Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 230 (12.2.1932)
- Date
- 1932-02-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 - Bm, m f SeftallpJfttta«, •tieftTrtttt. I MSamtm^m studieren, und enthalten sich jodfT politischen Betätigung. Dr. Goldstein ersuchte, dieser Studentenschaft Schutz zu gewähren. Minister Derer erklärte, er hoffe, daß der Zustand der Uebervölkerung der Universitäten nur ein vor- Ubergehender sei; er werde nicht zulassen, daß eine soziale Ungerechtigkeit Platz greift. Er ließ sich durch die Stttdentenvertreter dann über d;e Lage der jüdischen Studenten in Polen informieren und verhlirb. nanhdem die Deputation entlassen worden war, mit Abg. Doktor Goldstein im Gespräch. Dr. G o 1 d s t e i n legte eindWnglich dfe Ungerechtigkeit dar, die in einer völligen Kürzung der Dotation für den Cibersten Rat der jüdischen Gemeinden im Regierungsbudget liege. Ferner wies er auf das u nderaok r atische Wahlsystem in den Kultusgemeinden im Osten der Republik und auf die schwere wirtschaftliche Belastung der ärmeren Bevölkerung durch indirekte Steuern hin. Der Minister erklärte, daß die elementare Unzufriedenheit der jüdischen Bevölkerung mit dem gegenwärtigen Stand der Dinge in den Kultusgemeinden des Ostens der Tschechoslowakei seiner Aufmerke.fn.ke.it nicht entgangen sei, und versprach, sich wegen dieser Fragen mit den zuständigen Ressorts in Verbindung zu setzen. Dr. .Goldstein wies zum Schlüsse auf den Mangel einer theologischen jüdischen Fakultät oder eines Rafobinerseminars zur Heranbildung von Religionslehrern und Raibbinern hin und informierte Dr. Derer über den Stand des hebräischen Schulwerkes in Karpathorüßland. Numerus clausus in Polen Warschau* 3. Februar. (J. T. A.) In den nächsten Tagen wird sich die Unterriehtskommission des polnischen Sejm mit einem Vorschlag der Nationaldemokraten Wegen Verschärfung des faktischen Numerus clausus gegen die jüdischen Studierenden befassen. Die jüdischen Studentenorganisationen halben . dem Jüdischen Parlamentsklub als Material für diese Sitzung eine Aufstellung über die Anzahl der jüdischen Studierenden an allen Hochschulen dolens übermittelt, aus der zu ersehen ist, daß an einigen Fakultäten und Universitäten kedn einziger Jude zum Studium zugelassen worden ist. Die Disziplinarkommission des Wa re c h a u e r Technikums hat den jüdischen Studenten, F ei g i h au6 der Anstalt verwiesen, weil ei* einenf'vo^n nationardemokratischen Huligäns Überfallenen jüdischen Freunde beigestanden hat. Von den nationaldemokratischen Studenten, die die blutigen Ueberfälle auf die jüdischen Studierenden inszeniert hatten, wurde kein einziger relegiert. Fünf Studentenhuligans, mit dem grünen Boykottabzedchen geschmückt, überfielen den 30jährigen Mendel Fisch mann und verletzten ihn schwer. Sie konnten unerkannt entkommen. Zum Delegier!enäag der „ Judäa" , . Von Josef Frankel Der XIV. Delegiertentag des Gesamtverbandes jüdischer Hochschüler Oesterreichs „Judäa" steht vor wichtigen Entscheidungen. Am letzten ordentlichen Delegierten tag war es noch möglich, im Zusammenhang mit der Bildung der „Jüdischen Studentennation'4 Phrasen, wie „Jüdisches Ghetto44, „Gelben Fleck44, zu gebrauchen und den zionistischen Studentenführern Schwierigkeiten zu bereiten, Parolen der liberalen und roten Assimilanten, in den Delegiertentag einzuschmuggeln, so daß auch unter den zionistischen Studenten Verwirrung entstand. Das war beim vorigen Delegiertentag. Heute dagegen besteht in der zionistischen Studentenschaft einheitliche Stimmung: Nicht ob die „Jüdische Studentenschaft", sondern wie sie gebildet werden soll. Nach Annahme der neuen