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Die neue Welt · 1932-02-12 · Heft 230 (12.2.1932) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 230 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 250 DIE NEUE WELT Seite 1 *u verleihen! Ja, wenn die Liberalen aufler dem Kampf gegen den Zionismus noch ein Ziel hätten, dessen gemeinsamer Erreichung die Zusammenarbeit dienen könnte! Dafl sie ein solches Ziel nicht haben, nicht haben können, müßte allmählich auch den politisch Unbegabtesten klar geworden sein. Jüdischreligiöser Liberalismus ist 1932 kein positives, sondern ein in jeder Hinsicht negatives Programm. Ein Programm ohne Glauben und ohne Hoffnung. Deshalb ein Programm der Reaktion und der Verzweiflung. Es gibt keine Möglichkeit des geistigen Kompromisses, mit einem solcl.en Programm. Es gibt auch praktisch keine geme'nsame Plattform Die einzig mögliche Politik ist reinliche Scheidung. Der Einwand, damit räume man ganz und gar das Feld und begebe sich jeglichen Einflusses, ist illusionistisch. Er arbeitet mit der Fiktion, man könne durch Teilnahme an der Verwaltungsarbeit des Gemeindevorstandes irgend einen Einflufl nehmen. Das war einmal. Die Zeiten, als Liberalismus noch eine Weltanschauung war und eine fortschrittliche dazu, sind vorüber Damals gab es so etwas wie Respekt vor einer geistigen Haltung. Heute gibt es nur noch Angst vor ... ja wovor? Vor der nationalen Idee! Der deutschen sowohl, als auch der jüdischen, deren Anerkennung zugleich eine verpflichtende sittliche Forderung wäre. Und die widerstrebt dem innersten Wesen des Assimilationsjudentums. Darum wehrt es sich verzweifelt gegen den Zionismus. Darum sperrt es sich gegen jede geistige Einwirkung von zionistischer Seite. Darum werden alle Beschlüsse im Wege des Fraktionszwanges durchgesetzt. Sonst möchte sich am Ende gar die Argumentation einer zionistischen Diskussionsrede als zwingend erweisen und durch Annahme einer volksparteilichen Forderung ein Einbruch in die Front liberaler Sturheit erfolgen. So gibt es heute keine Möglichkeit der Einflußnahme mehr. Do für snricht auch die Erfahrung der letzten acht Monate. Die Vertreter der Volkspartei haben in diesem Gemeiftdevorstand keinen Platz. Ob man das bald begreifen wird? Wir haben wenig Hoffnung. Die Zurückziehung der Vorstandsmitglieder würde einen Bruch mit den liebgewordenen politischen Gewohnheiten der letzten Jahre bedeuten, mit jenen Gewohnheiten, die der Eitelkeit schmeicheln und dem Geltungsbedürfnis wohltun. Die zionistischen Führer stünden nicht mehr so sehr im Soheinwerferlioht der Oeffentlichkeit. Und es gibt unter ihnen den einen oder anderen, der das schlecht verträgt Das sind Hemmnisse auf dem Wege zur politischen Einsicht. Sie werden nicht unüberwindlich sein Aber sie werden Zeit kosten. Und die Zeit ist kostbar. Nicht nur im Leben des Einzelnen, auch im Leben eines Volkes. Darum wird es notwendig sein, den deutschen Zionisten immer und immer wieder zu sagen: Heraus aus dem Berliner Gemeindevorstand! Belastet euch nicht mit einer Verantwortung, die ihr nicht tragen könnt, mit der Verantwortung für die Preisgabe eures Programms und eurer Idee! Jizchak ben Meir. Landeskonferenz der Zionisten Polens Aus Warschau wird berichtet: Sonntag, den 31. Jänner wurde hier die 10. Landeskonferenz dei Zionisten des ehemaligen Kongreß- ,polen bei Anwesenheit von 334 Delegierten eröffnet. In der Eröffnungsrede zeichnete Dep. J. Grünbaum die Lage der