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Die neue Welt · 1932-01-29 · Heft 228 (29.1.1932) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 228 (29.1.1932)
Date
1932-01-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE NE UE WELT Nr. 228 llistadrufh Iwril, däs Chajes4teal# gymnasiutn, die xionistisAen lugend» Verbände und Bunde veranstalten gemeinsam am Montag, den i Februar 1932. im fcaa des „Bayrischer Hoi", II, Taborstraße 39, ein Großes Jugendmeeting zu Ehren Ch* N. Bfalfks \\ Reine numerierten Plätze! Kein Einlaß während der Ansprachen! Karten in der Direktion des Chajes- Realgymnasiums und in den einzelnen Jueendvereinfgungen Uebertrittes zum Judentum muß der Mann noch jetzt' im jüdischen Spital des Ortes "überwinden. Er befindet sich aber bereits auf dem Wege der Ausheilung "lind; wird in Hinkunft im jüdischen Matrikelamt unter dem Namen Abraham Hillel geführt werden. Auch seine Frau hat sich dem Judentum angeschlossen. Daß jemand aus religiöser Schwärmerei vom Christentum zum Judentum konvertiert, dürfte dehft doch noch nicht dagewesen sein.' Der Rabbi- Ben Akiba scheint just auf diesem Gebiet züm erstenmal widerlegt zu sein..." Guter Witz! Was? Da laßt sich einer den schönen' Namen Josef Abraham Hillel verschandeln! Unerhört! — Den Herren von der „Arbeiter-Zeitung"' sei nachstehendes Geschichtchen gewidmet. Es handelt auch von Glaubens- und Namenswechsel. Sie können, es sich in ihr Stammbuch schreiben. Es heißt: Chaim und Jesaja Adler, auch Viktor und Fried-, rieh genannt. Die „Neue Welt" erhielt folgende Zuschrift: „Geehrte Redaktion! Herr D. K. gab in einer Notiz in Ihrer Nr. 224 vom 1. Jänner seinem berechtigten .Befremden darüber Ausdruck,. daß im sozialdemokratischen Parteikalender („Unser Kalender") alle Wiener Museen und Sammlungen, ja sogar das .Heeresmuseum des gehaßten Vaugoin angeführt sind, nur e i n Museum nicht,' das J üd i s c h e Museum. Herr, D. K.; meint,, auch weiter, daß der Kalender von keinem' Arier, sondern von Herrn Jul. Braunthal' und andern jüdischen Mit-' ..arbeitern" wie Schillef-Marm^rek ' ü^/ÄReratisge'geb,en1' wird und man deshalb erwartet hätte, daß das Jüdische;Museum.'.nicht, unterschlagen wird. . Hiezu. gestatte ich •mir zu bemerken, daß gerade weil die Herausgeber jüdischer Abstammung sind, das Jüdische Museum aus wohlerwogenen Gründen nicht angeführt wurde. Die Herausgeber dürften wissen, daß bei uns die Beschneidungsvorschrift besteht. (eine Tatsache, die sie an sich selbst wahrnehmen können) und daß der Mohel (Beschneider) über die von ihm jeweils vorgenommenen Zirkumzisionen eine Matrik führt. Eine solche gut erhaltene und nett ausgestattete Matrik des Beschneiders Israel Knöpfelmacher zu Wien befindet sich nun just im Jüdischen Museum in der Malzgasse. Und sub Zahl 2677 lesen wir im hebräischen Text: Am Sonntag, den 29. Tamus 5639 habe ich beschnitten und behandelt das Kind Jesaja, Sohn des Herrn Chaim Adler, Arzt hierselbst. Um über die Identität des kleinen Jesaja und seines Vater Chaim auch nicht Hebräisch lesenden und arischen Museumsbesucherp keinen Zweifel zu lassen, gibt unser genauer Mohel Knöpfelmacher in der korrespondierenden Zeile links die nämlichen Daten auch deutsch an. Dieselben lauten: Sub Zahl 2677 am 9. Juli 1879 Name des Kindes Fr i e d r i,c,h, Sohn des Herrn Dr. y i fc.tor, Adler,•., IX., Liechtensteinstraße IJi. 49. Hochachtungsvoll