignet sind, die -jüdische Einwanderung ...und Siedlung gänzlich einzustellen. In .. seinem Berichte gibt French dpa Arabern den Vorzug gegenüber den Juden. Er sieht einen Entwicklungsplan vor, der die-jüdischen Bedürfnisse ganz , un b e r ück si ch t igt läßt, und, greift auf Sir John Hope Simpsons Argumejnt zurück, wonach Landx es e r v e n für das jüdische Nationalheam i n F ü 11 e vorhanden seien. Um dies zu beweisen, geht er sogar so weit, Maßnahmen zu befürworten, denen zufolge die im Besitze jüdischer Behörden befindlichen Ländereien an Araber ver.- ■:pachtet werden sollen, bis diesen durch den Entwicklungsplan andere Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Wir haben1 Grund, zu behaupten, daß die Bemühungen der Palästina- Regierung, Land des Jüdischen Nationalfonds in Wadi Chawarit für die Araber zu erhalten, das erste Resultat der Anwesenheit von Herrn French in Palästina'sind. Es ist zugleich ein Präzedenzfall, j ii d i s c h e R e s e r v e 1 ä n d ereien den Juden zu entziehen und den Arabern zu r Verfügung zu stellen. Dieser Fäll ßoll gleichzeitig den Juden als psychologische. Vorbereitung für die Annahme des French-Berichtes dienen. Es soll eine Situation geschaffen werden, in der die Juden angesichts der Möglichkeit, der schon in ihrem .Besitze befindlichen Lände reien beraubt zu werden, den Mut verlieren, zu verlangen, daß ihnen gemäß den Bedingungen des Mandats weitere Ländereien zur Verfügung gestellt werden. Es ist mehr als bedauerlich, daß die zionistische Exekutive es nicht für wünschenswert hielt, die öffentliche jüdische Meinung i\ir Verteidigung der jüdischen'Rechte zu mobilisieren, obwohl sie der ökonomischen und politischen Pläne, die die Entwicklung des jüdischen Nationalheims unmöglich machen sollen, gewahr wird. I Levante-Messe in Tel-Awiw 7. bis 30. April 1932 Kollektiv-Gesellschaftsreise nach Palästina. Das Gremium der jüdischen Kaufmannschaft, des Gewerbes und der Industrie in Wien gibt bekannt, daß Anmeldungen für die österreichische Gruppe auf der Levante-Messe in Tel-Awiw bis längstens 1. März 1932 entgegengenommen werden können, da es nach Ablauf dieses Termins keine Gewähr für die Unterbringung der österreichischen Erzeugnisse in der österntelh'gente l/ame 1 sucht wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung I g Freundliche Zuschriften an die Administration dieses I s Blattes, II, Untere Augartenstraße 38 m reichischen Gruppe leisten kann. Die Repräsentanz der österreichischen Levan{e-Messe wird bei der Wiener Frühjahrsmesse eine Propagandakoje für die Lcvantc- Mcsse errichten. Zur Gesellschaftsreise nach Palästina — mit deren Durchführung Fr. Berta Taubes betraut ist — werden die Anmeldungen ebenfalls nur noch bis Ende dieses Monats entgegengenommen. Parteienverkehr täglich ab 2 Uhr nachmittags (mit Ausnahme Samstag und Sonntag) im Büro der Rcp^iscntan», I., Deutschmcistcrplatz 4, Telephon A-18-5-80 Serie. Jeden Montag „Trefftag" der Levante-Mcsse-Intcressenten und Palästina-Reisc-Teilnehmcf 'ni Cafe „Excel s tor", I.,. Rotenturmstraße 24, ab 8 Uhr abends. Aus Theodor Herzls Schul- und Umversftäfszei't Von Dr. Tulo Nußenblalf (Schluß.) Wahrscheinlich kam Prof. Kellner auf diesen Gedanken, daß Herzl deutschnationaler Gesinnung sei, xvegen der späteren Mitgliedschaft Herzls in der deutschnationalen Burschenschaft „Albia". Aber dem ist nicht so. Al3 die in die Halle eingesprungenen ehemaligen Mitglieder des Deutschen Lesevereines die Halle zu majorisieren versuchten, kam es zu einem erbitterten Wahlkampf. Herzl schlug sich auf die Seite der liberalen Richtung, die ihr geistiges Haupt in Adolf Bachrach sab. Adolf Aschner dagegen führte, als Jude, die deutschnationale Anhängerschaft in der Halle. Der österreichisch-patriotischen