Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1932-02-19 · Heft 231 (19.2.1932) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 231 (19.2.1932)
Date
1932-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711843-2711852--2985-2716317
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 251 DIE NEUE WELT Sei** Aus Deutschland Beilage der »Neuen Well« für Deutschland # Filialredaktion und Administration! Berlin, Cftarlotfenfeuro. % loadihnstalerstraRe 3/0 Block poHlisdier Zioniiten in Deutschland Gegen die Zionistische Vereinigung für Deutschland (Z. V. f. D.) nnd die „Jüdische Rundschan*' Die Zionistische Landesorganisation Deutschlands (Z. V. f, D.) und ihr Organ „Jüdisohe Rundschau" gehen mit Recht als die Hauptstützen der Weizmannschen Verzichtpolitik und der Politik dt>s „Brith Schalom*", jener Vereinigung, welche unter dem Schlagworte „Frieden mit den Arabern]** die Rechte der Juden auf Palästina preisgeben und den Zionismus seines nationalen Inhaltes berauhen will. Widerspruchslos haben die Z. V. f. D. und die „Rundschau", von der Weizmann-Exokutive gefördert, das zionistische Leben in Deutschland und auch über die Grenzen Deutschlande hinaus (Tschechoslowakei, Jugoslawien usw.) im Sinne der zionistischen „Verzichtpolitik" .bestimmt. Den Zionisten-Revisionisten Deutschlande war es lange Zeit überlassen, allein gegen die verhängnisvolle Tendenz m kämpfen. Nunmehr scheint ober auch in anderen zionistischen Kreisen Deutschlands der Widerstand rege geworden zu sein. Es hat sich ein „Block politischer Zionisten" gebildet, der mit einer Erklärung an die Oeffentlichkoit tritt, in der es n. a. heißt: „Der letzte Kongreß hat gezeigt, daß die das System der früheren Leitung bekämpfenden Kreise genügend Kraft besaßen, um durch die Wahl einer neuen Exekutive einen Kurswechsel in der allgemeinen zionistischen Politik herbeizuführen. Diese einmalige Anstrengung der . früheren Opposition ist aber nicht ausreichends um die Stetigkeit und Sicherheit der Richtung; der neuen Politik zu gewährleisten. ' In Erkenntnis dieser Notwendigkeit hat ©ine Anzahl von in Deutschland ansässigen Vertretern djieser Gruppen — Kongreßgruppe B der allgemeinen Zionismen, der Radikaien sowie der Unabhängigen Zionisten — nach mehreren in Berlin stattgefundenen Besprechungen beschlossen, künftighin die ihnen gemeinsamen Ziele in dauernder und engster Fühlungnahme miteinander zu verfolgen und dieser Zusammenfassung der einzelnen Gruppen unter dein Namen „B loc k p oli tis c he r 2i o n-ist e n in ,D e iit« eh* land" durch die Gründung einer Geschäftsstelle in Berlin und der Herausgabe eines Informationsblattes Ausdruck zu verleihen. Ein solcher Block der früheren oppositionellen Gruppen ist aber gerade in Deutschland Von besonderer Wichtigkeit, da die politische Haltung der Leitung der Z. V. f. D. und ihres Organs, der „Jüdischen Rundschau", noch immer von einem Geist beherrscht wird, der von der Majorität des letzten Kongresses unzweideutig abgelehnt wurde. In der Abwehr dieser politischen Einstellung und unter Ablehnung aller Tendenzen, die eine Verkleinerung der ZdeJe des Zionismus be~; deuten, will der Block politischer Zionisten in Deutsch- Jand durch seine aufklärende Arbeit auch die detitschen Zionisten für eine Auffassung des Zionismus gewinnen, der für die volle Verwirklichung; unserer Hoffnungen und die Durchsetzung unserer? Rechte in Palästina gegen alle Widerstände eintritt." Die Erklärung ist. von Dr. Georg Halpern, Doktor Soloweitschik, Direktor Kareski, Dr. Kollenscher, Rabbiner