E. Nb." .. '•■ Clie ' beiden sozialdemokratischen Führer Adler1 haben Chaim und Jesajas. geheißen,. um dann als Viktor und Friedrich in dei Berühmtheit und ins Christentum einzugehen. Allerdings haben sie das nicht aus „religiöser Schwärmerei" getan, sondern aus solider Streb er ei. Daher reißt auch die. „Arbeiter-Zeitung" über d i e s e n Namens- und Glaubenswechsel keine Witze, sondern>schweigt in Ehrfurcht Und schweigend und ehrfürchtig^ läßt sich ,auch die große Mehrzahl der Wiener Juden, auch solche, die sich „Zionisten" nennen, von diesen moralischen Kapazitäten führen. Union der Zionisten-Revisionisten - *■.............. '■ ■ ■ ■ ■• ' Mittwoch, «tan 3. ttferuar 1939,7,9 Uhr , .abend?, 'tu Httril-saal des Verbands« heims, (I., Untere Augartenstraße 38 VORTRAG Gegenstand: Judentum, Marxismus, Zionismus, Sozialismus Referent: Hans Kandi Regiebeitrag 20 g Freie Aussprache! 15 Millionen Fackeln brennen! hat Das sich,- ... Die Rede Jabotinskys auf der Landes- / konf erenz der.;'p o 1 n i s c h e .n . Z i q n i s t e n- SJR e,y i s;iö Qi.srtjSn hat ungeheure'?,. Aufsehen erregt und zu Vorstößen der palästinensischen Regierung gegen die Revisionisten und zu einem Protest der englischen Zionisten, den wir bereits charakterisiert haben, geführt. Um den verschiedenen gewollten und ungewollten Mißdeutungen dieser &ede zu begegnen, gibt die Londoner. Exekutive ' der W e 11 ü n i ö n * der .Zibnisten-Revisiohisten den authentischen -Wortlaut des : politischen Teiles der Rede Jabotinskys bekannt. "Das englische Kolonialamt hat die revisionistische Exekutive um Vorlage der Re£e Jabotinskys ersucht- * Verhältnis zwischen uns und England objektiv genommen, nicht geändert. Die ittt.- i perialen Interessen Englands fordern jetzt imnier : noch die Umwandlung Palästinas in ein Land mit j ü d|i-; scher Mehrheit. Die i n di s c h -e n M o h a tti- ••m e d a n e r,. die in ihj-em; Lande, eine -Minderheit bilden, brauchen die '"' Hilfe Großbritanniens mehr als Großbritannien deren Hilfe ^benött|tr .und. es besteht für -England kein . Grund, 5 den indischen Mohain- ^Wdanern;^au£ :Rj?£Vhtirrtf&^die.^^Z$£qjiismus Ba/ks c h i s c h zu geben. Noch**jetzt gibt es in England eüje ,'ifjedeüte'nde. Ansäht yoii 'Letiten/y die 'so denkep. ,y.,;'; Anderseits hat sich aber. im. Laufe, der letzten Periode vieles geändert. Wir haben den .psychologischen Moment; der noch am 17.,. Kongreß bestand,, verpaßt. Man hat in England, erwartet,, daß. dieser Kongreß eine .gewisse Klärung in der zionistischen Politik herbeiführen wird, daß er entweder endgültig den-Klein- Zionismus bestätigen oder aber den J u d e n- Staats Zionismus in seiner ganzen Breite vor der Kulturwelt aufrollen und somit einen „Aufstand" gegen die bisherigen Arbeitsmethoden der zionistischen Bewegung bedeuten wird. Weder das eine noch das andere ist eingetreten: der Kongreß hat sich nicht damit einverstanden erklärt; den Kleinzionis- Leute, die an erschwertem Stuhlgang leiden und dabei von Mastdarmschleimhauterkrankungen, Fissuren, Hämorrhoidalknoten, Fisteln gequält werden, nehmen zur Darmreinigung früh und abends . je etwa ein viertel Glas natürliches. . „Franz-Josef-Bitterwasser. Von Vladimir Jaboli'nsky mus zu akzeptieren, hat aber auefc zu ke!neni „Aufstand" im Zionismus geführt. Anderseits ist in der letzten Zeit endgültig klar geworden, daß in England selbst ein gewisser wirtschaftlicher und psychologischer