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Die neue Welt · 1932-02-12 · Heft 230 (12.2.1932) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 230 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 230 DIE NEUE WELT Seite 9 drücklichst gegen die Veröffentlichung der Korrespondenz mit Stimpson. Arlosoroff.) Das heiflt doch, die Ergebenheit gegenüber der antizionistischen englischen Beamtenschaft und die Verkennung zionistischer Pflicht auf die Spitze treiben. Wenn Herr Arlosoroff, der so selbstherrlich „Zensuren" erteilt, nur einen Teil dieses Mutes gegenüber den Feinden des Zionismus aufbrächte, könnte man zufrieden sein. Sein Telegramm zeigt, wie schlecht es um die offizielle zionistische Führung bestellt, und wie gut es ist, daß die Union der Zionisten-Revisionisten ihre Pflicht erfüllt und der jüdischen Oeffentlichkeit gezeigt hat, daß der Z i onismus vor den Abgrund gestellt werden soll! .... aber sie miiüt der Sache keine Bedeutung bei! London, 7. Februar. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit der vom Zentralkomitee der Union der Zionisten- Revisionisten veröffentlichten Erklärung über das Bestehen eines Dokuments, welches Vorschläge zur Einberufung einer arabisch-jüdischen Round T ab 1 e-Konferenz enthalten soll, ermächtigt die Exekutive der Jewish Agency die Jüdische Telegraphen- Agentur mitzuteilen, daß die Exekutive von diesen Gerüchten weiß und im Besitz aller diesbezüglichen Berichte ist, jedoch im Hinblick auf die Quelle, aus der sie stammen, keinen Grund sieht, ihnen irgend eine Bedeutung beizumessen. ,..'.* Bravo! Das gute alte Rezept der Weizmannschen Schule. Schlechten Dingen „keine Bedeutung" zumessen; dafür regelmäßig der Welt verkünden: „The pplitical Situation is satisf a c t o r yf („Die politische Situation ist befriedigend!) — So kam es zu den Pogromen in Palästina, zum Shaw- Bericht zum Passfield-Weißbuch, zum Simpson-Bericht, zur Sperre der jüdischen Einwanderung, zum Verbot jüdischen Landkaufes, zur Wegnahme von Nationalfondsboden usw. usw.! Und jedesmal ging den Katastrophen das offizielle, beruhigende Gerede voraus: Die Lage ist befriedigend! Die „Gerüchte" haben keine Bedeutung... Die Tragödie von Soroca vor der ramärifedien Kammer Sturmszenen während der Interpellation Landaus — Jorga warnt vor Angriffen auf die Armee — Cuza ersucht den Kriegsminister, die Judenmörder auszuzeichnen In der letzten Sitzung der rumänischen Kammer wurden die Interpellationen des sozialistischen Deputierten Mirescu und des jüdischen Deputierten Michael Landau über die Ermordung von fünf jüdischen jungen Leuten und ihrem rumänischen Begleiter an der bessarabisch-russischen Grenze bei Soroca in Behandlung gezogen. Die Reden Mirescus und Landaus wurden durch judenhetzerisohe Zwischenrufe der antisemitischen Deputierten unaufhörlich gestört, es kam 7 .. ----- ------j-- --- - - — - " - . ~T sondern auch mit Lernen zu. Der Knabe machte darin große Fortschritte.. Er lernte fleißig und hatte auch genügend Zeit dazu, denn er pflegte mit anderen Kindern nicht zusammenzukommen. Für Lernen und Gespräche mit dem Lehrer verwendete er die ganze Zeit. Und sowohl beim Lernen als auch beim Sprechen benützte Oscher jede Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß es in der Welt viel. Gutes gebe und viele, viele gute Menschen, die Menschen lieben. Ueberall konnte dieser gute Lehrer Gutes finden und das Kind dahinlenkep. Es sohien ihm, daß das verwundete Herz des Kindes allmählich heile. Er seinerseits wenigstens haite sich nicht getäuscht. Schlojmele verliebte sich in ihn mit dem ganzen , Feuer seines beleidigten kindlichen Gerzens. „Rebbe", fragte er ihn einsi, „haben Sie Kinder?" „Nein'V antwörete er. „Aber ein Waisenkind hab' ich mir ins Haus genommen, zur Erziehung." „Ein Waisenkind? Wie heißt es?" „Mirjam heißt sie.** Er wurde für eine Welle nachdenklich. „Wie ist sie?