Richtung sind im letzten Moment für den Wahlkampf viele Mitglieder aus dem Deutsch- Oesterreiehischen Lesevereiu als Bundesgenossen beigetreten. Unter diesen auch Oswald Boxer, der bewährte Herzl-Freünd, der im Dienste der jüdischen Kolonisation durch Baron Hirsch im Jahre 1892 dem gelben südamerikanischen Fieber erlag. Boxer informierte oft Herzt über die Vorgänge im Deutsch- Oesterreicbischen Leseverein, wo er oft Gelegenheit hatte, in der Diskussion für jüdische Dinge einzutreten. Dr. Josef P a t a i erzählt in seiner ungarischen Herzl- Biographie, daß Herzl literarischer Leiter der Abende im Vereine gewesen sei und als „großer Schweiger" in der Halle galt. Liegt hierin nicht ein kleiner Widerspruch? Herzl machte sich* dem Ausschuß der Halle mitunter auch unangenehm bemerkbar, besonders durch seine schriftlichen Mitteilungen im Wunschbuche, das er häufig in Anspruch nahm. Ergötzliches über Herzls Notizen im Wunschbuch berichtet Geheimer Justizrat Dr. Bachrach in „Zeitgenossen über Herzl". Ein Turm aus 4 Millionen Schalen Kathreiner 6mal die Höbe des Großglockners Einer unserer Abonnenten bat kürzlich ausgerechnet, daß die 4 Millionen Schalen Kathremer, die täglich in Oesterreich getrunken werden, aufeinandergestellt eine Säule ergeben, die 24.000 Meter hoch ist. Dieser' gigantische Turm ist wohl der sinnfälligste Beweis für die überragende Güte des Kathreiner und eine Tatsache, die dieses beimische Kaffeegetränk besser empfiehlt, als es die Firma selbst empfehlen könnte. «ich bei ihm etwas Geld angesammelt Außerdem fiel ihm noch ein Erbschaftsteil von seinem Vater zu, der inzwischen gestorben war. Ale^fcr,. sieh schon mit seinem Stückchen Kapital sah, fuhr er heim mit dem Gedanken, Dicht mehr ins Dorf zurückzukehren. Er dürstete schon nach einem ruhigen Leben bei,rieh zu Hause. Er ließ fast alle Geechäftsmöglichkeiten an seinen Sinnen vor* überziehen und keine einzige stand , seinem Herzen nahe. Er hatte ein wenag Angst, sein Geld einzustellen; fühlte, daß er kein Recht darauf habe; das Geld gehört nicht ahm alleins .der größte Teil davon ist Mirjams Geld auf Mitgift und Hochzeitsspeeen, wenn Gott die glückspendende Stunde zuschicken; tord. Und außerdem geriel ihm diese Art Geschäfte überhaupt nicht. Als Mensch, der das Leben aus Büchern kannte und aus ».Gedrucktem" fertige moralische Gesetze bezog, erschien ihm jeder Handel als Schwindel undjeder Kaufmann als — Gauner, der sich nur dann für das Leben Ter» dienen kann, wenn der Andere draufzahlt. „Ein Kaufmann arbeitet nicht selbst, er trinkt nur des Anderen Schweiß." . Endlich kaufte er ein kleines Anwesen aus seinem ganzen Kapital und lebte Tom Mietzins. Ihm schienen nun alle Fragen auf einmal beantwortetj er braucht niemandem etwas abzulisten» braucht nicht vom Schweiß des Andern zu leben, nur Mietzins einzuheben (in den großen zwei Zimmern logierten zwei Halhreichc, in den zwei Flügelzimmern vier arme Handwerker). Auf der Gasse kann ja niemand hausenf Er war mit sich zufrieden und sprach mit viel Vergnügen und großer Begeisterung darüber, dafl die Juden den Handel beiseitelegen und sich andere Erwerbsquellen erschließen sollten. Der gewesene Hauslehrer wurde in der Stadt zum angesehenen, gesetzten und ordentlichen Mann. Kaufleute aus der Umgebung begannen zu ihm Kommissionsware zu schicken. Jeder in der Stadt wußte, daß sich Qscher damit nicht befassen würde, müßte er nicht für das Wafeenmädchen den Verdienst zusammensparen. Boruch konnte niemand Besseren finden als pscher, um durch ihn vom gewesenen Schwiegervater den kleinen Awrejmel herauszubekommen: einstiger Lehrer, obendrein angesehener Bürger der Stadt, der unabhängig ist. Vor einem Menschen, der auf die Welt nicht angewiesen ist, liat man Respekt. So übergab er ihm auch