Rückgangsprozeß nicht mehr zu leugnen .ist. Der imperiale Impuls des Reiches ist verschiedener Ursachen halber gestorben oder eingeschlummert. England besitzt nicht mehr seine alte Lust, zu bauen und zu führen, und was wir von England verlangen, ist eben diese Lust und die Entschlußkraft, die Fähigkeit zu mutiger, schöpferischer Aktion, Was eine unbedingte Voraussetzung für die Einführung eines Kolonisationsregimes in Palästina zwecks Verwirklichung des Mandats ist. England ist in eine schwer e. ökonomische Epoche eingetreten. Es hat seine Position auf monopolistische Grundlagen aufgebaut. Es war der unbestrittene Lieferant eines Drittels der gesamten Erdkugel. Jetzt ist aber . England scheinbar nicht mehr in der Lage, s e i n b i s h e r i g e s M o n o p o 1 aufrecht zu erhalten. Es steht ihm gewissermaßen die Rückkehr zu pnrhitiveren Formen ' des Wirtschaftslebens bevor; wir iioAi'stenV diel', wir auch Städter in Bauern umwändein müssen;'verstehen 7aile Schwierigkeiten dieses Prozesses. England ist mit eigenen Sorgen überhäuft und es scheint für absehbare Zeit unbegründet zu sein, in den Judenstaatsplänen sowie bei der Schaffung eines großzügigen Kolonisätionsregimes auf England irgend welche ernste Hoffnungen zu setzen. Der Z i o n i s t e ri - Ko n g-r e ß hätte hier Wandel schaffen können und ein' entschiedenes Wort sprechen sollen. Er hat es a'ber nicht getan. England ist nicht in der Lage, jene Aenderungen, die wir von ihm r e d 1 i c h e r w e i s e verlangen, vorzunehmen und unsere Hoffnungen zu verwirklichen; und jene Macht, die für den Zionismus keine Hilfe darstellt, ist für ihn eine Störung. Kommt man zu dieser Ueberzeugung, so sieht man, daß daraus eine Reihe von objektiven Konsequenzen folgt. Ein Teil dieser Konsequenzen ist bereits eingetreten. Unsere Erfahrung mit England als Mandatar hat dazu geführt, Sarah 0§nath Halevy Gesungene Tänze — Getanzte Lieder In diesem Jahrzehnt, das so viele jüdische tänzerische Begabungen vor das Rampenlicht wirft und den Wert der „Ausdruckskunst" predigt, als ob Ausdruck keine Selbstverständlichkeit sondern Tugend wäre, ist c«s ermutigend, einer Künstlerin zu begegnen, die an die Wurzel des Lebens greift — auf palästinensische Erde. Was immer sie an Eigentümlichkeiten besitzen mag, an Eigentümlichkeiten, die . ihr die Gnade des Schicksals mitgegeben hat, an Eigenarten, die vom grellen Schein der Bühne demaskiert werden — Ueberwucherung des -Intellekts und Sparsamkeit mit dem Kleingeld ihrer-Pointen sind nicht darunter. Die Yemenitin Sarah O s n a t h Halevy ist nicht— wie etwa Baruch Agadati — typischen Formen nachgegangen, um aus ihnen den alten hebräischen Tanzrhythmus zu rekonstruieren, das wäre ein gefährlicher, retrospektiver Weg. In ihr sammelte sich alles, was auf palästinensischem Boden an mimischen und gesanglichen Motiv werten wächst und in seineT Alltagslebendigkeit .nachschaffbar ist. So konnte Frau Halevy in ihrer Matinee (Theater in der Josefstadtj die Früchte ihrer Impressionen vom vollen Baum schütteln, ohne in, die Gefahr eine? „Prpgrammes" oder folkloristischer Sammeluibeit zu geraten. . .. , Aber sie entgeht auch,der Gefahr des Kabarettstils, zu dem die Art ihrer Darstellung leicht verführen könnte, der Gefahr, des Chansons, wie man ihm — gemimtes Liedl — so oft begegnet. Frau Halevy singt und tanzt ihre yemenitischen, arabischen, beduinischen, pulüstiuensisehen