*4 fragte er dann. Oscher erzähle ihm übertue Lobenswerte? von seinem Waisenmadchen, Der treue Stiefvater verfaß» zeitweilig zu außerordentlich stürmischen Szenen. Mirescu begann seine Rede mit der Feststellung, daß unter dem Vorwand der Bewachung der Dnjestr-Grcnze ganz gemeine Morde verübt woren waren; er wolle dies einwandfrei beweisen. Die Morde wurden von Grenzsoldaten verübt. Bei diesen Worten erhob sich auf den Bänken der Mehrheit ein ungeheurer Lärm, man forderte, daß dem Interpellanten wegen Beleidigung der Armee das Wort entzogen werde. Auf die Aufforderung des Vizepräsidenten Miclescu, die gebrauchten Ausdrücke zurückzuziehen, erklärte Mirescu: „Ich ziehe meine Worte nicht zurück, ich habe die Armee nicht beleidigt. Wenn einige Offiziere und Soldaten Verbrechen begangen haben und dies im Parlament zur Sprache gebracht wird, so bedeutet dies noch keine Beleidigung der Armee. Aber ich werde beweisen, daß nicht nur die Grenzsoldaten gemordet haben, sondern daß auch der Hauptmann der Grenzwache auf die jungen Juden aus einem Jagdgewehr geschossen hat. Es handelt sich hier um ein vorbedachtes Verbrechen, das von den höheren Behörden nicht geahndet wurde. Die Schuldigen wurden nicht bestraft. Es hat sich überhaupt niemand um die Aufhellung dieser Affäre gekümmert." Hier unterbrach Ministerpräsident Jorga den Redner und erklärtet er habe eine Kommission, bestehend aus dem obersten Kommandanten der Grenzsoldaten und einem höheren Richter, mit der Untersuchung des Falles betraut. Die Kommission halbe ihm einen Bericht vorgelegt, an dessen Richtigkeit er nicht zweifle. Mirescu erwiderte, er selbst wäre in Soroca gewesen und habe beobachtet, wie General Marcovici die Untersuchung geführt habe. Der Ministerpräsident müsse dieser Affäre größte Aufmerksamkeit widmen. Mirescu legte dem Präsidium ein Memorandum vor, in welchem die Einleitung einer parlamentarischen Untersuchung gefordert wird. Das Memorandum ist u. a. auch von den jüdischen Deputierten Landau, Dr. Diamant, Dr. Reifer und Dr. Singer unterzeichnet. Hierauf ergriff Abg. Michael Landau das Wort zur Begründung seiner Interpellation; seine Rede ging in dem ohrenbetäubenden Lärm der Antisemiten unter. Ministerpräsident Jorga bemühte sich, Landau Gehör zu verschaffen. Landau kam zu den gleichen Feststellungen wie Mirescu und erklärte, General Marcovici habe die Erhebungen einseitig gepflogen. Der Nationalzaranist Ghelmegeanu forderte, daß in diese Affäre Licht gebracht werde. Ministerpräsident Jorga betonte, die Regierung habe sich gegenüber diesen Vorfällen nicht gleichgültig verhalten. Man solle in der Debatte aber nicht die Armee angreifen, die insbesondere am Dnjestr eine hohe Mission erfülle. Nachdem noch einige antisemitische Deputierte gegen Mirescu und Landau Stellung genommen hatten, erklärte Staatssekretär für Inneres, Ottescu, die Erhebungen hätten das Vorgehen der Grenzwache gerechtfertigt, so daß sich eine weitere Untersuchung erübrige. Die Grenzsoldaten hätten nichts als ihre Pflicht getan. Die jüdischen und sozialdemokratischen Abgeordneten riefen ihm zu: Das ist unwahr! Es entstand heuer Lärm. : Ministerpräsident Jorga rief den Interpellanten zu: Ich müßte der größte Dummkopf mit wem er rede. Sehnsucht 'halte ihn überfallen, in Gedanken versunken sprach er, sprach zu sich selber: „Schön wie ein Schatz! Wie brav sie lernt! In deinem Alter ist sie und klug wie selten eine." „Alber wie ist sie?" unterbrach er den Lehrer ungeduldig. Der Lehrer lachte auf und sagte: „Ach, bis* du ein dummer Bub." Schlojmele wird bös auf den Lehrer, aber das Wort „Bub" entflammte 6ein Herz. Niemals noch war ihm so Angenehmes widerfahren. „Rebbe", fragte er wieder, „haben Sie Mirjam gern?" „Ja.M „Na ... und ...?" Er fand'nicht den Mut, die Frage voll auszusprechen, aber Oschers gute zwei Augen und 6ean offenes Lächeln ermunerten ihn. „Na und mich?" Der Lehrer lachte herzlich, umanmte ihn, drückte ihn an die Brust und strich ihm übers Haar. Schlojmele schloß die Aeuglei». Zwei Tränen entrollten ihnen, das Herz begann stark zu klopfen, der Atem stockte jede Weile. Erst jetzt begriff Oscher, welche Quelle von Liebe in diesem beleidigten Herzchen ruhe. Und der, Bei StHmewen im den Gelenken und Gliedern wirkt Togal rasch und sicher. Zahlreiche Dankschreiben über Togal bei veralteten Leiden, bei denen kein änderet Mittel half. Ein Versuch überzeugt! In all. Apoth. S 2.40. im Lande sein, wenn ich mich von euch um den Finger wickeln lassen würde. Deputierter Landau wünschte das Wort zu einer Replik. Es wurde ihm aber verweigert. In der Nachmittagssitzung der Kammer hielt Professor Cuza eine antisemitische Brandrede und forderte den Kriegsminister