Juden Polens und, auf Palästina übergehend, erklärte er, daß die britische Regierung dem jüdischen Volk bei Errichtung seines Nationalheims Steine in den Weg lege Weder der Wechsel der Regierung noch der Palästina-Administration hätten die Lage gebessert, die Einwanderung bleibe weiter begrenzt. Zum Präsidenten der Landeskonferenz wurde Dr. K l u m e 1 gewählt. Redakteur A. G o 1 d b e r g besprach den Kampf der Zionisten um die jüdischen Gemeinden. Nach eingehender Debatte wurde folgende, einstimmig angenommene Resolution gefaßt: Die Lage der Juden in Polen hat sich in der seit der neunten Landeskonferenz verflossenen Zeit verschlechtert. Es wird in Polen eine. Politik der Hinausstoßung der Juden aus ihren wirtschaftlichen Positionen getrieben. Nichts wird unternommen, um die Boykottaktion gegen die Juden zu unterbinden. Die Frage der Milderung der Sonntagsruhe wurde nicht erledigt. Juden werden zu keinem Staatsamt zugelassen, die wenigen Juden, die noch von früher Staatsposten bekleiden, werden abgebaut. An den Hochschulen herrscht ein faktischer Numerus clausus gegen jüdische Studierende. Die jüdischen Schulen erhalten keinerlei Unterstützung von der Regierung. Leib und Leben der Juden in Polen sind, wie die letzten antijüdischen Unruhen bewiesen haben, nicht genügend geschützt. Die Organisatoren und Teilnehmer der Exzesse werden nicht zu gerichtlicher Verantwortlichkeit gezogen, dagegen werden Juden, die sich gegen Ueberfälle verteidigt haben, vor Gericht gestellt und verurteilt. Gewisse (orthodoxe) Gruppen der jüdischen Bevölkerung werden vou der Regierung bevorzugt. Die jüdischen Massen werden durch die Regierungspolitik demoralisiert und korrumpiert. Persönlichkeiten, die an der Spitze der jüdisch-nationalen Bewegung stehen, werden terrorisiert. Die zionistische Landeskonferenz protestiert gegen eine solche Praxis sowie gegen solche politische Richtlinien. Die Konferenz fordert die jüdischen Deputierten, die dem jüdischen Nationalrat angehören, auf, gegen das Re,?ierungsbud<ret für das Jahr 1932 33 zu stimmen, da dieses Budset die jüdischen Forderungen außer acht läßt; die Deputierten mögen vor der Abstimmung eine entsprechende Deklaration verlesen. In das neue Z°ntralkomitee wurden gewählt: Dr. E. Klumel, Adv. Hartglas, Dr. M. Brande (Lodz), A. Goldberg, J. Crawit2ky, Ing. Uri Glücklich, Dr. J. Davidson, Ing. Landstock, Dr. Rosenblatt (Lodz), M Limon (Lodz), Dr. J. Schipper, M. J. Frejd, M. Ellenberg, Ing. Körner und M. Kirechenbaum. J. Grünbaum ßchied aus dem Zentralkomitee aus und wurde zum Ehrenpräsidenten gewählt, da er, wie A. Goldberg erklärte, für einige Zeit Polen verlassen will. Die Tagung ist im wesentlichen als die Konferenz der Grünbaum-Gruppe Polens anzusehen, da die Revisionisten überhaupt nicht, die Eth-Liwnoth- Gruppo nur zum sehr geringen Teil ohne einen einzigen ihrer Führer vertreten waren. Brith Trumpeldor (Vom Shilton-Büro in Pa~;s) Beschlüsse. Die Kommission, die mit der Ausarbeitung des genauen Planes der im Sommer 1933 stattfindenden Jörn Berit und Betarmanöver (Timronim) beauftragt war, hat ihre Arbeit beendet und dem Rosh Betar und Shilton einen Bericht samt Karten und Skizzen überreicht. Der Shilton hat den Bericht in seiner letzten Sitzung im Prinzip gutgeheißen und ist an die Ausarbeitung der Anleitungen zu seiner Verwirklichung herangetreten. — Der Shilton hat in dieser Woche in einer Auflage von 750 Exemplare die Zirkulare Nr. 12, 14 und 15 