Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 231 (19.2.1932)
- Date
- 1932-02-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 AklMHfci AflHUidl ^M^^^riA Ate DIE NEUE WELT Nr. tti StMHolattan, auch Tauteh ZMUngsarlelontarung '!ft^^i5s8fta (EdittO Til MI-l-ie »JiHHMMlM Die Akademisch« L««*hallirv^^ toä-- patriotischen Tendenzen geleiteter „«cht Seterreichischer StudentenirereinM, desien ßhtgeÜ war« „ein Abbild Oesteftreicne zu «ein,:-$e% alle> Söhne Oesterreichs ohne Rücksicht aul nationale Tendenzen umfaßt"; * Es bestand aber in Wien auch ein aflderef großer Studentenverein, der „Leseverein der deut» sehen Studenten". Dieser Verein: wurde am 2. Dezember 1871 unter dem Ministerium Hohenwart „als ein Ausdruck der deutschen Opposition unter den österreichischen Studenten" ins Leiben gerufen, Er entwickelte eine deutschnationale Agitation unet schürte den Nationalitätenhader unter der Studentenschaft. Mit Recht sprechen die Berichte über zwei Parteien an der Wiener Universität. Die eine, die kurz als. „Deutscher Leseverein" bezeichnet, wurde, und die zweite, .,D e u t s c h - ö s t e r r e ic h i s c h e r Leseverein". Die erste Partei hatte zur Aufgabe, das deutsch-nationale Gefühl auf jedwede] Weise zu kräftigen und „die Studenten für jenen Kampf vorzubereiten, den das deutsche Element in Oesterreich mrf anderen Nationalitäten zu bestehenhat". Der „detitsdh-österreichische LeseVerein", als zweite Partei, „wollte alle Nationen Oesterreichs erfassen, sie auf dem friedlichen Wege für das Deutschtum gewinnen und in ihnen Begeisterung, für Oesterrech erwecken". ' * 1 Diesen beiden Vereinen standen die zahlreichen Burschenschaften und Landsälannschaften' nahe. Die Akademische Lesehalle bildete bis zum jähen Frontwechsel die große Anhängerschaft der; deutschösterreichischen Partei der - Wiener Studentenschaft. Auf beiden Seiten waren jüdische Studenten in erster und untergeordneter Stellung beteiligt. Dr. Heinrich Abeles (später als Dr. Ahrens), Max Reich waren als Juden Führer der. deutschnationälen Studenten. In diesen Vereinen Waren als Mitglieder viele später hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens organisiert: Hermann Bahr,' Engelbert Pernerstorf er, Viktor Adler, Alexander Spitzmüller, Artur S c h n i i z 1 e r, J. J. D a v i d, Eduard L e i s c h i n g, Edmund W e n g r a f, Oskar' Hei n Und viele ädere. Die Mitteilungen der Herren Hein, Spitzmüller und Wengraf haben mir wertvolle Ergänzungen für meine hier veröffentlichte Arbeit' geboten. Der Leseverein de'r denfs^hi^'-'ötudenteh machte' sich infolge seiner alldeutschen und deutschnationalen Richtung unbeliebt. Bei der Schiller-Feier, anläßlich der Enthüllung des Schiller-Denkmals, leistete sich der . Leseverein deutscher Studenten eine für jene Zeit ungeheure Taktlosigkeit, er begrüßte das Erscheinen des Kaisers mit Stillschweigen. Die politischen Agressivitäten mehrten sich und am 12. Dezember 1878 wurde der Leseverein mit dem Erlaß des Statthalters von Niederösterreich, Zahl' 71086, aufgelöst. Sein letzter Vereinspräses war der unlängst verstorbene Dr. Alfred Ascher. Die „Aufgelösten", wie man sie scherzhalber nannte, traten korporativ der Akademischen Lesehalle bei, um im Rahmen dieses Vereines legale Möglichkeit für ihre Tätigkeit in antiösterreichischem Sinne zu finden.