Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1932-02-19 · Heft 231 (19.2.1932) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 231 (19.2.1932)
Date
1932-02-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2711613-2711843-2711852--2981-2716313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

186 Titl. Universitätsbibliothek Wien. I. / Preis 35 QrOSCheil ItAtgaiitj« Vrdtfftfj/ den 19« febraar 1*151 Hw. S3f Vibsb« R E V U E ÖEZUaSBEüfNOUNGEN: 0«tt«rr*lel» nlonstllch S 1^0, vierteljlhrtg S 4.30 pnatäHrisS Ib.-; Polen mortatlich Zloty 2.-. vlertelJährlR Zloty b.-; TMhefchoslowaltH monatlich« 9.-» Vierteljährig KC 15.-;Jugeilkflrt« monatlich"Waat 14.-, tferteljihrig Dinar 40.-; Rmianlen monatlich ----------- . . . — .....------ . ----------w. . . -------------- Mwk 3>rj Baiwr^w. monatlich Lewa 40.-, vlerteljährta rlgen Linder monatlich Schweizer Franca 1.50. viertel« Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; uentKnlxiid .monatlich Math vitrteljihrl Lew* 120.-; Itaifen motiatHCh U« A-, TlertelllhriR Lire 14.-; 8chwell and die ä (Ihrig Schweizer Francs 450 HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER Redaktion u, Verwattang: Wien IX, Universitätssir* 6-4, let. B-48-304«— Erscheint jeden Freitag s *i (Seite 3) IfJkMtM Das kommuni§ti'§Ae Schlagwort vom „Unter» gang des Judentums" W i e n, 17, Februar. Der Kampf zwischen Zionismus und Kommunismus ist; nicht neu. geht zurück bjs auf .dievorkbmmunistische Epoche des kämpferischen Sozialismus in Rußland wo er später nach dem Ausbruch der Revolution die Form der Stellung : auf -Leben uridf Tod annahm. Nach der gewaltsamen Unterdrückung der zionistischen Impulse in S o w je t r ü ß 1 a n d verlegte sich die Kampf* front nach den * Gebieten der neuentstandenen oste u r o p ä i s di e n Staaten, um den Versuch zu machen, auf dem Boden des ' p o s i t i v e n Zionismus selbst, an der F r o n t Palästinas Wurzel Jeu fassen. In: M i 11 e 1 c u r b p a, gab es. bis jetzt wohl Vorpps'tengefechte zwischen kommunistischer und zionistischer Auseinandersetzung —: auf dem Boden der aktuellen Jodenirage, nicht a>«r eW d i r ek t e s Gegenübertreten ton Angesicht zu Angesicht/ ein Beziehen beider FrontstcllunKen^ Der Kommunismus hatte hier bisher stnscheinyid änderte in . den .letzten . zehn \Jahren, ' zumfnidest" in '-: den..;d^utsch^ spiC^c^ige^';Ge!bteteh; wenig Offengiygeist Nun s^h.en die Kommuriisteni nach' der Taktik »hfef Werbearbeiten in den letzten; Monaten zu schließen*-:ldenZeitpunkt für gekommen, auch in 'Mitteleuropa zürn Sch 1 ag g e gen d e? n Z i q n i sVm u s' auszuholen. So' etwas wie eine kommunistische, der Judenfrage" gewidmete Literatur ist im Entstehen begriffen, Wanderredner mit dem Thema ,Juderifrage4V durchziehen die großen Städte. Mitteleuropas, Berlin,; die deutschen Provinzstädte, Wien und. P rag können, ihre Propagandathesen von den Podien herab' hören. In den Mantel der Tätigkeit für die 1 ä n dl|che Änsiedlung von Juden in Sowje.trußland (Geserd tt. a.) gehüllt, malen diese Propagandisten ihren Zuhörern ein idyllisches Bild vom Leben der. Juden im Sowjetparadies vor und stellen diesem die düsteren Prognosen . von der Zukunft der Juden anderswo entgegen, um' zuguterletzt offen« und' unverschleiert mit der Haupttendenz ihrer Mission herauszurücken: mit dem Kampf gegen Zionismus und Palästina. Man kaim nicht leugnen, daß die Propaganda ziemlich geschickt operiert und alles einbezieht, was auf die geistige und seelische Disposition gewisser Kreise, insbesondere der; J u g.e n d, zu wirken geeignet ist. Am überraschendsten klingt tjnd auch am wirksamsten zu Sein '' scheint '\ das Schlagwort vpn einer jüdischen Republik im Sowjetverband, von dem „berühmten" Birb-Bjdschan-Projekt im .fernen Osten; am Amur. Es ist das ein Staatsgedanke, der sich ansieht wie die paradoxe Wiedergeburt /;'des politischen Territor iaIismu ej paradox durch seine sozialistisch-' kommunistische. Perversion. Auf dieser Linie arbeitet ein .schreib- und rede-, fertiger Sowjetprppagandist namens Otto Heller, der seinem Buch nU n t e r g a n.g\ d e s, Ju den turaa" eine iteihe von Vorträgen, u. a. auch in Wien, Prag und Berlin folgen ließ. Was'sich bei Heller als „Analyse": 4er Judenfrage als reiner Wirtschaftsfrage, als Prognose ^es Untergangs der Juden bei gleichzeitiger glänzender Zukunft des Judentums, just' als \V p 1 k in .Sowjetrußland gibt* all diese Iqstigen . Widersprüche wollen wir einer Gegenanajyse. nicht unterziehen, ebensowenig den Na^hWjeis liefern, d^ß Otto Heller "in . der Schilderung der Er f o 1 ge d e r so w j e t r u s s i s c h - j ü d i 8 c h e n Kolonisation einfach falsches Material bringt, daß er absurde .Parallelen zwischen' Sowjetrußland und Palästina, zieht und,auch sonst zur Frage der Lösung des. J.u d e n p r o b_l e m s nicht viel außer leommunistt-, sehen Phrasen zu bieten weiß. , , Aber übe/ - die Tatsache; einer kühlberechneten, draufgängerische!*, zynischen bolschewistischen Offensive gerade in den Zentren, wo die zionistische I'd c'o 1 o g i e ihren. Ursprung hat,, über' diese Tatsache wird man nicht stillschweigend zur Tagesordnung über* gehen dürfen. Diese Offensive ist lieh bewußt, daß in BEILAGE FÜR m ,<Seite S) J'i".,1; ,.; —r—-.' ' '■ . i'T.-?r——r—, jenem zionistischen Lager, wo sie einzudringen hofft, pro gr a m m a t i s c h d er i d e o 1 p g is che Irrwahn r-o ri' d e t „B i n d u ri g Ü i o n i $ ra ut - S o z i a 1 i s m u s noch vorder RealisierUng\des . zi.onistis ch e n En d z i e 1 s" -hi e r r s ch t Die Erfahrung hat. die bolschewistischen Seelenfänger, gelehrt, daß es dort, in den sogenannten"' z i o ni s ti s c \\ - s o.z ialistischen Reihen, nur eines vehementen Stoßes bedarf, um das Kartenhaus einstürzen zu mächen. Das scharenweise Ueberlaufen . von Gruppen Wie B1 a u - W e i ß und Has.chomer, Hazair, sogenannter, ztonistisch- . sozialistischer Jugendlicher, ins kommunistische Lager; der Mangel an Mut dieser Kreide, dem kommunistischen Feind entgegenzutreten, um .nicht etwa als . „reaktionär" zu gelten, sind-eijve schöne Ermutigung für Herren ä la^ Otto Heller., .f^:, Die -linksziohistjsche Erziiihmigsrhcthpde und Praxis hat sich' als der beste . Wegbereiter eines z j o n i s t i s c hko m ipü n i s';t'i.s'ch e'n Kb^f'v ert it e tt t u m s'- erwic-. -;an ,den ErübljEeri ^ollt ihrt^ic