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Die neue Welt · 1932-01-29 · Heft 228 (29.1.1932) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
6 (1932)
Issue
Heft 228 (29.1.1932)
Date
1932-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. PreiS 35 GrOSChen I*fci«jaiigd tteitäq, «tat Janner 193t Nr« Stti V.b. b. DIE NEUE WELT R EVU E Tsi Lei Lewa..-..--,------------------- (ährig Schweizer Francs 4.50 4? Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 8.— vierteljährig Dinar 40.-: RtiMinieii monatlich Balgarlen monatlich Lewa 40.—, vierteljährig i d er monatlich Schweixer Francs 1.50, viertel» HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion a. Verwaltung: Wien IX, Universit&SMtr. 6-8, 7et. B-48-504 — Etsteint jeden Freitag 15 Millionen Fackeln brennen Von V. Jabotintky <fei(eS> Ein Resultat österreichischer Judenpolitik Hunderte jüdi'sdie Beamte fliegen aufs Pflaster , - Der Beamtenkörper der vom österreichischen. Staate . gestützten C r e d i t - A n s t a 11, der ehemaligen Rothschild-Bank, soll verkleinert werden. . Das gibt den beiden großen Parteien Oesterreichs, den Christlich-; sozialen; und Sozialdemokraten, Anlaß zu einer Machtprobe.; Beide wollen „ihre'* Leute vor Entlassung schützen. Auf wessen Rechnung dieser Kampf geführt wird, das erhellt der Verlauf einer Versammlung der „antimarxistischen" Bankbeamten. Der Hauptschreier war der. Parteiobmann der Christlichsozialen, Abgeordneter Kunschak. Sonst ein Politiker gemäßigter Tonart, der Verständigung mit den; Sozialdemokraten nicht, abgeneigt. Er sagte:; . ' „Die Leute vom Reichsverfcuid können es nicht .ertragen, daß. die.^.C^e^^A^iyjnjc^^-inehr verwaltet ..•Vv- " r \ •' Richtigste gfong Der Torstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat an sämtliche Mitglieder der Gemeinde eine Kundmachung ergehen lassen, worin er bekanntgibt, daß er „ab 1. Jänner 1932 ein neues Kontrahentenkonsortium bestbewährter Friedhofgärtner zur Durchführung voir Gruft-- uud' Gräberaussdimückungen auf den israelitischen Friedhöfen bestellt", habe. Diese Mitteilung ist geeignet, das .Mißverständnis hervorzurufen, als ob es sidi uin 'ein Monopol der Kultusgemeinde handle, dessen. Verwaltung und Ausbeulung von der Kultusgemeinde nach freiem Ermessen vergehen werden kann. Einer soldien irrtümlichen Auffassung muß nuf das entschiedenste entgegengetreten werden. Richtig ist vielmehr, daß jeder im Besitze eines ordentlidien Gewerbescheines befindliche Gärtner Gräberaussdimückungen auf den israelitischen Friedhöfen zu übernehmen be-- reditigt ist. Was die Kultusgemeinde vergeben kann, ist einzig und allein das Benutzungsrecht eines Raumes in der Friedhofkanzlei. Der Titel eines „Kontrahenten" ist zwar nicht geschützt, er bedeutet aber im vorliegenden Falle, so gut wje nichts, da die. Kultusgemeinde bezüglich der angeführten Arbeiten, deren Vergebung einzig und allein im freien Ermessen der Gräbbesitzer liegt, überhaupt nicht kontrahieren kann. Dem fragwürdigen Titel eines Kontrahenten folgt in der Kundmachung die anonyme'Firma eines „Konsortiums". Warum dieses Konsortium anonym bleibt, wird jedermann Verstehen, wenn er'erfährt, daß dieses Kon-, sortiüni'. durchwegs aus Unternehmern besteht, welche vermöge ihres Bekenntnisses nicht Mitglieder der Kul-V tusgemeinde sind.. Diese Tatsache wird vielleicht manchen, dessen- Angehörige auf einem israelitischen Friedhof bestattet 'sind, befremden; aber man mag sich über diesen Umstand . hinwegsetzen, wenn man das geschäftliche, Interesse; der Kiütusgemeinde im ■ Auge, behält. Worüber . man si& * aber'* nicht" hinwegsetzen wird, ist die Tatsache, daß'der. Vorstand der Kultftsgemeinde seinen Mitgliedern diesen gewiß nicht_ nebensächlichen '.Umstand verschweigt*, im Bewußtsein der Gefahr, daß . jüdisch empfindende! Gräberbesitzer,, daran Anstoß nehmen könnten. Aüs'eben demselben Gründe läßt die Kultusgemeinde die vor-, gedruckten' Bestellscheine an, ihre .'eigenen Kanzleien" adressieren. .." ' . ' . 