-So wurde im Schuljahr 18?8-79 nach den protokollberichten in der Akademischen Lesehalle „de* schlummernde Nationalitätenhader zu solcher Leidenschaft entfacht, daß man für den Verein das Aergste befürchten mußte". Es gab tumultartige, gesprengte Versammlungen, die Farben Schwarz-Gelb und Schwarz-Weiß-Gold kämpften um die Führung. In diesem Sturm jähre wurde Studiosus iuris Theodor Herzl Mitglied der Akademischen Lesehalle. Er war einer, der beinahe tausend Mitglieder und nahm am Vereinsleben einen regen Anteil/ Besondere Freundschaft schloß er hier mit Oswald Boxer, Heinrich K a n a und dem studi ehem. M. R u e s o. Oswald Boxer war ein eifriges Mitglied des Deutsch-österreichischen Lesevereines, also patriotischer Gesinnung. Herzl erwähnt nirgends seine eigene Tätigkeit in der Akademischen Lesehalle. Prof. Kellner berichtet (Seite 26): „Eine Zeitlang gehörte Herzl der Akademischen Lesehalle an und war ein eifriges Mitglied. Damals gingen die Wogen der deutschnationlen Bewegung hoch in dieser Studentenverbindung. Herzl war einer ihrer eifrigsten Vertreter." (Schluß folgt.) fahre im März nqcfy Palästina, übernehmt Vertretungen^^: für Aegypten. Syrien und Palästina sowie Er* lediguhgen für die Levante-Messe Unter „Orientexport M.8.* an die Administrativ II, Untere Augartenttrqßt 88 Wähle dfch selbst! Ans der Wiener Judengemeinde — Was sagen die zionistischen and sozialdemokratischen Mandatare f Das Blatt der „Union Österr. Juden", die „Wahrheit", kommt mit einem famosen Plan. Er läuft darauf hinaus, den Herren Präsidenten, Vertretern und Vor. ständen die unangenehme Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit, Wahl genannt, zu ersparen und ihnen ihre hohen Würden durch Selbsternennnng ztt sichern. Die „Wahrheit", welche -das Organ der derzeitigen Majorität in der Judengemeinde ist, schreibt: „Eine wichtige Frage bildet auch das Problem der Abhaltung der Kultuswahlen, die bekanntlich im Spätherbst des heurigen Jahres erfolgen sollen. Für diese Zwecke müßte die Kultusgemeinde nicht mehr und nicht weniger als S 60.000 budgetieren. Man kann ruhig sagen, daß eine solche Ausgabe in dieser Zeit der furchbarsten Not wirklich unverantwortlich ist Denn wenn wir auch glauben, annehmen zu dürfen, daß die nächste Wahl im Gemeinde vorstand ein Bild ergeben würde, das den wahren Gefühlen der den Nationalismus entschieden ablehnenden Mehrheit'der Wiener jüdischen Bevölkerung besser entsprechen würde als das bisherige, so darf doch die Stimme der Vernunft nicht schweigen, die eindringlich zu Sparmaßnahmen bei allen tJeberflüssigkeiten mahnt, und eine solche ist heute die Durchführung eines So kostspieligen Wahlganges. mswi» antwortungsgefühl gegenüber den schwer kämpfenden Kültussteuertrügern sieh durchgerungen zu bafcea. Diejenige^, dfe cM f*lan%bn cW rm'Statut'gel^^nett Gelegenheit der Verlängerung der Mandatsdauer auf ein Jahr aus Parteiegoismus zunichte machen,' werden dies vor den Wiener jüdischen Kultuesteuerzahlern schwer rechtfertigen können." Nach diesen Aeußerungen steht fest, daß die Heiren der „Union" bereits entschlossen sind, den Juden das Wahlrecht zu nehmen. Der Passus „nicht bei allen Parteien" deutet aber an, daß auch andere Partei-en dem geplanten Wahlrechtsraub zustimmen. Die anderen Parteien sind! die allgemeinen Zionisten, die sozialdemokratischen. Werktätige^' und die Poale-, zionisten. Welche dieser; Gruppen hat zugestimmt? Heraus mit der S'p Ea-c h ei Es hat Zeiten gßgebenv,in/denen:eine solche Frage überflüssig gewesen wäre uiMman ruhig hätte annehmen können, daß eine ^sofehe^umutung nur von _>;••:!