erkentjenj-v Bei fheumafÄsAcn Leiden/ §«Jimerxeii in den Gedenken und Gliedern - sowie bei Kopfweh wirken Togal-Täbletten rasch und sicher.. Absplut. urwch^Sdji^i. Ein Vorsuch, üherzetigh In allen Apotheken,- S- 2.4(X Unter diesen- Aspekten ist. die neue ko.nmunwttsche Offensive zu betrachten und-die Gefahr, die sie, für die judische Gasse bedeutet. •Nicht, daß dcr : Zionisniüs als solcher das Sowjetgift durch kein Gegengift paralysieren könnte, nicht, daß es unserem Zionismus an. im* manentcr -Attraktivität gegenüber dem Kommunismus mangelte, im Gegenteil. Aber die Gefahr wächst, we.nn der Zionismus nicht recht bald wieder mit seinem ganzen Rüstzeug mobilisiert wird. Welches . Rüstzeug könnte geeigneter und natürlicher sein als . die -Kraft'.des n a t i o n a 1 e n B e w« ß t s e i n s, „ das .unzugänglich ist allen eitlen •Verlockungen, mögen sie von welcher Seilte immer kommen. Um die zionistische Jugend,, .die;.in, Hcrzls ... weltumfassendem J u d e n s taa t;s» lionismut evzpgcn wurde, braucht uns nicht bange zu sein, sit wird .-jeder. Attackezu ^begegnen ^wissen^-^d die ander« Jugend, die. man' mit sozialistischen Expcrjr menten e><t«r mit ein^m'*- „geistigen*' Zentrum in Pa,lästi^a speist, isi nicKt gecigt|e!;./'(Känip.feriri'- zu sein, :&tfä>m< id$ev:' bolschewistischen Prbpagändamethoden. Sie isjt,?wje-f^ie Tatsachen-leideir - lehren, ^^-chcrderen^ Objekt -und-Opfef; -' "r ' - "/:>,"',"-.•■'■•/. -.-<'->::-'s..'; . v;%v; .,,, ' : .. , '.. •,:•>•<*.:#*?£ ±Ma*mmm*mMm*mmmämmmmmmmmemmm—me^ I* Von Dr» H. Roscnblum , L o n d o :?, 15. , Februar. . .; Daß im britischen Kolonialamt keine übermäßig großen Freunde des Zionismus sitzen, ist allbekannt. Es dürfte hingegen viel weniger bekannt sein,- daß die Palästina-Politik des Kolonialamts keineswegs von ihm selbst initiiert und geformt wirdr' Der arabische und der englische Antizioni.smus vermochten das Kolonialamt derart in ihre Abhängigkeit zu bringen, daß dieses den judenfeindlichen Einflüsterungen ganz erlegen ist. , Allerdings ist die Arbeit, ' welche die Einflüsterer hierbei zu verrichten haben, keine allzu schwere, da ja die Regierung selbst von einem beachtenswerten antizionistisch e n P a t h o s beseelt ist. Die Gefang.enschaft; in die sich das Kolonialamt begab, ist eine freiwillige und kommt der Gefangenschaft von Shakespeares Julie gleich; beide sind Gefangene der Liebe. Und Liebe kennt keine Grenzen ... Hier einige Beispiele; Die muselmanische .Konferenz in Jerusalemwurde von der Palästina-Verwaltung ursprünglich verbo ten.'.Chancellor, hatte das diesbezügliche Gesuch des Grand-Mufti anfangs abgelehnt. Der Geldanke einer internationalen muselmanischen Veranstaltung in Jerusalem zur Bekämpfung des Palästina-Mandats, schien, sogar .der palästinensischen Verwaltung etwas gewagt Die Sache gelangte, sodann in die Hände der berüchtigten „British National League". Die Verdienste der League um das antizionistische Arabertum sind viel bedeutender als man annimmt. Die für den Anfang Oktober 1931. angekündigte und sodann abgesagte a nt i z i o n i s t i s c h e D e m o n s t r a t i o n im Londoner Royal Albert Hall mit Johnson H ix, Shaukath Ali und dem Mufti