Lieder in einer höheren p 1 as t i s c h e n Einheit, als dies gemeiniglich auf den Podien geschieht. Ihre Plastik verläßt nicht den landschaftlichen Raum, lockert nicht die dem Stoff eingeborene Stimmung, verdichtet sich nicht zu einem! — Sketsch. Schmerz und Freude und Schönheit der Seele mischt sie zu tönendem Leiben, optisch und akustisch von überfließendem Reichtum. Und das Wesentlichste: im entscheidenden Augenblick weiß sie ihrer Neigung für das ornamentale Detail zu widerstehen. Man möge hier zunächst an die palästinensischen Kinderlieder denken, oder an die von Awigdor Hameiri textierten „B'schar. ha'moledeth" undf das ironische TeJ-Awiw- ,Lied, pantomimisch-gesangliche Leckerbissen,, denen die hebräische Kleinkunstbühne Kura-Kum seinerzeit einen s z e n i s c h e. n Rahmen gab. Treu ihrem künstlerischen Gesetz hat Frau Halevy die Substanz der Lieder unversehrt gelassen. Klavier und Schlagwerk ziehen die Kontur der orientalischen Melodien nach — ein Aufrauschen ererbten, musikalischen Guts, mit deni ganzen Zauber der palästinensischen Luft. Diesem Gesetz, folgt auch der Stil der Kostüme,, die nicht von Künstlern auf den Leib, sondern von Jahrhunderten geformt worden sind. Ein starkes Temperament sublimierj Sarai) Onath Halevys Kunst, eine .ebenso starke nachschöpferische Phantasie diszipliniert sie. Immer packend, immer echt in. der Behandlung der. mimisch-gesanglichen Form, schafft?ie das Eindruckvollste, das der Orient in seiner jrcunantischen Gegenwart geben kann ,— gar nicht zu reden von dem gesungenen, Hebräisch, das, aus ihrem schönen Mund kommend, Urelementares ahnen läßt. ,. Frau Halp/y hat sich das Recht auf höchste Anerkennung errungen, Ihr Erfolg war nicht kleiner als ihre Leistung. Ein neuer Stern auf dem Firmament der jüdischen Kunst ist heraufgezogen. Oskar Rosenfeld. Schmales Gastspiel Ben Zwi-Baratow Nach langen Jahren ist wieder H. Ldiwiks Schauspiel ..Schmates" auf der .Bühne zu sehen, in einer Aufführung, die den naturalistischen Stil des Stückes mildert und verfeinert: durch Paul B a r a t o w, dem nichts besser gelingt als die Formung einer Figur, deren explosive Kräfte verhalten in der Brust liegen. Sein Mordechaj Maso zeigt dieses Element wieder ganz klar, besonders in den Augenblicken, da um ihn herum die Masse bereits rebelliert und alle Spannungen zum Durch'bruch -drängen. Daß Baratow sich nicht starhaft in den Mittelpunkt stellt und die Funktionen der Gegenspieler auf sich konzentriert, bewies die Aufführung in allen Teilen. Eine Ueberrasdiung war Frau Clara M e i s e 1 s, die sich sicher in das Fach der Charakterspielerin hinüberspielt. Eine ausgezeichnete Charge bot wieder Max Zelniker. Unter den anderen Mitwirkenden fielen die Damen Sigal-Weinberg, Schlifkovits und die Herren Preiß, Sigal, Herschkowitz, Lehrer und Weismann auf. Wie immer, folgte auch diesmal das Publikum mit gespanntestem Interesse den Vorgängen des aus der Frühperiode des naturalistischen Stils stammenden Schauspiels, das auch szenisch gut herausgebracht wurde. Es war ein großer Erfolg der „Jüdischen Kunstlerspiele", die sich nun auch Kreise erobert haben, welche bisher der jüdischen Bühne ferngeblieben waren. o. r. Infolge der großen Zugkraft des Künstlers wurde das Gastspiel Dr. Paul Baratows verlängert. Als nächste Premiere gealngt Tollers „Hinkemann" zur Aufführung.

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