•?'' HISTAPftUTH IWRITH OLAMITH Sonnlag, 21. Februar um 8 Uhr abends sprechen im Herzl-^aal, (f., Untere Augartenstr. 38, die hebräischen Schriftsteller: E. Stelnmtnn, A. Slonski aus Palästina Ober Strömten Ii der Mittdieii Literatur In Palästina KarttnVOrverkauf:*Ktrtii Kajimeth, I., KIrntneitfr. 28, Bücherstube Rath,!IH Taboretrafle, Z on. ßeslrtrnektlon, I!., Prateretrafle 18 Assimilätionsjuden herführen kann, denen die Judengemeinde wenig mehr bedeutet als ein Institut für mechanische Verwaltung von Matriken und Friedhöfen, ein Institut füf Steuereinhebung und Vergebung von Ehrenstellen. Das war damals, als die Opposition ans treuen Herzl-Zionisten, unentwegten Verfechtern der Idee von der Volksgemeinde bestand. Die Zeiten aber heben sieh gründlieh geändert Die Zionisten, die heilte htt Vorstande sitzen, haben den Kämpf um die Demokratisierung nnd Nationalisierung der Gemeinde . aufgegeben. Sie »verwalten*4 einträchtig mit den anderen, sind für das reaktionäre Wahlrecht, die vernachlässigte Jugenderziehung, die unsinnige Art der Besteuerung, die Entfremdung der Juden von der Gemeinde usw. hente genau so verantwortlich wie die anderen. Wie weitgehend sie im Verzicht auf ihr Programm, das nationale Gemeindeprogramm, gegangen sind, illustriert das „Lob", das ihnen die „Wahrheit" im gleichen Artikel erteilt Da heißt es: „In der Diskussion, auf die wir noch: zurückkommen, sprachen bisher die Kultusvorsteher Dr. Deskler Friedmann, Mendl Singer und Wilhelm Hirsch- . feld. Für heute sei nur soviel gesagt, daß fast alle Redner Einsicht in die schwierige Situation der Gemeinde schon dadurch bekundeten, dafl sie diesmal die sonst so beliebten parteipolitischen Kritiken auf ein Mindestmaß reduzierten." Dieses fatale Lob — hoch fataler, weil e|er Wahrheit entsprechend — in Verbindung mit der Andeutung, daß zwar nicht. alle (das heifit also doch eine oder einige) Oppositionsgruppen mit dem Wahl rechtsraub und der Selbsternennung der Mandatare einverstanden sind, rechtfertigt die Frage: „Sind die zionistischen und sozialdemokratischen Vertreter gewillt, dem Wahlrechts raub zuzustimmen, sind sie mit diesem ungeheuerlichen Plan einverstanden?" rodest gegen die Zionistische Exekutive! Ein rVfisrachlsl schreibt - Von einem »Mitglied des deutschen Misrachi erhalten wir .folgende Zuschrift: „Wenn das offizielle Zentralorgan der zionistischen Weltorganisation „Haolam" sich auch nicht selten verschiedeng radige - Entgleisungen: leistete, So glaubten wir uns dennoch aus gewissen Sentiment,s heraus Zurückhaltung in . der Kritik ' auferlegen zu müssen. Seine jüngste Entgleisung aber muß aufs schärfste zurückgewiesen werden. Es handelt sich um ein von Sch. Schalom verfaßtes Gedicht, das der „Haolam" vom 28. Jänner d. J. zum Abdruck bringt. Aus Gründen des guten Geschmacks muß ich es mir versagen, dem Leser die neun Strophen des Gedichtes in wortgetreuer Uebersetzung vorzulegen. Es genügt der Hinweis, daß der mir unbekannte Autor in seinem Poem die L i e b e s s t u n d e besingt die er mit einem Mädchen mitten zwischen jüdischen Grabsteinen, auf den Grabhügeln seiher Väter verbracht hat Von der Perversität