Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 6 (1932)
- Issue
- Heft 227 (22.1.1932)
- Date
- 1932-01-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 227 Dti2 NEUfc WELT Seite f Regierung in Deutschland übernehmen und sodann Deutschland von der jüdischen Herrschaft befreien werden. Unter der Ueberschrift „Dieamerikanischen Juden fürchten Hitler" bringt der „VöIfcische Beobachter" eine Korrespondenz aus New York, in der es heißt: „Während sich das amerikanische Volk im großen und ganzen bereits damit abgefunden hat, daß über kurz oder lang der Nationalsozialismus in Deutschland die Macht antritt, und wahrend die amerikanische Presse Hitler bereits als den Führer des kommenden Deutschland anerkannt hat, schreien die Juden noch immer Zeter und Mordio." — Das Hitler-Blatt bezeichnet New York als die „Juden-Metropole", die man im Volksmunde „Jew York" nennt. Hitler betont erneut den Antisemitismus. Die kürzlich in Berlin eingetroffene „New York Times" vom 20. Dezember 1931 veröffentlicht Antworten, die Hitler auf grundsätzliche Fragen über seine Partei gegeben hat. Die Antwort auf die Frage nach der Stellung der N. S. D. A. P. zum Antisemitismus lautete u. a.: „. . . Laßt China den Chinesen, Amerika den Amerikanern und Deutschland den Deutschen. Wir habeu ein sehr kleines Territorium für unser 65-Millionen-Volk . . . Lassen Sie mich hinzufügen, daß ich ernstlich jeden Deutschen verurteilen würde, welcher Stellung nehmen würde zu öffentlichen Angelegenheiten Palästinas oder auf sie Einfluß zu nehmen suchen würde.** Die nationalsozialistische Monatsschrift „Der Weltkampf* behandelt in ihrem Jännerheft 1932 das Thema „Ein Sowjetdeutschland droht". In dem Geleitwort zn dem Heft heißt es: „Hinter dem Schleier des marxistischen Aufmarsches wissen wir das Hauptquartier Alljudas, das in diesen Tagen allermeister deutscher Lebensnot seine Zeit gekommen glaubt. Mag es die Mehrheit des deutschen Volkes wach und vorbereitet treffen, damit die Hoffnung seines Endsieges sich in die Erkenntnis verkehre, seine Vernichterrolle im deutschen Volke für immer ausgespielt zu haben." Bertlaer Nachrichten; Vortrag Dr. Rablnowlcz: Sonntag, den 24. Jänner, veranstaltet der Brlth Trumpeldor. Berlin, eine öffentliche Versammlung im crolien Saale des Gemeindehauses, Rosenstraße 2—4. bei welcher Dr. 0. Rabinowicz Ober das Thema: ..Der Brith Trampeldor am MarschI" sprechen wird. Beginn 6 Uhr nachmittags. Eintritt frell Gaste willkommen! Versammlung der Revisionisten: Donnerstag, den 21. Jänner, sprach Herr R. Lichtheim im Rahmen einer Ortsgroppenversammlung der revisionistischen Union Berlin Ober das Thema: »Die Einstellung des Revisionismus zu den letzten politischen Ereignisse n'\ Wir werden den Inhalt dieser hochinteressanten Ausführungen in der nächsten Nummer der ..Neuen Welt" veröffentlichen. Stammtisch. .Der Stammtisch der Revisionisten Berlins hat sich in der kurzen Zeit seines Bestehens sehr gut eingeführt und erfreut sich von Woche zu Woche größeren Zuspruchs. Am Stammtisch treffen sich die Revisionisten Berlins und die von auswärts in Berlin eintreffenden Gesinnungsgenossen nach wie vor an Jedem Dienstag Im Cafd Telschow (1. Etage). Hardenbergstraße, direkt am Bahnhof Zoo. Predigten in den Gemeindesynagogen: Arn 2 2. Jänner: 18 Uhr: Lfltzowstraße. Dr. Lewkowitz; 16.45 Uhr: Levetzowstrale. Dr. Prinz; 18 Uhr: Fasanenstraße. Dr, Bergmann; 1945 Uhr: Prinzregentenstraße. Dr. Wiener: 16.45 Uhr: Markuraf- Albrecht-Str.. Dr. Salomonski. — Samstag. 