hinausgegeben. Das erste behandelt die Resultate der Rosh-Betar-Aktion und die Liste der Kenim, die sich an der Aktion beteiligt haben, Nr. 14 behandelt die Frage der Zeitung „Medinah" und Nr. 15 ver- SftfCHrV PALAST in. EIN COLUMBIfl-Flin IM VERLEIH ERWIN SCHULLER & CO. schiedene laufende Fragen, wie Tozeret, Haaretz, Prüfungen aus dem Wehrsport usw. — Zu gleicher Zeit sind die Zirkulare Nr. 13 und Nr. 16 an die Netzivim versandt worden. Diese behandeln die Frage der zentralen Instruktorenschule in Paris, und laufende Organisationsfragen. Im Anhange ist an die Netzivim das Protokoll der letzten Shilton-Sitzung überwiesen worden. Informationen. Der Netziv Betar für E r e z J i s r o e 1 hat die Gründung einer separaten Olimgruppe beim palästinensischen Betar angeordnet, um diese bestmöglich für die tägliche Betararbeit auszunützen. — Die revisionistische Akademikersektion an der J erusalemer Universität hat dem Shilton ihre Dienste sowohl für den Palästina-Betar als auch für den Betar in der Galut angeboten. Der Shilton hat den Vorschlag dankend akzeptiert und die Sektion hat schon ihre Mitarbeit im Palästina-Betar begonnen. — Der Ken Betar in Capetown hat eine neue Ortsgruppe des Betar in Südafrika, in Woodstock, gegründet, die schon 40 Mitglieder zählt. Die Arbeit in Cape-Town selbst hat sich stark entwickelt. Ein Lesesaal, eine Bibliothek und ein „Chug Ivri" wird vom Betar unterhalten. Drei Lager für mehrere., Tage wurden zu Weihnachten und Neujahr organisiert, während welchen ein reichhaltiges Programm absorbiert wurde. — Der Betar in Bulgarien ist von der Regierung bestätigt worden. Daraufhin wurde der ganze Betar uniformiert. Außer der regulären Arbeit mit den Chawerim finden in Bulgarien laufende Versammlungen für die Roshe Zrorot und die Mitglieder der Mifkada statt. — Die Nr. 4 der internen Betar-Zeitung ist in Sofia erschienen. •— Im Auftrage der Netzivut in Frankreich und auf Einladung der Betarim in Tours hielt Ch. Dissentschik, K.haSH, dortselbst einen Vortrag über die „Wege der jüdischen Jugend". Eine lebhafte Debatte mit Vertretern der kommunistischen Jugend schloß die Veranstaltung. « Presse. Erschienen ist das Organ des französischen Betar, „Cahiers du Betar" Nr. 8. Aus dem Inhalte: Der Sinn des Bercitseins von V. Jabotinsky, Juden und Kanaan von Alraid, Ben Tawria über „Herzl in Palästina", Ellis über „Palästina auf der Kolonialausstellung", Sport, Literatur und Information. — Der chinesische Betar hat eine Zeitung herausgegeben. Die erste Nummer des „Hadegel" (der Name der Zeitung) ist erschienen. Aus dem Inhalte: Die Juden und der japanisch-chinesische Konflikt, Das Leben und der Sport, eine große Sportinformation, eine Betar-Information, Anleitungen, eine Schachabteilung und Karikaturen. JgS^g» f•ffnian n WIEN II. TABOASTßASS£ Union der Zionisten-Revisionisfen, Bratislava Die Revisionisten Bratislavas treffen sich von nun an allwöchentlich am Montag ab 20.30 Uhr im Hotel P a 1 a c e, I. Etage. Nebst eingehenden Pressereferaten werden den Gg. allgemein zionistische sowie spezifisch revisionistische Vorlesungen gehalten.