Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 231 (19.2.1932)
- Date
- 1932-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite» DIE NEUE WELT Nr. »f Union der Zloiii8ten*RmaionlfUM ■.....mm-yom^t Mittwoch den S% abend«, im Mirsl<Mlf belms, ft^ Wtere An eappH|HHHai^^, -.^s J vy,. >r •' :*«*f*| 1 / , - « Was geht in der Kultusgemeinde vor? Referent: ObcrbaüTÄt Robert SMdtar i^eMM^ao-jf-- Freießmupmaiwt B 11 1, *", 'I; Siedlung der A r a b erimklügelt.>^i|ät|t»tm!R«t .Vdm Herrn Ezra «ine scÄ6*ne lektiotr'^AiriMimlr:.am# englische Versprechungen bekommen, Nun wird hierzu aus Charbih folgendes berichtet: Kaum hätte „unser" Herr Arlosorof f, der „Leiter des politischen Ressorts der Jerusalemer Executive", hiervon erfahren^ als er sui Herrn Ezra die folgende Depesche (per Radio;) Schickte: „Verbiete strengstens Publikation des Briefwechsels". Die Welt Söll «loch, Gott bewahre, nicht vbnSinipsbns Verlegenheit erfahren! ■ ...... ... Das Kolonialamt hätte offenkundig den armen Leiter des politischen Ressorts zum.Objekt seiner Witze gemacht Ein Arlosoroff in der Rolfe eines1 nationalen Führers macht sogar das graue Kölonialämt 2um Witz- . llng V. '• : ," 1 :' ' '" ' ••;. ' \- £m bemerkenswertes Detail: Gleichzeitig mit Ar-» losoroff hat auch die Berliner .Jüdische Rundschau" ihre Abneigung gegen die Veröffentlichung der Simpsonschen Briefe geäußert; die Verbindung ataf der Strecke Jerusalem—Berlin scheint besser, zu funktionieren als jene auf der Strecke jerusalem-^-London. Der Blick des Wolfes scheint immer auf den Wald (Meineckestraße) gerichtet zu sein. Der Fäll Arlosoroff rietüht wirklich nach einem Witz. Es gibt; aber andere Fälle, die blutiger Ernst sind. Einer dieser Fälle ist die „Erweiterte Agency". Herr J. Rosow hatte schon im Jahre 1929, vor dem Züricher Kongreß, in einem- Artikel, betitelt „Die Rauchwolke", geschrieben, daß der i.Erweiterungs"- Druck von einer Seite komme, die .mit Judentum und Zionismus nichts zu tun hab;e. Die/«-Ansicht,,:daß die Regie der „Erweiterung" bei Kreisen lag, die durch- Ve.r.wäs serung df:Zionri$3»u^s die..!;jLajjmung unserer ideologischen Widerstandskraft erhofften, gewinnt im Lichte der Erfahrung und der Tatsachen immer mehr aft Boden. Allerdings rücken da unsere „Herren Zionisten" in ein ganz eigenartiges Licht. Wir alle erinnern uns noch, wie nach Erscheinen des Weißbuchs Weizmänn die. jüdische Empörung dadurch zu beschwichtigen suchte, daß er, ohne auch nur die bescheidensten Versicherungen seitens der Regierung erhalten zu haben, sich, mit dieser ergebenst in V e rha-ndlungen einließ. (Jetzt erhalten diese Verhandlungen eine besonders krasse Färbung.) Ist.es nun immer noch nicht, klar, von wem „unsere Vertreter" seinerzeit zur Aufgabe der letzten jüdischen Position veranlaßt wurden?. Es ist dieselbe Hand, die sich jetzt bei dem freundlichen Herrn French einen „Bericht" bestellt hat. Jetzt spll es der French-Bericht sein, der den Juden schmiegsam machen, beziehungsweise .ersticken soll. (Natürlich bei der freundschaftlichsten Kooperation der. zionistischen Marionetten.) Wenn man diese Zionisten längere Zeit betrachtet, sieht mau erst recht die Verwüstungen, die unsere Geschichte-im jüdischen Nervensystem angerichtet hat.. Im 5alon des High Commissioncr hat jemand Tee serviert M e I a m e d in Chikägö, <!er heutzutage zweifellös tffcten Zionismus" repräsentiert* in einen-fürchterlichen Strecken §*. ftfotzefi« Üieitr föave Zlöfll«. ictreIH .