die Vollmacht, gegebenenfalls sogar auf das ganze zugesprochene Geld des Schwiegervaters zu verzichten, damit er ja nur das Kind bekomme. Oscher setzte es durch. (forttetiuJkg folft.) Durch eiuen merKwürdigen Zufall können wir hier den dokumentarischen Beweis für Herzls liberale österreichische Anschauung erbringen. Theodor Herzl kandidierte für den Ausschuß der Halle und richtete an seine Kommilitonen aus diesem Anlasse einen Brief, der seine Kandidatenrede beinhaltet Die Rede wurde auch von Herzl gehalten. Leider haben wir hier nur ein Bruchstück, doch von wichtiger Beweiskraft Auch schon äußerlich ist die Schrift des achtzehnjährigen 5tud. iur. Theodor Herzl besonders interessant, Der Text .lautet: ' ..... * Geehrte Cohnhilitonen! Es war meine ursprüngliche Absicht, mich in meiner Cnndidatenredc durch wohltuende gedrängteste Kürze bei Ihnen verdient zu machen. Ich fühle zwar in mir weder Beruf noch'Neigung, Sie durch die Wiederholung bereits öfter vorgebrachter Dinge zu ermüden, aber ein Umstand zwingender Natur drängt mich zu einer etwas längeren Auseinandersetzung. — Ich habe nämlich zu meinem größten Bedauern von Mehreren vernommen, daß meine Äußerung in der vorgestrigen Wahlbesprechung, wonach ich meine Candidatur aufrechterhielt, eine Auslegung zu Teil wurde, die der von mir beabsichtigten diametral entgegensteht Ich" sehe mich hiedurch veranlaßt, jetzt aufs Klarste und Nachdrücklichste zu erklären, daß ich die mehlige lediglich gegenüber der Candidatur der Herren, die auf Herrn Aschners Seite stehen, aufrechterhielt; ich erkläre, daß ich den von Herrn Bachrach vertretenen Prinzipien meine unbedingte Anhängerschaft bewahre, und stets und in Allem den Hegern patriotisch österreichischer Gesinnung Freund und> Genosse sein werde. Meine Herren! Ic|i teile mit allen echten Freunden der Lesehalle den Wunsch und die Hoffnung, daß in der morgigen Plenarversammlung die Demission des Ausschusses abgelehnt werde, denn jeder Billigdenkende wird seine volle Aherkeßr Herzl war also keinesfalls deutschnational und konnte es auch nicht sein. Ihm war schon in seinen Jugendjahren das Gefühl für Gerechtigkeitprimär. Seine in ihm wachsende politische Berufung ließ ihn erkennen, daß man durch Gewalt der Monarchie keine guten Dienste erweisen kann. Herzl war ein Politiker ganz seltenen Formats» Regierungsrat Wilhelm Neumann, ein Altersgenosse und naher Bekannter Herzls, der langjährige Redakteur des „Frenidenblattes'Y erzählte mir über Herzls Jugendjahre und seine politischen Anschauungen viel Interessantes, Hierüber lasse ich insbesondere Minister a. Di Dr. Alexander Spitzmüller sprechen, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Oesterreichs, einen Altersgenossen und guten Bekannten Herzls aus der Akademischen Lesehalle. Spitzmüller erzählt: „Wir sprachen oft über Fragen der äußeren Politik. Obwohl al9 Publizist in einer großen liberalen Tageszeitung tätig, feiltp Herzl die landläufigen liberalen und deutschnationalen Anschauungen über die Vorherrschaft, die dem deutschen Volke in Oesterreich über die anderen Völker zukommen sollte, nicht. Er war vielmehr überzeugt, daß eine polftische Neugestaltung Oesterreichs im Sinne angemessene^ Berücksichtigung der Ansprüche aller nichtdeutschen V'olksstämme auf selbständiges nationales Leben und entsprechende politische Geltung unerläßlidi sei. Noch in unserem letzten Gespräch, welches wir kurz vor seiner schweren Erkrankung führten, meinte er besorgt, das starre Festhalten der Deutschen in Oesterreich an ihren bisherigen politischen Positionen und an einer Präponderanz, die sich nicht schon auf natürlichem Wege durch Geschichte, Kultur und Bedeutung des deutschen Volkes durchsetze, müsse der Monarchie verhängnisvoll werden. Wehmütig gedenke ich