Studentenordnung durch den Nationalrat würden die akademischen Behörden die „Judäa" als Gesamtverband jüdischer Hochschüler nioht mehr anerkennen, da die jüdisch-nationalen Hochschüler .an jeder Hochschule (Universität, Technik, Hochschule für Welthandel usw.) ihre „Jüdische Studentenschaft" anmelden würden. In diesem Falle würde man die „Judäa" auflösen und einen Dachverband der „Jüdischen Studentenschaften" bilden. Unter diesem Aspekt findet der Gedanke „Bildet die jüdischen Studentenschaften außerhalb der Judäa" immer neue Anhänger. Der Delegiertentag wird sich natürlich auch mit dieser Idee zu beschäftigen haben. Einen nicht unbedeutenden Faktor bildet die Abhängigkeit der „Judäa" von zahlreichen Institutionen. Die wirtschaftlichen Einrichtungen der „Judäa" werden von der Kultusgemeinde, der Alliance usw., unterstützt, wodurch ein indirekter Druck auf die Leitung der „Judäa" möglich ist. Solche Bindungen müsse« vom kommenden Delegiertentag gelöst werden im Sinne der Uebergabe der WirtschafUfunlttionen au besondere Organe, Trennung der Wirtschaft von der Hoch Schulpolitik. Beide Organe — die der Wirtschaft und der Hochschulpolitik — werden _ _ DfE NEUE WEtT _____ vom Delegiertentag gewählt, sind ihm verantwortlich, führen aber ihre Funktionen unabhängig voneinander durch. Nebst der „Unabhängigkeit der Judas"' sind wichtige Statutenänderungen notwendig. Vor allem gilt es, das plumpe alte Wahlsystem aufzugeben — das allgemeine, geheime, direkte Wahlrecht soll endlich eingeführt werden. Als vor einigen Jfthren an mehreren Delegiertentageu ein Knmpf gegen die „Freie Sektion" (d'e organisierte zionistische Studentenschaft in Verbindungen und Vereinen) wegen des sogenannten „doppelten Wahlrechtes" geführt wurde, hörte man Srhlagworte, wie undemokratiseh, reaktionär. Die „Freie Sektion44 erhalt zwar heute ihre Mandate auf Grund gegenseitiger Vereinbarungen, aber wie steht es um d'e anderen De'eirierten? Die stärkere Betonung der zionistischen Tendenz innerhalb der „Jt"7äa", d'e klare Fordernn?. daß ein Mitglied der „Judäa" in einem anderen Studentenverband sich n*cht organisieren darf; — d*«« iri Aussicht genommene Studenten-Nachtasyl in der Herklotzgasse, das höchstwahrscheinlich nie zustande kommende Studentenheim, die Ausbildung der „Haganah", die Abwehrmaßnahmen gegen die Hoohschulaussohreiturtgen, Mensaangelegrnheiten — mit all diesen dringenden Fragen wird sich der Delegieftentag zu beschäftigen haben. Brief aus Prag Kommunismus und Zionismus — Venrebli^Iie Liebesmühe eines „offiziellen44 Zionisien und Dichters — Metar Würde! Am Dienstag, den 26. Jänner, fand in Prag ein kommunistischer Propagandavortrag des Berliner Schriftstellers und Beamten Moskaus Otto Heller über den „Untergang des Judentums" statt An die tendenziösen und demagogischen Ausführungen des Redners schloß sich eine^ wenn auch kurz bemessene Diskussion an, in deren Verlauf die eigentlich so tragische politische Einstellung unserer sogenannten ^offiziellen" Zionisten unverhüllt und klar zum Ausdrück kam. Der Kern der Ausführungen des Dichters Dr. Max Brod, der in dieser. Diskussion sprach, war ungefähr folgender: Palästina' 'besteht im wesentlichen aus kommunistischen Siedlungen und heute sind dort bereits vierzigtausend jüdische kommunistische^^ Arbeiter. Ueberall herrscht regstes Interesse für! ^Qwjetrußland und der Fremde, der z... B. in diev Kolonie Beth-Alpha kommt, wird sofortniit, Fragein; nach |&r$ ünft Fortschritt der roten Revolution bestürmt. Zwischen uns Zionisten dnä den Kommunisten bestehend eigentlich gar; keine so wesentlichen Differenzen. Alle Zionisten, mit Ausnahme der unverantwortlichen „Jabotins k y - F a s c h i s t e n" (würdige Aeußerung des- „zionistischen" Generalredners nach einem kommunischen Werbevortrag!) fühlen die kommunistische Idee * als eine Teillösung der Juden!rage und die Grenzen zwischen Zionismus und Kominunismus werden von Tag zu Tag verschwommener. Die anwesenden zionistischen Studenten aus allen Lagern, die gegen lügenhafte Entstellungen und das provokative Verhalten der Ordner erregt protestierten, bezeichnet Dr. Brod als Schreier und R a d a u m a c h e r und er, der zionistische „Generalredner", rügt sie vor einem kommunistischen Plenum als solche. Die Aeußerungen demütigen Wohlwollens für den . Bolschewismus und die sonst auch gewundenen Ausführungen Herrn Dr. Max Brods verfehlten den Zweck. Sie würden nicht nur von den zahlreich versammelten zionistischen Studenten aus allen Lagern mit größter Entrüstung angehört, sondern auch vom Vortragenden als zweckloses Werben um die Gunst der Kommunisten entschieden abgelehnt. Offene Gegner oder Verhandlungspartner vom Schlage eines Robert Stricker, sagte Otto Heller, seien ihm lieber als kompromißsuchende Redner ä la Dr. Brod. So ist es also um den „berühmten44 Zionismus von ,- Max Brod und seiner Gesinnungsfreunde bestellt Er erntet keine Lorbeeren. Tempora mutanturl Im Jahre 1929 endete Herr Dr. Brod seine Protestrede gegen England mit den Worten: „Einen siegreichen Feind des Judentums hat die Welt bisher nicht gesehen." Ein Vergleich dieser Worte mit der heutigen Stellung des Herrn Dr. Brod ist interessant und lehrreich. Argus. Internationale Konvention gegen den Antisemitismus? Aus der Mitte des Judentums in Italien, wo Antisemitismus eigentlich nicht herrscht, kommt die Anregung zur Schaffung einer internationalen Konvention gegen Antisemitismus unter den Auspizien des Völkerbundes. Alle der Konvention beitretenden Staaten sollen sich verpflichten, eine strenge Gesetz* gebung gegen antisemitische Ausschreitungen und alle Formen von Judenhaß zu schaffen. Den Gedanken einer solchen Konvention entwickelte als erster der auch im internationalen Rechts* leben bekannte Professor an der Universität Horn Dr. Guido Tedeschi, ein Jude, Verfasser grundlegender Werke Uber Zivilrecht Der Vertreter der _Nr. 230 Jüdischen Telegraphen-Agentur in Rom, Dr. D. Kleinlerer, wandte sich an Prof. Tedeschi mit dem Ersuchen um Erläuterung seines Planes. Prof. Tedeschi führte in seiner Antv/ort ungefähr aus: Die in den verschiedenen Ländern gegenwärtig geltenden Gesetze zur Bestrafung der Aufhetzung eines Teiles der Bevölkerung gegen den anderen haben sich als durchaus ungenügend zur Abwehr der Angriffe auf Ehre, Leben und Eigentum der Juden erwiesen. Neben den objektiven Verhältnissen tragen an diesen Zuständen auch die Sentiments der Richter bei, die, wo es sich bei der angegriffenen Partei um Juden handelt, sich nicht entschließen können, die ganze Strenge des Gesetzes walten zu lassen. Diesen Uebelständen kann nur eine spezifische Gesetzgebung begegnen, die in einer internationalen Konvention der Mächte einen Rückhalt hat. Eine solche spezielle Gesezgebung bildet kein Novum in der Geschichte: In der Vergangenheit haben manche Päpste Spezielle Gesetze gegen Judenverfolgung geschaffen, so z. B. Innozenz IV., der in verschiedenen seiner Bullen den Judenverfolgern mit Exkommunikation und Vermögenskonfiskation gedroht hat; in ähnlichem Tone waren die diesbezüglichen Dekrete der Päpste Gregor X. und Paul III. gehalten. Der polnische König Kasimir IV. hat in seinen „.Privilegien" für die Juden auf Peinigung von Juden sogar die Todesstrafe gesetzt. Welche Meinung man auch über das Sowjetregime in Rußland haben mag, eines