{»Chicager HMk^)s• * .,/; M „Obwohl et /ötmeU ^tht «»Ht einwan#Ä Ist, (Wf Jabotifrffc* ültt4 Ifnf«fit-E*tt%&*)§ 'nt&t •! Palästina mfclire* iftf ÖVunll *¥&M*vik;.'.Ä*fi er Jcetft« ftöftHtfh&tit hat, in' ^filst^ "Redetvft-Mfem htm mm }0ioiHm^d&i*ti*$- heit gt^hmitink^ ttglüe^rt M^iiid *H ua^ac&tn . FoliiSiik ttt refeeit» so: mm h **m*imt*«*m. ith^*, m eiimr jCrVetttr "to statin» ■&mfaJm*f fifenl fri«^;'< daß Jabotinsky mit seiner Abwesenheit glänzen muß!" Eine tragische Komödie „zionistisch er "Marionetten! ..i'fl ■ ' :mn-;_ . ■ 500 jüdische Flüchtlinge in Konsfantinopel wollen jsatflt Paltfstfne ' «£#m§^^ F«örti4n persischer Juden jmit .insgesamt .500 Seelen, die in der letzten Üh Wegen der politischen V et IS 1 g u n- *|.eVl%,J^jtifecund jm>flttt,MiÄ*hen ßtifyriech X^trtamffiftpe! geflüchtet sind,, wandte*» ^fc¥> i die J.-C.-A.-Vertretung in Konstantinopel mit der Bitte, ihnen'zur "Reise und. Ansiedlung in Palästina zu verr helfen. . ... -v-v ■ i frmttifffiffffmiiffmifflffrtiimftmtii anelfit Haüf ffrauen für te . _________ •I lMrt#aWI»ch«n»bsdarl M mvtkmmfan&lztäti . t *-; -» * »9,. 3»T ößen>Ü»SfücJf .8' -,lo , nt j&Fehler*. g 4.ee! - öderlioiierft 1 IfO ISO i.arb 4.90 leeichffftfif |f ecke), in llabwafdM - AHrtft<ninn « Ilfwärls W% 10 m . . .......t „ AtotrtfDJumk*ii*idl|e, m!t Guß- oder Isolier-; r^ltt ktut^t^wt^v'^^i' m^^t^Mjt^m' r '-ijPw'WYB*^ *V* Mmml^ßm^^ 0 m-^^ «rem sisö, i4itft Alumlnlttei-Iktkkajtetdlie, 22 cm 3 620, v* i - i 2ö e»> S 5.40,4» ön S öla»-Koe»pfl» od. TeUei|*rn(rur,7teilfE S 1.50 A'ai-Komulftt^dialen -Teller, p. 8t S -*t WanerrtlÄ er, Maitband, per Stück . . . S —.20 f« Afpabka E|15ff«i 8 —.00, Ke£feel5«iel —.4*1MoWfatWfel . ........S -,M HösHr«les C|beifeck (Messer uttd Oabel). S 1.90 fKaffeemüh « mit Messingtrichter.... . S &90 AJiornf elscttreU und Haiinner 01. Nickelflatte,jmmmmrp 4 ./«. . . . S i.eo z\<om9W>{k*tiiUw, tm\$•. . . s —.38 Gros« Auswahl — billigst« Preis« (Samstag geschlossen) P, <g- * ,11 'jf y _ , er antiseniiti§die ■ i tr^i r: IWBSr^Ä . .'// 0ie schlimmen Spanler and der brave Horak an die Regierung Ed%te Pogromhetze - Em Frage Wien, 16. Februar. Wir konnten schon bei mehreren Gelegenheiten konstatieren, daß die Chrjstlichspzialci Partei Oesterreich^ und ihr Zentralorgan.. v >,R e i chs po s t" die ZurückV haltung, der sie sich eine-gewiss,«. Zeit •beOe.ißigte,-in den letefeh Wochen : auf gegeben hat — die Zurückhaltung in an ti j ü di sc.h er -Hetz e.. Nach,, dem . Signal, das der Wiener christlichsoziale ,]Part?eiobrfiia;nn< Abgeordneter und Gemeinderat- Kua sc h a k,; .gelegentlich, der Diskussion um die CreditrAnslalt ga^, ..nach'-, j^ner antisemitischen Provokation, deren Charakter. .„ wir: :idainals zeichneten, ergießt siclu durch -;di.e ,; Spalten ., des ,: österreichischen Regierungsorgans. 4ein«;•;!,FJu.tj,1.-..ja n t i.s e,n^ i t i s. c h e ni & er. •::v" •Krtt»ke->l?r%iÄ;lB>taWre^ tfiiffch Geibtaüeh-'de%'%atiirlieben■ ^Ffanz-Josef'HBdiferwasisrs' .(.-.Ii ungehinderte', J.eaohte -,DarmenÜ p,ft. ejn<i. aufl.erordefltlicb AVöhltuende Riickw1v(Cnng| au.f .die, efki;arikt<»n Oi-gäne" verbünden ist. In Apoiaeken üikJ Drogerien erhältlich. schimpfe s. Die" moralische. Beschaff enheit ' * dieser Attacken ist . hiebei so geartet, daß deren .Urheber und Verfasser .vor keiner , Infamie;zurückschrecken, wenn es gilt, Leidenschaftetv ^gege'i]-die Juden .süu .entfesseln. Die •„Reichspost" und ihre,\Hipter.rhänner1 brauchen sich jetzt vor dem: schntutztg.sten-hakenkreu^jerischen Sudlernicht mehr zu schämen,. -i Eine solche Haltung wird -selbstverständlich auch vor Tatbeständen' nicht haltmachen, - Zuerst war. -es die S'pan is ch e Je s ti i t.