2 3. Jänner: 7.30 Uhr; Oranienburgerstraße. Dr. Blumental: 9 Uhr: Alte Synagoge, Dr. Freier; 9 Uhr: Kaiserstrale. Rabb Nobel: 6.45 Uhr: Rykestiale. Dr. Weyl; 9 Uhr: Pestalozzistraße. Dr E. Lew; 6.45 Uhr: Kottbuser Ufer. Dr. Bleichrode: 9 Uhr: Mlinchcnerstraße. Dr. A. Lew; 9 Uhr: Grunewald. Dr. E. Cohn. Geänderte Adresse. Das Büro des Revisionistischen Landesverbandes und der Ortsgruppe Berlin befindet sich letzt: Berlin-Charlottenburg 2. Joachimsthalerstraße 3/H. Frankfurt a. Main- Vortrag Dr. Rablnowlcz: Am 10. d. sprach bei uns Herr Dr. Rablnowlcz Ober das Thema: ..Revisionismus, die Entscheidung der Juden" als Gast der revisionistischen Ortsgruppe. Der Abend wurde durch eine Ansprache des Herrn Dr. Arn sb e r e eröffnet. Dr. Rablnowlcz erörterte in seinem eineinhalbstilndiuen Referat die Ursachen der verschiedenen Krisen, in denen sich der Zionismus befindet, und gelangte zum Schlüsse, daß die Krise der zionistischen Idee die gefahrvollste ist. weil sie die Zerstörung des Zionismus selbst bedeute. Nach einer geschichtlich-psychologischen Einleitung ging der Referent zu den Tagesfragen Uber, um den Standpunkt der Revisionisten zu denselben klarzulegen. Hervorzuheben wäre die einsehende Analyse der weiteren Beziehungen zu England, die in einer Kampfansage gipfelten, welche revisionistlscherseits bisnun vermieden wurde. Um diesen Kampf zielbewußt führen zu können, sei vor allem ein starkes Rückgrat erforderlich, und deshalb glaubt Referent, den Versuch des letzten Experiments zur Eroberung des Kongresses im Jahre 1933 als die entscheidende innerzionistischc Angelegenheit bezeichnen zu können. In leichtverständlicher Weise verstand es Herr Dr Rabinowicz. dem zahlreichen Publikum eine überaus komplizierte Materie klarzumachen, welches ihm für die sachlichen, auf hohem Nfveau stehenden, überdies noch faszinierend vorgetragenen Ausführungen mit stürmischem Applaus dankte. Der einzige Debatteredner des Abends. Herr D r. K ö n i g der sich hauptsächlich mit dem angeblichen Austritt der Revisionisten aus der Z. 0. und der Araberfrage befaßte, gab Herrn Dr. Rabinowicz Gelegenheit zu einem zündenden Schlußwort. Ein. genuß- und lehrreicher Abend, un den wir immer gerne zurückdenken werden. Nach Schluß der Versammlung wurden im engerem Kreise einzelne Fragen erörtert, die hauptsächlich die kommende revisionistische Arbeit betrafen Auch Neuanmeldungen von Mitgliedern erfolgten Kiel: Im Kreise des Kieler Misrachi sprach am 14. ds. Herr Dr. M u c b. Vorsitzender der revisionistischen Ortsgruppe, über das Thema: ..Intensivierung ded ziouist Arbeit und die Notwendigkeit zionist. Kleinarbel t". Der Vortragende hat vor allem die Üeberlegenheit dieser Methode gegenüber der Bürokratislerung und Werbeamt. wie sie von offizieller zionistischer Seite heute betrieben wird, nachzuweisen versucht Der Vortrag erweckte lebhaftes Interesse, so daß der Misrachi beschlossen hat, ähnliche Abende fortlaufend zu veranstalten, zu denen auch Mitglieder anderer zionistischer Kreise geladen werden. Vom Revisionistischen Landesverband Der Landesvorstand der Zionisten-Revlsionlsten in Deutschland hielt am 19. Jänner eine Beratung ab, die den laufenden Fragen gewidmet war. Eingehend wurde das Problem der Ueberwanderungskooperativen erörtert und beschlossen, an die Schaffung derselben In allen deutschen Städten heranzutreten, wo Juden in größerer Zahl leben Es wurde ferner beschlossen, die Kooperativen nicht als revisionistische Angelegenheit, sondern als a 1l« Jüdische Notwendigkeit zu betrachtin. wobei allerdings die Initiative von der revisionistischen Organisation ausgeht per^. »I1 