Dr. Freier, Rabbiner Dr. Levy u. a. gezeichnet. Um die Einheil der jüdischen Gemeinde Berlin In der Sitzung der Repräsentantenvereammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin am Ii. Februar kam es bei Beratung des Antrages der Fraktion der Jüdischen Volkspart ei betreffend Stellungnahme des Gemeindevorstandes gegenüber der jüdisch-nationalen Idee zu einer tiefgehenden weltanschaulichen Auseinandersetzung, die einen sehr erregten Charakter annahm. Anstoß zu dieser Debatte gab die Ablehnung einer Subvention von RM 2000 an Hechaluz durch die liberale Mehrheit in der letzten Repräsentantenversammlüng und die Begründung dieser Ablehnung durch den liberalen Repräsentanten Dr. Max Meyer. Dr. K l e e, der Führer der Volkspartei, verlas den folgenden Antrag seiner Fraktion: „In einer Repräsentantenversamanlung hat ein Mitglied der Liberalen Fraktiou bei der Beratung einer alsdann abgelehnten Vorlage des Gemeindeyoratandes, durch die dem Hechaluz entsprechend einer langjährigen Uebung der Gemeinde eine Subvention von RM 2000 wieder bewilligt werden sollte, folgendes ausgeführt: Er lehne die jüdisch-nationale Idee aufs schärfste ■ab, weil »ie im Widerspruch zu seiner religiösen Auffassung stehe, Und ihre Unterstützung sei für ihn eine ebenso schwere Sünde wie der Genuß verbotener Speisen für den Orthodoxen. Die Austrittsgemeinde der Adass Jisroel stehe ihm näher als die zionistischen Einrichtungen. Seine religiöse Ueberzeugung gebiete ihm, ausnahmslos gegen die Unterstützung jüdisch-nationaler, zionistischer Bestrebungen m stimmen. Wie eine Reihe von Abstimmungen der derzeitigen Repräsentantcnversammlung bewiesen hat, teilt die Mehrheit der liberalen Fraktion diese Sinnesart Hiedurch ist der Bestand der Gemeinde aufs schwerste gefährdet, denn sobald die skizzierte Einstellung als offiziell empfunden wird, müssen die Anhänger der nationalen Auffassung des Judentums, ohne Unterschied des religiösen Ständpunktes, den Schluß ziehen, daß für die jüdisch-nationale Weltanschauung und damit auch für deren „Anhänger in der Jüdischen Gemeinde kein Raum mehr sein «oll; dann wird es für sie unerträglich. werden, der einzigen Organisation, der alle Berliner Juden von selbst angehören, noch Interesse, entgegenzubringen. Die Anhänger der herrschenden . Auffassung dagegen werden zü einer fanatischen (Intoleranz erzogen werden und deshalb ihrerseits der Gemeinde den Rücken kehren, sobald die jetzige Minderheit einmal als Mehrheit der eigenen Auffassung die gebührende Anerkennung und Unterstützung erzwingt. Die Einheitsgemeinde kann eben nur von Bestand sein, wenn alle ihre Mitglieder stets das begründete Gefühl haben, bei ihr für ihre jüdische Auffassung so viel Entgegenkommen zu finden, wie es die liberale Mehrheit, durch die schlechten Er- 2 nur txtxt> -^njn^»"»^^P^Jf ,.. i^rjS^ '^^^■^■T ( , Kathreinei\ So ttHi&fte &t*Ututl fo gut rsrbout, — ba& feilt feie m^fkuj^^m t «**gtif uttifc bod) fo billig/ fahrungen früherer Jahrzehnte gewitzigt, nunmehr ohne religiöse Bedenken dem orthodoxen Judentum beweist. Wir ersuchen daher den .Gemeindevorstand,, seine ganze Autorität für die Bekämpfung der eingangs wiedergegebenen Einstellung einzusetzen" „Seit geraumer Zeit", fuhr Dj. Klee fort, „wird in den Sitzungen der Repräsentanten Versammlung der Kampf geführt gegen alles, Was wir erstreben, angefangen' vom Lehrstuhl für die hebräische Universität bis zu unserer Schülforderung und nun zu unserer Forderung für den Hechaluz. Für uns erhebt sich die sehr eniste Frage,' ob eine