Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1932-02-12 · Heft 230 (12.2.1932) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 230 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2711613-2711843-2711851--2971-2716302
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

&ite 9 DIB IVEUB^WELT Nr. 330 <t* W tbi w»rj«9ll**» VorbtaptttgsmiM flf(jfh 'pttftitmnt, fHrtWfptf1*^, 3n<fetfKi*iftrtt; n>.g*u f«l«rt Rrt Wm* an tUMdtym «na blfatfrfÄnt* »»II» '■ W>U fir Hlhbtt. t»rt* »imU*. Ötot In hy,jl*nt*«t Dtttotfun^. 3n **tl dtiM;- .ftlnfpitljanMimijtn im» l?flf»r»«»n »MmUHA. .<ef«f «<|rt«m: Stmomfr d I« 5^)* b^tt (SfttnninlpaAm •') ^tntonstbrotfabüf U3ieu'5Taqran H $äftfiCfM* 9»ftoti|«nb - Sjporr —> der Kontrolle der au wählenden ar«blichen nationalen Regierung erhalten. Die Volkszählung von 19*1 soll in «Pen die jüdische niid arabische Bevölkerungszahl 'betreffenden Fragen als Basis dienen. J e r'ü s a 1 e m ' soll eine " spezielle A n snahmsbehandlnng erfahren und soll trotz seiner überwältigenden jüdischen Bevölkerung, die beinahe ein Drittel der gesamten jüdischen Einwohnerschaft Palästinas darstellt kein jüdischer Bezirk sein. Die jüdischen und arabischen Bezirke sind streng' voneinander abzugrenzen; hierbei ist eine Periode festzusetzen, während ..welcher die, Anäwanderung von Minoritäten von einem Bezirk in eifert andere« erlaubt werden soll. In den arabischen Bezirken soll. \ r a b i s cji d.ie, einzige offizielle Sprache sein, in den jüdischen Bezirken soll Arabisch jedoch die gleichen Rechte haben wie He' b r ä i s eh.- Die Einwanderung aus Ländern außerhalb Palästinas soll unter der K o n t r o LI e d es G esetzgebenden Rates stehen. Abgesehen von diesem .Dokument ist die.Ent? wicklung der letzten Woche ein Glied in der Kette der vorangegangenen Ereignisse und steht auch mit den oben zitierten Vorschlägen: im Zusammenhang. :Schon werden Vorbereitungen für eine in Aman (Transjordanien) abzuhaltende Konferenz getroffen, bei der d i e T Am;f h e b u n g.. des M a n d -a t s gefordert werden soll. Diese Versammlung; könnte eben.s o.w.e n i g .wie die' M oal e m- Konferenz stattfinden, wenn die britischen Beamten, die r die Kontrolle über <■ die ganze ,Gegend ihaben, nicht ein; rAuge zudrücken. ■'. würden. . Wir '• .sind - auch! dessen gewahr, daß der. ä g y p t i seh e Er e m i e t . als Zwischenträger fungiert und daß ,-die Bewegungen des-. EtX -Khediv.es. von . diesen Ereignissen ebenfalls -nicht, unabhängig, sind. Beachtenswert SQbemt uns .femer der-: B e s u ch >. des.iHi-gh (Dommissioner beim ägyp t i s ch en? Pr e mvi e r und dessen ', .demnächst erfolgender irJßejgqnbesuch ,4n Palästina^ . . ... ... . . _____Wir haben Grund, anzunehmen, daß die britische Regierung nunmehr die Initiative zur Einberufung einer „R o.u n d T a b 1 e - K o n f e r e n z" ^it. dem s c h e i n bar e n Z w e c k der.;Lösung, der arabisch-jüdischen Differenzen ergreifen wird. Die von' uns oben detaillierte Verhandlungsbasis wird zwar wahrscheinlich nicht veröffentlicht werden. Es ist jedoch klar, daft die britische Regierung, nachdem sie die jüdische Immigration tfn& eUn-Iia n d"k & u f während der letzten Monate aufhob und in den Besitz des sogenannten „Experten"-Berichtes des Herrn Frenchr kam, hinter dem die durch die 'Moslem-Konferenz zum Ausdruck gelangte moslemische Ansicht st.eht,'auf die zionistische Bewegung einen .ungeheuren Druck auszuüben vermag. Die Juden werden vor die A H e r n a