1 *.'.'' .. Es wird also, ausdrücklich betont,, daß die Vergebung von' GräberaussdimückiMigen ausschließlidi im Belieben der Grabbesitzer/liegt, daß irgendweldie Privi-" legien nicht bestehen'und'^ch'von der Kultusgemeinde nidit verliehen werden können. Es kann somit jeder, der Gräber von Angehörigen auf den israelitischen Friedhöfen zu betreuen hat, mit der Ausschmückung jeden ihm genehmen Friedhofgärtuer, zu welchem er Vertrauen hat, beauftragen. wird wie der Zionsstaat Palästina, daß man sich entschlossen hat, in der Personalpolitik nicht mehr nach der Abstammung, sondern nach der Leistung zu fragen. Ich wünsche allen nichtarischen Angestellten der Credit-Anstalt ein gutes „Fortkommen". (Heiterkeit.) Ich wünsche, daß unseren Leuten, die bisher unter einer Fremdherrschaft geschmachtet haben, wenigstens in Zukunft ihr staatsbürgerliches Recht auf Fortkommen bei der Credit-Anstalt anerkannt werde. Es wird der Direktor Jo h a m. angegriffen. Es ' scheint gegen ihn nichts, anderes vorzubringen zu sein, als daß .er nicht von „unseren' Leuten ist.. Das mag, biologisch betrachtet, ein Mißstand sein, aber man führi; ja. nicht.c^e-.Qeschäfte:^mex,..Äardc'nach bio- ' logisdien ^rundjä&eriV-^'Sc^^. .nach wirtschaftUchen unU 7 moralischen Gruhdsätzerii Direktor Jöham; soll seine PersonalrÄaßnahmetV treffen, Wl>%&V*{-j#t 'titmi^': befindet, und verteidigen, weer es für hotwendig erachtet. Mich wird das nicht, abhalten, als ex-offo-Verteidiger der in Betracht kommenden a ri sc h e n A ngcstellten der Credit-Anstalt aufzutreten. Schließlich ist es die arische Bevölkerung von Oesterreich, die für das Verschulden und für die Verfehlungen nichtarischer E1 e m e nte aufkommen muß (stürmischer Beifall), di*; seit langen Monaten in unerhörter Sorge sich befindet und auch die aufgebürdeten Lasten zu tragen hat; ein solches Volk ist berechtigt, durch seine Vertreter seine eigenen Stammesangehörigen in der Wahrung ihrer Interessen zu stützen und nicht auf dem Altar des hingeopferten Volksvermögens auch noch die armen arischen Bediensteten hinschlachten zu lassen. Dies Ihnen zu sagen, bin ich hiehergekommen." Die österreichischen Juden haben auf eine eigene Vertretung in den Öffentlichen Körperschaften, verzichtet, haben ihre nationalen Vertreter im ' Natiönalrat, in den Gemeinderäten usw. glatt durchfallen' lassen und j sind fast zur Gänze ins sozialdemokratische Lager über-! gegangen. Kaufleute und Intelligenzler, jüdische Damen ■im Pelz, Ostjuden im Kaftan, Rabbiner, jüdische Lehrer .arbeiten als „Genossen" laut und aufdringlich für die sozialdemokratische Liste, auch wenn getaufte Juden darauf paradieren, und verhöhnen und besudeln die : „närrischen Judenkandidaten". Dieses geschlossene, ostentative Eintreten, das Fehlen einer eigenen jüdischen Vertretung, ermöglicht es den Christlichsozialen, ja, es verlockt sie dazu, Marxismus mit .Judentum zu identifizieren.. Siehe Herrn Kunschak, ' der in der „antimarxistischen" Versammlung nicht ein Wort gegen Marxismus sagte -; und sich mit den Juden begnügte. < Also: Jüdische Vertreter," die in dieser politischen' Angelegenheit einzugreifen hätten, sind dank, der politischen Einstellung der Wiener Juden verschwunden. Wer 'hat jetzt für die in ihrer Existenz bedrohten/jüdischen Beamten -4 auch stramme Sozialdemokraten — einzutreten?' Die von ihnen gewählten Sozialdemokraten! Da kömmt-nun die Schwierigkeit;'- So leicht' es. für die; Christlichsozialen ist, den Interessenkampf aufs jüdische Geleise zu schieben, so schwer ist es für die Sozial- ■demokraten, eine „jüdisch" gewordene Sache - zu ver- . treten. Die „Arbeiter-Zeitung", welche sonst jeden christlichsozialen Vorstoß in ellenlangen Artikeln abwehrt, widmet dem brutalen Angriff Kunschaks. eine kleine, verschämte Glosse. Noch dazu unter dem Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeh« liehen Notizen s*nd durch ein beigefügtes E bezeichnet Bei Erkältungskrankheiten/rheumafisdien/ gichtißchen und nervösen Schmerzen sind Togal-Tabletten unübertroffen. Togal scheidet die Harnsäure aus und geht daher direkt zur Wurzel des Uebcls. Fragen Sie Ihren Arzt. — In allen Apotheken. — Preis S 2.40, BEILAGE <8eto«» TOR DEUTSCHLAND Titel: „Die arische Bevölkerung büßt für Rothschild" und bemerkt wörtlich: „Dabei hat der Herr Kunschak sogar etwas Richtiges gesagt: Schließlich ist es ja'die arische Bevölkerung Oesterreichs, die für das Verschulden und die Verfehlungen nichtarischer Elemente aufkommen muß!"; Das ist die Verteidigung, die man getreuen jüdischen „Genossen" in verzweifelter Lage angedeihen läßt! Das Schicksal der jüdischen Beamten ist damit entschieden.! Sie werden aufs Pflaster fliegen. Aber biet' den nächsten "Wahlenwerden die Juden und Jüdinnen wieder bewußte jüdische Kandidaten.''be'sphirh^! höhnen ündV^-B^äusern wird man ' für Täuflinge agitieren. Warum? Weil die österreichische Sozialdemokratie wohl nichts für die jüdischen Massen übrig hat, dafür aber einigen eine Pfründe oder eine Lieferung verschafft. Dieses auf einige Bevorzugte beschränkte Pro> tektionssystem genügt, die Juden gefügig zu machen, politisch zu verdummen und zu korrumpieren, zum Verzicht auf die eigene, saubere Firma zu bewegen. Eine herrliche Judenpolitik! Die armen Beamten von der.' Credit-Anstalt werden die traurige Illustration\ diese» Systems sein. TautjMisdies Gelächter Die „Arbeiter-Zeitung" amüsiert sich! Die Prager Blätter melden: Der Mittelschulprofessor Ing. Josef/S:et,ina aut,; Chemnitz in der Slowakei ist, wie die „Selbstwehr" mitteilt, im, Alter von 39 Jahren zum J u d e n t u m übergetreten. Ein Journalist, der ihn nach der Beschneidung im Krankenhaus besuchte, erfuhr, daß er sich bereits seit langem mit jüdischer Religionsphilosophie befaßt," Hebräisch erlernt und in seiner Stadt ausschließlich in jüdischer Gesellschaft verkehrt habe. Er aß schon vor dem Uebertritt kein Schweinefleisch mehr und besuchte die Synagoge. Bei seinem Studium wurde er1 vott einem seiner jüdischen Schüler unterrichtet Er erhjelt den hebräischen Namen A b r a h a m H i 11 e 1. * Diese Meldung gibt dem sozialdemokratischen Wiener Zentralorgan „A r b e i t e r - Z e it u n g'\ dessen Redaktion^ fast ausschließlich Tauf- und Ab'falljuden besorgen, Stoff zu geräuschvoller Heiterkeit. Man sollte meinen, daß Menschen,. die aus schäbiger Be« rechnung den Glauben gewechselt oder weggeworfen haben, dem Thema „Glaubenswcchsel" besser ängstlich aus dem Wege gehen sollten. Aber diese getaufte Gesellschaft bringt es noch zuwege, sich über einert Menschen lustig zu machen, weil er aus ehrlicher Und anständiger Ueberzeugung . einen Glaubenswechsel vollzieht, der ihm nur^ Nachteile ^bringen kann; Diese getauften Jünglinge wiehern und - spritzen Tinte um. sich; Die „Arbeiter-Zeitung** i schreibt nach 'einer-„witzigen" Einleitung: : . „Daß Juden Ihre Religion verlassen, ist n I c h t s Ungewöhnliches mehr... Das ist aber noch ■ gar nichts im Vergleich'zu dem Fall, um den es sich diesmal handelt'. Da lebt in der deutsch-slowakischen Stadt Chemnitz ein Mittelschullehrer für Mathematik; blond, r e c k e n h a f t,' a r i s c h. Er heiratete eine Frau aus gut christlichem Hause und alles scheint in schönster Ordnung. Doch eines Tages wird bekannt, daß der Mann Israelit geworden istl Die bekannt schmerzhaften Folgen eines solchen

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