-e n aiu s tr e-ib u n g,; . die - der ,jReicKspost" Gelegenheit .gab, hier- «ine, jüdische Maffia zu - konstruieren; die dem.; armen verfolgten Christentum Grausamkeit und Xerd «ufügei jetzthmmm-t sie sich der armen S l ö w a k e n an, :vqn. denen -viele durch jüdische B o ts'c hewikert damals,;als Bela. Kuns Rotgardisten m der. Slowakei kämpften, gemartert- und, ^gemordetsein sollten;:;:. . ■,• Als vor einigen' Moniten der des Mordes an. sieben Juden beschuldigt'« ünd überwiesene Korpora;! Horak von den Prager Geschworenen freigesprochen' wurde, war die gesamte Kulturwelt,-'öffentliche Meinung bekommen, das genügt, um, sagen wir, einen Doktor I und' 'Presse,,'-'hich't"'w'«nfge1r'! ^öjbervdas freiiprechende Urteil als über die sadistische Bestialität empört, die der Mörder selbst von der Gerichtsbarre nicht zu leugnen vermochte. All diese Dinge sind prptpkollarisch festgehalten. Gewisse Kreise in der Tschechoslowakei, die es angeht, versuchen jetzt zur Rehabilitierung ihres ramponierten Ansehens gegen Juden Beschuldigungen zu erheben, die fm Nebel jener blutigen Revtjlutiopstage der Slowakei vor 13 Jähren leicht-konstruierbar sind. .Mit etwas bösem •Willen und etwas Geld sind Slowaken zu haben, die aus ihrer Erinnerung jüdische Ho r a k s herausfischen. Diese dunklen Elemente in der düsteren Slowakei haben nun im Wiener Regterungsorgan einen würdigen •ProtekWr%efunden^Die%»Röichspös''t'---Iäßt sich von einem Korfespondenteh über die „bolschewi.kischen ' M ötW * n; de r S1 ö w a k!e1" befichten.r-.vöii! einem ' TCörrespöndenten, der allerdings ::mehr weiß}-vals:~3i*::N|ea Äkiender ämtlichen •Gerichtsprotokolle, zu lesen: 'ist Schon gleich der Beginn des Berichts, der,sich zu einem Wildwest-Roman mit, jüdischen Banditen als Helden auswächst, läßt die Tendenz erkennen und zeigt, wes Geistes der „Reichspost"-Mann ist -Ueber. die.-Horak- . Affäre..wejiß. er zu sagen: , .. , •., „Horak hatte irt den hitzigen Tagen des TJxn- Sturzes in der Slowakei als Unteroffizier dertscheebo- ■ slowakischen Armee angeblich drei Juden erschießen lassend Ein Schuldbeweis ließ sich jedoch nicht erbringen, weshalb Horak freigesprochen und enthaftet wurde.'4 v ' ' ' Diese Stichprobe, gibt einen Begriff von der Wahrheitsliebe, bzw.- der Absicht der sauberen „Reichspost", .. Warum „angeblich": Warum „d.r.ei"? Nicbfceinmal. Horak selbst hat vor den Prager Ge- . schworenen geleugnet, die Morde begangen zu haben, geleugnet, s i e b en .Juden ermordet zü haben — . Fakten, die die „Reichspost". selbst seinerzeit ihren . Lesern vermittelt hat. Also eine Stichprobe 1, Vom selben inneren, Wahrheitsgehalt sind auch , die. weiteren Teile des Berichtes erfüllt, der von der .Bolschewikenherrschaft erzählt, d, h, davon, daß die Rotgardisten, natürlich lauter Juden waren und, natürlich nichts anderes zu tun Ein verwaistes Leben Von Jehuda Steinberg (Fortsetzung.) Boruch saß nicht lang als. alleinstehender Mann da. Ein wählerischer Klauber war er fürwahr nicht Rasch nach der Scheidung stand, er unter der „stillen Chuppe" mit Brajne — einer jungen Witwe aus einem nahegelegenen. Stadtchen. Da