Dr. £, S. Soskln {Q%m) LaiDliliDli 1 Paliia" Eine fachwissenschaftliche Analyse über den letzten Schlaf; der englischen Regierung gegen d. Zionismus H«roiisg«9«bttn von der Union d. ZloniaUn» Revisionisten, Wi«n II, Unter o Aiigortenttr« 38 WiEtawMiiitr Wi Preis 50 Mini Landesvorstand besprach in diesem Zusammenhange die endgültige Konstituierung der T e 1-C h a JF o n d s-0 rganisation. deren Statuten bereits zur Genehmigung überreicht wurden. Besondere Behandlung fanden die Internen Flnantfragen, die durch die Uebersiedlung. bzw. Vergrößerung des BOros erhöhte Anforderungen an die Mitglieder stellen. Schliellich wurde die Arbeit in Berlin mit den anwesenden Mitgliedern des Berliner Ortsvorstandes besprochen und die Durchführung einer Reorganisation beschlossen. Für die Provinz wurde ein genaues Pn« pagandaprogramm festgelegt, welches sofort aar Durchführung gelangen soll. _ Brith Trumpeldor (Vom Shilton Buero, Paris.) Nominierung. Ernst Fischer, der Mef&ked Oelili für Transsylvanien, ist auf eigenes Ersuchen hin von seinem Amte beurlaubt worden. Die Leitung des GaliLs haben die Chaverim Elemer Diamant und Kaiman Feuerstein. Information. Der Danziger Snif hat zn Weihnachten eine Ausfahrt in die Umgegend gemacht. Drei Tage wurden Geländespielen, Boxtrainings und der Kulturarbeit gewidmet. Ein Boxkampf, ausgetragen zwischen Betar und sozialdemokratischen und nationalsozialistischen Mannschaften, wurde vom Betar Uberlegen gewonnen. — Auf einem Nachtmarsch wurde Betar von einem Trupp Nationalsozialisten Uberfallen. Auf beiden Seiten gab es einen Schwerverwundeten. Die Nazis ergriffen die Flucht. Ketzin Hanetzivut Biaun hat eine schwere Kopfwunde (Totenschläger) davongetragen. Sein Zustand hat sich nun wesentlich gebessert. — Ende Jänner findet die Landeskonferenz des Freistaates Dan zig statt. — Die Landeskonferenz des Betar in der C. S. R. hat unter anderm beschlossen, die Landesorganisation in Galilim einzuteilen. Weiters den „Choser le C. S. R." in eine Pekuda zu verwandeln, die nur Anleitungen und Instruktionen erhalten soll. — Die Netzivut in Erez Jisrael hat durch Befehl den Ken in Tel-Awiw liquidiert. Ein kleiner Teil von Chaverim wurde zurückgelassen, die unter Leitung von den Ketzinim die Ortsgruppe von neuem aufbauen und das untaugliche Element entfernen werden. — Die Arbeit des Jerusalemer Ken ist in jeder Hinsicht befriedigend. Presse. Zur Verzeichnung des fünfjährigen Bestandes des Weltbetar hat der palästinensische Betar eine Zeitschrift unter dem Namen „Chomesh Betar" herausgegeben. Aus dem Inhalt: Leitartikel „Das Volk des Morgenrots'*, Jabotinsky über Betar, Ein Betari über den Betar in Palästina, Artikel und Gefliehte von Jabotinsky, Weinstein Frenkel, Prof. Klausner usw. — Die erste Nummer der „Iggeret", gewidmet den Fragen der Betaralija und Arbeitorganisierung in Palästina, ist erschienen. Aus dem Inhalt: Schatz über „Unsere Aufgaben", Awi-Neama über „Die nationale jüdische Arbeitsorganisation", Hapshan über „Die Organisierung der Alija", Aufrufe, Beschlüsse u&w. Hamischmar. Die Neziwut des deutschen Brit Trumpeldor hat soeben Nr. 3 der Zeitschrift „Hamischmar" herausgegeben. Zum erstenmal erscheint der „Hamischmar" gedruckt. Der erste Teil der Zeitschrift wird als allgemeine '.Bundeszeitschrift behandelt, während der „H e a t i d", als Beilage zum „Hamischmar", eine1 separate Abteilung der Darga Alef (erste ErziehungsstÜfe des Brit Trumpeldor) bildet. Dieses Jänner lieft muß als wirklich gelungen bezeichnet werden. Es ist das Gute am „Hamischmar", daß hier der Betar