Beteiligung an diesem Gremium noch einen Zweckest.T Mit eihem Starrsinn, der sich allen Argumenten verschließt; wird alles abgelehnt, was uns am Herzen liegt. Vielleicht sage ich es heute'hier zum letzten Male noch: Begreifen Sie," daß m000 Menschen in Berlin* Wähler der Vblkspartei, keine quantit^ iiegligeable sind! Wir sagen nicht, daß wir morgen schon austreten, aber wir sagen uns: Was ist uns noch diese Gemeinde? Was sollen wir noch hier, wehn uns letztes jüdisches Bedürfnis unerfüllt bleibt? Ich will, ich kann es nicht mehr hören, daß Hechaluz eine Sache sei, die man aus religiösen Gründen ablehnt. Jischuw Erez Israel ist eine religiöse Förderung." Die folgende lange Diskussion brachte keine neuen Gesichtspunkte zutage. Das Ergebnis, welches in Anbetracht des grbßen Elans, mit dem die Völkspariei, unterstützt" durch eine Anzahl von Versammlungen vor der Sitzung der Gemeinde, an diese Angelegenheit herantrat, muß als sehr dürftig bezeichnet werden. Denn die Tatsache, daß sich' „der Vorstand nochmals mit der Frage der Hechalu^-Subvention befassen wird", bedeutet nichts anderes als ein Manöver der Liberalen, die Entscheidung öder, besser gesägt, die Reassumierung der seirierzeitigen Entscheidung vorzunehmen, herauszuschieben. Mit um so größerem Erstaunen muß die Ruhe der Völkspartei beurteilt werden, welche einfach alles über sich einhergehen läßt, als säßen die Vertreter des Nationaljudentums in der Gemeinde nur deshalb, um schöne Reden zu halten. Das hin und wieder mal ein Drohwort fällt, erschrickt niemand mehr und wird von niemand ernst genommen, wenn die Öffentlichkeit sieht, wie die Leitung der Volkspartei die Angelegenheit des Abbaus zionistischer Beamter und die schmutzige Kampagne gegen Direktor Kareski mit derselben Ruhe hingenommeh hat. Wir wollen keine Reden mehr hören, wir wollen nun endlich schon einmal die so oft angekündigte Tat sehen! Das erwartet die national bewußte jüdische Masse Berlins von ihren Vertretern in der Gemeinde, wenn sie ihnen auch weiterhin ihr Vertrauen schenken soll. —r. Die 113. Friedhofschändung Ein Grabstein auf dem israelitischen Friedhof in Gleidingen (Kreis Hildesheim) wurde zur Nachtzeit von seinem Platz entfernt uud auf einen Feldweg geschleppt. In den Gedenkstein sind ein Hakenkreuz und darunter die Namen zweier Gleidinger Nationalsozialisten, auf der anderen Seite ein Sowjetstern eingemeißelt worden. Auf die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung ausgesetzt worden. Der „Führer", das offizielle Organ der Nationalsozialisten in Baden, versucht in einer Besprechung der soeben in 5. Auflage erschienenen, vom Zentralverein zusammengestellten Friedihofschändungsliste die Zerstörungen in jüdischen Friedhöfen dadurch zu erklären, daß die jüdischen Friedhöfe verwahrlost sind und die Steine von selbst stürzen. Die daß die Pietät der Juden gegen ihre Toten selbst von „C. V.-Zeitung" erinnert in einer Erwiderung daran. Kritikern des Judentums anerkannt wird und daß die Methoe, die Verantwortung von sich abzuwälzen, den „Führer" kennzeichnet Die Stadt Berlin droht erwerbslosen nichtdeutschen jüdischen Familien mit Ausweisung In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin stellte Moses Waldmann im Namen der Fraktion der Volkspartei die folgende Anfrage an den Vorstand: '.. . „In Verfolg ihrer Sparmaßnahmen hat die Stadt Berlin einer ganzen Anzahl nichtdeutscher jüdischer Familien mitgeteilt, daß ihnen die bisher gezahlten Wohlfahrtszuwendungen in Zukunft nicht mehr gezahlt werden und daß diese Familien bei