auf, die Grenzsoldaten, die bei Soroca verhindert haben, daß fünf jüdische Korn-; munisten und ein Schmuggler nach Sowjetrußland entflohen, für ihr „heroisches Benehmen", das beispielr gebend sei, auszuzeichnen. Ein zweiter Fall Soroca Czernowitz, 4. Februar. (J. T. A.) Vor einigen Tagen versuchten vier Personen den Dnjestr in der Nähe von Tighina nach Rußland zu überschreiten, nachdem sie sich zuvor mit einem Grenzsoldaten über ihren Plan verständigt hatten. Der Grenzsoldat aber verständigte seine Vorgesetzten. Als die vier gegen lt Uhr nachts am Dnjestr erschienen, wurde einer von ihnen, der Jude Abraham Silbermann, erschossen, während die drei anderen, die Nichtjuden waren, gefangengenommen wurden. Der Krieg in China und die Juden Unter der Beschießung der Stadt Schanghai durch die Japaner, die zahlreiche Opfer unter der chinesischen Bevölkerung der Stadt gefordert hat, hat die jüdische Bevölkerung bisher nicht zu leiden gehabt. Jüdische Tote gab es bisher nicht, auch; haben Juden keinen Vermögensschaden erlitten. Zahlreiche jüdische Einwohner von Schanghai sind in das Freiwilligenkorps zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt eingetreten. In Schanghai existiert eine zahlreiche jüdische Bevölkerung, die sich aus verschiedenen Gruppen, den indischen Juden, den sogenannten Bagdad-Juden, den aus England und den westeuropäischen Ländern und den aus Rußland eingewanderten Juden, zusammensetzt. Wie. aus Anlaß der Bedrohung Schanghais im Jahre 1927 wurde auch jetzt eine britische Militärmacht in Schanghai, zum Schutze von Leben und Eigentum englischer Untertanen eingesetzt. Als Generalmajor Sir John Duncan, der Befehlshaber der englischen Verteidigungstruppe im Jahre 1927, im Jänner 1928 nach London zurückgekehrt war, sandte er an die in Schanghai erscheinende jüdische Zeitung „Israels Messenger" eine Botschaff, in der. er der jüdischen Gemeinde in Schanghai den Dank dafür ausspricht, daß sie ihn in der Aufrechterhaltung der Ordnung so wesentlich unterstützt hat, und ihr die besten Wünsche für die Zukunft zum Ausdruck bringt. Auch Charbin, das gegenwärtig im Mittelpunkt, chinesisch-japanischer Kämpfe steht, besitzt eine große, jüdische Gemeinde. ' . Jüdische Slüdenf eiunf eres§en Von den tschechoslowakischen Unversitäien Der Verein jüdischer Hochsohüler aus Polen „Svepomoc" in Prag und Bratislava entsandte eine Deputation, bestehend aus den Studenten Weißmann und Jonisoh, unter Führung des Abg. Dr. A. Coldsteins zum Unlerrichtsminister Derer, dem ein ausführliches Memorandum über die Lage der jüdischen Hochschüler«, schaft an den Hochschulen der Tschechoslowakei über«* reicht wurde. Dr. Goldstedn legte dem Minister die Lage der polnisch-jüdischen Hochschülerschaft, sowie die der übrigen ausländischen Studenten dar, soweit sie jüdischnational seien, denn nur in deren Namen könne er sprechen und die Verantwortung übernehmen. Diese Hoohschtiler seien durch den Numerus clausus in ihren, Wohnländem gezwungen, an der Tschechoslowakei z| dachte er, der ein Recht auf diese Quelle hatte, hat sicK davon losgesagt. Von da ab hörte Schlojmele nicht auf. an Mirjam zu denken. Hätte ihn der Lehrer gefragt, was für Gesicht sie habe, er hätte es ihm aufzeichnen können. Er könnte sie auch, glaubte er, erkennen, sähe er sie in der Stadt. Der Lehrer sagte, es gebe viele gute Menschen auf der Welt. Er kennt nur zwei von ihnen: den Lehrer und Mirjam. Zu Rosch Haschone, als Oscher nachts ausfahren sollte, stahl sich Schlojmele in den Garten hinter dem Haus und kletterte auf den Gipfel eines Apfelbaums, dort blinkte ein hellroter Apfel in die Sonne. Er hütie auf den schon lange ein Auge geworfen, war sicher, daß niemand ihn herunterholen könne. Der Apfel wurde dem Lehrer in sein Bündel gelegt — ein Geschenk für Mirjam. Als Oscher nach Hause kam, fand er die Melamdim und Lehrer untereinander um Lektionen raufen. Er sah ein, daß er hier nichts ausrichten werde, und beschloß,, wieder ins Dorf zu fahren. Schlojmele war es beschieden, noch fünf Jahre lang bei Oscher zu lernen und mit ihm beisammen zusein» <$Fori5eUun$ foi«t^ | URAUFFÜHRUNG DER FELD HERRNHÜGEL von RODA RODA und Carl Rößler ■NMPpppnpiHp im Verleih Deutscher Tonfilme L. Barth & Co., Wien VllnmaMMi

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