muß man anerkennen, daS antisemitischen Erscheinungen aller Art dort außerordentlich Scharf zu Leibe gegangen wird. Ebenso wie dort antisemitische Ausschreitungen als „antirevolutionäre Sabotage" geahndet werden, müßten die übrigen Staaten mit Fug und Recht antisemitische Ausschreitungen als „antistaatliche" Unternehmungen ahnden, denn in der Tat untergraben antisemitische Akte die Festigkeit des Staates nach innen und sein Ansehen nach außen. Vielen Staaten würde es aus innerpolitischen Ursachen schwerfallen, isoliert eine solche Gesetzgebung zu schaffen. Wird aber die Angelegenheit auf einen internationalen Boden gestellt, so wird es den einzelnen Staaten leichter fallen, eine Gesetzgebung gegen antisemitische Ausschreitungen einzuführen. * Die Bemühungen des Herrn Professor Tedeschi sind leider ebenso zwecklos als lobenswert. Die von ihm angeführten Beispiele besonderer Gesetze gegen den Antisemitismus haben sich als wirkungslos erwiesen, Man kann ein neues Beispiel hinzufügen:.- Dje tschechoslowakische Republik. Auch in ihrem Gesetzbuche wird der Antisemitismus als staatsgefährlich verdammt. Trotzdem gibt es dort Ritualmordprozesse, Judenhetze in offiziellen Blättern, straflose Ermordung von Juden usw. Das von Professor Tedeschi treffend charakterisierte „Gefühl" der Richter und Beamten erweist sich eben stärker als das Gesetz. Und es wird sich auch einem international garantierten Gesetze gegenüber als stärker erweisen. Nicht internationale Garantie, sondern nur nationale Zusammenfassung der w e 11 j ü d i s c h e n Kräfte kann das Schicksal der Juden in den einzelnen Ländern verbessern. Die Vereinigten Staaten und des Jüdische Nationalheim Ein Artikel Dr. Seren Andre-vs in den „N«w York Times" Die führende amerikanische Zeitung „New York Times" veröffentlich^ Aeußerungen von Dr. Seren Andrews, der bekannten amerikanischen Autorität für Mandatsfragen, der — anknüpfend an die jüngst erfolgte Bildung des American Palestine Committee und die Pressemeldungen über den Inhalt des Berichtes . des Palästina-Landentwicklungs-Direktors French, der angeblich eine Befürwortung des Verbots der Bodenerwerbung durch Juden enthält — das besondere Interesse der Vereinigten Staaten an der Durchführung des Mandats und der Erfüllung des Versprechens hinsichtlich der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina hervorhebt. Dr. Seren Andrews schreibt: „Indem wir dem Mandat Englands über Palästina unsere spezielle Zustimmung gegeben haben, erhielten wir das Recht, auch über die Art, in der dieses Mandat zur Durchführung gelangt, etwas zu sagen. Diese unsere Autorität haben wir bereits zum Ausdruck gebracht und spezifiziert in der vom Repräsentantenhaus und dem Senat der Vereinigten Staaten im Jahre 1922 angenommenen Palästina-Resolution, in der besonders von der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina die Rede ist. Diese Politik der Vereinigten Staaten erhielt zuletzt einen bestimmteren Umriß durch die Gründung des American Palestine Committee, die offiziell vom Präsidenten Hoover, dem Vizepräsidenten Curtis und dem Richter beim obersten Gerichtshof Stone gutgeheißen wurde. Die Vereinigten Staaten haben sich somit bereits zweimal auf eine Politik festgelegt, die auf eine Begünstigung der zionistischen Ziele hinausläuft. Die Vereinigten Staaten wollen auf der Durchführung dieser Politik bestehen. Im Lichte dieser Situation kommt der am 17. Jänner in Washington stattgefundenen Diskussion über das Jüdische Nationalheim erhöhte Bedeutung zu. Das jetzt aktuelle palästinensische Bodenproblem, schließt Andrews, beansprucht in diesem Zusammenhang erhöhte Aufmerksamkeit,