zum Leser spricht. Daß der Vater des Brit Trumpeldor, Jabotinskyj mit einem geradezu bahnbrechenden Aufsatz vertreten ist, scheint schon selbstverständlich. Der durch den Brit Trumpeldor für die Jugend wieder aktuell gewordene H e r z 1 nimmt Stellung zur Judenfrage und man muß staunen, wie zeitgemäß diese Gedanken sind, die doch vor drei Jahrzehnten schon der Oeffentlichkeit übergeben wurden. Eine ausgezeichnete Bereicherung der jüdischen Jugend! „Hamischmar" sollte jedem Juden, der an der Zukunft verzweifelt, in die Hand gedrückt werden! „Hamischmar" bringt Kraft und Mut! „Hamischmar" erscheint monatlich, kostet per Nummer bloß 10 Reichspfenuig und ist zu beziehen durch die Schriftleitung: Georg Zwi Berest, Berlin-Wilmersdorf, Zähringerstraße 34. —r. AUS PALÄSTINA. Die geplante Bodenpacht der Palästina-Regierung Jerusalem, 15. Jänner. (J. T. A.) Die Palästina- Regierung bestätigt in einem Kommunique die J. T. A.¬ Nachricht, daß sie an den Keren Kajemeth mit dem Vorschlag herangetreten sei, ihr einen Teil des Vadi- Havarith-Bodens, der nicht bebaut wird, pachtweise zu überlassen, da sie auf demselben vorübergehend landlose Arbeiter ansiedeln will. In dem Kommunique" wird aber erklärt, daß es sich nicht um ein Gebiet von 5000 Dunam, sondern um ein kleineres Areal handelt. Wie verlautet, handelt es sich um ein Areal von 3000 Dunam. Die Nachricht ist eine Bestätigung der Meldung, daß die Palästina-Regierung nicht gewillt ist, den vom Jüdischen Nationalfonds erworbenen und von Beduinen widerrechtlich besetzten Boden freizumachen. Lehrerstreik in Palästina. Jerusalem, 15. Jfinner. (J. T. A.) Die Lehrerschaft an den hebräischen Schulen der Jewish Agency in Palästina trat am Donnerstag, den 14. Jänner, in den Streik zwecks Durchsetzung der folgenden Forderungen, die sie an die Exekutive der Jewish Agency stellt: 1. Abschluß von Verträgen mit den Lehrern für das laufende Jahr bei gleichzeitiger Uebernahme der Garantie für Zahlung der, Gehälter in elf Monaten dieses Jahres; 2. Ausstellung von Solawechseln an die Lehrer über den Betrag eines Vier-, mouategehaltes, den die Jewish Agency den Lehrern aus dem vergangenen Jahr noch schuldet. Das Präsidium des Waad Leumi und der palästinensischen Arbeiterorganisation (Histadruth) habeii ihre Mittlerrolle angeboten. Die Exekutive der Jewish Agency bat den Streikenden zugestanden, mit ihuen die Kontrakte für das laufende Jahr tu schließen und die | Zahlung eines «Ifmonatigen Gehaltes in diesem Jahre zu garantieren, wünscht aber, daß die Frage der alte« Schuld auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Das Zentralkomitee des Lehrerverbandes berät gegenwärtig über das Angebot der Agency-Exekutive. Die Bombenanschläge in Palästina. Jerusalem, 15. Jänner. (J. T. A.) Nachdem im Verlauf der letzten Wochen an drei verschiedenen Stellen des Landes je eine Bombe explodierte, ohne Schaden anzurichten, wurde am 14. Jänner im griechischkatholischen Viertel von Haifa in der Nähe des Karmel- Babnhofes eine Bombe geschleudert, die explodiert«, aber ebenfalls keinerlei Schaden anrichtete. Die Polizei von Tel-Awiw bleibt jüdisch Jerusalem, 16. Jänner. (J. T. A.) Wie die J. T. A. schon mitgeteilt hat, beschwerte sich der Bürgermeister von Tel-Awiw Dizengoff beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope über eine Verfügung der Leitung der palästinensischen Polizei, der gemäß die jetzt nur ans Juden bestehende Polizei der jüdischen Stadt Tel-Awiw in die Landespolizei in einer Weise eingegliedert werde, daß sie ihren jüdischen Charakter verliert und