beide. von wohlhabendem Stand waren, beide ohne Kinder, beide' mit verwundetem Herzen von der" ersten. Hochzeit, her — traten sie in die zweite Ehe nüchtern und mit geringen Ansprüchen. Gut ist der Brauch, daß man das zweite Traudach irgendwo in einer Stube stellt, still, nachts, unter gezählter Teilneh«erschaft; Es fch.lt. die erste Gefühlssteigerung dafür, daß Menschen etwa auf Knall und.Fall an einem gewöhnlichen Tag hingehen, sich festtäglich zu kleiden, durch die'Gassen zu schreiten in die Richtung zur Schul mit Musik — einer Sache wegen, die so gewöhnlich/so alltäglich, so natürlich ist. Mit einer zweiten Trauung befassen sich die Leute gewöhnlich ■ an einem „Lag-Beomer", einem „Rosch Chojdesch", in einer Nacht also, die so etwas wie ein Halbfeiertag ist. Einen ganzen Feiertag ist die Sache anseheinend nicht wert; und in einer ganz gewöhnlichen' Nacht wäre sie vielleicht zu' langweilig. Gut ist der Brauch, daß die zweite Trauung still und rasch verlauft. Würde sie'etwas länger dauern, könnte " es dazu kommen^ daß der Bräuiigam oder die Braut oder beide insgesamt aufstehen und; glatt davonlaufen vor Scham. '- , v... Bei den ersten Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai brannte es, der Himmel'sandte Blitze nieder, Rauch riß sich empor -*-1 bei den : zweiten * Gesetzestafeln ging - «* bereits still zü. Die* Unterführer bei der stillen Trauung, walten unsicher ihres Amtes, lassen sich oft. absichtlich Entgleisungen zuschuldenkommen und können sich kaum halten, aber schon sehr bald in ein Gelächter auszubrechen ob einer Sache, die,, wenn sie?um erstenmal vor sich geht, sö ernst;;so heilig, so fröhlich* so heiligfröhlich ist. Der nochmalige Bräutigam und die wiedereingekleidete Braut empfinden Scham ob > der überflüssigen Kerzen, die heute den Tisch zieren,! wird doch morgen der Bräutigam keinen neuen Talles; anlegen .und die Braut das sein, was sie auch-gestem schon war, Eine junge .Frau und bastal / Nur schwer fließt; -rdas Leben noch einmal Paar gewordener Menschen zusammen. Dann und wann steht plötzlich der eine vor 4«m. andern verschämt da, dann und wann scheint es ihnen plötzlich, daß das Ganze nicht mehr als ein Scherz sei, mitunter wühlt sich der Gedanke ein: einmal und wieder und nochmals mit der Scheidung! Und wenn es zu keiner .Scheidung kommt, so deshalb, weil man sich vor der Scheidung zü streiten hat, und dort, wo das Leben nicht ineinanderfließt, wo die erste Gef.ühlshöhe fehlt, niemand enttäuscht ist, dort, \vo das, was man Liebe nennt, nicht vorhanden ist, es keinen Grund gibt zum Streiten. . Es lebt sich schwer in der ersten Zeit Beide wollen sich nicht eingestehen,, daß sie eigentlich, einander nicht mehr bedeuten als eben „Mannsperson" und ,,FrauenzimmerM -r so weit geht der Stolz von Menschen. Gut wärs, wenn bald ein Kind gebpren würde; es würde gemeinsame Interessen bedeuten, heilige Sorgen und Hoffnungen, * gemeinsamen Kümmer und Freude. „Mannsperson" und „Frauenzimmer" sind dann schon Mann «nd Weib, Vater und Mutter. Das, Leben wird heiliger, die Herzen heilen, es beginnen unter den so wirklich Mann und Weib-Gewordenen Zerwürfnis und Streit vorzukommen. Wenn das erstemal ein zweiter Mann mit seiner Frau streitet, so soll er sich Musikanten kommen lassen, denn Streiten und Schmollen sind zumal Zeichen des Ernstes und-des Nähergekommenseins; nach dem Bösesein kömmt aller. Voraussicht nach die Versöhnung.