t i v e gestellt werden, der Fortsetzung' des -gegenwärtigen Regimes zuzustimmen, was den Tod des Zionismus bedeutet! würde, oder aber die a r a b i sehen Bedingungen anzunehmen, was die Errichtung eines neuen Ghetto, wo keine j üd i sehe Ein Wanderung und Siedlung mehr erfolgen kann, zur Folge haben würde. Durch dieses Manöver hofft man, dem Odium auf des i.tiefer und der Verantwortung für die» direkte Z e r- 8 f 6 r u n g d' 6 j ü d. i s c h e n N a t io n a J ü i rif's au9 dem Wege zu gehen, fe wird auf die organisierte moslemische Fe i n d s c h,a f t, und die daraus resultierende, jüdische Unsichei'}ie.ifr den S i m p s on - ß e r i c h t,, auf den, Bericht Herrn French, auf die Cj.Vpqsition/.der d i sehen Mohammedaner un4 ä g y p H a'.fe he n. herrschenden Klasse* hingewiesen werden; man wird' beh^upien^ dal, .'tjjtese, Faktoren zu bedeutend seien, als daß '^ip ' ytp}^ bekannten Sympathie 4es Manclatam Ä'das jüclische Nationalheim übersehen werden .^dürften. Es ist unsere Pflicht, diesen wohlerwogenen plan Vb r dtJr ganzen Welt z ü d e m aski eren. Unter deni Deckmantel einer Friedensgeste wird eine Konspiration gegen, ein Volk, das seine materiellen Reichtümer^ und seine Menschen unter den Schutz des Mandats steifte, vorbereitet. Es kann keine Rede; svon einer unter solchen Ümständen einzuberufenden arabisch-jüdischen Könferenz sein; es kann: Auch keine Zustimmung zu Bedingungen geben, die. nicht ausdrücklich die im Mandat festgelegten und von allen zivilisierten Nationen der Welt sanktionierten Rechte anerkennen. - ..... Wir glauben, dal? diese rechtzeitige Warnung die öffentliche: jüdische Meinung zur Erkennung dessen, was geplant ist* führen Wird. Eines ist gewiß: Trotz aller Pläne, die ger schmiedet wurden, und trotz der Zustimmung, die solche Pläne von irgend einer jüdischen politischen Körperschaft, die noch eventuell bereit Wäre, sich hiriters Licht führenzu: lässen; erhalten mögen,, %vird das jüdische Volk der'ganzen Welt gegen dieses g e f a h r 1 i c h e T r e!i b e n, das schon in Bewegunggesetzt wurde,' '-mit a 11 e r G e w a 11 kämpfen; -; *-■ ' - Die oben' geschilderte Entwickhing; kommt für . uns nicht überraschend'. Die' äm '7. Dezember in Jerusalem abgehaltene Moslem-Kön f er e n z beschäftigte sich * trotz ihrer 'äußerlichen ,-,r e 1 i g i ö s e ti" Färbung Hauptsächlich " mit' den Fragen des jüdischen Nationalheims üttd des britischen- Mandats über Palästina. Die Tatsache, daß die britische Regierung imstande war; den Verlauf und die Tagesordnungder-Konferenz so zu; gestalten, daß * die E m p f in d 1 i c'k kie i t e n a nder e r. Mä c«h te ^icht ';verletzt wurden,r wurde allgemein als Zeichen dafür angesfehen, daß die Konferenz im. allgemeinenr.S c h-e m a -d e r b v i t is c h e n h o h e n P o 1 i t i k: im -Nahen Osten eine Rolle.au spielen habe. v> , Die weitere Tatsache, daß die,;britische Regierung der Konferenz gestattete,, sich mit einer antijüdischen und ~ahtizionisiischen* .Kampagne zu befassen, während sie einen einzigen Versluch, eine fremde Macht anzugreifen* sofort■' unterdrückte» wurde folgerichtig als ein Teil des Planesanerkannt,-der die .Organisation der Moslem-Konferenz diktierte. Außer der Mos-lem-Könferettz••sin^'-dle '-Ereig^» nisse der letzten Zeit im Lichte der .nun eingelaufenen Tnform'ationen 'bedeut|ing§voll; i'Die^EJ i n W ä jn* d e r u n g w.u r d e. f a k!t |s c h g;e s pVe':i i t." , Öie Landfrage wurde auf eine überaus gefährliche Weise kompliziert. Der L a n d k a u f ist. für die Juden fast zur Unmöglichkeit geworden.