^ Nachher gemütliches Plaudern. Gäste aus der Provinz sowie Gönner des Revisionismus willkommen. Tozereths Haarez-Konferenz in Tel-Awiw für die Verbreitung palästinensischer Produkte Das provisorische Komitee für die Tozereth- Haarez-Konferenz ist in Paris unter der Leitung von Vladimir Jabotinsky gegründet worden. Die erste Weltkonferenz der Freunde des Tozereth- Haarez-Gedankens wird in Tel-Awiw in den Sälen der L e y a n t e - M e s s e am 24. April 1932 eröffnet. Die Dauer der Konferenz wird auf zwei Tage bestimmt. Im Laufe der nächsten zwei Tage werden Besuche in die verschiedenen Fabriken in Tel-Awiw und in mehrere landwirtschaftliche Kolonien in der Umgebung veranstaltet. Alle Personen, die die Absicht haben, an der Konferenz teilzunehmen, müssen schriftlich oder mündlich ab 1. Februar bis 24. April inkl. sich melden: entweder an das provisorische Büro in Paris (9bis nie Vienneuse, Paris XVI) oder im Organisationsbüro in Tel-Awiw (Lischat Haawoda le-Tozereth Haarez P. O. B. 21, Tel-Awiw). Die Eintrittskarten, die das Recht zur Teilnahme an der Konferenz geben, werden persönlich erteilt in Tel-Awiw vom 18. April angeiangen. Es wird zwei Kategorien von Konferenzmitgliedern geben: a) Delegierten-Mitglieder (von verschiedenen Organisationen bestimmt). b) Mitglieder, die keine Gruppen vertreten. Beide Kategorien der Mitglieder werden auf der Konferenz die gleichen Rechte genießen, das Wort-, Wahl- und Stimmrecht. Das Organisationsbüro behält sich das Recht vor, verschiedene Mitglieder der Konferenz zu beauftragen (die Namen werden noch rechtzeitig bekanntgegeben), Vorträge über die Möglichkeiten der Verbreitung der palästinensischen Produkte in ihren Ländern zu halten. Die Sitzungen der Konferenz sind öffentlich. Die offizielle Sprache ist Hebräisch, doch werden auch andere Sprachen zugelassen. Das Programm der Konferenz ist folgendermaßen zusammengestellt: 1. S i t z u n g. 1. Eröffnung der Konferenz durch ein Mitglied des Organisationsbüros. 2. Wahl des Präsidiums. 3. Eröffnungsrede auf das Thema: Der Tozereth- Haarez-Gedanke und die Ziele der Konferenz. 2. Sitzung. Bericht über die Lage der palästinensischen Industrie und deren Aussichten. 3. Bericht über die Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Entwicklung in Palästina. # 3. Sitzung. Bericht der Delegierten über die Möglichkeiten und Methoden der Einfuhr der palästinensischen Landesprodukte in die von den Delegierten vertretenen Länder. 4. Sitzung. 1. Bericht der Kommissionen. 2. Bemerkungen der Konferenz-Mitglieder über die Berichte. 3. Abstimmung über die Resolutionen. 4. Wahlen der permanenten Organe. 5. Schluß der Konferenz. Alle Orstgruppen, die für die Tozereth-Haarez-Konferenz Interesse haben, sind eingeladen, ihre Delegierten möglichst schnell dem Provisorischen Büro in Paris (Bureau Provisoire de la Conference de Tozereth Haarez) 9bis rue Vienneuse, Paris XVI, oder dem Organisationsbüro in Tel-Awiw (P. O. B. 21, Tel-Awiw, Palestine) bekanntzugeben. Levante-Messe in Tel-Awiw und Gesellschaftsreise nach Palästina Vom 7. bis 30. April 1932 findet in Tel-Awiw die diesjährige Levante-Messe statt. Gleichzeitig veranstaltet das Gremium der jüdischen Kaufmannschaft, der Industrie und des Gewerbes eine Gesellschaftsreise nach Palästina, die am 15. März in Wien beginnt und am 19. April hier endet. Mit der Durchführung dieser Gesellschaftsreise wurde Frau Berta Taubes betraut. Pauschalpreis zirka S 1000. Auskünfte erteilt die Repräsentanz der Levante-Messe für Oesterreich, Wien, I., Deutschmeisterplatz 4, Tel. A-18-5-80 Serie, von 2 bis 3 Uhr nachmittags (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag) und an jedem Montag im Festsaal des Hotel Excelsior, I., Rotenturmstraße 24, Trefftag aller Interes**nt«n.

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