weiterer Inanspruchnahme des städtischen Woblfahrtswesehs mit sofortiger Ausweisung bedroht seien. Wir fragen an, ob diese Tatsache im Gemeindevorstand bekannt ist und welche Schritte er zu unternehmen gedenkt, um diese Familien zu schützen." Alfred Berger (Volkspartei) berichtete auch über Uebergriffe nachgeordneter Beamten, die Ausländern, die schon lange in Berlin wohnen« die Pässe abfordern und sie so der Gefahr aussetzen, als Paßlose verhaftet am werden. Er sei überzeugt, daß die vorgesetzten Instanzen diese Angelegenheiten mit Verständnis behandeln werden. Dr. Oskar Cohn mein}, es seien nicht einmal Polizeiorgane, sonde.rn andere Organe, die eine solche Praxis üben. Dr. Wilhelm Klee mann (Vorsitzender des Vorstandes) erklärt, das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde habe bereits in diesen Angelegenheiten Schritte unternommen and werde auf eine günstige Erledigung hinarbeiten. _ ._ Berliner Nachrichten Vortrag Kitnoll: Donnerstag, den 18. d.. sprach im Rannten einer Ortsgruppenversammlung der Berliner Zlonlsten-Revlslonlsteo Red. J. Klinoff Ober dos Thema: ..Wie argumentleren wir gegen den Kommunismus?" Ueber den Verlauf der Versammlung, die sehr stark besucht war, werden wir in der nächsten Nummer der „Neuen Welt" ausführlich berichten. Stammtischi Die Revisionisten Berlins treffen sieh Jeden Dienstag ab 8 Uhr abend« im Cafe Telscbow (1, Etage). HatdenbergstrnBe. direkt «m Bahnhof Zoo. Aach die von auswärts in Berlin eintreffenden Revisionisten werden auf diese Zusammenkünfte aufmerksam gemacht. Freie indische Vofkshochschttle: Der kontradlktntorlscbe Abend Otto Melier —Dr. J. N. Steinberg Ober „Judentum und Kommunismus" findet am Montag, den 22. Februar, im. Logenbaus. Kleiststraße 10. statt. Beginn 8 Uhr abends. Eintritt M. 0.S0 und M. 1. Predigte« In den Oemelndesyatgogeai Freitag, den 19. Februar: 17.30 LindenstraQe (Dr. Saloinansky); 17.30 Markgraf-Albrecbt-StraBe (Dr. Prinz); 18.00 Lütsowstraße (Dr. Weisse); 18.00 Fasanenstraße (Dr. Bergmann); 17.30 LevetzovsträBe (Dr. Lewkowlte); 19.15 Prlnzregentenstraße (Dr. Oalliner, Jugendanspracbe). In den übrigen Synagogen Beginn des Gottesdienstes 17.30. — Sonnabend, den 20. Februar: 9.00 Heidereutergasse (Dr. W. Levy); 9.00 KalserstraSe (Dr. E. Cohn): 9.00 RykestraBe (Rabb. Nobel); 9.00 Pestalozzlstraße (Dr. E. Levy); 9.0O Kottbusser Ufer (Dr. Bteicbrode); 9.00 MOuchenerätraße (Dr. A. Levy); 10.00 OranlenburgerstraBe (Dr. Wiener). Brfth Trumpetdur Deutschland. (Mittellungen der Neatwut.) Der ABSbildungsplaii fOr die geistige Hacbschar* der D*rga Alef ist fertiggestellt und wird In den nächsten Tagen an die Mefakdlm versandt werden. Er nmfaOt einen genauen Lehrplan für die kulturelle Erziehung der Jüngerschaft in allen vorgesehenen Fächern mit detaillierter Inhaltsangabe und Literaturnachweisen, ein umfangreicheres Material für Heimabende sowie als Anhang eine Bibliographie für Darga Alef. Sofort nach Herausgabe muß die gesamte Arbeit der Darga Alef auf Grund dieses Ausbildungsplans geführt werden. Die Pläne für d)e Danwt Bet und Qlmmel werden in nächster Zelt ausjrearbe tet werden. — Die Zusammenstellung eines Ausbildungsplans für die Zofiut ist soeben begonnen worden. — Der ,.H a m l s c h m b r" erscheint in den nächsten Tagen neu. Abonnementsbestellungen bei Zwi Uerest. Berlin-Wilmersdorf, ZahrlngerstraOe 34. Ans den Bindest Berlin: Der Kazin ha Schllton H a I p t r t u wellte vom 6. bis 12. Februar in Berlin, wo er den Ken inspteWt«. Er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.