• Iü verschiedenen fällen, wurde, das von^ Juden gekaufte' üricl aii 'sie lähg^|^ übertragene Land Von B e du,i n e n besetzt., die vi5ri'.^e]r'.Regie*ni>g.inittel& efiner aulßerordentlichen Vorschrift instand gesetzt wurden, den Besitz zu ,bfe'hja 1 t:evi. .Gemäft Vorschrift ist der Distriktkommissär mächtigt, unbefugten Reklamanten zu erlauben, das Land bis zur gerichtlichen - Entscheidung in Besitz zu nehmen. t So lautet der Bericht: Es ist klar, daß eine auch nur t e i l weise ' Erfüllung dieser Pläne eij)e Kata8troplie für das Jüdische Nationalheim bedeuten! das J ü d i s ch e N a t i ö n a 1 h e i m z u einem G h e t.t ö i n A s i e h-'vüingestalteh. wurde. Man läßt die-Juden, die in Palästina bereits sind, gnädig im Judenlande weiter, sperrt die .so Begnadigten in ein" G h e 116u h t e r a r a b i s eher Her rschfcft, wie in ''den übelsten Zeiten in Marokko und jetzt "in Südarkbleh. . : Die Situation ist um so bedrohlicher, als die derzeitige politische Führung der zionistischen Organisation weder fähig noch-i'gewillt erscheint, 3ie Gefahr abzuwenden. Sie sucht ihre Zuflucht im Verschweigen, Vertuschen Und Abschwächen. Die Jüdische Telegraphenagentur, welche fn inniger Verbindung mit der Jewish Agency steht, hat :den B e r i c h t über diese arabischen Pläne zur ü c k g e h a 11 e h und begnügt sich mit folgender Meldung: London, 6. Februar. (J,' T.-A.) Der J ü d isehen Tele g r a;p h e n - A g e n t ü^r 'wird aus .»zuverlässiger" ^üelle^ mitgeteilt, daß die von der revisionistischen Exekutive erhaltenen Informationen n i c h t v o 11 s t ä n d i g sind und daß unter den von den arabischen Kreisen in Palästina gemachten Vorschlägen viele wichtige PimVte enthalten sind, die die Zukunft des jüdi'schen N a t i o n a 1 h e i m s sichern. Die J. T.-A. wh-d bäTd in' der Läge sein, den vollen Text der Dokumente; auf denen die re^ visionistische Erklärung zu basieren schaint, der Oeffentlichkeit yzu übermitteln. ' töas .heißt: Die Richtigkeit der M[e|d(ungen der Union der Zionisten-Revisionisten kann nicht geleugnet werden. Also.. schwächt matt sie! durch Phrasen von „z u v er las s i g e n" Quellen ab, ohne auch, nur eine Tatsache anzüf ühreia, ,. ,v * '"' ■>.-. ■'.i'.'.v Wie sehr man vor "der Wahrheit zurückschreckt, wird durch eine1 andere Londoner. M$h düng, die' der „NeuenWelt" zugekoinmenistillu* striert. In der, „Neuen,. ^el|" >ar ,0in Brie|wechsel des RödäKteü^s^; E^'^a^Ws'-in Shanghai erscheinenden „Jewish Messfeng^r.V,.mjt. Sir^.'Simpson, der jetzt in China we^lCMMIMÄ. Es gelang dem 1. .......... zu b*rüc^en, ihn/zum^jSesiändnts zu .zwingen,,;fil#ß seine.Äullassuhg' v^m^üdisohe^' Problem in Palästina „strittig" sei. Für. diese tapfere und wichtige HändlungJ dankte die „Nöüe Welt" Herrn Esra und glaubte damit im Namen aller bewußten; ^än Pälästina^interesslerten./Jude zu sprechen. AlWr die „Neue "Welt" wurde Lii g e ü g e s t r a f C' Wie Herr Esra ^der „Neueir Welt'* -mitteilt, hat er vom poI i ti seh en ^Lei te r Vd el r z i ö n i s t i a.6"n' e% Exeküfive in Jeriisc|em,';AHösoroff, folgendes ^le'gTkmn^'. erhe>«Nu:;' \ V ' „Mister Esra,'Shanghai.'' Strongly depreeäfe nublicatij^SimjRson., Corresnjjindenz,,. Arlpsprojf/4 (Herrn Esra, l^nanghäi. 