dieser — Erotik zeugen beispielsweise die* Zeilen „Staune nicht, daß ich dich auf Gräber ziehe, heitere Großstadttochter ..." und weiter „In diesen Gräbern ruhen meine Eltern ..." und schließlich „Hier (Uber den Gräbern meiner Eltern, zwischen den Grab-, steinen) ist die geheime Zuflucht süßer Regungen weiter: „Sie sehen nicht (die Toten), wie wir jetzt ge-. waltiger Leidenschaft frönen, wie sie nackt sich entwickelt ... Wie lebend Blut sich mit lebendem Blute mischt während der Tod dabeisteht und zusieht ..." Die zitierten Stellen, nicht einmal die krassestes, vermögen wohl eine Ahnung, des sittlichen Empfindens zu geben, von dem der Autor Sch. Schalom hier beseelt ist Es geht nicht darum, das Gedicht auf seinen dichterischen Wert zu prüfen, dessen Geringfügigkeit etwa den Abdruck im „Haolam" ausschließen sollte. Auch kommt unsere Zurückweisung nicht aus einer Art Prüderie, die sogenannte „heikle" Dinge nicht verträgt Das naturgebundene Liebesgefühl im „Scbir Hascbirim* wird gewiß nicht einmal die weltfremdeste Seele verletzen. Aber im Besitz auch nur eines Funkens religiösen Empfindens wird man von Scham nnd Empörung erfüllt werden, wenn sich jemand unterfängt, ein so Heiliges, wie die Gräber der Ahnen, zum dichterischen Tummelplatz widernatürlicher Lüste zu machen. Es bleibt der zionistischen Exekutive unbenommen, die moderne hebräische Poesie zu fördern, Es Ein Gedicht im „Haolam" ist das eine Mission, der niemand Wert absprechen wird Aber jeder gerechte Zionist muß schärfsten Protest dagegen einlegen, daß das aus zionistischem? arte ig e 1 d genährte Blatt, dessen Erhaltung schon so schwere Opfer kostete, gedankenlos die religiösen Pietätsgefühle der jüdischen Welt aufs schwerste verletzt. Ich möchte bei dieser Gelegenheit den Vertreter des Misrachi in der Exekutive Herrn Heschel Farbstein fragen, ob er mit solcher Verwendung zionistischer Mittel einverstanden ist, bzw. ob er seine Autorität zur Abstellung solcher Attacken gegen da* religiöse Gefühl des jüdischen Volkes und zum Schutz der heiligen Sprache gegen ihre Verunglimpfung in die Waagschale werfen wird. Mit Zionsgruß Berlin, 14. Februar 1932. N. Z. G-~d. * Anm. d. Red.: In seinem Begleitschreiben teilt uns Herr N. Z. G—d, ein misrachistisch gesinnter religiöser Zionist, mit, daß er um den Abdruck seines Protestes in der „Neuen Welt" ersuche, da er wenig Aussicht sehe', ihn in einem anderen zionistischen Blatt veröffentlichen zu können. Wir kommen diesem Ersuchen nach, > da wir der Meinung sind, das hebräische" Zentralörgan der Zionistischen Organisation „Haolam" hätte Wohl etwas anderes zu tun, als die Gefühle großer Teile der Zionistischen Organisation in einem Grade zu verletzen, der sich bis zur Entrüstung und dem Ruf nach Schutz steigert In der Tat wollen die Klagen um den „Haolam" seit Jahr und Tag nicht verstummen: Er ist zu einem regelrechten Aergernis in der zionistischen Welt geworden. Bald verleumdet und beschimpft das offizielle Zentralorgan der Weltorganisation die Revisionisten, bald betreibt es eine etwas eigenartige, viele verletzende Literatufförderung. Vielleicht wird der Misrachi in der Abwehr dieses Monstrums von einem Zentralorgan mehr Glück haben. hH'iw* minn Jaffa-Orangen, Qrape Fruit, Karmel-Welne, Kognak, Schemen-Olivenöl, Chedera-Honig liefert zu billigen Preisen direkt las Haus Samuel Halpern TxW&'hl