als Hauptredner wurde bekanntlich von der League arrangiert. Ihre Verbindungen mit dem Kolonialamt sind sehr delikater Natur: es handelt sich um „streng private Interventionen" und ( hpchstpersphliche Beeinflussung der1 in Betracht kommenden Herren? aus der Downing. Street. Diese Methoden der. „P r i v a t p o 1 i t i k" scheinen auch hier, unbeschadet der englischen Demokratie, nicht ganz überholt zu sein.. Und da die - League ivom Muftr dirigiert wird, '-ist wohl begreiflich, .daß sie sich mit Chanceliors Entscheidung bezüglich der muselmanischen Konferenz in Jerusalem nicht einverstanden erklären wollte und sofortige Alle Im redaktionellen Teil befindlichen catgelt« lieben Notizen s'ad durch ein beigefügtes E bezeichnet Schritte in London zur Aufhebung dieser Entscheidung unternahm. - Das Resultat war: das weitestgehende 'Vier", ständnis des Kolonialamts. für die Auffassung der1 Leä,ffl«e und eine sireng^ Vorschrift an Chance 11 o.r^ die antizionistische Konferenz in Jerusalem zu ' «t^ lauben . . .' ■; Eine zweite nicht minder interessante Illustration: Das etwas geheimnisvolle englische Frauen?imnji<?r Ms. Newton aus Haifa, die seit Jahren einen hervorragenden Anteil an dem Kampf der Araber gegen das Mandat nimmt, stand — wie es sich nun herausstellt1ununterbroehen in einem sehr intimen: Kontakt mit der P'ämi 1 ie Passfie 1 d . . . Miss Newton hat sich zuerst der J u d e n m i s s i o n, der Bekehsung der Juden zum Protestantismus gewidmet. Als die Sache an der „Hartnäckigkeit" der Juden scheiterte» wurde sie Antisemitin. Unmittelbar nach dem Pogrom von 1929 ist Ms. Newton in London eingetroffen, wo sie im Laufe von z w e i Monate n im Hause ihrer Freunde Mrs. und Mr. Passfield wohnie und deren wärmste Gastfreundschaft genoß. Die Vermutung, daß eine solche Inanspruchnahme P^assfieldscher Gastfreundschaft seitens der Haifaer Lady. — und zwar ausgerechnet nach dem. blutigen Ausbruch in Palästina.— keine Zufallserscheinung ist, wird wohl kaum als Uebertreibung bezeichnet werden können. Natürlich ist Herr Passfield auch ohne Ms. Newton kein Engel; aber wer kann wissen, wie viele giftige Tropfen der Mufti und seine draufgängerischen Freiirjde durch Vermittlung der ihnen zugeneigteu^ Haifaer - Miß in das Weißbuch gespritzt haben? Es gibt auch Anzeichen dafür, daß die vom r e y ir s i o n i s t i s c h e n Exekutiv-Komitee neulich demaskierte engl i s c h - a r a b i s c h e K o n s p! r a t i o n gegen 'das Palästina-Mandat ebenfalls unter wohlwollender Kooperation hochgestellter, um' das* Kolonialamt kreisender Einflüsterer zustande gekommen ist. Und merkwürdig! Während die a r a b i s c h e Seite alle ihr'zu Gebote stehenden Personen und Mittel dazu verwendet, um auf das Kolontalamt in.ihrem Sinne einzuwirken, ist die. zionistische Seite offenbar dazu da, um'" vom Kolonialamt dauernd beeinflußt zu werden ... Die „Neue Welt" hatte bereits über den aufschlußreichen Briefwechsel zwischen Simpson und dem Redakteur des Charbiner „Intel't Messenger" Eitra(berichtet. Bekanntlich hatte Herr Simpson, der das Mandat nahezu als Auftrag zur landwirtschaftlichen* An-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.