auch Nichtjuden Polizeigewalt in Tel-Awiw ausüben. Wie die Jüdische Telegraphenagentur nun erfährt, ist es zwischen dem Stadtrat von Tel-Awiw und dem Chef der Palästina-Polizei, Spicer, zu einer Abmachung gekommen, der gemäß die Polizei von Tel-Awiw auch in Zukunft ihren jüdischen Charakter behält. Theater/ Kunft und iiiilllilllillliilllililllllllllii Literatur Ein „Judensfudc" in der Josefstadt Paprika nnd Scholet Es geht nicht darum, der im Reinhardtschen Josefstädter-Theater aufgeführten Komödie „Die Braut von Torozko" von Otto Indig die Ehre einer Würdigung zuteil werden zu lassen. Dies Ritual hat bereits die lange Reihe der Wiener „Judenblätter" besorgt, denen Autor und Stück so recht aus Herz, Bauch und Gesinnung gesprochen haben. Und man muß nicht gerade besonders feinhörig und feinnervig sein, um den Sinn der „Ware" zu verstehen und den Reflex, den sie hervorgerufen hat. Ein Judenstück! Der Autor belehrt uns zunächst, daß es ein ungarisches Gebiet gibt, worin nicht mehr die Magyaren, sondern die Rumänen herrschen — die Nase zum Paprikaduft hingewendet, den Budapest so sehr liebt und der darum ein paar hundert ausverkaufte Häuser verbürgt. Aber die Dinge sind nicht so einfach zwischen Himmel und Erde. Solch ein Stück braucht auch eine Portion Humanität, die man am bequemsten bestellt, wenn man den Paprika auf Scholet streut. Humanität bedeutet in der Mentalität des Herrn Indig soviel wie — nach dem Rezept der Mendelsohnschen Aufklärung und im Jargon eines Nachfahren von Nathan dem Weisen — die These, daß auch die Juden Menschen sind, daß es auch unter ihnen gute Menschen, brave Menschen, opferfähige Menschen gibt, und daß man die Schande, Jude zu sein, durch gute Werke und weniger gute Witze wettmachen kann. Und das, was sich zur guten Wiener jüdischen und halbjudisehen Smokinggesellschaft zählt, unterhält sich mit einem heiteren und einem nassen Auge ob dieser Philosophie und fühlt sich wie zu Hause una wiehert vor Lachen über all die „Lozelach", die der fleißige Autor aus den Zeiten des Budapeiter Orpheums in die Aera Reinhardt hinübergerettet hat. Die Klage über die Verwilderung des deutschen Schrifttums, über die Korrumpierung der deutschen Biihnenkunst durch „Juda" klang nie so laut wie jetzt. Wo aber ist Juda geblieben? Als das große hebräische Theater „Habima" in deutschen Städten gastierte, gab es dort Demonstrationen, Beschimpfungen, Störungen unter dem Titel „Verjudung des deutschen autochthonen Theatergeistes". Hebräische Kultur wurde als gefahrdrohend angesehen. Aber das Gemausche! unter der Leitung vor oder nach der Taufe stehender Geschäftemacher (Direktor Reinhardt, Regisseur Preminger, Autor Indig) wird mit jenem Schmunzeln aufgenommen, das so recht ein Zeichen des sich selbst im Spiegel Erkennens ist. „Die Braut von Torozko" ein JudenstUck? Nicht weniger als die schleimige Assimilantenpresse — eine „Judenpresse" ist. ' < .* : .' v'4 •*• Sonntag, 24. Jänner 1932, um V*12 Uhr vorm. tritt zum ersten Male in Wien im Josefstädter Theater die berühmte jemenitische Künstlerin, die Interpretin hebräischer, jemenitischer, arabischer, beduinischer, spanioli8cher und andet er orientalische! Liedei u. Tänze Sarah Osnath Halevy im Rahmen einer M'thiee mit reichhaltigem Programm auf. ✓ Sarah Osnath Halevy singt und tanzt in verschiedenen orientalischen Or gin tlkostümen. Am Flugej: Kapellmeister Hudetz. Karten voo S 1.— bl» S 5.— sind zu haben : An der Tbeaterkawe. beim Zionistische' Land skomi ee, Wien I, HämmerstMße 28, und in der Buchhandlung M. Rath. Wien II. i^bofsiraßf «o»