1^?rwahre mich "ijfccki I D nfelligeitte Bramel s; ■ ■ -Xa I I sucht wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung i I FieundUche Zuschriften an die Administration dieses i 1 Biqtfey., Ii Untere Augartens »aße 38 I dieser i erä äu. Ein verwaistes Leben Von Jen oda Steinberg ' : iPer kleine. Schlojmele erweckte Teilnahme bei diesem, guten Lehrer wegen seiner juhigen und dabei klug forschenden Augen. Er hatte bei einem Kind, noch niemals solche Aeuglein gesehen; Äugen, die die ganze Wejt beschuldigen, aber .andeuten, sie sei nicht wert, 3a0 man mit ihr rechte. Oscher dachte daran, sich in daa kleine Herz des Jungen hineinzustehlen. „Wie nennt man dich, mein Kind?", war die erste Frage. „Awrejmer, antwortete dieser sogleich. . ..^Schlojme", verbesserte der alte Großvater, „Zwei hat er: Awrohom Schlpjme. Aber hipr nennt m«n,ihn nur Schlojime." Der Alte legte die Stirn in Falten, »enkte die Qratien und verließ das Zimmer. . Lelirer und Schüler hlieben allein zurück.- . ' Voller Räteel wurde da« Kind'fUr Oscher vOn-Täg zu Tag. Au« derselben Stadt wie dessen Vater, kannte er d4e Sache mit der Scheidung. Aber das .war keine Erklärung* Kannte er doch viele eolafc Ciuder, dre heim Vatexi'btleiben oder1 ber d«r Mutter öde^ -hetm^roßVatör;" und die dennoch-1 keine so merkliche' VenvaistKedt zelgeri. " 'Er begann nach Mitteln zu suchen'; vüni "sich'einen Weg ih des Kindes Herz zü bahnen! "Bs gelang" ihm bald. Er hatte es sogleich heraus,-1 daß das Kind im Hause jedem freind w.ar und. daß er dieses Fremdsein mit dem Stolz eines Großen zur Schau trage. Jenseits von ihnen allen .steht er oder vielleicht hält er alle von sieh fern. Einmal traf Oscher ihn draußen bei «einein Spiel mit den Neätvögpln. Er. schrie jhn nicht an^aagtB^hur so beiläufig, hin.:^Xönne^^nem^eid.^toa'4^.-Wlri»enl Wieviel du «fie auch nahnst, eine Mutter, kann«ti du ihn«» nicht sein." ... ,f; > ' Schlojmele wurde nachdenklich. . Er war daran gewöhnt, zu befolgen oder nicht zu befolgen, ,,und befolgte er, so tat er das mit einem Selbstbewußtsein, als wüi'fe er jemandem Gefälligkeiten ins Gesicht. Befolgte er nicht;--dann tat er einlach' das Gegenteil. ' 'Ah'pr an solche „Befehle" war er nicht gewohnt. Der Meb.be (Lehrer) hat ihm nichts anbefohlen, nichts angeschafft. Hat n.u.r gesagt; . „Können einem leid tun die Waisen, kannst keine Mutter sein■'■ ■• "V J-\- ^. Es ist ja auch riclvtig. ^Er -weiß4; auch,« da:ß die kleinen verwaisten Vögleih ahter seiner Harid^sterbeii: er will d«ie Vöglein wieder; zurück'ins Nest legen. Es iit keine Sohäno^e' tür ihn, das zu tun; er^ hefölge doch niemandes Öefehl, tue das aus eigenen Stücken. „Rebbe4', fragte er plötzlich, „.haben die da ihre Mutter lie.br : ' ■ ' ' ' ' „Wer?,r . _ „Sie, die Vöglein.'' MUnd wie. lieh!" wUnd die Mutter?'* „Die Mutter hat die Vöglein noch mehr lieb.** „Warum dann, wenn sie groß werden, verläßt säe die Mutter und fliegt allein davon?" „Nicht nur die Mutter von den Vöglein, diese selbst sondern sich oh. Zuerst glauben, sie wahrscheinlich, daß es nichts Besseres gibt als die Mütter. Wenn sie aber größer werden, so sehen sie, daß die anderen Vöglein auch nicht schlecht sindi Es ist mit ihnen lustiger zu fliegen." .;••■« v Aus solchen kurzen Gesprächen hat es Osoher heraus, welche Hölle von Haß im.Herzen des Kindes brennt gegen Vater und Mutter, die es verlassen haben, daß. dieser Haß von ihm auch auf alle anderen Übertraget! werde, auf alle Menschen, die er nicht kennt. Er nahm sich vor, ihn vor dem Menschenhaß zu retten. Qscher brachte die Zeit nicht nur mit Gesprächen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.